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Viele Lichter der Hoffnung

Kiliani-Wallfahrtswoche 2026
Besondere Atmosphäre bei „Nacht der Hoffnung“ im Kiliansdom – Impulse, Gebet und Kerzenlicht – Domtüren bis Mitternacht geöffnet

Würzburg (POW) Das weit offene Domportal ist in grünes Licht getaucht. Ein Team von Helferinnen und Helfern verteilt Kerzen und lädt Passanten ein, in den stimmungsvoll grün, gelb und lila beleuchteten Kiliansdom zu treten. Bei der „Nacht der Hoffnung“ am Samstagabend, 11. Juli, präsentierte sich der Dom von einer etwas anderen Seite. Bis Mitternacht kam ein steter Strom von Menschen, um das Angebot von Stille und meditativen Impulsen, dezenter Musik, Anbetung und Glaubensgesprächen wahrzunehmen. Viele entzündeten eine Kerze auf den Stufen vor dem Altar. „So schön“, war immer wieder zu hören. „Diese Nacht, die Ihr gestaltet habt, war wunderschön“, dankte eine Frau dem Helferteam.

Bis zum „Gebet der Hoffnung“ und dem eucharistischen Segen, mit dem kurz vor Mitternacht die „Nacht der Hoffnung“ schloss, nutzten Frauen und Männer aller Altersstufen die verschiedenen Angebote im Dom. Im Eingangsbereich und am Taufbecken beispielsweise konnten sie auf Karten schreiben, was sie an Bitten, Dank oder Hoffnung vor Gott bringen wollen, und diese in ein Körbchen vor den Altar legen. Bibelkärtchen mit Impulsen wie „Denn sicher gibt es eine Zukunft, deine Hoffnung wird nicht zerschlagen“ luden zum Nachdenken über das eigene Leben ein. Wer wollte, konnte ein grünes Armband mit der Aufschrift „Hab nur Mut, steh auf, er ruft dich“ mitnehmen.

Vor dem eucharistischen Brot in der auf dem Altar aufgestellten Monstranz gaben Seelsorgerinnen und Seelsorger Impulse zu Mut und Hoffnung. „Mut bedeutet nicht, keine Angst zu haben, sondern trotz der Angst weiterzugehen, im Vertrauen darauf, dass jemand mitgeht“, sagte beispielsweise ein Seelsorger mit Blick auf die Zusage Jesu an die Jünger: „Ich bin bei euch alle Tage.“ Eine Gefängnisseelsorgerin berichtete von inhaftierten Frauen, die trotz ihrer Situation nicht den Mut verloren hätten, von einem besseren Leben zu träumen. „Gott spielt hinter Gittern eine große Rolle“, sagte sie. In weiteren Impulsen ging es um Fragen wie: „Wofür stehe ich auf?“ oder „Was ist meine Berufung?“ Vor dem eucharistischen Segen lud Bischof Jung alle ein, ein Weihrauchkorn in eine Schale mit glühender Kohle zu legen: „Unser Gebet wollen wir wie Weihrauch aufsteigen lassen.“

Zu Beginn der „Nacht der Hoffnung“ feierte Bischof Jung einen Pontifikalgottesdienst. Die Erzählung vom blinden Bettler Bartimäus beschreibe einen Menschen, der nicht weiterwisse und vom Leben der anderen ausgeschlossen sei. „Heute Nacht sind wir eingeladen, über die Finsternis in unserem Leben nachzudenken“, sagte der Bischof. „Wo kann ich mich in dieser Rolle wiederfinden? Wo sind die Momente der Dunkelheit und Ohnmacht, in denen ich wie der Bettler um Hilfe rufe?“

Die Menschenmenge wolle den Bettler zunächst zum Schweigen bringen. Doch als Jesus stehen bleibe, ändere sie ihr Verhalten und ermutige ihn, aufzustehen und in die Gegenwart Jesu zu treten. Diese Menge sei für ihn ein Sinnbild der Kirche, sagte Bischof Jung. „Die Kirche ist nicht für sich selbst wichtig, sondern immer nur dann, wenn sie dazu dient, Menschen mit Christus in Kontakt zu bringen.“ Diese Nacht lade dazu ein, über das eigene Christsein nachzudenken: „Wann habe ich andere zu Christus geführt, und traue ich persönlich diesem Jesus wirklich zu, dass er auch mich heilen könnte?“

Christus mache den Blinden wieder sehend. Im Evangelium heiße es über Jesus als dem Licht der Welt: „Die Finsternis hat dieses Licht nicht erfasst. Es leuchtet auch in der Nacht.“ Am Karfreitag seien am helllichten Tag die Lichter ausgegangen, weil der Gottessohn getötet wurde, doch er sei es, der in der Osternacht das Licht wieder aufstrahlen lasse. „Deshalb kann er auch in der Finsternis unseres Lebens sein Licht wieder aufstrahlen lassen. Vertraue ich darauf, dass Jesus auch meine Finsternis erhellt? In dieser Nacht sind wir eingeladen, Christus als das Licht unseres Lebens wiederzuentdecken. Haben wir Mut heute Nacht und stehen wir auf, dem Herrn zu begegnen.“

sti (POW)

(2926/0697; E-Mail voraus)

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