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Mehr Mut zum Bauchgefühl

Engelberggespräch zum Thema „Navi oder Bauchgefühl?“ – Teilnehmer diskutieren darüber, was heute Orientierung im Leben gibt

Miltenberg/Kloster Engelberg (POW) Um es vorweg zu nehmen: Die Frage „Navi oder Bauchgefühl?“, die dem diesjährigen Engelberggespräch als Überschrift diente, wurde mit einem ausgewogenen „sowohl als auch“ beantwortet. Landrat Jens Marco Scherf (Miltenberg), Ritaschwester Nicole Klübenspieß (Lohr), Gemeindereferentin und Krankenhausseelsorgerin, sowie Kommunikationstrainer Erwin Sickinger (Erlenbach) diskutierten am Samstag, 16. März, in der Gaststätte des Klosters Engelberg vor rund 100 Gästen darüber, wie man in dieser komplexen Welt die Orientierung behalten kann. Moderiert wurde das Gespräch von Bildungsreferent Joachim Schmitt, Veranstalter waren die Katholische Arbeitnehmer-Bewegung (KAB), die Caritas Miltenberg sowie das Martinusforum Aschaffenburg und die Franziskaner auf dem Engelberg.

Michael Seiterle, Vorsitzender des Vereins „Main-Reim“, begleitete und kommentierte die Diskussionen mit seiner Lyrik. In einem Sinn-Such-Sonett stellte er zu Beginn die Frage: „Wer kann mir zeigen, was meine Welt im Inneren zusammenhält?“ Dass man zur Beantwortung nach innen schauen müsse, unterstrich Klübenspieß. In ihrer Arbeit habe sie viel mit Menschen in einer Lebenskrise zu tun. Deshalb gehe es in der psychiatrischen Klinik in Lohr darum, die inneren Ressourcen zu entdecken. „Die Menschen brauchen die Erfahrung: In mir gibt es mehr als nur die Krise“, sagte Klübenspieß.

Scherf setzt bei seiner Arbeit stark auf den Dialog als Mittel, Polarisierungen zu vermeiden. Als Beispiel führte er die vielen Veranstaltungen während der Flüchtlingskrise auf, in denen oft konträre Meinungen aufeinandergetroffen seien. „Geholfen hat da der intensive Austausch.“ Auch beim Thema Artenschutz, für das nach dem Volksbegehren eine deutliche Willensbekundung vorliege, wolle er in Runden Tischen weiter mit allen Lagern im Gespräch bleiben. Was manche der Demokratie als Schwäche auslegen, hielt er für eine ihrer Stärken – den Kompromiss.

Sickinger, der als Kommunikationstrainer oft mit Führungskräften aus der Wirtschaft arbeitet, sah die Sinnsuche als eine Antwort auf die Komplexität der Welt. „Veränderungen sind Voraussetzung für das Leben und Gelassenheit das richtige Konzept, um die Veränderungen zu gestalten“, sagte er. Dafür sei es aber unabdingbar, die eigene innere Orientierung zu finden.

Doch so ein innerer Kompass braucht auch ein Magnetfeld, nach dem er sich ausrichten kann. Dabei kämen, so spitzte es Moderator Schmitt zu, immer mehr Institutionen ins Wanken, die früher einmal für diese Ausrichtung standen. Die Kirche befände sich in einer Krise, aufgrund derer sich immer mehr ihrer Mitglieder abwendeten, und auch die Politik habe mit einem zunehmenden Vertrauensverlust zu kämpfen. Klübenspieß merkte dazu an, dass es in jedem Menschen so etwas wie eine spirituelle Sehnsucht gäbe. Ihr nachzugehen sei hilfreich für die Orientierung im Leben. „Mein erstes Ziel ist nicht, Menschen kirchlich zu machen, sondern ihnen beim Wachsen ihrer Spiritualität zu helfen.“

Dass die Zeit der großen Volksparteien vorbei zu sein scheine, die vielen Menschen früher bei einer klaren Positionierung geholfen hätten, deutete Scherf als einen Zugewinn an Freiheit. Auf einzelne Politiker zu vertrauen sei kein Allheilmittel. Vielmehr müsste sich heute jeder selber fragen, welche Werte ihm wichtig seien. „Sich selber entscheiden zu müssen ist ziemlich anstrengend“, sagte Sickinger. Er forderte trotzdem dazu auf, vom Lagerdenken wegzukommen. Und ihm sei es wichtig, vom Reden zum Handeln zu kommen. „Es gibt nichts Gutes, außer man tut es“, zitierte er Erich Kästner.

Die Beiträge des Publikums verstärkten einige der Gedanken. Es brauche mehr Mut, Dinge auszuprobieren, auch wenn dadurch manchmal Fehler passieren, war da zu hören. „Wer traut sich heute noch, ohne Navi einfach mal loszufahren und zu sehen, was passiert?“, war eine andere Äußerung. Insofern, so eine der Erkenntnisse des Abends, brauche es in Anspielung auf die Eingangsfrage ein Navi zur Grundorientierung, aber auch den Mut, in der konkreten Situation auf sein Bauchgefühl zu hören.

Seiterle erntete mit seiner Lyrik viele Lacher, aber auch einige Nachdenklichkeit. Etwa als er zur Frage, was uns Halt gibt im Leben, den Monolog eines Salatkopfes vortrug, der zitternd wissen will: „Gibt es ein Leben nach der Ernte?“

bv (POW)

(1219/0316; E-Mail voraus)

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