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Im Gespräch

„Lerngemeinschaft fördern“

Domkapitular Thomas Keßler: Bonifatiuswerk ein „Hilfswerk für den Glauben“

Würzburg/Bad Neustadt (POW) Domkapitular Thomas Keßler (65), Pfarrer der Pfarreiengemeinschaft „Sankt Martin Brend, Brendlorenzen“, ist seit 15. Februar 2021 auch Vorsitzender des Bonifatiuswerks der deutschen Katholiken im Bistum Würzburg. Im folgenden Interview erläutert er, welche Aufgaben das Hilfswerk erfüllt und wie er die Situation der Christen in Nordeuropa einschätzt.

POW: Herr Domkapitular Keßler, Sie haben seit wenigen Wochen den Vorsitz des Bonifatiuswerks der deutschen Katholiken im Bistum Würzburg inne. Welche Aufgaben erfüllt dieses Hilfswerk?

Domkapitular Thomas Keßler: Ursprüngliche Aufgabe des Bonifatiuswerks ist, katholische Gemeinden zu unterstützen, die in einer Minderheitensituation leben. Dabei sind vor allem Gemeinden in der Diasporasituation in Norddeutschland und Nordeuropa im Blick. Das Bonifatiuswerk trägt aber jetzt in seinem Namen auch die Bezeichnung „Hilfswerk für den Glauben“. Es unterstützt zum Beispiel die Kommunion- und Firmvorbereitung, gibt Impulse für Glaubenskurse und unterstützt soziale Initiativen von Gemeinden und Ordensgemeinschaften.

POW: Waren Sie selbst bislang schon in Nordeuropa? Und wie haben Sie die Situation der Katholiken dort erlebt?

Keßler: Vor einigen Jahren war ich bei einem Treffen von Generalvikaren in Stockholm/Schweden. Die katholischen Gemeinden sind oft international geprägt, es gibt viele junge Gemeindemitglieder und lebendige Gemeinden. Es war für uns zugegebenermaßen ein ungewohnter Anblick, dass bei einem Sonntagsgottesdienst etwa 20 Kinderwägen im Vorraum der Kirche standen. Von den Christen ist viel Eigeninitiative nötig, wenn sie ihren Glauben leben wollen.

POW: Welche Akzente möchten Sie als Vorsitzender setzen?

Keßler: Die Diasporasituation ist nicht irgendwo anders, ist nicht weit weg, sondern wir stehen oft selbst mittendrin. Es hilft uns aber nichts, wenn wir ständig nur vom Relevanzverlust der Kirche in der Gesellschaft reden. Mir scheint es gut, eine diözesenverbindende Lerngemeinschaft zu fördern – gerade auch mit Erfurt –, um zu schauen, wie Christ-Sein und Kirche-Sein unter diesen veränderten Bedingungen so gelebt werden kann, dass wir einladend wirken und sind. Für mich persönlich ist es auch bezeichnend, dass wir bei der Dekaneklausur im Jahr 2015 in Erfurt die Ermutigung, den Weg in die Pastoral der Zukunft zu gehen, von den Verantwortlichen des Bistums Erfurt bekommen haben. Diesen Impuls habe ich damals als Generalvikar aufgegriffen.

POW: Auch in traditionell katholischen Gegenden Deutschlands sind die Zahlen der Katholiken inzwischen rückläufig. Wird das Bonifatiuswerk hier tätig?

Keßler: Es geht vor allem darum, dass die Menschen den Glauben als einen Gewinn für das persönliche Leben entdecken. Die Bezeichnung „Hilfswerk für den Glauben“ des Bonifatiuswerkes zeigt da die Richtung an.

Interview: Markus Hauck (POW)

(1121/0264; E-Mail voraus)

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