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„Ich bin froh, dass ich noch Einiges tun kann“

Bischof em. Dr. Paul-Werner Scheele wird am 6. April 85 Jahre alt – Weiter im Bistum sowie in Ökumene und Theologie aktiv – Dankgottesdienst am 13. April im Kiliansdom – Neues Buch: „Mit den Heiligen hin zu Christus“

Würzburg (POW) Auch wenn sein Tagesprogramm nach wie vor von frühmorgens bis spätabends bestens mit Arbeit und Terminen gefüllt ist: „Mit 85 Jahren muss man nicht mehr verrücktspielen“, sagt er gelassen. „Ich bin froh, dass ich noch Einiges tun kann – sowohl im Bistum als auch in der weltweiten Ökumene.“ Der langjährige Bischof von Würzburg, Dr. Paul-Werner Scheele, absolviert nach wie vor ein strammes Arbeitsprogramm. Und wenn dann mal abends um 22 Uhr, wie er sagt, „der Akku leer ist“, mag das nicht wundern. Am Samstag, 6. April, wird Bischof Scheele 85 Jahre alt. Eine offizielle Feier gibt es am Samstag, 13. April, um 10 Uhr mit einem Pontifikalamt im Würzburger Kiliansdom. Bischof Scheele feiert den Dankgottesdienst zusammen mit Weihbischof em. Helmut Bauer, der auf 80 Lebensjahre blickt.

Für Bischof Scheele wird der 6. April ein gewöhnlicher Tag sein. Mehr Anrufe und Besuche, ja. Aber der Tagesablauf wird gleich bleiben. Kurz vor 5 Uhr aufstehen, Morgengebet und Eucharistiefeier mit den Ordensfrauen im Mutterhaus der Erlöserschwestern in der Ebracher Gasse, dann die Arbeit am Schreibtisch für Predigten, Vorträge, Exerzitien. Begehen wird er den Geburtstag höchstens im kleinen Kreis. Denn: „Von meiner Heimat bin ich es gewohnt, den Namenstag zu feiern, nicht den Geburtstag“, sagt der gebürtige Westfale.

Ruhestand – das Wort hört der Bischof auch mit knapp 85 Jahren weniger gern: „Es trifft die Sache nicht.“ Als Bischof sei er auch nach seiner Emeritierung im Jahr 2003 seinem Grundauftrag verpflichtet, das Wort Gottes zu verkündigen und die Sakramente zu spenden. „Beides praktiziere ich Tag für Tag“ – entweder bei Firmungen, Jubiläen und Altarweihen in den Gemeinden des Bistums Würzburg oder im Mutterhaus der Erlöserschwestern. 81 jungen Christen hat er vor wenigen Tagen in Aidhausen im Landkreis Haßberge die Firmung gespendet. „Das strengt schon an“, sagt er und fügt gleich hinzu: „Nicht allein wegen des Alters, denn jeder wird nur einmal im Leben gefirmt. Deshalb muss ich ganz dabei sein, wenn ich den Jugendlichen das Sakrament spende.“ Für Bischof Scheele entstehen dabei Beziehungen, die oft ein Leben lang andauern. Man kenne sich, und für viele sei er dann ihr Firmbischof. „Viele Firmlinge, die ich gefirmt habe und die heute erwachsen sind, kommen so auf mich zu. Das kann einem Freude machen!“

Aber nicht nur das bereitet Bischof Scheele weiterhin Freude. Die Ökumene, die Einheit der Christen – Bischof Scheeles Lebensaufgabe – begeistert und fordert ihn auch im hohen Alter. Er leitet nach wie vor den Wissenschaftlichen Beirat des Johann-Adam-Möhler-Instituts für Ökumenik in Paderborn und ist Mitglied des ökumenischen Arbeitskreises katholischer und evangelischer Theologen. Vom Päpstlichen Rat zur Förderung der Einheit der Christen wird er wegen seiner jahrzehntelangen Erfahrungen im ökumenischen Dialog weiter zu den Sitzungen eingeladen. Im Dialog mit den orientalisch-orthodoxen Kirchen wirkt er als einziger Bischof aus dem Westen – neben dem leitenden Kardinal – bis heute mit. „Ich freue mich, dass diese Internationale Kommission für den theologischen Dialog zwischen der römisch-katholischen und den orientalisch-orthodoxen Kirchen seit 2004 sehr positiv arbeitet und schon vieles erreicht hat“, sagt der ausgewiesene Dogmengeschichtler.

Die jährlichen Treffen mit den Vertretern der Armenier, Kopten, Äthiopier, Syrer und der malankarischen Kirche hat Bischof Scheeles Blick auf die extrem gefährdeten Kirchen des Nahen Ostens und auf deren sehr spezifische Schwierigkeiten im jeweiligen Land geschärft. Im Januar 2013 tagte die Kommission in Rom und traf dort am 25. Januar Papst Benedikt XVI. Für Bischof Scheele war es die letzte Begegnung mit dem deutschen Papst, den er seit Jahrzehnten persönlich kennt. „Kurz vor der Ankündigung seines Rücktritts durfte ich ihm nochmals persönlich begegnen. Es war ein freundlicher, sympathischer Austausch.“ Der Dialog mit den Altorientalen führt Bischof Scheele aber nicht nur nach Rom, sondern kreuz und quer durch die Welt. 2010 gab es ein Treffen im Libanon, 2012 in Äthiopien und 2014 steht Indien an. Wenn sein Alter und seine Gesundheit es zulassen, wird Bischof Scheele auch diese anstrengende Reise nach Asien nicht scheuen.

