Würzburg (POW) Im Eifer des Gefechts hat die Kamera nicht auf die in Glasschälchen bereit gestellten Gewürze gehalten. Sie sind schon in der Beize für den Rheinischen Sauerbraten gelandet. „Können Sie bitte noch einmal Piment, Pfeffer, Zwiebel, Pumpernickel und Co. in die Schälchen geben und dann nach und nach für die Kamera wegnehmen?“, fragt Patricia Reichel. Die Redakteurin des Bayerischen Fernsehens arbeitet für die Rubrik „Neigschaud“ der Frankenschau aktuell. Gemeinsam mit Techniker Kjell Zettwitz und Kameramann Claus Weisensee schaut sie heute in eine ganz besondere Küche: die des Würzburger Bischofshauses am Kardinal-Döpfner-Platz.
Bischof Dr. Friedhelm Hofmann ist ein weiterer fränkischer Prominenter, der in der vom Studio Nürnberg verantworteten Reihe in lockerer Atmosphäre etwas über sich und seine kulinarischen Vorlieben preisgeben darf. „Dieses Rezept ist eine meiner Kindheitserinnerungen. Meine Mutter machte den besten Rheinischen Sauerbraten. Da kamen die Klassenkameraden zu uns und haben zum Probieren sogar ihre Eltern mitgebracht“, berichtet der Bischof später vor laufender Kamera, nicht ohne gleichzeitig das Küchenteam in seinem Haus aufs Höchste zu loben.
Den beiden Rita-Schwestern Konradine Arnold und Hauswirtschafterin Laurentiana Gesterkamp überlässt er wie üblich auch an diesem Tag das Kochen. Während Kamera und Beleuchtung für den Einsatz in der Küche justiert werden, führt Redakteurin Reichel ein Vorgespräch mit den Ordensfrauen: „Es wäre schön, wenn Sie nicht einfach still vor sich hin kochen, sondern, wenn der Bischof nachher dazu kommt, ein wenig einen Dialog mit ihm führen könnten.“ Außerdem bittet sie die Schwestern, Handgriffe, die sich nicht wiederholen lassen, rechtzeitig vorher anzukündigen, damit kein wichtiges Bild entgeht.
„Ist der Bischof denn schwer zu bekochen?“, möchte Reichel von den Schwestern wissen. Das Gegenteil sei der Fall, er esse praktisch alles gerne. Dann entlockt die Fragestellerin Schwester Laurentiana noch, was der Bischof nicht so gerne ist: Klöße, Nudeln und Spätzle. „Er isst sie schon – wenn’s sein muss, zum Beispiel, wenn er zum Firmen im Bistum unterwegs ist. Wenn er wählen kann, dann gibt es als Beilage Kartoffeln – in allen Variationen.“
Nachdem der Bischof kurz von seinem Lieblingsgericht erzählt hat, verlässt er bis zum Abschmecken der Soße die Küche. „Ich bin gestern erst aus dem Urlaub zurückgekommen und habe einiges aufzuarbeiten“, entschuldigt sich der Hausherr. Weil für die Aufnahme alles ein wenig schneller gehen muss als in der Wirklichkeit, nimmt Schwester Laurentiana, die seit fünf Jahren im Bischofshaus lebt und arbeitet, das Rindfleisch bereits nach wenigen Minuten aus der Beize aus Rotweinessig und Rotwein. Üblicherweise darf der Braten zwei Tage im Kühlschrank lagern. Bei geplanten zwei Stunden Drehzeit bedürfen eben einige Vorgänge der Abkürzung.
Während die Köchin das Fleisch scharf anbrät, bereitet ihre Mitschwester das Gemüse vor: Sie hobelt einen großen Kopf Blaukraut in feine Streifen und schneidet Äpfel in kleine Würfel. Schwester Laurentiana widmet sich der Bratensoße. Die hat sie mit einem weiteren Braten am Vortag gekocht. Per Telefon ruft sie den Bischof zum Abschmecken. „Ausgezeichnet. Bloß nichts mehr daran ändern“, preist Bischof Hofmann den Bratensaft: „Ich mag es, wenn Karottenstücke und Ähnliches darin bleiben. Das schmeckt doch gleich ganz anders.“
„Wann möchten Sie essen?“, fragt Schwester Laurentiana ihren Chef noch schnell, bevor sie das in Scheiben geschnittene Fleisch mit Soße übergießt und in einer feuerfesten Form in den Backofen schiebt. Damit die Fernsehzuschauer einen Einblick in sein Zuhause bekommen, führt Bischof Hofmann das Kamerateam durch die Räume – zum Beispiel zum Sessel in der Privatbibliothek. „Das ist mein Lieblingsplatz, hier sitze ich gerne, wenn ich meine Zeitungen oder ein gutes Buch lese“, sagt der Bischof. Zum Erstaunen des BR-Teams finden sich moderne Kunstwerke und zugleich viele freie Wandflächen im Bischofshaus. „Ich hatte eher an opulente Ölgemälde und barock anmutende Räume gedacht“, erklärt die Redakteurin. Als promovierter Kunsthistoriker habe er eine besondere Vorliebe für zeitgenössische Werke, berichtet der Bischof und führt seine Gäste in die Hauskapelle. Dort erläutert er den von Jochem Pechau geschaffenen Kreuzweg mit seinen vierzehn Holzschnitt-Motiven und zeigt ebenso begeistert den historischen Alabasteraltar. Dieser hat als zentrales Motiv Jesus und seine schlafenden Jünger am Ölberg. „Für mich als Bischof ist dieser Anblick ständige Mahnung: Ich darf nicht schlafen, wenn Jesus und seine Kirche mich brauchen.“
Schließlich servieren die Schwestern das Menü im Speisesaal, wo sie gemeinsam mit dem Bischof dreimal am Tag essen. Das Tischgebet ist gesprochen, die letzten Fernsehbilder sind im Kasten. Der Hausherr bittet seine Gäste mit an den Tisch. Die lassen sich den zarten Sauerbraten, das frisch zubereitete Blaukraut, die kräftige Soße und das von Hand gestampfte Kartoffelpüree munden. Dass es keine Klöße gibt, ist am Ende der Fernsehaufnahmen keine Überraschung mehr.
Die Aufzeichnung aus dem Würzburger Bischofshaus ist im Bayerischen Fernsehen in der „Frankenschau aktuell“ am Donnerstag, 27. August, um 17.30 Uhr zu sehen.
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