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Reportage

Gott im Leben erschmecken

Whiskyexerzitien für Männer: 30 Männer spüren bei Spirituosen und Gespräch dem Besonderen im Leben nach – Ein Abend voll Gemeinschaft, Tiefgang und Austausch

Hammelburg (POW) 30 Männer im Alter zwischen Mitte 20 und fast 80 Jahren sitzen im Pfarrzentrum von Hammelburg an Tischen zusammen. Sie tauschen sich darüber aus, wo ihre ganz eigenen Wurzeln sind und wo sie sich durch Anregungen von außerhalb haben bereichern lassen. Und spüren nach, wo Gott sie zu besonderen Höhen geführt hat. So weit, so normal für Exerzitien. Schon immer geht es bei dieser Art von geistlichen Übungen darum, das Glaubensleben anzuschauen, sich neue Impulse zu holen und sich geistlich stärken zu lassen.

An diesem Abend gibt es die Impulse nicht nur in Form von Worten und Bildern. Der Hammelburger Pfarrer Thomas Eschenbacher und Whiskyfachmann Nico Grundhöfer aus Niedernberg (Landkreis Miltenberg), im Alltag Neurologe in einer Psychiatrischen Klinik, kredenzen innerhalb von drei Stunden insgesamt fünf verschiedene Whiskys als Einladung zum ganzheitlichen Wahrnehmen. Frauen sind nicht eingeladen. Das Getränk sei mehrheitlich ohnehin eher bei Männern beliebt. „Und die Frauen in der Pfarreiengemeinschaft, mit denen ich gesprochen habe, sagen, für sie gibt es schon viele Angebote, für Männer speziell aber bislang nur wenig“, sagt Eschenbacher.

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Die Runde im Pfarrheim ist bunt gemischt: Ein Teil der Teilnehmer ist in der Kirche engagiert und auf diese speziellen Exerzitien neugierig. Ein paar andere interessieren sich mehr für die Vielfalt des Whiskys und Hintergrundinformationen über das Getränk. Andere wiederum bekamen die Teilnahme geschenkt, oft von den Ehefrauen, und sind gespannt, was da auf sie zukommt. „Die Nachfrage war so groß, dass die 30 Plätze schnell voll waren und bereits 17 Männer auf der Warteliste standen“, erzählt Eschenbacher den vielen anwesenden Journalisten vor Beginn. Unter anderem eigens aus Brüssel sind zwei Journalistinnen und zwei Kameramänner eines ukrainischen Fernsehsenders angereist, um über das ungewöhnliche kirchliche Angebot zu berichten. „In der Ukraine ist die Kirche sehr konservativ und auf die Liturgie beschränkt“, erklärt eine der Fernsehreporterinnen.

Dann aber beginnen die „weltweit ersten Whiskyexerzitien“, wie Eschenbacher schmunzelnd betont. Grundhöfer erläutert fachmännisch, wie vermutlich im Zuge der Herstellung von Pflanzenauszügen zu medizinischen Zwecken iro-schottische Mönche den ersten Whisky schufen. Im Schnelldurchgang erklärt er, wie aus gekeimter Gerste die Würze zum Vergären hergestellt wird, diese dann gebrannt und in Fässern gelagert wird. Mindestens drei Jahre müssen es sein, damit ein Getreidebrand auch Whisky heißen darf.

„In der Bibel spricht Jesus davon, dass er das lebendige Wasser ist, das ewiges Leben schenkt“, erklärt Eschenbacher zum Auftakt des Abends. „Auch wenn Whisky dem Ursprung seines Namens nach ‚Wasser des Lebens‘ ist: Er ist nicht das lebendige Wasser. Aber wenn ich ihn mit Verstand genieße, kann er mich etwas erahnen lassen von der Größe Gottes, wenn ich schon aus einem kleinen Glas mit wenig Inhalt so viel an Geschmack und Eindrücken auslesen kann.“ Als erste 2-cl-Portion bekommen die Männer einen Hammelburger Malt Whisky eingeschenkt. Der stammt von Jürgen Schelbert, der zusammen mit einem weiteren Helfer im Hintergrund dafür sorgt, dass alle mit Getränken und kleinen Speisen zwischendurch versorgt sind.

