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Hoffnung für den „Rand der Ränder“

Erzbischof Gustavo Bombin Espino aus Madagaskar zu Gast im Bistum Würzburg – Besuch anlässlich des „Monats der Weltmission“ – Klimawandel als zusätzliche Herausforderung

Würzburg (POW) Bildung, Gesundheit und vor allem Wasser: Die Liste der Herausforderungen im Erzbistum Toliara im Südwesten von Madagaskar ist lang. „Es ist die rohstoffreichste und zugleich ärmste Region des Landes“, sagt Erzbischof Gustavo Bombin Espino. Er spricht vom „Rand der Ränder“. Der Klimawandel, der extreme Dürreperioden und Wirbelstürme mit sich bringe, verschärfe die Lage noch. Die Kirche versucht zu helfen, unter anderem durch den Bau von Brunnen. Seit rund 40 Jahren wirkt der gebürtige Spanier als Trinitarier-Missionar auf dem Inselstaat. Auf Einladung von „missio München“ ist Erzbischof Bombin im „Monat der Weltmission“ unter anderem im Bistum Würzburg unterwegs.

Fast 44.000 Quadratkilometer mit rund 1,2 Millionen Menschen umfasst das Gebiet der Erzdiözese Toliara. Erzbischof Bombin braucht ein Jahr, um zumindest einmal im Jahr jede Gemeinde zu besuchen – mit dem Sammeltaxi durch den Busch, über Sandpisten oder mit dem Boot. „Die Menschen leben hauptsächlich von der Landwirtschaft“, erzählt er. Reis sei das Hauptnahrungsmittel. Auch Mais und Maniok werden angebaut sowie „ein wenig Getreide und Gemüse“. Dazu komme eine große Vielfalt an Obstbäumen, wie Affenbrotbaum, Jackfrucht oder Papaya, die auf der Insel gut wachsen. „Die Eltern schicken ihre Kinder zum Mangopflücken. Das ist wichtig für die Ernährung wegen der Vitamine.“

Im Hochland gebe es gute Erde und genügend Wasser. Doch im Südwesten, dem Gebiet seiner Erzdiözese, müssten die Menschen „viele Kilometer“ zurücklegen, um Wasser zu finden. Im Ort Behazomby beispielsweise, tief im Südwesten gelegen, regnet es einmal im Jahr, und manchmal auch kein einziges Mal. Dazu kommen Wirbelstürme wie der Zyklon „Freddy“, der die Insel im Jahr 2023 gleich zwei Mal traf. Mehr als 4500 Häuser wurden damals beschädigt. Ein aktuelles Projekt von Erzbischof Bombin ist der Brunnenbau. „Wir suchen Unterstützer für den Bau von Brunnen.“ Er wünscht sich, dass in allen Orten mit einer Schule Brunnen gebaut werden können.

Die Bevölkerung sei sehr jung, sagt Erzbischof Bombin. Nur vier Prozent seien älter als 65 Jahre. Doch die Zahl jener, die keine Schule besucht haben, sei sehr hoch – 30 Prozent der Menschen in der Stadt, auf dem Land sogar 40 Prozent. Bombin spricht von „verlorenen“ Generationen. Für viele Kinder sei der Weg zur nächsten Schule lang und beschwerlich. Dazu komme, dass die Eltern „nicht wissen, was der Schulbesuch ihren Kindern bringen soll“, sagt er. Das sehe er gerade bei den Mädchen: Rund 60 Prozent der Kinder seien Mädchen, aber mit jedem Schuljahr würde ihr Anteil in den Klassen weniger. „An den Universitäten gibt es kaum noch Mädchen.“

Zudem wollen viele Lehrer nicht in einer Landschule unterrichten. Das liege unter anderem an der fehlenden Infrastruktur, erklärt der Erzbischof. „Sie wissen nicht, wie sie ihren Lohn bekommen sollen, denn es gibt auf dem Land keine Verwaltungen oder Banken.“ Hier wolle das Erzbistum Abhilfe schaffen. „Wir gründen kirchliche Schulen auf dem Land und sichern die Löhne.“ Das funktioniere folgendermaßen: Der Monatslohn werde von den Gemeinden vorgestreckt, und die Eltern erstatten ihn nach der Ernte, häufig in Form von Naturalien wie Geflügel oder Maniok.

Ein weiteres wichtiges Thema ist die Gesundheit. In seiner Erzdiözese Toliara gebe es neun Gesundheitszentren. „Aber die Menschen reisen nicht 50 Kilometer, um zu einem Gesundheitszentrum zu gehen.“ Deshalb gebe es eine mobile Klinik, ausgestattet mit Ultraschallgerät, EKG, Tuberkulose-Tests – und kostenlos. Das Institut Pasteur de Madagascar in der Hauptstadt helfe bei der Auswertung der Laborproben. Und das Institut Raoul Follereau unterstütze die Erzdiözese beim Kampf gegen Lepra und andere Tropenkrankheiten.

Die deutschen katholischen Hilfswerke wie Missio, „Kirche in Not“ oder das Kindermissionswerk „Die Sternsinger“ seien wichtige Unterstützer für die Menschen auf Madagaskar, sagt Erzbischof Bombin. „Seien Sie weiterhin solidarisch und großzügig“, lautet sein Wunsch an die Menschen in Deutschland: „Das Geld ist nicht verloren, sondern es trägt Früchte.“

Mehr über den „Monat der Weltmission“ und Erzbischof Gustavo Bombin Espino erfährt man auf der Homepage von „missio München“.

sti (POW)

(4326/0996; E-Mail voraus)

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