Würzburg (POW) Wie erst jetzt bekannt wurde, ist am Sonntag, 3. Mai, Professor em. Dr. Dr. Gerhard Droesser im Alter von 77 Jahren gestorben. Er war von 1996 bis zu seiner Emeritierung im Jahr 2014 Inhaber des Lehrstuhls für Christliche Sozialwissenschaft an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg.
Droesser wurde am 6. Dezember 1948 in Augsburg geboren. Nach einem Studium der Germanistik, Geschichte und Philosophie von 1968 bis 1974 an der Ludwig-Maximilians-Universität München begann er dort auch seine Promotionsstudien. Mit der Dissertationsschrift „Konstruktion und Rekonstruktion. Über den Zusammenhang von geschichtlichem Handeln und historischem Verstehen“ wurde er 1977 zum Dr. phil. promoviert. Von 1978 bis 1981 studierte Droesser dann Katholische Theologie an der Eberhard-Karls-Universität Tübingen. Seine Diplomarbeit zum Thema „Ernst Troeltsch. Theologie unter den Bedingungen des Historismus“ verfasste er bei Professor Dr. Walter Kasper, dem späteren Kurienkardinal und Präsidenten des Päpstlichen Rats zur Förderung der Einheit der Christen. An der Universität Tübingen erfolgten 1988 auch die Promotion zum Dr. theol. aufgrund der Dissertationsschrift „Freiheitspraxis im Prozess. Zur geschichtsanthropologischen Grundlegung einer Theologie des Ethischen“ sowie 1989 die Habilitation aufgrund der Studie „Die Ethoskonsequenz der Religion“.
In den folgenden Jahren nahm Droesser nach einer kurzen pastoralen Tätigkeit verschiedene Lehraufträge und Lehrstuhlvertretungen wahr, bevor er 1996 den Ruf auf den Lehrstuhl für Christliche Sozialwissenschaft an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg erhielt. Diesen hatte er bis 2014 inne. Nach dem Ende seiner regulären Dienstzeit übernahm er ebendort für ein weiteres Jahr eine Seniorprofessur, bis er 2015 endgültig in den Ruhestand trat. Droesser war mehrfach Vorstand des Instituts für Praktische Theologie sowie zweimal, von 1999 bis 2001 und von 2005 bis 2007, Dekan der Katholisch-Theologischen Fakultät.
„Ein besonderes Anliegen war ihm, der selbst oft in französischen und spanischen Bibliotheken arbeitete, über viele Jahre der Ausbau der Erasmus-Partnerschaften und die Werbung für das Programm. Zahlreiche vor allem afrikanische Promovierende fanden in ihm einen klugen, verständnisvollen Ratgeber“, schreibt die Katholisch-Theologische Fakultät in ihrem Nachruf. In seiner Forschung bearbeitete Droesser zentrale aktuelle Fragestellungen im Schnittfeld von Identität, Freiheit, Institutionen und Demokratie aus christlich-sozialethischer Perspektive. „Er war als akademischer Forscher und Lehrer ein wacher und im besten Sinn ruheloser Geist, der sich mit dem Stand der Wissenschaft und der eigenen Erkenntnis nie zufriedengeben wollte. Stets aufs Neue stellte er sich der Aufgabe, den Gegenstand seines Faches vertiefend zu erfassen – um sowohl das Wissen um das Verstehen selbst wie auch um das zu Verstehende zu ergründen und weiterzugeben“, heißt es in der Würdigung weiter. Auswendig Gelerntes und schablonenhaftes Denken seien Droesser zutiefst fremd gewesen. „Stets ermutigte er dazu, sich seines Verstandes zu bedienen, um zu einem eigenen, gegründeten Standpunkt zu finden. Noch einmal richtungsweisend in diesem Sinn war seine Abschiedsvorlesung mit dem sprechenden Titel ‚Non Scholae!‘.“
Die Katholisch-Theologische Fakultät sei Droesser für seinen engagierten Einsatz in Forschung und Lehre zu großem Dank verpflichtet. „Wir verlieren mit ihm einen kenntnisreichen Wissenschaftler und Forscher sowie eine von Studierenden und Lehrenden gleichermaßen geschätzte Persönlichkeit.“
Die Trauerfeier mit anschließender Urnenbeisetzung findet am Mittwoch, 27. Mai, um 14.15 Uhr auf dem Würzburger Hauptfriedhof statt, das Requiem wird am selben Tag um 18 Uhr in der Pfarrkirche Sankt Bruno im Steinbachtal gefeiert.
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