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„Ich bin überwältigt von dem Zuspruch“

104. Deutscher Katholikentag
Demokratiekirche in der Marienkapelle bietet Angebot zum Austausch über Kirche, Politik und Gesellschaft – Großes Interesse – Hochschulpfarrer Burkhard Hose zeigt sich berührt

Würzburg (POW) Ines Kreutzer (26) und ihr Patenonkel Dr. Wynfrith Batzner setzen sich in der Marienkapelle auf zwei kleine Papphocker. Sie sind Teil eines ganzen Kreises aus Hockern, auf denen Menschen sitzen – ein Gesprächskreis. Hier diskutieren etwa zehn Menschen gerade die Frage: „Braucht unsere Gesellschaft noch die Kirche?“

Die Marienkapelle auf dem Würzburger Marktplatz hat sich zum 104. Deutschen Katholikentag in die Demokratiekirche verwandelt. Am Montag, 11. Mai, haben Schreiner die Bänke abgebaut und aus der Kirche getragen. Stattdessen finden hier nun Diskussionsrunden statt. In der Mitte des Raumes hängt ein gelber Vorhang. Kreisrund umschließt er eine weitere Sitzgruppe, in der Workshops stattfinden. Der Blick fällt auf die Säulen der Kirche: Hier steht in großen Buchstaben „StreitBar“. Um diese herum hängen die Fragen, die in den vergangenen Tagen bereits besprochen wurden: „Wäre Jesus Klimaaktivist?“ „Wie wird unsere Kirche wieder attraktiver?“ „Ist Wehrdienst gerechtfertigt?“ Die Fragen können die Besucherinnen und Besucher selbst aufschreiben, sich in einen Hockerkreis setzen und zur Diskussion stellen. Wer Lust hat, setzt sich dazu.

Für Kreutzer und Batzner ist es bereits die dritte Diskussionsrunde in der Demokratiekirche. „Es ist ja toll, dass man sich zu verschiedenen Themen informieren kann“, sagt Batzner. Das sollte öfter stattfinden. „Die Kirche heute hat sehr gute demokratische Strukturen.“ Als er jung war, sei die Kirche nicht demokratisch gewesen. „Da kommen tolle Leute zusammen, jeden Alters“, ergänzt Kreutzer zum Angebot der Demokratiekirche. Auch Lars Schäfer saß in der Gesprächsrunde zu Kirche und Gesellschaft. Ihm gefallen die offenen Gesprächskreise. Die Menschen teilten ihre eigene Sicht, positive wie negative Erfahrungen und auch Frust. Doch die Menschen, mit denen er gesprochen habe, seien alle auch interessiert gewesen, neue Meinungen zu hören. „Es ist auch interessant, dass die Kirche, in der normalerweise Bänke sind, jetzt ganz anders aussieht.“

Ein Umbau für fünf Tage: Für die Veranstalter hat sich das gelohnt. „Ich bin überwältigt von dem Zuspruch und großen Interesse“, sagt Hochschulpfarrer und Mitorganisator Burkhard Hose. Schon am ersten Tag habe sich eine Schlange vor der Tür gebildet. Vor allem, dass die Menschen bereit sind, sich selbst zusammenzusetzen und ihre eigenen Themen zu besprechen, habe ihn berührt. Auch viele Gespräche zu zweit seien entstanden – über kircheninterne, gesellschaftliche und politische Themen. „Dieser hohe Gesprächsbedarf und auch die Bereitschaft, miteinander zu sprechen, hat mich sehr berührt. Dafür hat diese Kirche einen wunderbaren Raum eröffnet.“ Er wünscht sich, dass das Angebot mit ähnlichen Projekten weiterläuft.

chd (POW)

(2126/0516; E-Mail voraus)

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