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Schon im Barock wurde „abgekupfert“

Ausstellung in Archiv und Bibliothek des Bistums Würzburg über Würzburger Kupferstecher Johann Balthasar Gutwein eröffnet – Generalvikar Keßler: „Neues Puzzleteilchen der Würzburger Diözesangeschichte“

Würzburg (POW) Illustrationen für Bücher und Festschriften, Wappenkalender, Andachtsbildchen: Der Würzburger Kupferstecher Johann Balthasar Gutwein war ein produktiver Mensch. Die Ausstellung „Johann Balthasar Gutwein (1702-1785). Ein Würzburger Kupferstecher der Barockzeit“ im Foyer von Archiv und Bibliothek des Bistums Würzburg zeigt einen Querschnitt seines Schaffens und gibt auch manchen Einblick in das Leben in der Barockzeit. Konzipiert wurde die Ausstellung von der Kunsthistorikerin und Volkskundlerin Andrea Reible. Sie ist im Rahmen eines Werkvertrags zuständig für die Inventarisierung der rund 35.000 Objekte umfassenden Sammlung „Kleines Andachtsbild“. Die Ausstellung könne nur einen Bruchteil der Objekte präsentieren, betonte Katrin Schwarz, Leiterin von Archiv und Bibliothek des Bistums Würzburg, bei der Eröffnung am Mittwochnachmittag, 30. Januar.

Es sei „eine Freude, zu sehen, wie neue Puzzleteilchen innerhalb der Würzburger Diözesangeschichte entstehen“, sagte Generalvikar Thomas Keßler. Über Gutwein sei bislang kunstgeschichtlich noch wenig gearbeitet worden. Ob die Kupferstecher im Spätmittelalter beziehungsweise der frühen Neuzeit ihre Motive selbst entworfen oder nur nach Vorlage gestochen hätten, sei oftmals nicht eindeutig zu beurteilen. Dies gelte auch für Gutwein, der von Fürstbischof Friedrich Karl von Schönborn im Jahr 1733 als Hof- und Universitätskupferstecher von Augsburg nach Würzburg geholt wurde. „Er beherrschte die Fertigkeit für aufwendige Illustrationen und diffizile Darstellungen“, sagte Keßler.

Weitere Bilder

Diese Fertigkeit zeigt beispielsweise eine Festschrift zur Einweihung der Hofkirche und Fertigstellung der Residenz, die Balthasar Neumann 1745 herausgab. Sie sei das „Prunkstück“ der Ausstellung, sagte Reible bei einem kleinen Rundgang. Gutwein fertigte hierfür nach einer Zeichnung von Neumann einen Kupferstich vom Inneren der Hofkirche, der als ausfaltbares Bild in das Buch geheftet ist. Die Vorzeichnung sei bei der Bombardierung Würzburgs am 16. März 1945 zerstört worden, erklärte Reible. Noch erhalten ist dagegen die Kupferplatte für einen Stich, der den Klosterhof Burgwindheim zeigt – mitsamt den im Klosterteich schwimmenden Entchen, für die man fast eine Lupe braucht. „Das ist alles ganz fein ausgearbeitet“, machte Reible die Gäste auf die Details aufmerksam.

Die Idee für die Ausstellung sei aus der Arbeit mit den Andachtsbildchen entstanden, sagte Reible. Diese seien Massenware gewesen: „Klein, einfach herzustellen, gut zu transportieren.“ Auch Gutwein fertigte viele solcher Andachtsbildchen, um sein Einkommen aufzubessern. Ein interessantes Exponat ist beispielsweise ein Andachtsbild zur Heilig-Blut-Wallfahrt in Iphofen mit der dazugehörigen Kirchenrechnung aus dem Jahr 1774. Dr. Josef Endres, ehrenamtlicher Leiter des Pfarrarchivs in Iphofen, stellte für die Ausstellung seine Urkunde zur heiligen Kommunion aus dem Jahr 1962 zur Verfügung. Darauf ist dieser Stich mit der Signatur „Gutwein“ zu sehen. Doch in Wahrheit sei die Kupferplatte von Klauber in Augsburg gestochen worden, hat Reible beim Studium der Kirchenrechnung herausgefunden. „Gutwein hat wahrscheinlich die Platte nachgestochen, den Namen Klauber herauspoliert und seine eigene Signatur hineingesetzt. Im 18. Jahrhundert war das Copyright noch nicht so verbreitet wie heute.“ Daher komme auch der noch heute gebräuchliche Begriff „Abkupfern“.

Welch schwieriges Handwerk das Kupferstechen war, wird in einer eigenen Vitrine erklärt, in der auch die dazu nötigen Werkzeuge zu sehen sind. Kupferstecher arbeiteten im Tiefdruckverfahren. Dabei mussten die zu druckenden Linien seitenverkehrt gestochen werden. Von einer Kupferplatte seien rund 700 Abzüge in guter Qualität möglich, erklärte Reible. Danach müsse die Platte ausgebessert oder nachgestochen werden. Das Museum für Franken stellte für die Ausstellung einige Kupferplatten als Anschauungsobjekte zur Verfügung.

Auch einige Hinweise auf das Leben eines Kupferstechers in der Barockzeit hat Reible bei ihren Recherchen gefunden. „Aus den Rechnungen kann man auch Schlüsse auf das Leben Gutweins ziehen.“ Wirtschaftlich sei es ihm wohl nicht gut gegangen, denn er habe immer wieder um Vorschüsse und zusätzliche Zahlungen verhandelt, erzählte sie. Es sei beispielsweise belegt, dass er für einen Ratskalender eine „Dreingabe“ erhalten habe: „Einen Eimer Wein – das waren damals etwa 75 Liter.“

Die Ausstellung ist bis Donnerstag, 11. April, im Foyer von Archiv und Bibliothek des Bistums Würzburg, Domerschulstraße 17, 97070 Würzburg, zu besichtigen. Öffnungszeiten sind jeweils montags und dienstags von 9 bis 16 Uhr sowie mittwochs und donnerstags von 9 bis 19 Uhr. Kostenlose Führungen werden mittwochs am 6., 13., 20. und 27. Februar jeweils von 17.30 bis 18.30 Uhr angeboten.

sti (POW)

(0619/0155; E-Mail voraus)

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