Würzburg/Kleinochsenfurt/Bad Kissingen (POW) Benedict Dürrlauf hätte sich dem Sport verschreiben können. Schon als Kind schwamm er mit bei den Ochsenfurter „Main-Haien“ und schnitt bei Wettbewerben erfolgreich ab. „Auf unterfränkischer Ebene habe ich über viele Jahre Titel geholt und verteidigen können“, erinnert sich der 33-Jährige. Als Jugendlicher fuhr er dreimal pro Woche von seinem Heimatort Kleinochsenfurt zum Schwimmverein nach Würzburg und arbeitete an seiner Leistung. Doch zum Hauptinhalt seines Lebens wurde nicht der Sport, sondern die Kirche. Am 27. September 2025 empfing Dürrlauf im Würzburger Kiliansdom von Weihbischof Paul Reder die Diakonenweihe. Der nächste Schritt, die Priesterweihe durch Bischof Dr. Franz Jung, steht am Samstag, 23. Mai, an, berichtet das Würzburger katholische Sonntagsblatt.
Dürrlauf lässt sich gerne auf soziale Kontakte ein. Nicht zuletzt deswegen fühlt er sich bei der Kirche am richtigen Ort. „Bei den Schwimmern war man als Team zusammen. Da hat man viel Zeit verbracht, aber sein Privatleben nicht geteilt.“ Bei den Ministranten waren die Beziehungen untereinander anders. Zu den Minis stieß Dürrlauf, als er schon einen Namen als Schwimmer besaß. Gruppenwochenenden, das Ratschen an den Kartagen und das Zeltlager als Jahreshöhepunkt – das alles sagte dem Heranwachsenden zu. Vor allem aber bildeten sich unter den Messdienern Freundschaften fürs Leben heraus, auch wenn das Leben unterschiedliche Richtungen bahnte. Während sich Dürrlaufs Hang zur Kirche verstärkte, entfernten sich andere von der Institution. Die Freundschaften brachte das nicht zum Einsturz. „Mir ist es wichtig, im Freundeskreis Leute mit kritischen Sichtweisen zu haben“, betont Dürrlauf. Entscheidend sei es, respektvoll miteinander diskutieren zu können.
Dürrlauf schloss die Realschule ab, ließ sich zum Technischen Zeichner ausbilden und erwarb das Fachabitur. In seinem privaten Umfeld drängte die kirchliche Jugendarbeit den Sport zunehmend in den Hintergrund. Als Oberministrant stand er beim Zeltlager in der Lagerküche. Er und sein Team bescherten den rund 80 Teilnehmern Schnitzel mit Salatbüfett und gebackene Apfelringe mit Vanillesauce. Gutes aus der Küche festigte die Lagergemeinschaft. Er sei ein Teamplayer, schätzt sich Dürrlauf selbst ein. In Kleinochsenfurt übernahm er mit anderen den Mesnerdienst und schloss sich als Jugendvertreter dem Pfarrgemeinderat an.
Dem Fachabitur folgten einige Semester Maschinenbau an der Fachhochschule Schweinfurt. Eine berufliche Zukunftsperspektive wurde daraus nicht. Dürrlauf orientierte sich um. Nun kam die Kirche, die für sein Privatleben wichtig war, auch als möglicher Arbeitgeber in Frage. Von 2017 bis 2021 studierte er an der Katholischen Universität Eichstätt Religionspädagogik und kirchliche Bildungsarbeit. Für die Zukunft schwebte ihm vor, als Gemeindereferent in der Seelsorge zu arbeiten. Doch in dieser Eichstätter Zeit kam noch einmal einiges in Fluss. Dürrlauf fühlte sich gut von Priestern begleitet, zu denen er Vertrauen fasste. Er pilgerte nach Rom und lernte bei einer Studienreise Israel kennen. Und fühlte sich zunehmend zu einer Entscheidung fähig, die er wenige Jahre zuvor noch nicht getroffen hätte: Priester zu werden.
Der Weg dahin sei ein langer Prozess gewesen, erinnert sich Dürrlauf. Er habe mit Studienkollegen und Freunden darüber gesprochen, das Für und Wider abgewogen. Schließlich kontaktierte er den damaligen Regens des Würzburger Priesterseminars, Stefan Michelberger. Dieser empfahl ihm, zunächst das Studium der Religionspädagogik abzuschließen und dann die Ausbildung zum Priester anzuhängen. Die Würfel waren gefallen. 2021 trat Dürrlauf ins Priesterseminar ein und studierte bis 2024 im Studienhaus Sankt Lambert in Lantershofen Theologie und Philosophie.
