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Dokumentation

„Tiefe Innerlichkeit der Begegnung“

Ansprache von Bischof Dr. Franz Jung anlässlich der Beisetzung von Prälat Hartmut Wahl am Freitag, 9. Oktober 2020, im Würzburger Kiliansdom

„Halte mich nicht fest; denn ich bin noch nicht zum Vater hinaufgegangen. Geh aber zu meinen Brüdern und sag ihnen: Ich gehe hinauf zu meinem Vater und eurem Vater, zu meinem Gott und eurem Gott.“

So sagt der auferstandene Herr zu Maria von Magdala am Ostermorgen.

„Halte mich nicht fest“, dieses Wort wird uns und den lieben Verwandten und Freunden unseres verstorbenen Prälaten Hartmut Wahl heute zugesagt. In der Stunde des Todes heißt es, loszulassen und nicht weiter festzuhalten. Das ist schmerzlich und tut weh wie jeder Abschied.

Aber zugleich ist dieses Loslassen freudvoll. Denn wir dürfen loslassen in der Gewissheit, dass der Verstorbene nicht in den Abgrund des Todes fällt, sondern dass er mit Christus hinaufgeht zum Vater, der im Tod auch zu seinem Vater wird.

Die österliche Szene am Grab mit der Begegnung von Maria von Magdala mit Jesus rührt uns immer neu an. Sie hat etwas Stilles, ja Intimes. Da ist auf der einen Seite das verzweifelte Suchen Marias nach dem Geliebten, der plötzlich verschwunden ist.

Und auf der anderen Seite die Erfahrung der Nähe Jesu, die so überraschend ist und so schön, dass sie Maria noch gar nicht wahrzunehmen vermag.

Behutsam und zärtlich führt der Herr sie hin zu seinem Geheimnis. Er ruft sie leise bei ihrem Namen. Und erst jetzt, als sie ihren Namen aus seinem Munde vernimmt, gehen ihr die Augen auf und sie weiß sich geborgen bei dem, den ihre Seele liebt.

Prälat Hartmut Wahl hat sich diese Stelle ausgesucht für den Tag seiner Beisetzung. Das war wohl kein Zufall. Ihn hat sicherlich die tiefe Innerlichkeit dieser Begegnung angesprochen. Diese so persönliche Form der Zuwendung zwischen Christus und Maria von Magdala. Wahrscheinlich fand er sich in seinem eigenen seelsorglichen Tun wieder in dieser Szene. Es war wohl die eigene Sehnsucht, so wirken zu können wie dieser auferstandene Christus.

Er schenkt Nähe, ohne aufdringlich zu sein. Er hat Geduld, ohne zu drängen. Er ruft solange den Menschen an, bis er die Seele erreicht, die oft geschunden und enttäuscht, verbittert und ratlos dem Ruf des Auferstandenen verschlossen bleibt.

Er selbst verstand sich als ein solcher Seelsorger nach dem Herzen Christi. Gerade in seiner Funktion als stellvertretender Generalvikar ging es ihm nicht zuerst um Verwaltung und Administration, um Organisation und Planung.

Sein Herzensanliegen war die Sorge um den Menschen. Er sollte nicht vergessen werden und untergehen, so notwendig die Verwaltung auch war. Für die Seelsorge schlug sein Herz und hier fühlte er sich zuhause. So nimmt es nicht Wunder, dass Bischof Paul-Werner Scheele Prälat Wahl anlässlich seines 25-jährigen Dienstes im Bischöflichen Ordinariat im Jahr 1998 als einen Priester würdigte, „der nicht Zahlen und Akten, sondern immer den Menschen gesehen habe“.

Dabei konnte er auf eine reiche Erfahrung zurückschauen. Sein priesterlicher Weg führte ihn zunächst in die Gemeindeseelsorge in Rannungen und Aschaffenburg. Es folgten bewegte Jahre in der Militärseelsorge, der er glücklicherweise auch im Bistum Würzburg dienen konnte an den Standorten Mellrichstadt und Veitshöchheim. In Veitshöchheim bekleidete er schließlich das Amt des Militärdekans.

Dann rief ihn Bischof Josef Stangl ins Bischöfliche Ordinariat. Dort warteten die Aufgaben des stellvertretenden Generalvikars auf ihn sowie das Amt des Ordensreferenten.

Als jemand, der nie groß Aufhebens von seiner Person machte und gerne im Hintergrund wirkte, fühlte er sich von dem österlichen Jesus angesprochen, der nicht auftrumpfend und laut, sondern fürsorglich und zugewandt zum wahren Seelenführer wird. Sein segensreiches Wirken blieb dennoch nicht verborgen. Papst Johannes Paul II. würdigte im Jahr 1986 seinen Einsatz mit der Ernennung zum Päpstlichen Hausprälaten.

In der Stille versah er treu seinen Dienst, auch noch im Ruhestand. Das Käppele war ihm geistliche Heimat geworden, wo er in der Frühe zelebrieren konnte und sich in der Nachbarschaft der Patres wohl fühlte. Zurückgezogen lebte er zuletzt im Seniorenheim des Juliusspitals. Zum letzten Mal war er im Dom anlässlich der Beisetzung seines letzten Dienstherrn, des Bischofs Paul-Werner Scheele im vergangenen Jahr.

Am Abend des Schutzengelfestes ist nun Prälat Wahl heimgegangen. Was für ein schönes Zeichen. „Wir als Christen müssen den anderen das Gefühl der Geborgenheit und Beheimatung geben“, pflegte er zu sagen. Wer wäre mehr Inbegriff göttlicher Fürsorge und Geborgenheit als die heiligen Schutzengel.

So wollen wir ihn heute dem anvertrauen, der seinen Engeln befohlen hat, uns zu behüten auf all unseren Wegen. Sie mögen ihn auf dem letzten Weg das Geleit geben hin zur Fülle des Lebens, zum reich gedeckten Festmahl, bei dem der Herr selbst uns Anteil gibt an seinem Leben und alle Tränen abwischt.

Amen.

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