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Kunst mit Überraschungseffekt

Neue Ausstellung „Bewegtes Blei. Günther Berger im Fokus“ im Museum am Dom – Querschnitt durch das künstlerische Wirken des Bildhauers – Jeden Mittwoch um 12.30 Uhr Aktion „Kunst zum Mitmachen!“

Würzburg (POW) Neue Wege geht das Museum am Dom (MAD) in Würzburg mit der Ausstellung „Bewegtes Blei. Günther Berger im Fokus“. Sie zeigt nicht nur einen Querschnitt durch das Werk des 2014 gestorbenen Bildhauers, sondern lädt auch dazu ein, selbst kreativ zu werden: Bei der Aktion „Kunst zum Mitmachen!“ können Besucherinnen und Besucher jeden Mittwochmittag ausgewählte Bleiobjekte aus der Ausstellung bewegen und dadurch neu gestalten. „Berger war nicht zufrieden mit der reinen Geometrie, er wollte mehr – eine Grenzüberschreitung“, sagt Michael Koller, der die Ausstellung zusammen mit Christoph Deuter kuratiert hat. Bei einem Pressegespräch am Freitag, 30. Januar, stellten sie gemeinsam mit Gottfried Berger, dem Bruder des Künstlers, das Konzept vor. Die Ausstellung ist bis Dienstag, 31. März, zu sehen.

Als erstes fällt das große Regal mitten im Raum ins Auge. Auf vier Ebenen sind unzählige Skulpturen untergebracht. Es wirkt, als wäre man versehentlich in den Museumsfundus geraten. Das sei auch die Grundidee gewesen, sagt Koller: „Warum nicht ein Schaudepot machen?“ Ein positiver Nebeneffekt sei, dass auf diese Weise mehr Werke gezeigt werden können, als wenn man sie einzig auf Podesten über das Museum verteilt hätte. Podeste gibt es natürlich trotzdem, etwa für das „Heilige Grab“ (um 1986). Was auf den ersten Blick wie ein schlichter, großer Würfel aus Blei aussieht, verwandelt sich, als Koller Hand anlegt. Er schiebt einen Quader nach oben, einen weiteren zur Seite – und in der Mitte wird auf einmal ein Hohlraum sichtbar. Das sei eine der Besonderheiten von Bergers Kunst, erklärt Koller: „Die Geschlossenheit der geometrischen Form lässt sich aufbrechen, und plötzlich bekommt man eine ganz andere Geschichte. Man kann sich der Idee annähern, dass es ein heiliges Grab sein soll.“ Der Hohlraum im Kubus sei ein „Überraschungseffekt“, sagt Deuter.

Auf einem Podest gleich daneben liegt ein weiteres bewegliches Bleiobjekt. Die einzelnen Teile, aus denen es besteht, lassen sich erstaunlich leicht bewegen. Auf dieser „Aktionsfläche“ sollen jeden Mittwoch andere Bleiobjekte aus dem „Schaudepot“ liegen. „Wie verhält sich die Figur im Raum? Was passiert in diesem Gefüge? Das wollen wir den Besucherinnen und Besuchern näherbringen“, sagt Koller. Sie könnten selbst Hand anlegen und sehen, was dadurch passiert. „Es verändert den Blickwinkel, den Raum. Bei jeder Veränderung ergibt sich eine völlig andere Wahrnehmung, wenn man darum herumgeht.“ Gottfried Berger erinnert sich an eine Ausstellung in Karlstadt, über die ein Journalist geschrieben habe: „Der Knaller ist das Bewegliche“.

Knapp über 300 Werke – Bleiplastiken sowie Zeichnungen – habe das Museum am Dom 2016 als Schenkung von Günther Bergers Sohn Clemens erhalten, sagt Deuter. Vermittelt wurde die Schenkung durch Gottfried Berger, der die aktuelle Ausstellung zudem mit Werken aus seinem Privatbesitz ergänzt hat. Darunter zum Beispiel „Daphnes Hand“, eine filigrane, aber auch leicht unheimliche, bleiche Papierskulptur. „Er hat dafür die Innenfutter von Briefkuverts herausgetrennt“, erzählt Gottfried Berger. Sein Bruder habe lange mit Papier gearbeitet, bevor er sich dem Blei als Material zuwandte, aber er sei sich treu geblieben. „Er hat nur die Materialien gewechselt.“ Dank Gottfried Bergers Unterstützung könne man nun „eine kleine Retrospektive“ zeigen, die den Werdegang des Künstlers dokumentiere, sagt Koller.

Günther Berger (1929-2014) absolvierte zunächst die Holzschnitzschule Bischofsheim, besuchte von 1949 bis 1950 die Kunst- und Handwerkerschule in Würzburg und studierte anschließend bis 1957 an der Hochschule der Bildenden Künste in Frankfurt am Main als Meisterschüler von Hans Mettel. Nach dem Studium beschäftigte er sich zunächst mit geschweißten Eisenplastiken, später mit getriebenem Aluminium und Papier, und ab 1979 mit Blei – zunächst in geometrischen Formen und ab 1986 in Form von beweglichen Bleiplastiken. Die Ausstellung zeigt einen kleinen Querschnitt durch dieses vielseitige Werk. Gezeigt werden unter anderem der Druck „Tänzerin in Blau“ (um 1960-1965), der stark an Henri Matisse erinnert; ein filigranes „Windspiel“ aus Aluminium; drei anmutige „Seiltänzer“ aus Gips; eine Eisenplastik, die einer überdimensionierten Rose ähnelt. Und ein Modell für ein Wandrelief für ein Regierungsgebäude in Wiesbaden (1965). Das Relief selbst sei leider verloren, sagt Ulrich Karl Pfannschmidt, Autor des Buchs „Berger, Stein und Taeuberhahn. Begegnung in Franken“. Auch in Frankfurt am Main seien viele Objekte Bergers verschwunden. Eine „ganz wichtige Periode“ sei „einfach untergegangen“. Umso mehr freuen sich die Beteiligten über die aktuelle Ausstellung.

„Kunst zum Mitmachen!“ jeweils mittwochs im Museum am Dom

Während der Dauer der Ausstellung gibt es jeweils mittwochs um 12.30 Uhr die Aktion „Kunst zum Mitmachen!“. Es gehe darum, gemeinsam Günther Bergers bewegliche Bleiobjekte neu zu gestalten. Die Besucherinnen und Besucher können Objekte aus dem „Schauregal“ auswählen, die dann auf einem Podest platziert und bewegt werden können. „Die Objekte werden erlebbar und im wahrsten Sinne begreifbar“, schreibt das MAD. Termine sind am 4., 11., 18. und 25. Februar sowie am 4., 11., 18. und 25. März, jeweils um 12.30 Uhr. Die Teilnahme an einer der rund halbstündigen Veranstaltungen kostet pro Person einen Euro.

Buchvorstellung „Berger, Stein und Taeuberhahn. Begegnung in Franken“ am 1. März

Ulrich Karl Pfannschmidt stellt am Sonntag, 1. März, um 15 Uhr im Museum am Dom sein Buch „Berger, Stein und Taeuberhahn. Begegnung in Franken“ über die Künstler Günther Berger, Dieter Stein und Olaf Taeuberhahn vor. Auch Gottfried Berger, der jüngere Bruder des Künstlers Günther Berger, wird anwesend sein.

Das Museum am Dom, Kiliansplatz 1 in Würzburg, ist dienstags bis sonntags sowie feiertags von 12 bis 17 Uhr geöffnet. Weitere Informationen im Internet unter www.museum-am-dom.de.

sti (POW)

(0626/0150; E-Mail voraus)

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