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Reportage

Liturgie zum Riechen

Weihrauchprobe im Dekanat Miltenberg – Michael Pfeifer vom Liturgiereferat des Bistums Würzburg erklärt ehrenamtlichen Gottesdiensthelfern die Geschichte und Bedeutung des Weihrauchs – Gemeinsame Praxisübungen in der Kirche

Kleinheubach (POW) In Sekundenschnelle hat sich der Rauch in jeden Winkel des Pfarrsaals von Kleinheubach (Landkreis Miltenberg) ausgebreitet und verströmt sichtbar seinen balsamartigen Duft. Wie hypnotisiert schauen die 21 Teilnehmer der Weihrauchprobe auf die Schale in ihrer Mitte und beobachten, wie der Weihrauch in kräuselnden Bewegungen nach oben zieht. „Gut, dass es hier keine Rauchmelder gibt, sonst hätte das Ganze doch in der kalten Kirche stattfinden müssen“, sagt Michael Pfeifer, Referent für liturgische Bildung. Für die ehrenamtlichen Gottesdiensthelfer der Dekanate Miltenberg und Obernburg hat er eine ganze Reihe an verschiedenen Weihrauchsorten mitgebracht und informiert über die Historie und die Symbolik des Weihrauchs in der Liturgie.

„Weihrauch ist ein Naturprodukt“, erklärt Pfeifer. „Wenn ich einen Weihrauchbaum verletze, tritt zum Wundverschluss Harz aus.“ Dieser Wundsaft, also das Harz, trockne anschließend an der Luft und werde dann abgeschabt. Bis zu sieben Mal im Laufe eines Sommers könne ein Weihrauchbaum angeschnitten und das Harz geerntet werden. „Die Qualität richtet sich nach Größe und Farbe des ausgetretenen Harzes.“ In einem Glas hat er gelbliche bis weißliche Harzkörnchen dabei und zeigt sie der Runde. „Alles, was Sie an anderen Farben in Ihrem Weihrauch finden, können Sie eigentlich vergessen“, sagt Pfeifer. Diesen bunten Weihrauchmischungen seien Räucherstoffe wie Blüten oder Sandelholz beigemischt, wodurch der Rauch zwar sehr sichtbar werde, aber für die Atemluft eher schädlich sei. „Deshalb achten Sie beim Einkauf unbedingt auf die Qualität des Weihrauchs“, erklärt Pfeifer und empfiehlt Weihrauch aus Südarabien oder Afrika.

Weihrauch habe auch eine medizinische Komponente und wirke gerade bei Entzündungskrankheiten wie Neurodermitis oder Morbus Crohn regulierend und nebenwirkungsfrei, sagt Pfeifer. Das funktioniere jedoch nicht über den Rauch. Er bietet den Gottesdiensthelfern an, seinen Weihrauch, den er aus Damaskus habe, einmal zu essen. „Das zerbröselt ja wie Staub“, sagt eine Teilnehmerin erstaunt. „Und wenn Sie etwas länger darauf herumkauen, hängt er sich zwischen die Zähne und wird allmählich zu Kaugummi“, klärt Pfeifer auf. Der Weihrauch schmecke ungewohnt und balsamartig, aber man könne ihn tatsächlich essen, stellen weitere Teilnehmer fest.

Pfeifer kratzt die verbrannten Harzreste von der Kohle weg und legt die nächste Weihrauchmischung darauf. Mit der Schale läuft er einmal an jedem Teilnehmer vorbei, damit allen schnell ein blumiger Geruch in die Nase steigt. „Das ist ein byzantinischer Blütenweihrauch, der nach Hyazinthen riecht“, erklärt Pfeifer. Bei dieser Art Weihrauch werde dem Harz ein ätherisches Öl zugesetzt, das beim Verdampfen einen intensiven Duft hinterlässt. „Für den Aufbau einer Messe könnte man zum Beispiel auch verschiedene Düfte einsetzen“, schlägt er den Gottesdienstbeauftragten vor.

Damit die Teilnehmer selbst einmal ein Weihrauchfass schwenken können, geht Pfeifer mit der Gruppe in die Dreifaltigkeitskirche und probiert mit ihnen verschiedene liturgische Elemente aus. Gemeinsam ziehen sie mit Weihrauch, Kerzen und einem Lektionar in die Kirche ein. Während im Alten Testament Weihrauch oft in Verbindung mit Opfervorschriften beschrieben werde, gehe das Neue Testament häufig auf Weihrauch als Symbol der Verehrung, der Reinigung und des Gebets ein. „Wenn der Pfarrer die Gemeinde nach der Gabenbereitung beweihräuchert, verehrt er sie als Kinder Gottes“, gibt Pfeifer als eigene Interpretation an die Teilnehmer weiter. Um diese Verehrung einmal wahrzunehmen, sollen die Gottesdiensthelfer sich gegenseitig mit dem Weihrauch beräuchern. Konzentriert schwenken sie das Weihrauchfass voreinander auf und ab. Sie sind ganz still dabei, man hört nur das Klirren der Ketten am Weihrauchfass. Dieses Element könnten die Gottesdienstbeauftragten auch einmal in ihren (Wort-)Gottesdiensten ausprobieren, schlägt Pfeifer vor.

„Ein anderer denkbarer Ansatz für die Liturgiegestaltung ist, um die Gemeinde einen Feuerring zu legen. Das wird im byzantinischen Ritus beispielsweise so umgesetzt wird“, sagt Pfeifer. Um das auszuprobieren, läuft ein Teilnehmer mit dem Weihrauchfass an den Wänden der Kirche entlang und schließt die Gruppe in jenen Feuerring ein. „Das hat etwas Beruhigendes“, stellt eine Teilnehmerin fest. Die Praxisübung endet mit einem gemeinsamen Vaterunser. Pfeifer legt dazu eine seiner besten Weihrauchmischungen auf, die nach Nuss riecht. Der aufsteigende Rauch verdeutlicht, wie das Gebet zu Gott aufsteigt.

„Ich habe erfahren, dass Liturgie nicht nur Sehen und Hören ist, sondern auch sich bewegen und vor allem Riechen ist“, stellt Stefan Tögel, Lektor und Kommunionhelfer in Amorbach, am Ende der Weihrauchprobe fest. Die Gottesdienstbeauftragte Michaela Weling aus Rüdenau fand den praktischen Teil sehr schön. „Aber bei der Umsetzung müssen wir noch einmal schauen“, sagt sie. Sie wolle die Gottesdienstbesucher ja nicht überrennen. Und Ministrant Frank Zimlich aus Collenberg versucht ab jetzt, die jüngeren Ministranten noch stärker zu motivieren, den Weihrauchdienst im Gottesdienst zu übernehmen. Schließlich könne er ihnen jetzt noch besser erklären, woher der Weihrauch kommt und welche Bedeutung er besitzt.

Pfeifer hat zum Thema Weihrauch ein Buch veröffentlicht und ist zudem im Internet unter www.incens.de präsent.  

Michael Pfeifer: „Der Weihrauch – Geschichte, Bedeutung, Verwendung“. 292 Seiten, 26,95 Euro. Verlag Friedrich Pustet, Regensburg 2018, ISBN 978-3-7917-2948-0.

                                                                                                                                                                                                                                                       Rebecca Hornung (POW)

(0419/0088; E-Mail voraus)

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