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Dokumentation

Veränderungen der Umbruchszeit

Rede von Generalvikar Dr. Jürgen Vordnran bei der der Eröffnung der Ausstellung „1821 – Bruch, Wandel. 200 Jahre neues Bistum Würzburg“ am Freitag, 26. November, in Archiv und Bibliothek des Bistums Würzburg

Lieber Bischof Franz,
sehr geehrte Frau Schwarz,
meine Damen und Herren,

mit dem Jahr 1821 begann in der bayerischen Kirchengeschichte und somit auch für das Bistum Würzburg eine neue Zeit.

Am 15. September erklärte der bayerische König Max I. in der so genannten Tegernseer Erklärung, dass nach Beilegung der Differenzen mit der römischen Kurie um den Verfassungseid das bayerische Konkordat nunmehr umgesetzt werden könne und die bereits 1818 in der päpstlichen Zirkumskriptionsbulle „Dei ac Domini Nostri Jesu Christi“ festgelegten neuen Grenzumschreibungen der Bistümer im Königreich Bayern vollzogen werden sollen.

Es war die Geburtsstunde der neuen bayerischen Kirchen- und Bistumsorganisation mit insgesamt acht Diözesen. Das Bistum Würzburg wurde dabei mit den Bistümern Eichstätt und Speyer der nordbayerischen Kirchenprovinz mit dem Erzbistum Bamberg als Metropolitansitz zugeordnet, was bis heute gilt.

Den sichtbaren Höhepunkt der kirchlichen Neuorganisation bildete die Wiederbesetzung der Bischofsstühle und Domkapitel Ende 1821, womit die katholische Kirche wieder eine klare Führung und stabile Organisation erhielt, durch die eine zwei Jahrzehnte währender institutioneller, rechtlicher und wirtschaftlicher Schwebezustand infolge der Säkularisation endete. Als neuer Bischof von Würzburg wurde im Dezember 1821 der bisherige Bamberger Generalvikar Adam Friedrich Freiherr von Groß zu Trockau im Würzburger Dom feierlich in sein Amt eingeführt. Kurz zuvor war die Einsetzung des neuen Domkapitels erfolgt.

Die grundlegenden politischen Umwälzungen sowie gesellschaftlichen und geistigen Veränderungen, die zu Beginn des 19. Jahrhunderts vorausgegangen waren, führten nicht nur zu einem institutionellen Neubeginn der katholischen Kirche, sondern bewirkten auch einen inneren Wandel, ja einen religiösen Um- und Aufbruch. Nun gelang es, neue Wege für Theologie und Kirche zu bahnen und sich für die Zukunft gut zu rüsten in einem nicht-religiös ausgerichteten Staat, der seinen Machtanspruch in allen Bereichen des öffentlichen Lebens durchzusetzen versuchte

Es folgte eine Konzentration auf die gegenwartsbezogenen pastoralen Kernaufgaben unter den veränderten Bedingungen, die Entwicklung einer neuen Spiritualität sowie eine Vertiefung und Erneuerung des Frömmigkeitslebens im Zeichen der katholischen Romantik.

Die Neuerungen waren darauf ausgerichtet, die eigene kirchliche Identität zu wahren und führten verbunden mit einer grundsätzlichen Kritik an areligiösen Geistesströmungen der Zeit sowie der Abgrenzung gegenüber einer zunehmend säkularen und pluralen Gesellschaft zu einem neuen kirchlichen Selbstverständnis.

Aus Anlass dieser 200jährigen Neuordnung der kirchlichen Verhältnisse im Bistum Würzburg wird heute die Ausstellung „1821 - Bruch, Beginn, Wandel - 200 Jahre neues Bistum Würzburg“ hier in Archiv und Bibliothek des Bistums Würzburg eröffnet.

Sie thematisiert die Veränderungen der Umbruchszeit seit 1803, stellt die Erneuerungen und Aufbrüche sowie die entscheidenden Persönlichkeiten der Würzburger Ortskirche in dieser entscheidenden Phase der jüngeren Geschichte unseres Bistums dar. Herr Wehner wird gleich noch ausführlicher in die Inhalte der Ausstellung einführen.

