Würzburg (POW) Bei einem feierlichen Gottesdienst in der Würzburger Seminarkirche Sankt Michael ist am Donnerstag, 8. Oktober, Jürgen Engel, Leitender Schulamtsdirektor im Kirchendienst, in den Ruhestand verabschiedet worden. Als erster Laie an der Spitze der Abteilung Schule und Hochschule des Bistums Würzburg habe er die Bildungslandschaft der Diözese in den vergangenen Jahren maßgeblich geprägt, betonte Generalvikar Dr. Jürgen Vorndran.
In seiner Predigt stellte er die neutestamentliche Erzählung vom Zöllner Zachäus in den Mittelpunkt und übertrug das Bild des Maulbeerfeigenbaums auf die heutige Zeit. Diesen Baum könne man je nach Sichtweise als Symbol für Neugier, Distanz, Egoismus oder in der Gegenwart auch für digitale Rückzugsorte deuten. Engel habe sich in seiner Dienstzeit jedoch nie auf den „Baum der Distanz oder der bloßen bürokratischen Verwaltung“ zurückgezogen, sondern stets das Gespräch und die Begegnung auf Augenhöhe mit Lehrkräften, Schulleitungen, Behörden, Eltern sowie Schülerinnen und Schülern gesucht.
Besonders hob der Generalvikar Engels Einsatz für eine offene und synodale Kirche sowie seinen von Verständnis geprägten Leitungsstil hervor. Letzterer sei von der biblischen Weisheit geprägt gewesen. An den Schulen, Horten und der Katholischen Hochschulgemeinde (KHG) im Bistum habe Engel dafür gesorgt, dass nicht nur Wissen vermittelt werde, sondern Orte des Glaubens, des Lebens und der Menschlichkeit entstehen. Der Generalvikar dankte Engel auch im Namen von Bischof Dr. Franz Jung und allen Weggefährten für die geleisteten Dienste. Auf den Weg in den neuen Lebensabschnitt gab Generalvikar Vorndran Engel mit einem Schmunzeln den Rat mit: „Nix wie runter vom Baum – hinein in die Freude der Gemeinschaft!“
Als Verkörperung des katholischen „sowohl als auch“ bezeichnete Ordinariatsrätin Dr. Christine Schrappe, Leiterin der Hauptabteilung Bildung und Kultur, Engel. Der Bankkaufmann, Diplom-Theologe und Pastoralreferent sei versiert in „Seelsorge und Betriebswirtschaft, Liturgie und Leitung sowie Personalfürsorge und -management“. Es bräuchte nach ihren Worten viele Menschen in der Kirche, die einen derartigen Spagat nicht auflösen, sondern gestalten. „Das ist die große Kunst, gerade in Zeiten schwindender Ressourcen.“ Was zähle, sei personale, soziale und fachliche Kompetenz, gerade aktuell, da gesellschaftliche Fragen in Schulen wie in einem Brennglas auftauchten. Engel sei ihr als Stellvertreter ein großer Halt gewesen, erklärte Schrappe. „Mit Dir konnte ich gewagte Pläne ansprechen, die Zukunft vorwegnehmen oder auch mal schimpfen, wenn alles zu viel wurde.“
Für die Mitarbeitervertretung (MAV) würdigte Vorsitzende Dorothea Weitz Engels Verantwortungsbewusstsein, Fachwissen, Engagement, Ausdauer und Geduld. „Es zeichnet Dich aus, dass Du die Dinge nie schwarz-weiß siehst, sondern vielfältig und differenziert betrachtest.“ Engels Humor, Authentizität und gelebte Wertschätzung hoben in ihren Ansprachen Maria Walter, Bereichsleiterin Schulen bei der Regierung von Unterfranken, Dr. Peter Nothaft, Leiter des Katholischen Schulwerks in Bayern, sowie Sabine Bullemer-George, Schulreferentin des evangelisch-lutherischen Dekanatsbezirks Lohr am Main, hervor.
Engel blickte in seiner Abschiedsrede mit Dankbarkeit auf seinen beruflichen Weg zurück. Dieser habe ihn – anders als ursprünglich geplant – nicht in die Bankenwelt, sondern im Rahmen einer „,Mission Canonica‘ in den unendlichen Weiten des Bistums“ in die kirchliche Bildungsarbeit geführt.
Ein besonderes Anliegen war Engel der Dank an seine Weggefährten, Führungskräfte sowie seinen langjährigen Stellvertreter und Amtsnachfolger Thomas Riebel, mit dem er in stets konstruktivem Austausch zusammengearbeitet habe. Domdekan em. Prälat Günter Putz, seinem Vorgänger im Amt des Schulreferenten, dankte er für die wohlwollende Unterstützung bei wichtigen Stationen in seinem Berufsleben seit 1995. Weiter richtete Engel das Wort an die Religionslehrkräfte im Kirchendienst, die er als Idealisten würdigte, welche der Kirche von Würzburg in Schule und Gesellschaft Gesicht und Stimme geben. Ein persönliches Highlight bilde für ihn der Blick auf künftige Generationen: Eine seiner ehemaligen Grundschülerinnen ließ sich als Erwachsene taufen und wird Anfang nächsten Jahres selbst als Religionslehrerin kirchlich beauftragt.
Engel betonte, wie entscheidend ganzheitliche Bildung und persönliche Begleitung für junge Menschen in einer von Krisen geprägten Welt seien. „Was nützt ihnen ein Rucksack voller Taschenlampen, wenn ihnen in dunklen Zeiten die Akkus ausgehen? Nein, sie müssen selber leuchten lernen – dafür ist Bildung da!“, unterstrich er. Mit einem Augenzwinkern verabschiedete er sich im Vertrauen auf die göttliche Begleitung mit den Worten: „Nur aufgrund guter Führung werde ich heute in den Vorruhestand entlassen.“
mh (POW)
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