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Im Gespräch

„Mein Dank gilt allen für ihr Verständnis“

Finanzdirektor Ordinariatsrat Sven Kunkel zieht Bilanz des dreijährigen Bau-Moratoriums im Bistum Würzburg

Würzburg (POW) Das dreijährige Bau-Moratorium der Diözese Würzburg ist seit 1. August 2022 beendet. Im folgenden Interview zieht Finanzdirektor Sven Kunkel, Leiter der Hauptabteilung Finanzen und Immobilien, Bilanz und blickt darauf, wie es mit Bauprojekten zukünftig weitergeht.

POW: Zum 31. Juli 2022 ist das dreijährige Bau-Moratorium im Bistum Würzburg ausgelaufen. Wie lautet Ihr Fazit?

Finanzdirektor Sven Kunkel: Das Ziel des Bau-Moratoriums wurde erreicht, Fehlinvestitionen in kirchliche Gebäude im Hinblick auf künftige pastorale Erfordernisse und die dafür notwendige Gebäudelandschaft zu vermeiden. Bischof Dr. Franz Jung hat mit dieser Maßnahme und dem Bischöflichen Dekret meiner Ansicht nach Weitsicht bewiesen, auch wenn es dazu Kritik von einigen Kirchenstiftungen gab – insbesondere, wenn Baumaßnahmen bereits seit längerem angedacht oder in der Planungsphase waren. Es gab jedoch auch viele positive Stimmen von Ehrenamtlichen und Kirchenstiftungen, die diese Notwendigkeiten, auch aufgrund der finanziellen Situation des Bistums, erkannt haben. Mein Dank gilt hier allen für ihr Verständnis, insbesondere an die einzelnen Kirchenstiftungen, die davon direkt betroffen waren. Neben vielen weiteren Maßnahmen war auch das Bau-Moratorium ein wichtiger Baustein zur finanziellen Entlastung des Bistums. Das wurde dadurch erreicht, dass keine neuen großen Neu- und Umbaumaßnahmen genehmigt wurden. Notmaßnahmen und dringend notwendige Maßnahmen aufgrund staatlicher und behördlicher Auflagen zur Aufrechterhaltung der Betriebserlaubnis wurden durch die Diözesanbaukommission auch während des Bau-Moratoriums genehmigt und von der Diözese bezuschusst. Die Erfassung des Gebäudebestands der Kirchen- und Pfründestiftungen durch die Hauptabteilung Finanzen und Immobilien wurde, trotz der Coronapandemie, termingerecht bis Dezember 2021 abgeschlossen.

POW: Welchem Zweck dient diese Erfassung?

Kunkel: Wir haben somit eine Gesamtübersicht über den Gebäudebestand im gesamten Bistum Würzburg. Dazu gilt mein Dank allen Kolleginnen und Kollegen unserer Abteilung Liegenschaften und Bau, die während des Bau-Moratoriums erhebliche Zusatzarbeiten bewältigen mussten. Die Kategorisierung der erfassten Gebäude ist jetzt Aufgabe einer eigenen Projektgruppe. Wichtig war mir dabei, dass die Kategorisierung nicht auf Basis baulicher und finanzieller Überlegungen, sondern auf Basis der individuellen pastoralen Notwendigkeiten der einzelnen Pastoralen Räume erfolgt. Auch wenn das Bau-Moratorium die ehrenamtlich engagierten Mitarbeiter in den Kirchenstiftungen, die örtlichen Pfarrer und unsere gesamte Hauptabteilung Finanzen und Immobilien vor große Herausforderungen gestellt hat, hat das Bau-Moratorium mit dazu beigetragen, eine schwierige Zeit gut zu überbrücken.

POW: Welche besonderen Herausforderungen gab es in dieser Zeit?

Meine ersten großen Herausforderungen waren Gespräche mit Bürgermeistern, die noch keine Finanzierungszusagen hatten, es jedoch aus der Vergangenheit gewohnt waren, Zuschüsse für Neubauten, Generalsanierungen oder Erweiterungen für Kindergärten zu erhalten. Letztendlich haben wir, nach teils schwierigen, aber immer respektvollen Gesprächen auch hier gemeinsame Lösungen gefunden. Dabei konnten wir durch die Abgabe des Eigentums der Immobilie an die Kommunen auch ehrenamtliche Kirchenstiftungen von der Gebäudeverwaltung entlasten. Auch mit Kirchenstiftungen, die bereits seit Jahren größere Baumaßnahmen beabsichtigt hatten oder bereits im Planungsprozess waren, haben wir dazu viele Einzelgespräche geführt, um gemeinsam nach Lösungen zu suchen.