Zu verdanken ist die Ausstellung einer Kooperation des Würzburger Diözesangeschichtsvereins mit Archiv und Bibliothek des Bistums Würzburg, einer Konstellation, die bereits in der Vergangenheit sehr fruchtbar für die Darstellung bistumsgeschichtlicher Ereignisse wirkte.

Ein besonderer Dank geht daher an die Initiatoren, Herrn Prof. Dr. Wolfgang Weiß und Herrn Thomas Wehner. Selbiger Koautorenschaft entstammt auch der geschichtswissenschaftliche Katalog, wenn man so will die inhaltliche Grundlage für die Ausstellung, der im neuesten Band der Diözesangeschichtsblätter abgedruckt und auch als Sonderdruck erhältlich ist.

Die Umsetzung der Ausstellung hier in Archiv und Bibliothek des Bistums Würzburg übernahm Herr Wehner, der stellvertretende Leiter des Hauses. Dass es neben den zahlreichen Alltagsaufgaben von Herrn Wehner gelungen ist, diese auf die Beine zu stellen, ist seinem außerordentlichen Engagement ebenso zu verdanken wie der praktischen Unterstützung durch das gesamte Team von Archiv und Bibliothek des Bistums Würzburg. Dafür gilt Herrn Wehner, Frau Schwarz und allen Beteiligten hier im Archiv mein besonderer Dank!

Ein herzlicher Dank geht auch an das Vorbereitungsteam des Bistums mit Frau Dr. Schrappe, Frau Eck, Herrn Prof. Weiß, Herrn Dr. Dvorak, Herrn Dr. Emmert und Herrn Wehner, mit deren Hilfe nicht nur die Bewerbung der Ausstellung unterstützt, sondern auch verschiedene Begleitveranstaltungen zur 200-jährigen Neuorganisation ins Lebens gerufen werden konnten.

In der älteren Geschichtsforschung werden die Säkularisation und der damit verbundene Umbruch häufig als Beraubung und als zerstörerischer Angriff auf die katholische Kirche gesehen. Erst mit zunehmender Distanz wurde sie nicht nur als gewalttätiges Ende einer alten Ordnung, sondern auch als Chance für einen positiven Neuanfang erkannt, der die Kirche in den Stand versetzte, sich mit Nachdruck wieder auf ihre wesentlichen Aufgaben zu besinnen und als religiös-geistliche Instanz zu wirken.

In diesem Sinne sollten wir viel mehr Mut zu Neuem haben und nach neuen Chancen Ausschau halten. Unser Bischof Franz hat am vergangenen Christkönigssonntag in seiner vielbeachteten und sicherlich absolut wegweisenden Predigt herausgearbeitet, dass wir gerade in den gegenwärtigen Herausforderungen des Kirche-Seins gut beraten sind, wenn wir aus der Geschichte lernen:

Das Ende einer bestimmten Sozialgestalt der Kirche ist nicht zugleich das Ende der Kirche! Die Christkönigspredigt von Bischof Franz hat uns einen klaren Auftrag gegeben: Nehmen wir als Bistum Würzburg auch in der gegenwärtigen Stunde der Kirche die uns gestellte Aufgabe an, aus einem vertieften Glauben heraus Kirche im Übergang zu leben und zu gestalten. Auch wenn es uns wieder alles abverlangen wird: Wir müssen auch diesmal Altes hinter uns lassen und uns nach Neuem ausstrecken!

In diesem Sinne ist es mein Wunsch, dass gerade diese Ausstellung zu unserer jüngsten Diözesangeschichte fruchtbar in unser Bistum hineinwirkt und dass alle, die diese Ausstellung besuchen, aus der Beschäftigung mit der Vergangenheit einen kraftvollen Impuls für die Gestaltung der Zukunft mitnehmen.