Haßfurt (POW) Sandra Lohs ist Pastoralreferentin – und Präsidentin der „Elf Weisen Hasen“ in Haßfurt. Seit 2023 steht sie offiziell an der Spitze des traditionsreichen Faschingsvereins, nachdem sie das Amt bereits 2020 kommissarisch übernommen hatte. „Ich bin da reingeboren in diese Faschingsfamilie“, erzählt die 34-Jährige lachend. Ihr Vater stand schon bei den „Hasen“ auf der Bühne, ihre Mutter kümmerte sich um die Maske. Dass ausgerechnet der Fasching 1991 – Lohs’ Geburtsjahr – wegen des Golfkriegs abgesagt wurde, deutet sie gern augenzwinkernd: „Der Fasching wurde wegen mir abgesagt, um Platz für mich zu machen.“
In die Bütt ging Lohs erstmals mit 16 Jahren, mit dem Lied „Ein bisschen Frieden“ als sächselnde „Chantal“ beim Sketch „Die Welt sucht das Supertalent“. Seitdem gehört sie fest zum Programm. Als ihr Präsidenten-Vorgänger wegen Krankheit ausfiel, trat sie zunächst als „Ersatzfrau“ auf – und überzeugte so, dass sie wenig später offiziell die Leitung übernahm. „Ich kann ruhigen Gewissens sagen: Ich bin die beste Präsidentin, die Haßfurt je hatte“, sagt sie verschmitzt lächelnd.
Dass Kirche und Fasching für manche im Widerspruch stehen, sieht Lohs ganz entspannt. „Wir sind eigentlich ein kirchlicher Verein“, erklärt sie. „Unsere Wurzeln liegen in der Pfarrei, und unsere Einnahmen gehen an kirchliche Kindergärten und soziale Projekte.“ Für sie gehört beides zusammen – und auch moralische Grenzen kennt der Humor in Haßfurt: „Wir achten darauf, dass alles über der Gürtellinie bleibt.“
In der heißen Phase vor den Sitzungen lebt Lohs förmlich in der Stadthalle. Sie schreibt Texte, koordiniert Akteure und organisiert Bühne und Technik. Fünf Sitzungen stemmt ihr Team jedes Jahr – zwei Wochenenden voller Narrenpower. Faschingspause kennt Lohs kaum: „Meistens kommen mir schon im Sommer Ideen, die ich nachts schnell ins Handy tippe.“
Neben der Sitzungsarbeit hält sie auch Faschingspredigten – eine besondere Schnittstelle zwischen ihren beiden Berufungen. 2020 trat sie erstmals als Predigerin auf. „Ob Bütt oder Kanzel – wenn’s läuft, dann läuft’s“, sagt sie. Ihr Vorbild war lange der ehemalige Stadtpfarrer Stephan Eschenbacher, „der immer tolle Predigten mit Humor gemacht hat“. Für den kommenden Fasching freut sie sich auf den neuen Pfarrer Dr. Blaise Okpanachi, „der ordentlich Schwung reinbringt“. Ihre eigene Faschingspredigt hält sie bei einer Wort-Gottes-Feier, dieses Jahr am Faschingssonntag um 10 Uhr in Krum: „Da darf’s ruhig mal ein bisschen närrisch werden – schließlich gehört das Lachen zu unserem Glauben dazu.“
mh (POW)
(0726/0165; E-Mail voraus)
Hinweis für Redaktionen: Foto abrufbar im Internet

