Hinweis

Ihre Browserversion wird leider nicht mehr unterstüzt. Dies kann dazu führen, dass Webseiten nicht mehr fehlerfrei dargestellt werden und stellt ein erhebliches Sicherheitsrisiko dar. Wir empfehlen Ihnen, Ihren Browser zu aktualisieren oder einen der folgenden Browser zu verwenden:

Orte der Begegnung, Bildung und Inspiration

Insgesamt 41 Katholische Öffentliche Büchereien erhalten das „BüchereiSiegel“ in Gold – Feier mit Gottesdienst und Bischofsempfang – Ehrenurkunde des Sankt Michaelsbunds für Christine Herrmann und Nikolaus Seitz – Bischof Jung warnt vor „verheerenden Konsequenzen“ mangelnder Lesekompetenz

Würzburg (POW) Für die hohe Qualität ihrer Arbeit sind 41 Katholische Öffentliche Büchereien (KÖB) im Bistum Würzburg mit dem Goldenen „BüchereiSiegel“ des Sankt Michaelsbunds ausgezeichnet worden. 34 von ihnen überreichte Bischof Dr. Franz Jung bei einem Empfang am Freitagabend, 23. Oktober, im Exerzitienhaus Himmelspforten in Würzburg die Urkunde. „Ich darf allen ganz herzlich danken, die sich in unseren Katholischen Öffentlichen Büchereien in Bayern mit Herzblut einbringen. Das ehrenamtliche Engagement so vieler ist die eine Säule unserer kirchlichen Büchereien, die Qualität unserer Büchereien die andere“, sagte der Bischof. Darüber hinaus erhielten Christine Herrmann (KÖB Glattbach) und Nikolaus Seitz (KÖB Pflaumheim) für ihr langjähriges Engagement in der Büchereiarbeit jeweils die Ehrenurkunde des Sankt Michaelsbunds. Die Verleihung fand im Rahmen der Mitgliederversammlung des Sankt Michaelsbunds in Bayern statt.

In seinem Grußwort bekannte sich Bischof Jung als begeisterter Vorleser. Der bundesweite Vorlesetag jeweils am dritten Freitag im November mache ihm „richtig Freude“ und sei ihm persönlich sehr wichtig. „Mit meiner Teilnahme an dieser Aktion will ich meinen kleinen Beitrag leisten, Lesefreude bei den Kindern zu wecken und Lesekompetenz zu fördern. Sie tun das mit Ihrer Arbeit das ganze Jahr hindurch.“ Aktuell sei diese Förderung nötiger denn je. Immer mehr Kinder hätten Probleme beim Lesen, zitierte er Julia Bielenberg, Geschäftsführerin des Oetinger Verlags. In einem Interview hatte diese erklärt: „Sie können nicht mehr in dem Maße an der Gesellschaft teilhaben, in dem es wünschenswert wäre. Sie werden in unsere Sozialsysteme eingehen, weil sie keine Jobs bekommen werden. Sie werden wahrscheinlich empfänglicher für sehr einfache, platte Antworten, weil sie nicht entsprechend komplex denken können. Das heißt, dass sie wahrscheinlich zu den extremen Polen unserer politischen Landschaft tendieren.“ Das sei eine Botschaft „mit verheerenden Konsequenzen“, warnte der Bischof.

Gerade Kinder im Grundschulalter seien die Hauptklientel der KÖBs, erklärte Bischof Jung: „Kinder, denen unsere Büchereien vielerorts mit großem Engagement Lesefreude vermitteln und sie zum Lesen und Zuhören von Geschichten animieren und somit das Lesen fördern.“ Hier leisteten die KÖBs und der Sankt Michaelsbund einen bedeutsamen Dienst. Neben der Leseförderung der Kinder sah der Bischof noch weitere Herausforderungen für die kommenden Jahre, beispielsweise die Stärkung der Büchereien als Begegnungsort im ländlichen Raum, den Generationenwechsel bei vielen Ehrenamtlichen in Leitungspositionen oder die Auswirkungen der Künstlichen Intelligenz. Die kirchlichen Büchereien bauten auf dem Engagement der Ehrenamtlichen wie auf ihrer Qualität auf. „Wie qualitätvoll die Büchereien im Bistum Würzburg arbeiten, wird die Verleihung der Goldenen ,BüchereiSiegel‘ vor Augen führen.“

Bereits im Gottesdienst in der Hauskapelle hatte Bischof Jung den vielen engagierten Frauen und Männern für die „unzähligen Arbeitsstunden und Fantasie“ gedankt, mit denen sie die Büchereien zu einladenden Orten machten. Die Kirche verstehe sich als „Dritter Ort“ zwischen Himmel und Erde, der auf eine andere Dimension aufmerksam machen wolle. „Wir müssen die Partei Gottes ergreifen und Beispiele geben, wie man die Welt zum Guten ändern kann“, forderte er auf. Büchereien seien dabei wichtige Orte für die Bildung und Formung von Menschen. „Es ist unsere Aufgabe, in unseren Bildungsangeboten Menschen für Übergriffigkeit zu sensibilisieren.“ Der Bischof nannte als Beispiel „die Tech-Giganten, die sich anschicken, die Welt zu dominieren“. Kirche sei dazu da, den Platz Gottes offen zu halten, „das gilt auch für einen Donald Trump oder Wladimir Putin“. Die Büchereien böten hierfür Orte der Diskussion und der Begegnung, aber auch Information und gute Literatur. Mit Blick auf den Erzengel Michael wünschte er dem Sankt Michaelsbund wie auch den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Büchereien „Flügel der Leichtigkeit in einer sehr veränderten Welt“.

