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Trost im Nicht-Wegsehen

104. Deutscher Katholikentag
Kunstintervention „Schmerzpunkt“ von Susanne Wagner zum Missbrauch in der katholischen Kirche eröffnet

Würzburg (ZdK/POW) Mit einer Vernissage an der Treppe zum Hauptportal des Würzburger Kiliansdoms ist am Donnerstag, 14. Mai, im Rahmen des 104. Deutschen Katholikentags die Kunstintervention „Schmerzpunkt“ der Künstlerin Susanne Wagner eröffnet worden. Das Projekt wurde im Rahmen eines Kunstwettbewerbs des 104. Deutschen Katholikentags ausgewählt. Zahlreiche Katholikentagsbesucherinnen und -besucher sowie Vertreterinnen und Vertreter des lokalen Betroffenenbeirats, Professorin Dr. Claudia Nothelle, Vizepräsidentin des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Würzburgs dritter Bürgermeister Joachim Spatz sowie Dompropst Weihbischof Paul Reder und Kerstin Klaus, Unabhängige Bundesbeauftragte gegen sexuellen Missbrauch von Kindern und Jugendlichen, nahmen an der Eröffnung teil.

Die Künstlerin setzt sich in ihrem Werk mit sexualisierter Gewalt und dem Missbrauch geistlicher Autorität in der katholischen Kirche auseinander. Die Intervention versteht sich als eindrückliche Unterbrechung im Dienst einer aktiven Erinnerungskultur. Die Installation arbeitet mit einem einfachen, eindrücklichen Bild: „Schmerz wird häufig durch einen roten Punkt markiert. Eine rot gesprühte Markierung wird über einem Umhängekreuz gesetzt. So wird imaginär eine Stelle im Bereich des Herzens einer Person markiert“, erklärte Benita Meißner, Kuratorin der Deutschen Gesellschaft für christliche Kunst. Die paradoxe Darstellung des Kreuzes – zugleich abwesend und anwesend – markiere den religiösen und kirchlichen Kontext und wolle Solidarität ausdrücken, nicht Stigma.

„Schmerzpunkt“ verstehe sich nicht als abgeschlossenes Kunstwerk, sondern als offene Intervention. Während des Katholikentags werden Schmerzpunkte als Hinterglasobjekte an 14 Kirchen und Orten des Katholikentags in Würzburg sichtbar sein. „Mir ist der dezentrale Charakter wichtig: Erinnerung und Verantwortung sind nicht an einen einzigen Ort gebunden. Zugleich wird die Verantwortung der Institution sichtbar“, erklärte Wagner.

Das Konzept ist bewusst so angelegt, dass es weitergetragen werden kann – in Gemeinden, Einrichtungen mit dem jeweiligen konkreten Kontext. Für die Weiternutzung der Objekte nach dem Katholikentag haben sich bereits verschiedene Verbände und Gemeinden deutschlandweit gemeldet. „Meine Hoffnung ist, dass diese Intervention nicht elegant integriert wird in das große Narrativ vom Weg nach vorn. Denn der Schmerzpunkt bleibt. Vielleicht beginnt Trost genau dort: im Nicht-Wegsehen“, sagte der Schauspieler, Regisseur und Sänger Kai Christian Moritz, Mitglied des Arbeitskreises Kultur des 104. Deutschen Katholikentags, Betroffener und einer der Sprecher des neu gegründeten Betroffenenbeirats der Deutschen Bischofskonferenz. Die Vernissage wurde von der Cellistin Milena Milatinova Ivanova virtuos und einfühlsam musikalisch umrahmt.

mh (POW)

(2126/0487; E-Mail voraus)

Weitere Bilder finden Sie hier: https://bistum-wuerzburg.px.media/share/1778777701YcjgH25Ob3ijPj

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