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Im Porträt

„Nüchterne und klare Entscheidungen tun der Kirche gut“

Domdekan Prälat Günter Putz geht nach 28 Jahren als Schulreferent des Bistums Würzburg in den Ruhestand

Würzburg (POW) Zum 31. August geht Domdekan Prälat Günter Putz (69) als Leiter der Hauptabteilung Hochschule, Schule und Erziehung des Bistums Würzburg in den Ruhestand. Schulrat i. K. Jürgen Engel, bislang stellvertretender Schulreferent, wird als kommissarischer Schulreferent Putz‘ Aufgaben im Schulreferat übernehmen. 28 Jahre lang stand Putz an der Spitze des Schulreferats. „Ganz überrascht war ich 1991 nicht über meine Ernennung“, erzählt er.

Am Ende seiner Tätigkeit als Bischofssekretär für Bischof Josef Stangl und dessen Nachfolger Dr. Paul-Werner Scheele hatte dieser Putz in den Bildungssektor eingesetzt. Ab 1984 wirkte er als Leiter des Knabeninternats Kilianeum in Bad Königshofen und war zugleich mit halber Stelle Religionslehrer am örtlichen Gymnasium. „Das hat mir viel Freude gemacht, denn so wichtig Lehren und Lernen sind: Die Erziehungsarbeit ist noch wichtiger.“ 84 Schüler der Jahrgangsstufen fünf bis 13 waren damals im Internat untergebracht. „Ich selbst war neben der Hausleitung auch für die Betreuung der Oberstufe zuständig.“

Neu gelernt hat Putz in dieser Zeit nach eigenem Bekunden, dass das Begleiten der Persönlichkeitsentwicklung etwas „ganz Substanzielles“ ist und auch immer eine Reaktion beim Erzieher auslöst. Wichtig sei das solidarische Handeln von Erwachsenen zugunsten junger Menschen. „Erziehung kann nur gelingen, wenn Schule, Elternhaus und Internat gemeinsam an einem Strang ziehen.“ Dennoch sei es heutzutage schwer, eine nachhaltige religiöse Sozialisation zu erreichen, betont der Schulreferent.

Als eines Tages dann der Anruf aus Würzburg kam, verbunden mit der Bitte, dem langjährigen Schulreferenten Prälat Oskar Hörning nachzufolgen, sei ihm die Entscheidung nicht schwer gefallen, berichtet Putz. Schon von Kindertagen an sei ihm immer wieder pädagogisches Geschick bescheinigt worden. „Ich war bereits im Kindergarten der ‚Gruppenstabilisator‘.“ In der Grundschule habe sein Lehrer ihm zudem die Betreuung der Parallelklasse aufgetragen, als deren Klassenlehrer wegen Krankheit ausfiel. „Und mit 16 Jahren habe ich die Leitung der Schola von meiner Würzburger Heimatpfarrei Heiligkreuz übernommen.“

Die neue Aufgabe sei dennoch ein großer Vertrauensakt von Bischof Scheele gewesen. „Wir haben uns immer glänzend verstanden. Und er hat mich jederzeit zuverlässig und treu unterstützt.“ Schwierige Situationen und Herausforderungen, die es zu meistern galt, hat Putz in der langen Amtszeit genügend erlebt. Zum Beispiel, als es galt, die beiden verbliebenen Kilianeen in Bad Königshofen und Würzburg zu schließen. Putz ist sich sicher: „Nüchterne und klare Entscheidungen tun der Kirche gut.“ Es habe keinen Sinn mehr ergeben, Häuser zu verteidigen, die fast leer waren. „Am Ende kamen auf 20 Jugendliche fast genauso viele Angestellte.“

Umgekehrt hat Putz als Schulreferent den „Ein-Mann-Betrieb“ seines Vorgängers ausgebaut. Eine besondere Stütze sei ihm dabei von Anfang an seine Sekretärin Elisabeth Pfister gewesen, betont er. Aufgaben gab es mehr als genug: „Die Fortbildung musste erweitert und auf die Bedürfnisse der jeweiligen Schularten angepasst werden.“ Außerdem nahm er die Schulpastoral als wichtiges Angebot in den Blick. „Hier haben wir als Kirche schon früh die Ganztagesschule vorweggenommen.“ Neu geschaffen wurde unter Putz‘ Führung auch das Mentorat für die staatlichen Religionslehrer. Im Katechetischen Institut sei außerdem die Aus- und Fortbildungsordnung neu festgelegt worden. Personell und inhaltlich breit aufgestellt sei heute auch die Hochschulseelsorge. „Mein Vorgänger hat eher situativ gehandelt, ich mag es gerne strukturiert“, sagt Putz. Deswegen habe er auch mit Nachdruck dafür gesorgt, dass kirchliche Schulen, die bis dahin meist in Ordensträgerschaft waren, in Stiftungen umgewidmet worden seien. So sei deren Eigenständigkeit und Fortbestand auf die Zukunft hin gesichert.