Jeder Priester hat sein eigenes Welt- und Kirchenbild, seine eigene Spiritualität und Gottesbeziehung. Wie alle Getauften. „In dieser Gruppe im Priesterseminar sieht man schon ein Spiegelbild der unterschiedlichen Vorstellungen von Kirche“, sagt Dürrlauf. Traditionen, Reformwünsche, religiöse Prägungen treffen aufeinander und erfordern Kompromissfähigkeit. Ihm selbst sei es wichtig, authentisch zu sein und sich nicht zu verstellen, unterstreicht er. „Ich habe mich bewusst für die katholische Kirche entschieden, bin hineingewachsen und identifiziere mich damit. Kirche heißt, es geht um ein weltweites Miteinander, und auch wenn in Deutschland vorausgedacht wird, müssen wir darauf achten, dass wir eine Gemeinschaft sind.“ Entscheidend ist aus seiner Sicht nicht die kirchliche Struktur, sondern dass Menschen in der Kirche ihren Glauben feiern können, für ihr Leben und ihren Alltag gestärkt werden. Eine von Richtungskämpfen geprägte Kirche hält er für unattraktiv.
Unverstellt aufzutreten, anderen zuzuhören und sie etwas von Gottes Zuwendung spüren zu lassen, sieht Dürrlauf als Richtschnur seines künftigen priesterlichen Wirkens. Etwas davon umgesetzt hat er bereits seit Beginn seiner Mitarbeit im Pastoralen Raum Bad Kissingen 2024. In Absprache mit seinem Mentor, Pfarrer Gerd Greier, lädt Dürrlauf regelmäßig zum „Night Prayer“ in die Bad Kissinger Kirche Sankt Jakobus ein.
„Night Prayer“ vereint Schriftwort und Auslegung, Meditation und Anbetung in einer stimmungsvoll illuminierten Kirche, begleitet von Worship-, Taizé- und Gotteslobgesängen. „Das Publikum ist sehr breit gefächert. ,Night Prayer' spricht jede Altersgruppe an und auch Kirchenferne, die nicht mehr in den normalen Gottesdienst gehen“, beobachtet Dürrlauf. „Night Prayer“ soll den Alltag der Menschen durchbrechen und sie spüren lassen: Kirche ist etwas Schönes, das guttut.
Die Entscheidung für den Priesterberuf sei ein Entspannungsmoment gewesen, berichtet Dürrlauf. Das gute Gefühl erleichtere es ihm, ein zölibatäres Leben zu führen und dem Bischof Gehorsam zu versprechen. Die zurückliegenden Jahrzehnte haben Dürrlauf gezeigt, dass er Beziehungen aufbauen und erhalten kann. Auch das Schwimmen bei den „Main-Haien“ in seiner Kinderzeit dürfte ihm für seinen Beruf hilfreich sein. Er weiß, was es heißt, sich ein Ziel zu setzen und dafür zu trainieren.
Priesterweihe, Primiz und Nachprimiz
Am Samstag, 23. Mai, beginnt die Feier der Priesterweihe von Benedict Dürrlauf um 9.30 Uhr im Würzburger Kiliansdom. Die Weihehandlung vollzieht Bischof Dr. Franz Jung. Im Anschluss an die Weiheliturgie sind die Gläubigen zu einem Empfang im Priesterseminar Würzburg eingeladen. Am Pfingstsonntag, 24. Mai, feiert Dürrlauf um 13.30 Uhr in der Stadtpfarrkirche Sankt Andreas in Ochsenfurt seine Primiz, die erste heilige Messe nach der Priesterweihe. Danach sind alle zu einem Empfang auf dem Kirchplatz eingeladen. Um 17.30 Uhr folgt ein Abendlob, danach besteht die Möglichkeit, den Einzelprimizsegen zu empfangen.
Am Fronleichnamsfest, 4. Juni, feiert Dürrlauf in der Maria-Schnee-Kirche in Kleinochsenfurt eine Nachprimiz. Die Nachprimiz für den Pastoralen Raum Bad Kissingen ist für Sonntag, 7. Juni, um 10 Uhr in der Herz-Jesu-Kirche in Bad Kissingen angesetzt. Wer den Einzelprimizsegen empfangen möchte, hat auch bei diesen Feiern die Möglichkeit dazu.
ub (Würzburger katholisches Sonntagsblatt)
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