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Perfekt dem Vorbild nachempfunden

Klosterkirche von Oberzell beherbergt hochwertige Kopie von Raffaels „Madonna von Foligno“

Kloster Oberzell (POW) Etwas kleiner von den Maßen, aber ansonsten große Kunst wie das Original: Wer ein Werk des Malerfürsten Raffael sehen will, muss nicht unbedingt in die Vatikanischen Museen nach Rom fahren oder nach Dresden, wo derzeit die berühmten Gemälde „Sixtinische Madonna“ und „Madonna von Foligno“ im Rahmen der Ausstellung „Raffael, Dürer und Grünewald malen die Madonna“ im Semperbau zu sehen sind. Als hochwertige Kopie findet sich die Madonna von Foligno in der Klosterkirche von Oberzell. „Es gibt in Oberzell die mündliche Überlieferung, dass dieses Gemälde um 1900 den Schwestern geschenkt wurde. Schriftliche Belege haben sich dafür aber bislang keine gefunden“, sagt Dr. Jürgen Emmert, wissenschaftlicher Mitarbeiter im Kunstreferat des Bistums Würzburg.

Das berühmte Altarbild des Renaissance-Malers findet sich im nördlichen Seitenschiff der Klosterkirche. Dargestellt ist die auf Wolken thronende Muttergottes, die ihr Kind auf dem Arm trägt. Hinter ihr eine Sonnenscheibe, die von einem Kranz von Engelsgestalten umgeben ist. Zu Füßen Mariens finden sich auf der linken Seite Johannes der Täufer und der heilige Franziskus. „Wir vermuten, dass die Stifter dieses Gemälde von Raffael gewählt haben, weil darin ein Verweis auf unsere franziskanischen Wurzeln zu finden ist“, erklärt Schwester Katharina Ganz.

Auf der rechten Seite des Kunstwerks sind der heilige Hieronymus zu sehen und Sigismondo dei Conti, der das Gemälde in Auftrag gab. Im Hintergrund dargestellt ist eine Lichterscheinung. Sie spielt, wie Kunsthistoriker vermuten, auf den Einschlag eine Blitzes oder Meteoriten an, den der Auftraggeber unverletzt überstanden hat. Den Votiv-Gedanken versinnbildlicht auch ein unten in der Bildmitte platziertes stehendes Engelchen, das eine leere Tafel in Händen hält.

Das im Original drei auf knapp zwei Meter große Altarbild schuf Raffael 1512, unmittelbar vor der noch berühmteren Sixtinischen Madonna, die Papst Julius II. malen ließ. Nicht nur zeitlich liegen die Werke eng beieinander: Beide wurden als Altarbilder geschaffen, beide sind von monumentalem Format. Auch die Ikonographie und die innovative Auffassung des Themas Vision der Muttergottes sind Gemeinsamkeiten.

Das Original fand seinen Platz ursprünglich in der römischen Basilika Santa Maria in Aracoeli. Für diese Kirche hatte dei Conti es in Auftrag gegeben, dort wurde er 1512 beigesetzt. Die Landschaft im Hintergrund ist in einer Malweise ausgeführt, die für Kenner den Schluss nahelegt, dass Raffael die ferraresische Malerei des Dosso Dossi gekannt haben muss. Die Farbigkeit verweist auf den Einfluss der venezianischen Malerei und zeichnet eine Vielzahl von in dieser Zeit entstanden Malereien Raffaels aus, so zum Beispiel die Fresken der Stanza von Eliodoro.

Seinen Namen „Madonna von Folognio“ verdankt das Gemälde dem Umstand, dass es 1564, nachdem die Apsis der römischen Basilika zerstört worden war, von der Nichte dei Contis nach Foligno gebracht wurde und einen neuen Platz in der dortigen Kirche der heiligen Anna fand. 1797 wurde die Madonna im Zug napoleonischer Beschlagnahmung nach Paris gebracht. Dort wurde in einem als äußert kompliziert und schwierig geltenden Verfahren die Ölfarbschicht von Holz auf Leinwand übertragen. 1815 wurde das Gemälde wieder in das Eigentum des Vatikans gegeben.

(4811/1228; E-Mail voraus)

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