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„Gott nimmt dich an, so wie du bist“

Bischof Dr. Franz Jung feiert mit Gefangenen der Justizvollzugsanstalt Aschaffenburg ökumenische Christvesper – Weihnachtstage schwierig für Inhaftierte

Aschaffenburg (POW) Mit mehr als 60 Strafgefangenen sowie Mitarbeitern hat Bischof Dr. Franz Jung am Mittwoch, 19. Dezember, in der Justizvollzugsanstalt (JVA) in Aschaffenburg eine vorweihnachtliche ökumenische Christvesper gefeiert. Unter den Gästen war auch der ehemalige Justizminister Dr. Winfried Bausback, der ehrenamtlicher Vorsitzender des Anstaltsbeirats ist. Jung zelebrierte die Vesper gemeinsam mit dem evangelischen Pfarrer Markus Geißendörfer, Pater Alberto Onofri von der Franziskanischen Gemeinschaft von Betanien und Diakon Peter Negrau. Sie bilden das ökumenische Team, das die Menschen in der Aschaffenburger Haftanstalt seelsorgerisch begleitet.

In seiner Ansprache stellte Bischof Jung einen Text in den Mittelpunkt, den Dietrich Bonhoeffer in seiner Gefängniszelle geschrieben hatte. Der evangelische Pfarrer war im April 1943 von den Nationalsozialisten verhaftet und zwei Jahre später als einer der letzten NS-Gegner hingerichtet worden. Der Text geht der Frage nach: „Wer bin ich?“ Der Gefangene, so heißt es bei Bonhoeffer, fühle sich wie ein Vogel im Käfig, ringe nach Lebensatem, hungere nach Farbe, nach Blumen, dürste nach guten Worten und menschlicher Nähe. Die Frage „Wer bin ich eigentlich?“ könne jeden Menschen ein ganzes Leben lang beschäftigen, sagte der Bischof. „Wer aber im Gefängnis sitzt hat Zeit für grundsätzliche Fragen.“ Diese führten zum Nachdenken darüber, was das eigene Leben ausmache und ob man nur das sei, was andere über einen sagen. „An Weihnachten wird dir gesagt: Gott nimmt dich an, so wie du bist“, sagte Bischof Jung. „Der Mensch ist immer mehr als die Schuld, die er auf sich geladen hat. Gott tadelt die Sünde, aber er liebt den Sünder, weil der immer mehr ist als das, was in deinem Leben nicht gut gelaufen ist.“

Nicht nur im Gefängnis, überall im Leben gäbe es viele Zwänge und Gitter, fuhr Bischof Jung fort. Doch der Trost, dass Gott immer auf das Ganze sehe, könne eine innere Freiheit geben, ermunterte der Bischof seine Zuhörer. An Weihnachten zeige Gott uns einen Weg: „Geh nicht auf in den äußeren Zwängen, sondern mach etwas aus deinem Leben.“ Bonhoeffer gebe in seinem Text auf die Frage nach dem „Wer bin ich?“ am Ende eine einfache Antwort: „Dein bin ich!“ Das mache letztlich die Würde als Mensch aus, betonte der Bischof.

Musikalisch wurde der Gottesdienst von den Schwestern aus der Franziskanischen Gemeinschaft von Betanien mit klassischen Weihnachtsliedern begleitet. Nach dem Segen wünschte der Bischof an der Ausgangstüre der Gefängniskapelle noch jedem Gottesdienstbesucher ein gesegnetes Weihnachtsfest. „Es ist ein guter Brauch, dass der Bischof an besondere Orte geht, wo Menschen in Notlagen sind“, sagte Bischof Jung nach der Feier über die von Bischof Dr. Friedhelm Hofmann eingeführte Tradition. Dass so viele zu der Vesper gekommen sind, zeige ihm, dass bei den Gefangenen eine Sehnsucht da sei, Weihnachten mitfeiern zu dürfen, wenn auch unter erschwerten Bedingungen. „Diese Sehnsucht findet im Gottesdienst einen Ort“, sagte Bischof Jung.

Burkard Vogt (POW)

(0119/0013; E-Mail voraus)

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