POW: Wie verliefen diese Gespräche?

Kunkel: In den meisten Fällen haben wir gemeinsam gute Lösungen gefunden. Schade fand ich, dass es Einzelfälle gab, die kein Verständnis für die aktuelle Situation und diese allgemein gültige Regelungen hatten. Die Aufgabe unserer Abteilung war es jedoch auch, diese Vorgaben für alle in gleicher Weise umzusetzen. Beim Besuch aller 21 bisherigen Dekanate habe ich die Hinweise der ehrenamtlichen Kirchenpfleger gerne aufgenommen. Diese arbeiten ehrenamtlich überaus engagiert für „ihre" Kirchenstiftungen, teils seit Jahrzehnten. Sie fühlen sich oft persönlich betroffen, wenn sie „ihr“ Gebäude nicht in gutem Zustand halten können. Mit diesen Anregungen habe ich gemeinsam mit Katja Mark-Engert, Leiterin der Abteilung Liegenschaften und Bau, Lockerungen des Bau-Moratoriums für kleine Maßnahmen umsetzen können. Die größte interne Herausforderung für uns war sicher die Bearbeitung der zahlreichen Anträge mit umfangreichen Erklärungen für die Notwendigkeit des Bau-Moratoriums und dem Werben für Verständnis; außerdem die gleichzeitige Neustrukturierung der Abteilung Liegenschaften und Bau mit Integration des Bischöflichen Bauamtes, das vorher eine eigene Hauptabteilung war. Aufgrund der Vakanzen des Bischöflichen Finanzdirektors, des Leiters Liegenschaften und des Diözesanbaumeisters, verbunden mit dem Bau-Moratorium, haben viele langjährige und erfahrene Mitarbeiter das Bischöfliche Ordinariat verlassen. Katja Mark-Engert als neue Abteilungsleiterin Liegenschaften und Bau, die zeitgleich mit mir 2019 ins Bischöfliche Ordinariat kam, hatte gemeinsam mit mir neben fehlendem Personal auch diese zusätzlichen strukturellen und organisatorischen Veränderungen umzusetzen. Mein Dank gilt hier den langjährigen Mitarbeitern, die „durchgehalten“ haben und vielen neuen, auch jungen Mitarbeitenden, die wir gewinnen konnten und die sich überdurchschnittlich einbringen.

POW: Wie wird sich das Thema Bauen im Bistum Ihrer Meinung nach zukünftig entwickeln?

Kunkel: Im Mittelpunkt steht für uns, auch beim Thema Bauen, die Unterstützung unserer Ehrenamtlichen in den Kirchenstiftungen vor Ort. Dazu haben wir, nach Besetzung der vakanten Stellen, die Abläufe im Referat Bau optimiert und verkürzt und geben den Kirchenstiftungen mit der neuen Baugenehmigungsordnung künftig mehr Handlungsfreiheit. Die Aufrechterhaltung und Weiterentwicklung der Baukultur in der Diözese Würzburg unter den Prämissen Nachhaltigkeit sowie des sparsamen und umweltbewussten Umgangs mit Ressourcen müssen mit den unter den  Rahmenbedingungen geringer werdender finanzieller Ressourcen in Einklang gebracht werden. Das wird nur mit einer Priorisierung und Begrenzung auf das für uns als Kirche im Bistum Würzburg Wesentliche möglich sein. Wir werden die Kirchenstiftungen zukünftig zu Möglichkeiten für die Umnutzung, auch in Zusammenarbeit mit den Kommunen, von pastoral nicht mehr benötigten Gebäuden beraten.

POW: Was heißt das konkret?

Kunkel: Aufgrund der steigende Baukosten und dramatisch steigenden Unterhaltskosten, beispielsweise für Heizung und Strom, bei den kirchlichen Immobilien gilt es zukünftig, den Blick auch auf den Pastoralen Raum zu lenken und gemeinsam mit benachbarten Kirchenstiftungen nach Kooperationen und Lösungen zu suchen, um den Unterhalt und die Instandhaltung der Immobilien gemeinsam sicherzustellen.

Interview: Markus Hauck (POW)

(3122/0917; E-Mail voraus)

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