Sankt Michaelsbund ehrt langjährige Bibliotheksleiterin und -leiter

Für ihr jahrzehntelanges ehrenamtliches Wirken zeichnete der Sankt Michaelsbund Christine Herrmann, Leiterin der KÖB Glattbach, und Nikolaus Seitz, ehemaliger Leiter der KÖB Pflaumheim, aus. Herrmann leite die Bücherei im Roncalli-Zentrum seit 1997 „mit großer Leidenschaft und Hingabe“ und habe sie zu einem „Ort der Begegnung, der Bildung und der Inspiration“ gemacht, sagte Pater Alfons Friedrich, Vorsitzender des Landes- und Diözesanverbands des Sankt Michaelsbunds: „Sie haben einen Ort geschaffen, der Menschen verbindet, Wissen vermittelt und Herzen berührt.“ Unter ihrer Leitung sei ein Programm entstanden, das weit über die Ausleihe hinausgehe. Friedrich nannte unter anderem die Besuche von Kindergärten und Schulklassen, den „SommerLeseClub“, die Bücherflohmärkte und Spielenachmittage – insgesamt 43 Veranstaltungen allein im Jahr 2025. Als langjähriges Mitglied im Sankt Michaelsbund sowie im Vorstand der Kreisarbeitsgemeinschaft Aschaffenburg setze sie sich auch überregional für die Förderung von Lesen und Bildung ein. „Sie haben die Welt der Bücher für unzählige Menschen zugänglich und erlebbar gemacht. Dafür danken wir Ihnen von Herzen.“

Seit fast 70 Jahren engagiert sich Nikolaus Seitz in der KÖB Pflaumheim. Bereits 1958, mit 14 Jahren, habe er begonnen, dort mitzuhelfen, 1963 habe er deren Leitung übernommen, führte Stefan Eß, Geschäftsführender Direktor des Landes- und Diözesanverbands des Sankt Michaelsbunds, aus. Seitdem habe Seitz die Entwicklung der Bücherei „mit großem Einsatz begleitet und vorangetrieben“. Eß nannte unter anderem die erste Pflaumheimer Buchwoche und den Umzug in größere Räume in der alten Schule. Pflaumheim sei unter den ersten Gemeinden mit einer EDV-Ausleihe, einer eigenen Internetseite und einer Online-Medienrecherche gewesen. „Ihre Arbeit hat dazu beigetragen, dass die Bücherei Pflaumheim gewachsen ist, neue Wege eingeschlagen und sich immer wieder auf die Bedürfnisse ihrer Besucherinnen und Besucher eingestellt hat. Dafür gebührt Ihnen unser herzlicher Dank und unsere Anerkennung.“

Grußredner: Büchereien sind „ein unschätzbarer Gewinn“

„Die Büchereien sind für unsere Stadt ein unschätzbarer Gewinn“, sagte Dr. Sandra Vorlová, zweite Bürgermeisterin der Stadt Würzburg. Allein im Stadtgebiet gebe es 15 kirchlich-kommunale Büchereien mit rund 134 Ehrenamtlichen. In Unterfranken seien es 202 Büchereien mit rund 2000 ehrenamtlich Engagierten und knapp 45.000 Nutzerinnen und Nutzern. „Sie sind offene Wohnzimmer der Stadtgesellschaft, Orte der generationenübergreifenden Begegnung und unverzichtbare Triebfedern für die Leseförderung.“ Gerade in Zeiten der rasanten Digitalisierung und des immer rauer werdenden Tons in Debatten brauche es Orte, die niederschwellig, verlässlich und öffentlich zugänglich seien, betonte Vorlová. „Sie bieten Kindern unabhängig von ihrer Herkunft den Schlüssel zur Bildung und damit das Rüstzeug für ein selbstbestimmtes Leben.“ Sie gratulierte zudem dem Sankt Michaelsbund zum 125-jährigen Bestehen: „Sie halten ein Netzwerk lebendig, das Bayern lebens- und liebenswert macht.“

