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„Gott steigt hinab in den Dreck unseres Lebens“

Weihbischof Ulrich Boom feiert am Tag vor Heiligabend in der Justizvollzugsanstalt Würzburg eine ökumenische Christvesper

Würzburg (POW) Die Botschaft der Engel an die Hirten auf den Feldern Betlehems hat Weihbischof Ulrich Boom über 2000 Jahre später den Gefangenen der Justizvollzugsanstalt (JVA) Würzburg zugerufen: „Gott macht Euer Dunkel hell. Das ist die Botschaft der Weihnacht, Gott macht unsere Nächte hell; unsere Nächte von Angst und Not, von Schuld, Versagen und Scheitern.“ Mit den inhaftierten Frauen und Männern sowie den Angestellten feierte Weihbischof Boom am Nachmittag vor Heiligabend hinter den sechs Meter hohen Mauern der JVA eine ökumenische Christvesper und wünschte den Gefangenen ein „frohes und gesegnetes Weihnachtsfest und Gottes Segen für alle Wege des neuen Jahres“.

„Dunkelheit ist nicht auszuhalten, wenigstens auf Dauer nicht“, rief der Weihbischof den Gefangenen zu. Die Menschen sehnten sich nach Licht in der Dunkelheit, nach ewigem Licht, nach ewigem Leben. Im Stall von Betlehem steige der ewig liebende Gott in das Dunkel der Menschen. „Es ist der Stall, der Dreck, in den Gott hinabsteigt – auch in das Dunkel und in den Dreck meines Lebens.“ Gott nehme das menschliche Leben mit seinen Dramen und Katastrophen ernst. Er spiele nicht mit der Erde und den Menschen. „Nicht so, wie wir es oft tun. Wie manche Mächtige der Erde, für die die Erde Spielball ihrer Machtinteressen ist und wird“, betonte Weihbischof Boom. Wenn es ganz dunkel sei im Leben, möchte Gott den Menschen in Jesus sein ewig liebendes Gesicht zeigen und ihnen sagen: „Fürchtet euch nicht!“ An Weihnachten wolle Gott die unheile Welt durch seine Nähe zum Heil führen.

Zu Beginn der Feier brachte Marcel Meder von der Deutschen Pfadfinderschaft Sankt Georg (DPSG) in Lengfeld den Gefangenen das Friedenslicht aus Betlehem als Zeichen der Hoffnung. „Das Friedenslicht ist ein Licht der Hoffnung auf ein besseres und friedlicheres Leben. Unser Leben kann sich immer wieder zum Guten wenden“, sagte der katholische Gefängnisseelsorger Pfarrer Dr. Matthias Leineweber. „Das Licht der Hoffnung darf in unseren Herzen nicht ausgehen“, unterstrich Weihbischof Boom bei der Begrüßung des Friedenslichts. Der evangelische Gefängnisseelsorger Pfarrer Johannes Gortner las die Lesung aus dem alttestamentlichen Buch des Propheten Jesaja: „Das Volk, das im Dunkel lebt, sieht ein großes Licht.“ Der katholische Seelsorger Josef Gerspitzer und Johanna Falk trugen das Weihnachtsevangelium vor. Gefangene sprachen die Fürbitten.

Musikalisch engagierten sich rund 50 Frauen und Männer für den weihnachtlichen Gottesdienst: der Chor vom Blauen Kreuz, der Frauen- und der Männerchor der JVA Würzburg und der CVJM-Posaunenchor Würzburg. In Anspielung auf ein Kuschelweihnachtslied sang der Frauenchors der JVA: „I‘m not dreaming of a white christmas“. Gäste der Feier waren unter anderen JVA-Chef Leitender Regierungsdirektor Robert Hutter und Landtagsabgeordneter Oliver Jörg. Zu Beginn der Feier erklang „O du fröhliche“, dazwischen „Nun freut euch ihr Christen“ und am Ende des Gottesdienstes „Stille Nacht“. Danach wünschten Seelsorger und JVA-Leiter den Gefangenen gesegnete Weihnachten. „Getrennt von der Familie, ist Weihnachten eine sehr schwierige Zeit im Gefängnis“, betonte Hutter. Die Gefangenen sollten diese für sie traurige Zeit nutzen, um ihren Verwandten und Freunden Briefe zu schreiben. „An Weihnachten ist es sehr ruhig in der JVA“, sagte Hutter, ehe die Gefangenen in ihre Zellen zurückgingen. Dort wartet eine Weihnacht hinter Gittern – aber mit der Botschaft von Betlehem: „Fürchtet euch nicht!“

bs (POW)

(0112/0005; E-Mail voraus)

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