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Glucke oder Rabe: Was ist eine Mutter?

Ausstellung „Mythos Mutter. Mutterwerden zwischen Ideal und Realität“ im Museum am Dom – Arbeiten der Würzburger Künstlerin Paloma Wolff im Themenbereich „Mutter“ und im Labor zu sehen – Vernissage am 7. März

Würzburg (POW) Voluminös, weich, ein bisschen urtümlich: Das „Muttertier“ dominiert derzeit die Abteilung „Mutter“ im Museum am Dom (MAD) in Würzburg. Die sitzende Figur aus hellem Plüsch ist so hoch wie ein Erwachsener. Die langen Haare sind zu einem Zopf zusammengebunden. Zwischen den Beinen ist eine höhlenartige Öffnung zu sehen. Innen ist die Figur mit weichem, rotem Stoff ausgekleidet. Darauf sitzen und reinkrabbeln ist ausdrücklich erlaubt. Das „Muttertier“ ist Teil der Ausstellung „Mythos Mutter. Mutterwerden zwischen Ideal und Realität“. Die bildende Künstlerin Paloma Wolff aus Würzburg hinterfragt darin idealisierte Mutterrollen und befasst sich mit vielfältigen, ehrlichen Mutterbildern jenseits von Perfektion und gesellschaftlichen Erwartungen. Vernissage ist am Samstag, 7. März, um 15 Uhr.

Das „Muttertier“ ist eine von mehreren Arbeiten, die Wolff eigens für die Ausstellung geschaffen hat. Es sei für Kinder gedacht, die mit ihren Eltern das Museum besuchen. „Ich fand es wichtig, etwas zu haben, womit Kinder interagieren dürfen. Hier können sie sich in den Bauch der Mutter zurückziehen“, sagt die Künstlerin, die selbst Mutter von Zwillingen ist. Da es die letzte Sonderausstellung im MAD ist, bevor das Museum Mitte Mai aufgrund des Umbaus des Kilianshauses für zwei Jahre schließt, bekam sie bei der Gestaltung freie Hand. Sie habe die Gelegenheit genutzt, „um großformatig arbeiten zu können“, sagt Wolff. So entstand unter anderem das Bild „Höhle“, auf dem große und kleine Menschen in einem Bett kuscheln. Warme Rot- und Gelbtöne vermitteln ein Gefühl der Geborgenheit. Ganz anders eine Serie aus vier Fotografien: Spritzen und Narben in Großaufnahme. Oder die gerahmte Pump- und Stilltabelle mit der Aufschrift „Meine Mama pumpt für mich…“.

In der Collage „Kalte Decke“ hat Wolff die Zeit im Krankenhaus nach der Geburt ihrer Kinder verarbeitet. Das Werk besteht aus 24 bemalten Acrylglas-Platten und erinnert an eine Patchworkdecke. Die Platten zeigen zum Beispiel Mutter und Kind in inniger Zweisamkeit, einen Schnuller, ein Stofftier, aber auch die Ziffern einer Waage oder die Kurve eines Herzschlags. Damals sei der Fokus von ihr auf die Kinder gerutscht, erzählt Wolff. Sie erinnert sich an ein Gefühl von „Kälte und Überforderung“. Zahlen und technische Dinge seien „total wichtig“ gewesen – das Gewicht der Kinder, die vielen Monitore, das Abpumpen von Muttermilch. Für die Bilder hat sie Fotografien als Vorlage verwendet.

Sie finde es „total spannend“, neue Techniken zu benutzen, sagt Wolff. Neben die Strahlenkranzmadonna in der Dauerausstellung hat sie einen getufteten Wandteppich mit dem Titel „Facing Madonna: Die Mutter, die ging“ gestellt. Eine menschengroße Figur läuft aus der Wand heraus. Dünne Fäden verbinden sie mit einem Kind, das am Boden sitzt. In beiden Teppichen dominiert die Farbe Rot. Es ist schwierig zu sagen, ob das Kind lacht oder schreit. Madonnen würden das Bild „einer idealen Übermutter“ zeichnen, sagt Wolff. „Maria mit Kind ist ein Idealbild, aber es ist ein einseitiges Bild. Sie steht immer in Bezug mit dem Jesuskind. Ich fand es spannend, Mutter und Kind zu entzerren.“ Es gehe ihr auch um die Sichtbarkeit von Tabuthemen rund um die Mutterschaft. So zeigt beispielsweise der Film „Caring Circles“ den monotonen Alltag einer Mutter mit den immergleichen Handgriffen: „Jeder Tag ist gleich.“ Sie selbst habe zunächst auch ein geschöntes Bild davon gehabt, was es heißt, Mutter zu sein, sagt Wolff: „Es ist krass, was Mütter alles leisten müssen und was von ihnen erwartet wird.“

Wolff hat Kommunikationsdesign an der Fakultät Gestaltung der Technischen Hochschule (THWS) Würzburg-Schweinfurt studiert. Auch ihre Bachelor-Arbeit „Matreszenz“, die beim ADC Talent Award 2025 mit Gold prämiert wurde, wird im Labor des MAD zu sehen sein. In der Arbeit stellt sie unter anderem die Frage: Wie konstruieren Mutterbilder in Kunst und Medien die Rolle einer Mutter und wie prägt dieser Bilderfundus den Blick auf Mutterschaft? Im Vorwort schreibt Wolff: „Meine eigenen Erfahrungen in der Matreszenz stelle ich der verklärten Mutterfigur gegenüber. Eine Begegnung mit mir selbst, meinem Umfeld und dem gesellschaftlichen Bildgedächtnis. Der Blick einer Mutter auf Mutterschaft.“ Das passt auch auf diese Ausstellung.

Begleitprogramm zur Ausstellung „Mythos Mutter“

Die Vernissage zur Ausstellung „Mythos Mutter. Mutterwerden zwischen Ideal und Realität“ ist am Samstag, 7. März, um 15 Uhr. Die Künstlerin Paloma Wolff wird anwesend sein. Wer die Künstlerin live erleben möchte, hat dazu auch Gelegenheit bei der Führung für Seniorinnen und Senioren am Mittwoch, 18. März, um 15 Uhr sowie bei der „KunstKantine“ am Dienstag, 14. April, um 12.30 Uhr.

„Ein Dialog zwischen Mama (2025) und Maria (1325)“ lautet das Thema der „KunstKantine“ am Dienstag, 10. März, mit Christine Busch. Die Veranstaltung „Der inszenierte Körper“ mit Christine Busch am Samstag, 28. März, um 15 Uhr erkundet ausgehend von Paloma Wolffs Intervention zum Thema Mutter Inszenierungen von Frauen und Männern. Eine Führung für Seniorinnen und Senioren zum Thema „Von Müttern und Monstern. Zwischen zärtlicher Fürsorge und tiefsitzenden Ängsten“ mit Julia Dutenhöfner findet am Mittwoch, 15. April, um 15 Uhr statt. Am Muttertag am Sonntag, 5. Mai, heißt es „Große Pause für alle Mütter!“: Ab 15 Uhr sind alle Väter mit ihren Kindern zu Mitmachangeboten und Kurzführungen eingeladen. Der Eintritt ist frei.

Die Ausstellung „Mythos Mutter. Mutterwerden zwischen Ideal und Realität“ ist bis Sonntag, 17. Mai, dienstags bis sonntags von 12 bis 17 Uhr im Museum am Dom, Kiliansplatz 1 in Würzburg, zu sehen. Weitere Informationen unter www.museum-am-dom.de.

sti (POW)

(1126/0244; E-Mail voraus)

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