Liebe Mitbrüder im diakonalen, priesterlichen und bischöflichen Dienst,
liebe Schwestern und Brüder im Herrn,
liebe Familie und Freunde,
lieber Benedict,
Die vielen Wohnungen zwingen zur Suche
„Euer Herz lasse sich nicht verwirren. Glaubt an Gott und glaubt an mich. Im Haus meines Vaters gibt es viele Wohnungen.“ Mit diesen Worten tröstet der scheidende Jesus seine Jünger. Im Haus meines Vaters gibt es viele Wohnungen – eine wichtige Feststellung. Denn viele Wege führen zu Gott und nicht nur ein Weg. Aber den eigenen Weg zu finden ist anstrengend. Da darf man sich nicht verwirren und nicht abschrecken lassen. Die Suche nach dem eigenen Weg fordert einen persönlich heraus mit der Frage: Wo will ich mich einrichten? Wo könnte ich innerlich ankommen? Es gibt viele Wohnungen, aber am Ende doch nur die eine Bleibe. Das haben auch Sie, lieber Benedict, erfahren.
Viele Wohnungen, aber nur eine Bleibe
Räumlich wie geistlich sind Sie mehrfach umgezogen: vom Realschulabschluss bis zum technischen Zeichner, vom Fachabitur bis zum Maschinenbau, von der Religionspädagogik bis zum Priesterseminar. Ich habe immer bewundert, wie konsequent Sie dabei Ihren Weg gegangen sind und sich selbst treu geblieben sind. Ich freue mich sehr, dass Sie nun diese Bleibe gefunden haben und dass Sie angekommen sind, bei sich und bei Gott. Das ist etwas sehr Kostbares. Sicher, es werden noch viele Umzüge folgen. Aber die eine Bleibe kann Ihnen Zuflucht und Schutz bieten bei allen weiteren Veränderungen, die da kommen werden. Das wünsche ich Ihnen jedenfalls von Herzen.
Suchen und zugleich vom Herrn gefunden werden
„Wenn ich gegangen bin und einen Platz für euch vorbereitet habe, komme ich wieder und werde euch zu mir holen, damit auch ihr dort seid, wo ich bin.“ Vielleicht haben Sie genau das bei Ihrer inneren Suche gespürt. Ich suche, aber in meiner Suche werde ich auch geführt. Wenn ich ernsthaft den Herrn suche, dann kommt er mir entgegen. Im Suchen werde ich von Ihm gefunden. Durch die Suche hält er die Sehnsucht nach Größerem in mir wach, bis diese Sehnsucht in Ihm ihre Erfüllung findet.
Wer gefunden hat, kann auch anderen Wegweiser werden
Eine wichtige Erfahrung im Leben. Wer das persönlich erlebt und durchlebt hat, der kann auch anderen ein guter Begleiter sein bei ihrer Suche, um bei Gott und seiner Kirche anzukommen. Was wäre heute wichtiger als genau diese Kompetenz. Denn eine selbstverständliche kirchliche Beheimatung, wie meine Generation sie noch kannte, fehlt heute vielen unserer Mitsuchenden. Umso besser also, wenn jemand Pfadfinderqualitäten mitbringt und Zeugnis geben kann von der eigenen Suche. Das tun Sie schon jetzt, kreativ und beherzt, wie beispielsweise im „Night-Prayer“ in der Bad Kissinger Jakobus-Kirche. Ein Angebot, Menschen den Weg zu Christus zu ebnen. Schön!
Jesus ist der Weg und die Wahrheit und das Leben
Nicht umsonst bekennt Jesus, er sei „der Weg, die Wahrheit und das Leben“. Der Glaube sagt uns (fides quae): Er ist der Weg, weil man zu Gott nur durch Gott kommt. Die Glaubenserfahrung aber lehrt uns (fides qua): Man muss diesen Weg auch gehen. Man muss diesem Sohn Gottes auch nachfolgen. Nur dann wird man die Wahrheit erkennen, für die er gekommen ist, um für sie Zeugnis abzulegen (Joh 18,37). Und nur dann wird man selbst erfahren, dass in ihm das Leben ist. Das ist Ihnen persönlich sehr wichtig. Deshalb haben Sie sich sehr eindrücklich das Primizwort gewählt: „Christus ist das Leben.“
Die Sakramente als Begegnung mit der Wahrheit Jesu Christi
Erst in der Begegnung mit dem Herrn lernt man seine Wahrheit kennen. Diese Christusbegegnung erfahren wir vor allem in den Sakramenten der Kirche, die zu spenden die Priester gesandt sind:
• Die Wahrheit, von ihm geliebt zu sein. Das feiern wir in der Spendung der Taufe, in der Christus der eigentliche Taufspender ist, dem wir als Priester dienen.
