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„Gott wünscht sich, dass wir zum Frieden finden“

„Weg der Versöhnung“ mit dem Wandernagelkreuz vom Hauptfriedhof in den Kiliansdom – Bischof Cocksworth: „Wir haben gezeigt, dass Frieden möglich ist“ – Weihbischof Boom: „Gott kommt uns immer wieder entgegen“

Würzburg (POW) Auf dem „Weg der Versöhnung“ ist das Wandernagelkreuz am Montagvormittag, 16. März, vom Würzburger Hauptfriedhof über die Sankt Johannis-Kirche und das Mutterhaus der Erlöserschwestern in den Kiliansdom gebracht worden. Hier wird es für ein Jahr als Zeichen für Frieden und Versöhnung in der Seitenkapelle mit der Pietà stehen, in der nach dem Bombenangriff vom 16. März 1945 die Toten aufgebahrt worden waren. Dompropst Weihbischof Ulrich Boom nahm das Wandernagelkreuz auf den Stufen des Kiliansdoms entgegen. „Bei allen Kriegen und Streit, allen großen und kleinen Auseinandersetzungen: Gott wünscht sich, dass wir zum Frieden finden“, sagte er.

Er freue sich, dass das Nagelkreuz, „dieses wichtige Zeichen für Versöhnung und Frieden“, in den Kiliansdom gebracht werde, sagte Domdekan Prälat Günter Putz. Der Dom sei auch ein Haus der Menschen, „umso mehr muss er ein Haus der Versöhnung sein“. Als Kind habe es ihn sehr beeindruckt, dass die überlebenden Menschen in Würzburg nach dem 16. März 1945 nicht gottlos geworden, sondern ihren Weg im Glauben weitergegangen seien. „Es ist ein guter Weg, wenn wir unsere Herzen öffnen.“ Das Nagelkreuz sei dazu Auftrag und Verpflichtung.

Der „Weg der Versöhnung“ begann mit einem Gedenken unter dem Leitwort „Versöhnung über den Gräbern“ und der Kranzniederlegung an der Gedenkstätte 16. März 1945 vor dem Hauptfriedhof. „Wir sind an den Ort gekommen, der uns am eindringlichsten das Grauen dieser Nacht vor Augen führt“, sagte Oberbürgermeister Christian Schuchardt. Rund 3000 Männer, Frauen und Kinder seien nach dem Luftangriff an dieser Stelle in Massengräbern beigesetzt worden. Auch beim Bombenangriff der deutschen Luftwaffe auf die englische Stadt Coventry seien mehr als 500 Menschen getötet worden. Coventry sei aber nicht nur ein Symbol für die Schrecken des Krieges, sondern in der ganzen Welt als Beispiel dafür bekannt, dass der Wille zur Versöhnung stärker sei als Hass und Vernichtung, sagte Schuchardt. „Nur die gemeinsame Erinnerung an erlittenes und begangenes Unrecht und das damit verbundene Eingeständnis, am anderen schuldig geworden zu sein, ermöglicht Versöhnung“, betonte er und rief auf zu: „Null Toleranz gegenüber Rassismus, Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit.“

An der zweiten Station, der Versöhnungsglocke, hieß Johanna Falk vom Nagelkreuzzentrum Würzburg Bischof Dr. Christopher Cocksworth aus Coventry willkommen. Die Station trug den Titel „70 Jahre Versöhnung und Frieden“. „Frieden ist ein großes Geschenk an die Völker Europas und der Welt“, sagte Bischof Cocksworth. „Frieden ist nur möglich, wenn er auf Berührungen zwischen den Völkern beruht. Wir müssen dafür danken, dass die Menschen den Weg der Versöhnung so rasch eingeschlagen haben.“ Die Geschichte Europas müsse der Welt erzählt werden, vor allem in Ländern wie Syrien oder dem Irak. „Wir haben gezeigt, dass Frieden möglich ist, dass aus Feinden Freunde werden können.“ Zum Abschluss der Station erteilten Bischof Cocksworth, Domdekan Putz und Pfarrerin Susanne Wildfeuer, stellvertretende Dekanin des evangelisch-lutherischen Dekanats Würzburg, gemeinsam den Segen.

Dritte Station auf dem „Weg der Versöhnung“ war das Denkmal „Tod durch Bomben“ von Vadim Sidur vor der Sankt Johannis-Kirche. „Auch unsere Kirche trägt die Erinnerung an die Zerstörungen des Krieges noch in sich“, sagte Pfarrerin Jutta Müller-Schnurr. Die beiden in den 1950er Jahren neu errichteten Türme seien wie Triebe an einem alten Stamm, „Symbole der Hoffnung, die sich dem Himmel entgegenstrecken“. Zahir Durakovic, Imam der bosnischen Gemeinde in Würzburg, sang das bosnische Lied „Von Ost bis West“: „Unser Dorf schweigt still, der Himmel ist traurig, aber je mehr wir bluten, umso stärker suchen wir nach der Liebe zu Dir (…).“ Ein alter Mann betrachtete das Denkmal mit Tränen in den Augen. Er habe damals gesehen, wie Menschen von Stabbrandbomben getroffen wurden, erzählte er mit leiser Stimme.

Musik und Plakate mit der Aufschrift „Ich suche“ in verschiedenen Sprachen empfingen die Teilnehmer an der vierten Station, dem Mutterhaus der Erlöserschwestern. Vor 70 Jahren hätten die Erlöserschwestern ihre Türen für verwundete Soldaten geöffnet, sagte Generaloberin Erlöserschwester Monika Edinger. Beim Bombenangriff sei das Mutterhaus zwar zerstört worden, aber wie durch ein Wunder niemand ums Leben gekommen. „Heute haben wir unsere Türen wieder geöffnet, für Flüchtlinge unterschiedlicher Kulturen und Religionen. Ein Stück Welt ist bei uns eingezogen. Lasst uns nicht über Frieden sprechen, lasst ihn uns leben.“ Ein Flüchtling las den Satz „ich war fremd und ihr habt mich aufgenommen“ vor. Zum Abschied überreichte Johanna Falk die Versöhnungsstatue, die für ein Jahr im Mutterhaus der Erlöserschwestern bleiben wird.

Nach rund zwei Stunden endete der „Weg der Versöhnung“ an den Stufen zum Kiliansdom, wo die Teilnehmer von Dompropst Weihbischof Ulrich Boom begrüßt wurden. Gemeinsam mit Bischof Cocksworth führte der Weihbischof den Einzug in den Dom an und stellte das Wandernagelkreuz auf den Altar. „Bei allen Kriegen und Streit, allen großen und kleinen Auseinandersetzungen: Gott wünscht sich, dass wir zum Frieden finden“, sagte er bei der anschließenden ökumenischen Andacht. „Er kommt uns immer wieder entgegen. Wir wollen Gott um seinen Segen bitten, damit wir glaubwürdige Zeugen des Friedens in dieser Welt sind.“ In ihren Muttersprachen trugen Flüchtlinge eine Kurzlesung vor. Weihbischof Boom und Bischof Cocksworth sprachen gemeinsam das Friedensgebet von Coventry. Dann brachte der Weihbischof das Wandernagelkreuz in die Seitenkapelle mit der Pietà und stellte es auf einen eigens dafür errichteten Sockel. „Wir wollen es dort aufbewahren, wo nach der Zerstörung Würzburgs die Toten aufgebahrt waren.“

(1215/0285; E-Mail voraus)

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