Lieber Pater Markus, liebe Mitbrüder,
liebe Schwestern und Brüder im Herrn!
Das Evangelium von Christkönig als Provokation
Das Evangelium des heutigen Christkönigssonntags ist eine Provokation. Denn es zeigt uns Jesus alles andere denn als König. Zwischen zwei Schwerverbrechern hängt der Herr am Kreuz. Der Aufforderung, vom Kreuz herabzusteigen und so vor aller Welt seine Macht als König zu demonstrieren, kommt er nicht nach. Der Ruf „Rette dich selbst“, der dreimal hintereinander erschallt, verhallt ungehört auf Golgotha. Nein, Jesus ist kein irdischer König. Alle die Zeichen fordern, die Erweise seiner irdischen Macht sehen wollen, müssen enttäuscht werden. Sein Reich ist nicht von dieser Welt.
Sein Reich ist nicht von dieser Welt
Erst wer verstanden hat, dass sein Reich nicht von dieser Welt ist, kann noch einmal neu auf den gekreuzigten Herrn schauen. Dann wird er allerdings mit Überraschung feststellen, dass dieser Jesus doch ein König ist. Seine Herrschaft beginnt jedoch da, wo die Herrschaft der Könige dieser Welt endet. Denn dieser König ist nicht einfach ein „Herrscher von Gottes Gnaden“. Dieser König ist „wahrer Gott und wahrer Mensch“ zugleich, wie es das Konzil von Nizäa vor 1.700 Jahren gesagt hat.
Deshalb reicht seine Herrschaft über den Tod hinaus. Entgegen der Praxis der Machthaber dieser Welt, die ihre Untergebenen in den sicheren Tod schicken, geht dieser König selbst in den Tod. Er nimmt das Los des schmachvollen Kreuzestodes auf sich, um in diesem letzten Kampf die Macht des Todes zu brechen. Durch Kreuz und Leid geht er uns voraus ins ewige Leben.
Der Sinn der Altarweihe
Der Altar ist der Ort in unseren Kirchen, an dem wir den Sieg des Lebens über den Tod feiern. Denn in jeder Eucharistiefeier gedenken wir am Altar des Opfers Christi, der uns durch seinen Tod erlöst hat. In der fünften Osterpräfation heißt es deshalb von Christus so wunderbar, er sei selbst „der Priester, der Altar und das Opferlamm“. Der Altarstein ist somit das Symbol für Christus in unseren Kirchen schlechthin.
Die herausgehobene Bedeutung des Altares unterstreicht die heutige Altarweihe. Durch die Weihe wird dieser Altar der profanen Nutzung entzogen. Er wird ganz Gott übereignet. Als Ort, der Gott und dem Gottesdienst vorbehalten ist, genießt er besondere Verehrung. Im Altarkuss des Priesters und durch die Inzens mit Weihrauch gewinnt diese Verehrung sichtbaren Ausdruck.
Der Heilsdialog im Evangelium und die Dimensionen der Erlösung
„Jesus, denk an mich, wenn du in dein Reich kommst!“ – „Amen, ich sage dir: Heute noch wirst du mit mir im Paradies sein.“ Die letzte Zwiesprache am Kreuz zwischen Jesus und dem rechten Schächer ist die Schlüsselszene des heutigen Evangeliums.
Der Bittruf des rechten Schächers, seiner zu gedenken, ist der Bittruf der Kirche durch alle Jahrhunderte. Und die Zusage Jesu, noch heute mit ihm im Paradies zu sein, ist die Verheißung, die in jeder Eucharistiefeier aufs Neue bekräftigt wird.
Das Wissen um die eigene Schuld und die Zusage der Vergebung
„Jesus, denk an mich, wenn du in dein Reich kommst!“ So rufen wir mit dem rechten Schächer, wenn wir wie er unsere Schuld erkennen und bekennen. Der rechte Schächer wusste genau, dass Jesus unschuldig war. Aber er ahnte, dass allein der Unschuldige in der Lage ist, die Schuldigen frei zu sprechen. Keiner soll gedankenlos zur Eucharistie hinzutreten, um sich nicht das Gericht zu essen, wie der Apostel Paulus sagt (1Kor 11,29). Aber jedem, der vor Gott seine Schuld bekennt, gilt die Verheißung, „noch heute wirst du mit mir im Paradies sein“. In der Feier der Eucharistie wird uns die Vergebung Gottes zugesagt, die Christus uns am Altar des Kreuzes erwirkt hat.