• Die Wahrheit, dass nur der sein Leben gewinnt, der bereit ist, es mit diesem Christus und für diesen Christus zu verlieren. Das feiern wir in jeder heiligen Messe, in der Jesus als der wahre Hohepriester sein Leben hingibt, um die Macht des Todes zu brechen und den Menschen zu befreien vom Kreisen um sich selbst.
• Die Wahrheit, dass es eine Vergebung der Sünden gibt. Ein heilender Zuspruch, der Leben rettet. Christus vermittelt ihn seiner Kirche durch den Dienst seiner Priester, die in der Beichte die Lossprechung geben dürfen.
• Die Wahrheit, dass wir in Krankheit und Leid nicht von Gott verlassen sind. Gerade in Krankheit und Leid sind wir diesem Herrn unendlich nah, der unsere Leiden auf sich genommen hat, um sie zu neuem Leben zu wandeln. Das feiern wir in jeder Krankensalbung, in der Christus selbst der Salbende ist.
Nur der Zeuge für Christus zählt, nicht die Worte
Jesus ist der Herr seiner Kirche und der eigentlich Handelnde. Durch das Wirken der Priester will er in seiner Kirche gegenwärtig sein. Ihm müssen wir uns täglich neu zur Verfügung stellen mit unserem Leben. Dass er in uns wirkt, muss man an uns ablesen können. Ein hoher Anspruch. Das Evangelium erzählt, dass selbst die Jünger Jesus hinterfragten und er sich ihren Zweifeln und Fragen stellen musste. Zu Recht. Wer mit einem solchen Anspruch auftritt, der muss liefern. Das ist auch Jesus klar.
Priesterweihe als Lebensübergabe an den Herrn
Klar ist aber auch, dass Worte allein nicht genügen. Im Leben muss durchscheinen, dass Gott selbst die innere Mitte ist. Genau deshalb feiern wir ja heute auch Weihe. Priesterweihe als Übereignung des ganzen Lebens an Gott. Mögen die Menschen auch zweifeln, so bleibt am Ende nur das, was Jesus seinen Zweiflern erwidert: „Glaubt mir doch, dass ich im Vater bin und dass der Vater in mir ist; wenn nicht, dann glaubt aufgrund eben dieser Werke!“ Die Werke entscheiden, nicht die vielen Worte, von denen wir in der Kirche ohnehin viel zu viele haben. Am Ende zählt nur der Zeuge. Insofern ruft auch Ihnen, lieber Benedict, heute die Kirche zu: „Zeig uns den Vater; das genügt uns.“ Ja, zeigen Sie den Menschen den Vater, indem Sie Christus zu Ihrer Lebensmitte machen. Dann wird alles gut.
Die größeren Werke wirkt der Herr durch seine Priester
„Amen, amen, ich sage euch: Wer an mich glaubt, wird die Werke, die ich vollbringe, auch vollbringen und er wird noch größere als diese vollbringen, denn ich gehe zum Vater.“ So verheißt Christus am Vorabend seines Heimgangs zum Vater. Mit den „größeren Werken“ meint Jesus nicht, dass seinem Heilswerk noch etwas hinzugefügt werden könnte. Wenn er von den „größeren Werken“ spricht, meint er vielmehr, dass das, was er ein für alle Mal getan hat, weiterwirkt durch die Zeiten bis zu seiner Wiederkunft. Da er als Mittler und Fürsprecher seit seiner Himmelfahrt zur Rechten des Vaters sitzt, wollen wir ihn nun in der Allerheiligenlitanei zusammen mit Maria und allen Heiligen darum bitten, dass er Ihr priesterliches Wirken begleiten möge. Dann dürfen wir uns freuen auf die „größeren Werke“, die er durch Sie und mit Ihnen vollbringen wird. Ja, er selbst vollende so das gute Werk, das er in Ihnen begonnen hat. Amen.