„Immer gut hinbekommen“ hat der Schulreferent in den vielen Jahren die Balance zwischen Angebot und Nachfrage bei den Religionslehrern. „Die Religionslehrer im Kirchendienst sind immer dort eingesprungen, wo staatliche Lehrkräfte fehlten.“ Zwar habe das mitunter für diese bedeutet, an bis zu vier Schulen zu unterrichten. „Aber selbst an den Berufsschulen wird praktisch zu 100 Prozent der Religionsunterricht erteilt“, sagt Putz. Das sei bundesweit eine der wenigen Ausnahmen. Ärgerlich finde er, dass Priester, Diakone und die anderen pastoralen Kräfte immer wieder versuchten, die Pflichtstunden an Religionsunterricht, die sie halten müssen, zu reduzieren. Die Bedeutung des Religionsunterrichts sei gegenüber den staatlichen Stellen schwer zu bekräftigten, wenn die Kirche diese vornehme Pflicht sichtbar nicht wichtig nehme.

Als theologischen Faden in seinem Wirken im Schulreferat bezeichnet Domdekan Putz es, den sinnstiftenden Charakter von Religion jungen Leuten vermittelt zu haben. „Kirche ist geoffenbarte Wirklichkeit, über die Menschen nicht verfügen können.“ Er habe sich daher immer für eine „Ent-Säkularisierung“ eingesetzt. Die Kultur in Deutschland und Europa sei nur aus dem Geist christlicher Kultur, aus den jüdisch-christlichen Wurzeln des Abendlands heraus zu verstehen. Diese zu kennen und zu verstehen, sei deswegen zentrales Element des Religionsunterrichts. Wichtig sei zudem, die Menschen zur Dialogfähigkeit in einer multireligiösen Gesellschaft zu erziehen. „Unwissenheit ist oft der Grund für Angst.“

Die Bilanz, die Putz von seinem Wirken im Schulreferat zieht, fällt insgesamt positiv aus. „Ich bin sehr zufrieden. Wenn ich Menschen enttäuscht habe, dann immer aus Sachgründen. Mag sein, dass diese nicht immer mit den Karriereplänen Einzelner deckungsgleich waren.“ Letztlich müssten aber andere sein Wirken beurteilen. Bis 31. März 2020 bleibt Putz als Domdekan im Dienst und organisiert Dommusik und Liturgie in der Bischofskirche. Angst vor dem endgültigen Ruhestand hat der Geistliche nicht. „Ich bin niemand, der sich über Funktionen definiert. Durch die Taufe bin ich Christ, durch die Weihe Priester. Ich habe also immer meine Aufgabe.“ Der Ruhestand sei die letzte Reifungsphase im Leben eines Priesters. Dankbar sei er, dass er so lange habe durchhalten können, trotz einer angeschlagenen Gesundheit. „Gott hat mir dafür die Kraft gegeben. Und ich bin ohnehin ein Willensmensch und niemand, der sich leicht unterkriegen lässt.“ Im künftigen Lebensabschnitt will Putz sich Zeit nehmen für „das Ruhen und Spielen vor Gott“. Zeit für die angenehmen Dinge im Leben, zu denen für ihn das Klavierspiel, Theater, Belletristik, Tennis und Wandern zählen.

Zur Person

Günter Putz wurde 1950 in Würzburg geboren und stammt aus der Würzburger Pfarrei Heiligkreuz. Nach dem Abitur am Röntgen-Gymnasium studierte er in Würzburg Theologie und erwarb das Theologische Lizentiat. Am 29. Juni 1975 weihte ihn Bischof Josef Stangl in Würzburg zum Priester. Als Kaplan war Putz in Ostheim vor der Rhön, Sailauf, Untersteinbach und später auch Kitzingen-Sankt Johannes, wo er auch als Dekanatsjugendseelsorger wirkte. 1978 wurde Putz zum Bischöflichen Sekretär ernannt, ab 1980 war er zudem Domvikar. 1983 ernannte ihn der Bischof auch zum Seelsorger der Würzburger CV‑Verbindungen. Im Mai 1984 übernahm Putz die Leitung des Bischöflichen Knabenseminars Kilianeum in Bad Königshofen und unterrichtete gleichzeitig am Gymnasium Bad Königshofen.