Die Bitte um Frieden auf der Welt
„Jesus, denk an mich, wenn du in dein Reich kommst!“ So rufen wir angesichts von Krieg und Gewalt. Welcher Herrscher könnte uns Frieden bringen? Die irdischen Machthaber jedenfalls nicht, auch wenn sie sich großspurig als Friedensbringer feiern lassen. Gewalt kann niemals der Spirale der Gewalt ein Ende setzen. Hier hilft nur der Christkönig, der auf einem Esel reitet und nicht auf einem Schlachtross. Als „Lamm Gottes“ nimmt er hinweg die Sünde der Welt. Er schenkt uns einen Frieden, den die Welt nicht geben kann. Jeder, der mit ihm Eucharistie feiert, bekommt Anteil an diesem Frieden vom Altar. Und er hört den Ruf des Herrn: „Noch heute wirst du mit mir im Paradies sein.“
Die Bitte um Einheit
„Jesus, denk an mich, wenn du in dein Reich kommst!“ So rufen wir in unserer Not aufgrund der vielen Streitereien, auch in der Kirche. Rechte gegen Linke, Konservative gegen Progressive, Reformverweigerer gegen Reformbefürworter. Die Zerrissenheit kann nur überwunden werden in der gemeinsamen Umkehr aller zum Herrn. Der Altar ist die wahre Mitte der Kirche. Hier schauen wir auf den Preis, den Gott entrichtet hat, um uns freizukaufen aus unserer Verstrickung in Rechthaberei, Polarisierung und Spaltung. Wann immer wir uns zu ihm bekehren, ohne einander das Kirche-Sein abzusprechen, hören wir seinen Zuspruch: „Noch heute wirst du mit mir im Paradies sein.“
Die Bitte um die Gnade des Gotteslobs
„Jesus, denk an mich, wenn du in dein Reich kommst!“ So rufen wir, wenn wir überwältigt werden von der Traurigkeit dieser Zeit. Wenn uns elend zu Mute ist, weil scheinbar alles im Niedergang begriffen ist. Wenn sich scheinbar so gar keine Perspektive auftut. Wenn wir uns kraftlos und niedergeschlagen fühlen. Der Herr selbst aber hat uns am Kreuz den Himmel geöffnet. Mitten im Dunkel des Karfreitags bricht das österliche Licht der Vergebung und der Freude in diese Welt.
Weil er uns bei der Feier der Eucharistie den Himmel öffnet, spricht er zu uns: „Noch heute wirst du mit mir im Paradies sein.“ Voller Freude singen wir deshalb das Sanctus mit den himmlischen Heerscharen, das vor Gottes Thron niemals endet. Niemand kann uns diese Freude nehmen, weil sie uns vom Himmel her geschenkt wird und auf dem Altar ihren irdischen Haftpunkt hat.
Sterbegebet in der Todesstunde
„Jesus, denk an mich, wenn du in dein Reich kommst!“ So rufen wir mit dem Schächer in unserer Sterbestunde. Ein ergreifendes letztes Stoßgebet. Für Jesus ist es nie zu spät. Wer umkehrt, und sei es in der letzten Stunde, dem wendet er sich barmherzig zu. „Noch heute wirst du mit mir im Paradies sein“ darf der reumütige Schächer hören. Durch die Vergebung des Herrn wird der Tod zum Tor ins Leben. Mit Christus gehen wir aus Leid und Tod in die Herrlichkeit des Vaters. „Wegzehrung“ und „Viaticum“ ist uns dabei der Leib Christi, der uns vom Altar her gereicht wird.
Das Kommuniongebet der Chrysostomos-Liturgie
Ich will meine Betrachtung des Altars und seiner Heilsgaben beschließen mit dem wunderbaren Kommuniongebet unserer orthodoxen Schwestern und Brüder. Es ist der Chrysostomos-Liturgie entnommen und lautet:
„Lass mich heute teilnehmen, o Sohn Gottes, an Deinem mystischen Gastmahl;
ich will Deine Mysterien nicht den Feinden verraten,
Dir auch keinen Kuss geben wie Judas,
sondern wie der Schächer bekenne ich vor Dir:
Gedenke meiner, o Herr, wenn Du in Dein Reich kommst.
Gedenke meiner, o Gebieter, wenn Du in Dein Reich kommst.
Gedenke meiner, o Heiliger, wenn Du in Dein Reich kommst.“
Ehrfurcht und tiefe innere Ergriffenheit sprechen aus diesem Gebet. Angesichts der Vereinigung mit dem Herrn in der Kommunion bittet die ganze Gemeinde darum, würdig zum Altar hintreten zu dürfen. Im Gegensatz zum Apostel Judas, der zum Verbrecher wurde und den Herrn verraten hat, orientiert sich die Gemeinde am rechten Schächer. Aus dem Verbrecher wurde in der letzten Minute ein Heiliger. Mit ihm fleht die ganze Gemeinde: Gedenke meiner, o Herr, wenn Du in Dein Reich kommst.
In diesem Geist der Ehrfurcht wollen wir nun die Heiligen um ihren Beistand anrufen und diesen neuen Altar weihen. Er sei der Ort unserer Zuflucht, unserer Gebete und unserer Danksagung. Amen.