„Wir nehmen einen regionalen Whisky als Ausgangspunkt. Exerzitien heißt, sich mit sich selbst zu beschäftigen und zu entdecken, was mich ausmacht. Was an mir soll so bleiben und wo darf ich mich in der Zeit der Exerzitien von außen bereichern lassen?“ Eschenbacher schlägt die Parallele zwischen der Begegnung Jesu mit der Samariterin, die zum Gespräch über das lebendige Wasser führt, und der inzwischen auch außerhalb der britischen Inseln verbreiteten Herstellung von Whisky. „Wie offen bin ich für fremde Lebenserfahrungen? Erwarte ich von Gott, dass er alles beim Alten lässt, oder glaube ich, dass er mir nicht mehr zumutet, als ich schaffen kann?“

Auf der Zunge gibt es im weiteren Verlauf ebenfalls viel zu erspüren und entdecken. Grundhöfer macht auf den Einfluss der Fässer aufmerksam, in denen der Whisky lagert, und von denen er neben der braunen Farbe oft auch Geschmacksnuancen des Holzes – bei Eichenfässern oft eine Vanillenote – und der vorher darin aufbewahrten Getränke annimmt. Zum Beispiel die Süße von Rum. Es herrscht beredte Stille im inzwischen abgedunkelten Raum, nachdem ein Whisky zum schweigenden Verkosten serviert worden ist. „Von Jesus lesen wir in den Evangelien immer wieder, dass er sich zurückzieht, damit er offen wird für Gott. Möge Gott dir von der Quelle, die nie austrocknet, zu trinken geben“, spricht Eschenbacher bei Whisky Nummer drei als kurzen Segen. Nach einer langen Stille betont Grundhöfer, ein guter Whisky sei keine Angeberei, sondern ein Hinweis, nicht immer nur das Schwere, sondern auch das Schöne im Leben zu entdecken. Der 16 Jahre alte Whisky aus Aberlour, der kurz danach ins Glas kommt, spiegele in seiner Komplexität auch die Schönheit der schottischen Landschaft wider, aus der er kommt. Auf der Leinwand zeigen Fotos einen klaren Fluss, sanfte Hügel und die dortige historische Brennerei.

Zum Abschluss wird es pfingstlich: Die beiden Exerzitienleiter laden die Gruppe an die Feuerschale im Garten vor dem Pfarrzentrum ein. Der offiziell letzte Whisky des Abends schmeckt deutlich nach dem Feuer, über dem sein Malz getrocknet wurde. „Dieser Whisky konfrontiert uns mit der rauen Alltagswelt, weil da auch nicht alles rund und harmonisch ist. Deshalb ist es wichtig, nicht nur in der Geborgenheit unseres Lebens zu bleiben, sondern man muss auch mal raus und in der Dunkelheit das Licht suchen“, betont Eschenbacher. So hätten auch die Jünger an Pfingsten die Geborgenheit des Abendmahlssaals verlassen. „Was hilft mir, in den Herausforderungen meines Lebens Spuren der sorgenden Liebe Gottes zu entdecken?“ Während noch einige Männer versuchen, Grundhöfers Verkostungshinweise auf Geschmacksanklänge von „verbranntem Christstollen“ in ihrem Getränk zu entdecken, entlässt der Pfarrer die Runde mit einem „Whiskysegen“: „Möge Gott dich segnen mit seiner Liebe, die stärker ist als der rauchigste Whisky, und möge Gott dein Vertrauen aufrichten in der Hoffnung, dass er dein leeres Glas immer neu füllen will.“

„Super Sache!“, „Sehr gut gelungene Mischung aus Whisky und Glauben“, „Das war aber zugleich ein großartiges Gemeinschaftserlebnis“, lauten die Kommentare der Teilnehmer am Feuer nach dem offiziellen Ende. Der eine oder andere sichert sich noch einen kleinen Schluck der fünf verkosteten Whiskys oder nutzt die Gelegenheit, mit einigen der Teilnehmer an den anderen Tischen ein paar Worte zu wechseln. Und übrigens: Merklich angeheitert ist am Ende keiner, auch wenn vorsorglich alle dafür gesorgt haben, dass sie nicht selbst nach Hause fahren müssen.

Am 8. Februar gibt es aufgrund der großen Nachfrage ein weiteres Mal diese Form der Exerzitien für Männer in Hammelburg.

Markus Hauck (POW)

(0319/0070; E-Mail voraus)

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