Würzburg (POW) Leid und Umbrüche sind „Geburtsschmerzen“ eines neuen Lebens. Das hat Bischof Dr. Franz Jung am Freitag, 15. Mai, beim Gottesdienst für katholische Studentenverbindungen im Würzburger Neumünster betont. Er rief die Mitglieder der Verbindungen auf, aus dem Glauben heraus in Freundschaft und gesellschaftlicher Verantwortung zu handeln, im Einstehen für eine christliche Lebensführung, in der Verteidigung der Würde des Lebens, im politischen Engagement, von dem jede Demokratie lebt, und im Mut, in aktuellen Debatten für Gott und die Kirche die Stimme zu erheben „wie viele es bereits seit Jahren tun“. Denn der erhöhte Herr rufe den Menschen zu: „In der Welt seid ihr in Bedrängnis; aber habt Mut: Ich habe die Welt besiegt“, erklärte der Bischof. An dem Gottesdienst nahm auch Bayerns Innenminister Joachim Herrmann teil, seit 1980 Mitglied der KDStV Frankonia (Czernowitz) zu Erlangen im Cartellverband (CV). Insgesamt neun Verbindungen waren mit ihren Fahnen vertreten.
Bischof Jung nahm Jesu Abschiedsrede mit den Worten „Ihr werdet weinen und klagen“ zum Ausgangspunkt seiner Predigt. Er sprach von der Erfahrung, dass Gott fern erscheine, die Kirche an Glaubwürdigkeit verliere und die Welt religiöse Hoffnung oft ablehne. Zugleich betonte er, dass Trauer nicht das letzte Wort habe.
Die Argumente der Gottesleugner seien seit Jahrtausenden die gleichen: Krieg und Gewalt, Krankheit und Pandemien, grassierende Ungerechtigkeit und Verbrechen, Armut und Verelendung ganzer Länder und Nationen. Mit dem Bild der Geburtswehen deutete der Bischof die schmerzhaften Entwicklungen in Kirche und Welt als Durchgang zu neuem Leben und neuer Freude.
Im Blick auf die vier Prinzipien des Cartellverbandes verband der Bischof diese Hoffnung mit konkreten Erwartungen an katholische Studentenverbindungen. Unter „Religio“ forderte er einen glaubenden Blick auf Krisen, unter „Amicitia“ tragfähige Freundschaft in schwierigen Zeiten. Zu „Scientia“ sagte der Bischof, Kirche und Gesellschaft brauchten die besten Köpfe, wissenschaftliche Exzellenz, Problemlösungskraft und Mut zu neuen Wegen. Unter dem Stichwort „Patria“ rief er zu christlichem Engagement in Gesellschaft und Politik auf und verwies auf die Verantwortung von Christen als Bürger zweier Welten. In der Welt sei Bedrängnis, aber Christus habe die Welt besiegt, schreibe der Evangelist Johannes. Bischof Jung leitete daraus den Auftrag ab, sich für Gott und Kirche einzusetzen und „aufzustehen“.
Im Anschluss an den Schlusssegen gedachten der Bischof, die Konzelebranten und Mitglieder der Unitas-Hetania ihres am 15. Mai 2011 seliggesprochenen Bundesbruders Pfarrer Georg Häfner. Dieser wurde nach kritischen Äußerungen über die damaligen nationalsozialistischen Machthaber 1941 verhaftet und kurz darauf ins Konzentrationslager Dachau gebracht. Dort starb er nach Misshandlungen und Quälereien am 20. August 1942 den Hungertod. „Auch er war einer, der Mut hatte und aufstand gegen Gewalt und Terror“, betonte Pfarrer i. R. Robert Borawski. Er zitierte aus einem Brief, den Häfner noch aus dem Würzburger Gefängnis an seine Eltern schrieb: „Keinem Menschen wollen wir fluchen, keinem etwas nachtragen, mit allen wollen wir gut sein.“ Das sei die Botschaft des Seligen.
mh (POW)
(2126/0492; E-Mail voraus)
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