Würzburg (POW) Für welchen Job soll ich mich entscheiden? Wann ist der richtige Moment für ein Coming-out? Viele Situationen im Leben erfordern Mut. In dem Buch „Hab Mut, steh auf“, herausgegeben von Bischof Dr. Franz Jung aus Anlass des 104. Deutschen Katholikentags, erzählen 20 Menschen aus dem Bistum Würzburg von ihren persönlichen „Mut-Momenten“. Bischof Jung stellte das Buch am Donnerstagnachmittag, 16. April, in der Würzburger Buchhandlung Hugendubel vor. Mit dabei waren die Autoren Gemeindereferentin Laura Kunz und Hochschulpfarrer Burkhard Hose. „Wir wollten keine wissenschaftlichen Abhandlungen über das Motto, sondern Lebenszeugnisse“, sagte der Bischof. „Ich hoffe, dass dieses Persönliche dem Buch etwas Besonderes gibt. Ich finde es großartig!“
Der Titel des Buchs, zugleich das Leitwort des Katholikentags, stammt aus der Begegnung des blinden Bettlers Bartimäus mit Jesus. Aus vielen Rückmeldungen habe er erfahren, wie sehr dieses Wort einen Nerv getroffen habe, sagte der Bischof: „Es ist eine Urerfahrung, wenn ein Mensch den Mut hat, zu seiner Sehnsucht zu stehen.“ In seinem ehrenamtlichen Engagement in der Würzburger Bahnhofsmission erfahre er, wie viel Mut es Menschen kosten kann, jeden Tag wieder neu aufzustehen. Er sei den Autorinnen und Autoren sehr dankbar, dass sie die Herausforderung angenommen haben, Beiträge über eigene Erfahrungen mit Mut zu schreiben.
„Ich hatte gerade den Job gewechselt“, erzählte Kunz. Ihr Beitrag handele davon, wie viel Mut es sie gekostet habe, sich für einen von vielen möglichen Wegen zu entscheiden und zugleich Vertrautes loszulassen. Mit jeder Entscheidung schließe sich auch eine Tür, die man eben nicht gewählt habe. „Ich will anderen Menschen Mut machen, die auch vor solchen Entscheidungen stehen. In jedem von uns steckt mehr, als wir uns zutrauen.“
Er habe in dem Motto „Hab Mut, steh auf“ viel wiedergefunden, was er selbst erfahren habe, sagte Hose. Er ist Mitinitiator der Bewegung „OutInChurch – Für eine Kirche ohne Angst“, mit der 2022 eine Gruppe von 125 queeren Christinnen und Christen in der katholischen Kirche gemeinsam an die Öffentlichkeit ging. Hose erzählte von dem Brief eines jungen Mannes, der sich nicht sicher war, ob Gott ihn als schwulen Menschen überhaupt liebe. „Ich war mir immer sicher, das Gott mich liebt, und ich wünsche mir, dass das, was ich schreibe, diesen Menschen hilft.“ Denn Mut fühle sich erst einmal nicht nach Stärke an. „Mut gibt es nur mit wackligen Knien und zittrigen Händen“, zitierte Hose aus seinem Beitrag.
Vom Katholikentag wünschte sich Bischof Jung unter anderem „den Mut, Positionen zu beziehen“. Der Glaube sei dabei eine wichtige Ressource. Es gebe genügend Themen, von der Palliativmedizin über Genderthemen bis hin zum Thema Missbrauch. Ihn habe in dem Buch der Beitrag des Künstlers Kai Christian Moritz besonders berührt, der selbst Opfer von Missbrauch war: „Man kann ihn nicht ohne tiefe Betroffenheit lesen.“ Hose verglich den Katholikentag mit einem „Brave Space“ – einem mutigen Raum –, in dem „auch schwierige Themen zur Sprache gebracht werden können und Menschen Ermutigung finden“. „Räume, in denen man Kirche einmal anders begegnen kann“, wünschte sich Kunz. Bischof Jung forderte dazu auf, „mutig über Themen zu sprechen und glaubwürdig zu sein“. Auch wenn man keine perfekte Lösung habe, sei es wichtig, sich auf den Weg zu machen. „Ich hoffe, das gelingt uns in den Foren beim Katholikentag.“
sti (POW)
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