Würzburg (POW) Die Kiliani-Wallfahrtswoche 2026 hat begonnen: Bischof Dr. Franz Jung eröffnete sie feierlich am Sonntag, 5. Juli, mit der Reliquienprozession mit den Häuptern der Frankenapostel von der Pfarrkirche Sankt Burkard über die Alte Mainbrücke in den Kiliansdom. Dort feierte der Bischof einen Pontifikalgottesdienst mit rund 1100 Gläubigen. In seiner Predigt ermahnte der Bischof die Gläubigen nachdrücklich zu gesellschaftlichem Engagement und zum Übernehmen persönlicher Verantwortung. Die Wallfahrtswoche steht in diesem Jahr unter dem Motto „Hab Mut, steh auf!“.
Verbunden über die gleiche iro-schottische Mönchs- und Glaubenstradition, in der Kilian, Kolonat und Totnan standen, nahmen Delegationen aus der Würzburger Partnerstadt Dundee in Schottland und dem County Cavan (Irland), in dem Kilians Geburtsort Mullagh liegt. An der Spitze der schottischen Delegation stand George Laidlaw, Vorsitzender der Dundee Würzburg Twinning Association, die irische wurde von Niall Smith, stellvertretender Vorsitzender des Cavan County Council, angeführt.
Die Prozession mit den Häuptern der Frankenapostel begann mit einer Statio in der Pfarrkirche Sankt Burkard auf der anderen Mainseite. Dort begrüßte Bischof Jung besonders die ausländischen Gäste. Den Zug zum Dom begleitete eine große Zahl von Gläubigen, unter anderem Weihbischof Dompropst Paul Reder, Weihbischof em. Ulrich Boom, Vertreter des Domkapitels und des Allgemeinen Geistlichen Rats, Mitglieder des Diözesanrats der Katholiken, Würzburgs Oberbürgermeister Martin Heilig, Landrat Thomas Ebert (Würzburg), Ordensleute, außerdem Familiaren des Deutschen Ordens, Ritter vom Heiligen Grab sowie Fahnenabordnungen von Verbänden, Vereinen, Studentenverbindungen und Innungen. Den Reliquienschrein trugen abwechselnd Priesterseminaristen, Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr Würzburg, der Malteser sowie des Diözesanrats.
Zum Kiliani-Leitwort „Hab Mut, steh auf!“ erklärte der Bischof in seiner Predigt, dass die Kirche und das Gemeinwesen von Menschen lebten, die selbst aktiv werden, statt die Verantwortung auf andere oder staatliche und kirchliche Institutionen abzuwälzen. Getauft zu sein bedeute, einen persönlichen Auftrag zu haben. Orientierung böten hierbei die drei Bistumspatrone Kilian, Kolonat und Totnan, die als Frankenapostel mutig ihre Heimat verließen, um den Glauben in die Welt zu tragen.
Bischof Jung betonte, dass der christliche Glaube „zutiefst politisch“ sei und nicht an der Kirchentür ende. Er rief dazu auf, sich mutig in gesellschaftliche Debatten einzumischen – sei es durch den Einsatz für Hilfsbedürftige am Rande der Gesellschaft, den Schutz des ungeborenen Lebens, die Ablehnung des assistierten Suizids oder das Engagement gegen die gesellschaftliche Polarisierung. „Deshalb stellen wir Plattformen bereit, um das Gespräch untereinander nicht abreißen zu lassen und der Polarisierung entgegenzuwirken – wie in der Demokratiekirche beim Katholikentag oder in der Akademiearbeit“, betonte Bischof Jung. Trotz eines zunehmend raueren gesellschaftlichen Klimas, das von Verunglimpfungen bis hin zu offener Gewalt reiche, dürften Christinnen und Christen sich nicht einschüchtern lassen. Das Vorbild der Frankenapostel ermutige dazu, dem Gegenwind ohne Furcht standzuhalten, Missständen zu widersprechen und auf die Kraft des Evangeliums zu vertrauen.
Viele Gläubige ließen sich nach dem Gottesdienst einzeln unter Auflegung von Reliquien der Frankenapostel segnen. Für die musikalische Gestaltung des Gottesdiensts im Dom sorgten Domorganist Professor Stefan Schmidt sowie der Domchor, die Domsingknaben und zwei Bläserensembles unter der Leitung von Domkapellmeister Alexander Rüth und Domkantor Julian Beutmiller, unter anderem mit der „Kiliani-Intrada“ von Julian Beutmiller, der „Missa octo vocum“ von Hans Leo Hassler sowie Werken von Michael Praetorius, Peter Planyavsky und Eugène Gigout. Die Prozession gestalteten das Symphonische Blasorchester Kürnach und der Kammerchor der Würzburger Kantorei musikalisch. Eine Begegnung auf dem Platz vor dem Burkardushaus schloss sich an den Gottesdienst an. Der Kiliansplatz, wo sich sonst die Menschen austauschen und erfrischen, steht in diesem Jahr wegen Bauarbeiten am Kilianshaus nicht zur Verfügung.
mh (POW)
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