Würzburg (POW) Auch wenn der Verein 60 Jahre alt sei: An einen Rückzug oder gar Ruhestand sei nicht zu denken. Das hat Dr. Matthias Wagner, Vorsitzender des Würzburger Dommusikvereins, am Sonntag, 18. Oktober, beim Festakt im Burkardushaus betont. „Rund 800.000 Euro haben wir in den vergangenen sechs Jahrzehnten ausgeschüttet und gehen aktuell mit einer Förderung von über 50.000 Euro pro Jahr stramm auf die Million Euro zu. Das macht uns froh. Und ohne Sie, liebe Mitglieder, Ihre Beiträge oder auch Vermächtnisse, wäre diese Summe nicht möglich“, sagte Wagner. Der Vorstand übergab vor den versammelten Festgästen Schecks in Höhe von insgesamt 20.000 Euro an die Verantwortlichen der Dommusik.
Zuvor gaben die etwa 120 Sängerinnen und Sänger der Jungen Domkantorei und des Würzburger Domchores zusammen mit der Camerata Würzburg unter der Leitung von Domkapellmeister Alexander Rüth und Domkantor Julian Beutmiller sowie Domorganist Professor Stefan Schmidt unter der Überschrift „Gloria!“ ein mitreißendes Konzert im Kiliansdom, für das es stehenden Applaus gab.
In seiner Festansprache blickte Bischof Dr. Franz Jung auf die vorgetragene Vertonung von John Miltons Gedicht „Blest Pair of Sirens“ durch Hubert Parry. Das Werk bringe eine tiefe Sehnsucht nach Einheit zum Ausdruck, die durch das Einstimmen in den himmlischen Lobgesang vorweggenommen werde. „Aktueller könnte diese Bitte inmitten einer zerrissenen Welt nicht sein, in der die Kakophonien uns von überall her entgegentönen und in der wir uns so sehr danach sehnen, dass mal wieder etwas zusammenklingt“, betonte der Bischof.
Die Würzburger Dommusik wolle ein solcher „Ort der Resonanz“ sein, an dem Jung und Alt angeleitet werden, aufeinander zu hören, und schon jetzt zu Wegbereitern der Einheit zu werden. Exzellente Musik brauche jedoch verlässliche Unterstützung. „Jeder will sie hören, aber keiner will dafür bezahlen“, sagte Bischof Jung. Eine hochkarätige Dommusik koste Geld – von der Stimmbildung und Nachwuchsförderung über Konzerte, Orgelmusik und Instrumentenanschaffungen bis hin zu Chorreisen. Dass der Dommusikverein hierzu jährlich gut 50.000 Euro beisteuere, sei von unschätzbarem Wert. Ein besonderer Dank des Bischofs galt dem Vorstandsteam unter Leitung von Wagner.
Für die Stadt Würzburg überbrachte Bürgermeisterin Dr. Sandra Vorlová Glückwünsche. Sie erinnerte daran, dass der Verein 1966 gegründet wurde – ein Jahr vor der Wiedereinweihung des wiederaufgebauten Doms. Während der Raum zurückgewonnen wurde, hätten sich engagierte Menschen zusammengefunden, um diesen Raum mit Musik zu füllen. Aus eigener Erfahrung als langjährige Chorsängerin betonte Vorlová den unschätzbaren Wert der musikalischen Arbeit für junge Menschen. Neben Ausdauer und Ausprägung der eigenen Stimme lerne man im Chor, aufeinander zu hören. Zudem hob die Bürgermeisterin die internationale Strahlkraft hervor: Mit Chorreisen – wie der jüngsten Fahrt der Mädchenkantorei nach Tansania, bei der auch die Städtepartnerschaft mit Mwanza mit Leben gefüllt wurde – schaffe die Dommusik persönliche Nähe über kulturelle Grenzen hinweg. Ein Förderverein stehe selten selbst auf der Bühne. Seine Leistung zeige sich in jeder entwickelten Stimme, in jedem gelungenen Konzert und in jeder Begegnung, die ohne diese Hilfe nicht stattgefunden hätte, erklärte die Bürgermeisterin.
Domkapellmeister Alexander Rüth blickte auf die Entstehungsgeschichte des 1966 gegründeten Vereins zurück: Dieser sei fünf Jahre nach der Reaktivierung der Domsingknaben und fünf Jahre vor der Gründung der Mädchenkantorei ins Leben gerufen worden. Daran werde deutlich, dass der Verein von Beginn an die Zukunftsfähigkeit der Kinder- und Jugendchöre im Blick gehabt habe. Heute decke die Förderung eine weite Bandbreite ab, von den Erwachsenenchören über Sonderausstattungen bis hin zu internationalen Reisen.
Mit Blick auf die Zukunft hob Rüth hervor, dass Kultur eine notwendige Investition sei: „Ohne diese Investition keine Qualität, kein Tiefgang und keine Vielfalt.“ Da sich die finanziellen Rahmenbedingungen kirchlicher Organisationen in den kommenden Jahren drastisch verändern werden, sei die Dommusik mehr denn je auf externe Fördermittel angewiesen. Mit 500 singenden Menschen in allen Altersstufen setze die Dommusik jedoch ein starkes Zeichen und bleibe eine tragende kulturelle Säule der Stadt und Region. Rüth rief die Vereinsmitglieder dazu auf, weiterhin als Paten und Botschafter für diesen Schatz einzustehen.
mh (POW)
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