Aschaffenburg (POW) Das spätsommerliche Wetter und ein buntes Programm haben der „Nacht der offenen Kirchen“ in Aschaffenburg in diesem Jahr in die Karten gespielt. Hunderte von Besuchern nutzten den milden Samstagabend, 26. September, um zwischen 18 und 23 Uhr zwischen verschiedenen Gotteshäusern und anderen Kirchenorten zu bummeln, Musik zu hören und spirituell aufzutanken, unbekannte Orte zu entdecken und sich zu begegnen.
Schon der Eröffnungsgottesdienst in der Marktkirche Sankt Agatha sorgte für ein volles Gotteshaus. Der evangelische Pfarrer Matthias Leibach und die Gemeindereferenten Eva Meder-Thünemann und Swen Hoffmann luden ein, das Vaterunser in einer ungewöhnlichen Variante näher zu betrachten. Dabei benutzten sie eine Übersetzung des Gebets aus dem aramäischen Urtext, die diesen alten Text in einem neuen Licht erscheinen ließ. Unter anderem wurde der Gottesdienst mit Musik von Andreas Gebert an der Handpan und einem Tanz der Theatergruppe der Arbeiterwohlfahrt mitgestaltet.
Ein Publikumsmagnet waren in dieser Nacht die Gospelkonzerte in der Muttergottes-Pfarrkirche und in der Christuskirche. Die mal gefühlvollen, mal fetzigen Rhythmen der insgesamt fünf Gospel-Formationen luden ein, sich zu bewegen, zu klatschen und mitzusingen. Bewegen konnte man sich aber auch zu Orten, die ansonsten nicht so oft zugänglich sind. So war auch in diesem Jahr die kleine Kapelle im Schönborner Hof geöffnet, und in der Kirche der heiligen Katharina, in der die griechisch-orthodoxe Gemeinde beheimatet ist, konnte man über Heilige ins Gespräch kommen. Sehr gut besucht war in der Stiftsbasilika das Konzert des Vokalensembles „VOCES“. Diesem gelang es mit seinem Chorleiter Christoph Bayer, unter der Überschrift „Bleibe bei uns, denn es will Abend werden“ die Besucher mit seiner Musik zur Ruhe kommen zu lassen. Ebenfalls in der Stiftsbasilika gaben Orgelschüler des Regionalzentrums für Kirchenmusik ein Konzert. Sie freuten sich darüber, in wohlwollender Stimmung Kostproben ihres Könnens abzuliefern.
Im Freien fand die Veranstaltung an der Kirchenruine „Zum heiligen Grab“ im Park Schöntal statt. Vor der Kulisse der stimmungsvoll beleuchteten Mauern lud Dr. Ursula Silber zu einem Bibliolog ein, einer Form der Bibelarbeit. Die besondere Atmosphäre des Ortes unterstützte die Auseinandersetzung mit dem Bibeltext. Und nicht nur Menschen, sondern auch Pfauen, Waschbären, Eichhörnchen und Igel schauten mal vorbei.
Ein weiteres Zentrum dieser Nacht war das Martinushaus. Von außen sah man viele erhellte Fenster. Drinnen konnte man im Martinsladen der Caritas zum „Late-Night-Shopping“ vorbeischauen, mit dem Team der Jugendarbeit seine Visionen von der Kirche kreativ in eine Modellkirche einbringen, Musik hören mit „Klezmusica“, mit Mitgliedern internationaler christlicher Gemeinden ins Gespräch kommen, mit der Klinikseelsorge Impulse, Texte und Musik zum Thema „Würde und Zerbrechlichkeit“ meditieren, Kurzfilme ansehen oder Taizé-Lieder singen. Vor der Türe konnte man am digitalen Lagerfeuer mit der Gruppe Maria 2.0 Lieder singen und Impulse hören. In der Kirche gab es den Sonnengesang des Franz von Assisi als beeindruckende Pantomime und das Clowntheater „Das lange Leben“ mit Ingrid Elgert und Mathilde Schaab-Hench. Das Ensemble „Mehrklang“ gab hier gemeinsam mit dem Mainaschaffer Chor „Mosaik“ ein paar Kostproben aus dem Musiktheater „Mirjam – die Frau aus Magdala“, das Mitte Oktober in der Kirche aufgeführt wird.
Insgesamt zwölf Orte warteten in dieser Nacht auf Besucher. Anke Haas, die Koordinatorin des ökumenischen Vorbereitungsteams, zeigte sich am Ende sehr zufrieden mit dem Ablauf und der Vielfalt der Angebote. „Ich denke, es war für nahezu jeden etwas dabei“, sagte sie. In den Straßen und Kirchenräumen habe man überall in viele glückliche, freudvolle und rundum zufriedene Gesichter geblickt, attestierte sie. Ähnlich äußerten sich auch Kirchennachtbesucher, die beim Markttreff vor der Sankt-Agatha-Kirche anzutreffen waren. Hier wurde unter liebevoll gestalteten Marktschirmen bei einem Glas Wein und einem Marktsnack auch intensiv die Möglichkeit genutzt, mit anderen Besuchern der Kirchennacht ins Gespräch zu kommen.
bv (POW)
(4026/0905; E-Mail voraus)
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