Ab 1985 war er im Dekanat Rhön-Grabfeld auch Stellvertreter des Dekans sowie Beauftragter für Priester- und Ordensberufe und ab 1990 zudem Präses für Liturgie und Kirchenmusik. 1991 wechselte Putz als Ordinariatsrat ins Bischöfliche Ordinariat Würzburg und übernahm die Leitung der Hauptabteilung Schule und Erziehung. Zugleich wurde er Geistlicher Beirat des Sachausschusses Erziehung und Schule des Diözesanrats der Katholiken im Bistum Würzburg. Seit 1998 ist Putz Domkapitular und übte von 1998 bis Ende 2008 auch das Amt des Sekretärs des Domkapitels aus. Im Jahr 2000 wurde er zudem Referent für die Hochschulseelsorge. Im Hochschulrat der Hochschule für angewandte Wissenschaften Würzburg-Schweinfurt ist Putz Mitglied. Seit 2009 ist er Domdekan an der Kathedralkirche zu Würzburg und für Liturgie und Kirchenmusik am Dom verantwortlich.

Putz nimmt außerdem zahlreiche zusätzliche Aufgaben auf Diözesan- und Landesebene wahr. So ist er seit 1991 Vertreter des Ordinariats im Stiftungskuratorium des Studienseminars Julianum, seit 1997 Vertreter des Bischöflichen Stuhls im Vorstand des Ferdinandeums, seit 2000 Vorsitzender des Vereins Studentenburse und Vorstandsvorsitzender der Franz-Oberthür-Schulstiftung und seit 2007 auch Geistlicher Beisitzer des Vereins Elisabethenheim Würzburg. Von 2001 bis 2010 war er Vorsitzender des Beirats der Caritas-Schulen gGmbH, seit 2011 ist er dort Mitglied. Von 1996 bis 2011 war er außerdem Vorsitzender des Priestervereins der Diözese Würzburg und Mitglied im Verwaltungsausschuss der Emeritenanstalt und von 2001 bis 2006 auch Vorsitzender der Sankt-Kilians-Konfraternität. Außerdem war er bis 2011 viele Jahre Mitglied im Priesterrat. Auf Landesebene agiert Putz als Vertreter der bayerischen Schulreferenten im Landeskomitee der Katholiken in Bayern und war von 2001 bis 2004 stellvertretender Vorsitzender der Schulabteilungsleiter der deutschen Bistümer. Als Vorsitzender des Klerusvereins vertrat er die Diözese Würzburg im Bayerischen Klerusverein. Seit 2014 ist Putz in Vertretung des Bischofs außerdem Vorsitzender der „Gemischten Kommission zur Begleitung der wissenschaftlichen Ausbildung an den katholischen Fakultäten“.

Putz ist besonders der studentischen Jugend ein Ansprechpartner. Er war bis 2010 viele Jahre Geistlicher Beirat des KKV Constantia Würzburg und des Jung-KKV. Von 1997 bis 2000 war er Philistersenior in der Katholischen Deutschen Studentenverbindung Markomannia in Würzburg, seit 2004 ist er Ehrenphilister bei der Guelfia in Würzburg. Außerdem war er zeitweise auch Seelsorger des Cartellverbands der katholischen deutschen Studentenverbindungen. 1997 wurde Putz in die Gemeinschaft der Familiaren des Deutschen Ordens aufgenommen. Seit 2000 ist er außerdem Aufsichtsratsmitglied und Mitherausgeber der „Tagespost“.

Sein besonderes Engagement galt der Seligsprechung des im Konzentrationslager Dachau gestorbenen Pfarrers Georg Häfner. Putz war hierbei von 1986 bis 2002 Postulator beim Bischöflichen Erhebungsverfahren für die Seligsprechung des NS-Märtyrers. Papst Johannes Paul II. ernannte Putz 2003 zum Monsignore. Der Katholische Studentenverein Unitas-Hetania Würzburg würdigte die Leistung des Geistlichen als Postulator im Seligsprechungsprozess für Pfarrer Georg Häfner mit der Ernennung zum Ehrenmitglied im Jahr 2012. Ebenfalls 2012 ernannte Papst Benedikt XVI. Putz zum Prälaten. Seit 2019 ist Domdekan Putz zudem Geistlicher Assistent der Komturei Franken des Deutschen Ordens.

mh (POW)

(3219/0867; E-Mail voraus)

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