Auch Landtagsabgeordnete Gabi Schmidt, Ehrenamtsbeauftragte der Bayerischen Staatsregierung, blickte auf das 125. Jubiläum des Sankt Michaelsbunds zurück. Dieser habe sich zu einer Zeit gegründet, in der ein Buch noch etwas Wertvolles gewesen sei. „Man hat damals weit gedacht und Menschen Chancen gegeben, die sie vor 125 Jahren nicht hatten, nämlich als Arbeiter- oder Bauernkind in das gleiche Buch zu schauen wie die Kinder des Oberstudienrats.“ Wenn sie zurück auf ihre Jugend blicke, dann falle ihr der Bücherbus ein, der damals alle drei Wochen über die Dörfer gefahren sei. Schmidt dankte besonders den vielen Ehrenamtlichen, „mindestens 11.000 in Bayern mit rund 900.000 ehrenamtlichen Stunden im Jahr. Sie sind Menschen, die etwas verbessern und schöner machen wollen. Es ist nicht überall auf der Welt selbstverständlich, eine solche Gemeinschaft zu bilden. Dafür ein herzliches Vergelts Gott.“

Pater Friedrich dankte allen Anwesenden für ihre Arbeit, Verbundenheit und ihre Bereitschaft, die Zukunft des Sankt Michaelsbunds mitzugestalten. Kirchliche Büchereien schafften Zugang zu Wissen und Glauben. „Aus einer Empfehlung entsteht ein Gespräch, aus einer Begegnung wird Verbundenheit. Wir müssen unsere Büchereiarbeit als Pastoralarbeit begreifen“, forderte er auf. Die Büchereien seien „ein Pfund, mit dem man wuchern kann“. Auch wenn vieles einfach so im Alltag geschehe, könnten sich die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gewiss sein: „Diese Arbeit zählt. Ich danke Ihnen für Ihre Erfahrungen, Ideen und das Herzblut, mit dem Sie die Menschen begleiten.“

Moderiert wurde der Abend von Bernhard Schweßinger, Leiter der Abteilung Medien der Diözese Würzburg. Die Veranstaltung wurde musikalisch gestaltet von der Bläsergruppe „Böhmisch am Mee“ unter der Leitung von Elias Huisl, der bis Juli 2026 die Katholische Büchereifachstelle des Bistums leitete.

Die Preisträger des „BüchereiSiegels“ in Gold und Silber

Das „BüchereiSiegel“ wird gemeinsam vom Sankt Michaelsbund und der Katholischen Büchereifachstelle Würzburg verliehen. Kriterien sind unter anderem die Ausleihzahlen und das Veranstaltungsangebot, die Raumgröße und ein ausreichender Medienetat, erklärte Sarah Kampf, Leiterin der Katholischen Büchereifachstelle. Von den rund 200 Büchereien im Bistum Würzburg erhielten 41 das Siegel in Gold und 19 das Siegel in Silber. Die „BüchereiSiegel“ haben eine Gültigkeit von zwei Jahren.

Das „BüchereiSiegel“ in Gold erhielten: KÖB Aschaffenburg-Sankt Gertrud (Schweinheim), KÖB Aschaffenburg-Mariä Geburt (Schweinheim), KÖB Aschaffenburg-Sankt Peter und Paul (Obernau), KÖB Bad Neustadt-Mariä Himmelfahrt, Gemeindebücherei Bürgstadt, Stadtbücherei Eibelstadt, Gemeindebücherei Frickenhausen am Main, KÖB Glattbach, KÖB Greußenheim, KÖB Großwallstadt, Bücherei im Lagerhaus Güntersleben, KÖB Haibach, KÖB Heidenfeld, Gemeindebücherei Himmelstadt, KÖB Hörstein, KÖB Johannesberg, Pfarr-Gemeinde-Bücherei Karlburg, KÖB Keilberg, KÖB Kleinostheim, KÖB Kürnach, Öffentliche Bücherei Leinach, Öffentliche Bücherei Mainaschaff, Gemeindebücherei Mespelbrunn, Stadtbücherei Miltenberg, Bücherei am Dorfplatz Mömlingen, KÖB Niedernberg, Stadtbücherei Obernburg, KÖB Pflaumheim, KÖB Ramsthal, KÖB Retzstadt, Bücherei im Wasserschloss Rottendorf, KÖB Rück-Schippach, KÖB Sailauf, KÖB Salz, KÖB Schmerlenbach, KÖB Stetten, Bücherei Sulzbach, KÖB Thulba, KÖB Trennfeld, KÖB Weilbach und KÖB Wenigumstadt.

Das „BüchereiSiegel“ in Silber ging an: KÖB Amorbach, KÖB Aschaffenburg-Sankt Kilian (Nilkheim), KÖB Breitendiel, KÖB Dammbach, KÖB Dettingen, KÖB Dörrmorsbach, Pfarr- und Gemeindebücherei Erlabrunn, KÖB Geldersheim, KÖB Heimbuchenthal, KÖB Hirschfeld, KÖB Margetshöchheim, KÖB Oberbessenbach, KÖB Oberleichtersbach, KÖB Oberpleichfeld, KÖB Roßbrunn, KÖB Rottenbauer, KÖB Sommerach, KÖB Werneck und KÖB Wernfeld.

sti (POW)

(4426/1016; E-Mail voraus)

Weitere Bilder vom Gottesdienst und dem Bischofsempfang finden Sie hier:https://bistum-wuerzburg.px.media/share/1793028523z1mipkKwcG1Cbk

nach oben