Zum Einsatz im Bistum und in der Ökumene gesellt sich ein drittes Arbeitsfeld für den emeritierten Bischof: die Theologie. Er hält Fachvorträge, gestaltet Exerzitien für Priester anderer Diözesen und veröffentlicht Bücher. Zum 85. Geburtstag steht ein weiteres Werk in der langen Liste von Veröffentlichungen an: „Mit den Heiligen hin zu Christus“. Heilige sind für Bischof Scheele entscheidende Helfer zur Begegnung mit Christus. 26 Heilige aus allen Jahrhunderten lässt er in dem neuen Buch zu Wort kommen und zeigt deren Glaubenszeugnis auf – von Maria und Josef über Augustinus und Benedikt bis hin zu den Frankenaposteln, Thomas Morus und der kleinen Therese.

Mit seinem reichen Leben für Kirche, Ökumene und Theologie gilt Bischof Scheele heute als ein bedeutender Zeitzeuge. Er gehört zu den wenigen noch lebenden Theologen, die das Zweite Vatikanische Konzil live miterlebt haben – damals als Journalist. Er kann erzählen, wie er Julius Kardinal Döpfner beim Konzil, in der Deutschen Bischofskonferenz und bei der Würzburger Synode begegnet ist. Er wird gefragt, wenn es um die Situation der früheren Würzburger Gebiete in Südthüringen vor dem Mauerfall geht. Und er kann von einem Leben im Einsatz für die Einheit, die Weitervereinigung der Christen berichten, was nach den Worten Bischof Scheeles Aufgabe jedes Christen ist.

Die aktuellen großen Herausforderungen der Kirche in Deutschland und weltweit beobachtet er mit wachem Auge. Die Kirche in Deutschland kranke an verschiedenen Ecken, habe aber dennoch große Chancen, sagt er. „Ich bin nicht pessimistisch. Die Zeitströmungen haben die Kirche zu jeder Zeit herausgefordert. Es gilt, sie für die Kirche zu nutzen.“ Und er nennt das Konzil als Beispiel: Ohne Technisierung und Globalisierung wäre eine solche Kirchenversammlung nicht möglich gewesen. Wichtig sei heute das Glaubenszeugnis jedes einzelnen Christen. Darauf komme es an. In diesen Tagen sei hier „ein neues Hoffnungssignal“ gesetzt: Papst Franziskus.

Groß planen will Bischof Scheele für seine weitere Lebenszeit nicht. „Das tun, was Tag für Tag ansteht“, lautet sein Motto. Die Menschen im Glauben stärken, gut vorbereitet predigen, weiter im Bistum mithelfen, auf Einladung Exerzitien und Vorträge halten, die vielen Kontakte im Bistum und weltweit pflegen. Bischof Scheele wird es auch nach dem 85. Geburtstag nicht langweilig werden.

 

Kurzer Blick ins Leben von Bischof em. Dr. Paul-Werner Scheele

Paul-Werner Scheele wurde 1928 in Olpe in Westfalen geboren. Nach Kriegsdienst, Abitur und Studium weihte ihn Erzbischof Lorenz Jaeger am 29. März 1952 in Paderborn zum Priester. Danach war Scheele Kaplan und Religionslehrer an berufsbildenden Schulen in Paderborn. 1964 promovierte er an der Theologischen Fakultät der Universität Würzburg und war dann als Journalist für eine kirchliche Zeitschrift bei der dritten und bei Teilen der vierten Sitzungsperiode des Zweiten Vatikanischen Konzils tätig. Es folgten Jahre als Professor in Fulda und Marburg, in Bochum und Würzburg, schließlich von 1971 bis 1979 in Paderborn. Dort leitete er das Johann-Adam-Möhler-Institut für Ökumenik. Erzbischof Johannes Joachim Degenhardt spendete Scheele am 9. März 1975 in Paderborn die Bischofsweihe. Es folgten vier Jahre als Weihbischof in Paderborn. Am 31. August 1979 ernannte ihn Papst Johannes Paul II. zum 87. Bischof von Würzburg. Die Amtseinführung fand am 21. Oktober 1979 in Würzburg statt. 24 Jahre, von 1979 bis 2003, leitete Bischof Scheele das Kiliansbistum gemäß seinem Wahlspruch „Friede und Freude“. In der Deutschen Bischofskonferenz war er von 1976 bis 2003 Vorsitzender der Ökumenekommission. Außerdem war er neben vielen weiteren ökumenischen Aufgaben von 1984 bis 2008 als Mitglied im Päpstlichen Rat zur Förderung der Einheit der Christen tätig. Seit 14. Juli 2003 ist er emeritiert, nimmt aber weiterhin zahlreiche Aufgaben im Bistum und in der weltweiten Ökumene wahr, beispielsweise seit 2003 in der Kommission für den theologischen Dialog zwischen der römisch-katholischen Kirche und den orientalisch-orthodoxen Kirchen. Bischof Scheele ist Ehrendomherr in Paderborn und Würzburg, Träger der Goldenen Stadtplakette der Stadt Würzburg, des Bayerischen Verdienstordens und des Bundesverdienstkreuzes erster Klasse sowie Honorarprofessor und Ehrensenator an der Universität Würzburg. Anlässlich des 85. Geburtstags wird ihm die Stadt Würzburg am 10. April den Ehrenring verleihen.

(1313/0332; E-Mail voraus)

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