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Im Gespräch

Vom Reichtum eines beantworteten Rufs

Domdekan Prälat Günter Putz geht altersbedingt in den Ruhestand – „Menschsein und Priestersein wird nicht zuallererst von Funktionen bestimmt“

Würzburg (POW) Am Mittwoch, 18. März, wird Domdekan Prälat Günter Putz, langjähriger Schulreferent des Bistums Würzburg, 70 Jahre alt. Am Folgetag, Donnerstag, 19. März, verabschiedet Bischof Dr. Franz Jung ihn bei einem Pontifikalgottesdienst im Kiliansdom auch als Domdekan in den Ruhestand. Im folgenden Interview spricht Putz unter anderem über seine Zukunftspläne und blickt auf besondere Glanzlichter in seiner Tätigkeit als Domdekan zurück.

POW: Was bedeutet es für Sie, das Amt des Domdekans altersbedingt abzugeben?

Domdekan Prälat Günter Putz: Nach Maßgabe der Statuten des Würzburger Domkapitels ist der Domdekan für die Liturgie und die Dommusik in der Kilianskathedrale zuständig. Dass mit dem Verzicht auf diese Aufgabe bedeutsame Lebensvollzüge, nämlich das liturgische Feiern, das mich seit Kindesbeinen an begleitet hat und wertvoll gewesen ist, mit einer Zäsur versehen werden, ist sicherlich ein Prozess, der nicht ohne Wehmut abläuft. Bereits als Jugendlicher hatte ich in der Heimatpfarrei als Leiter einer Knaben- und Mädchenschola den Zugang dafür eröffnet, dass mit dem Eintritt ins Priesterseminar im Jahr 1969 diese jugendliche Qualifizierung für Liturgie und Musik nicht zuletzt bei dem Erleben der Würzburger Synode mit Freude erlebt und vertieft worden ist.

POW: Gibt es besondere Momente, an die Sie sich gerne zurückerinnern?

Putz: Unvergessen ist mir dabei die Teilnahme als Akolyth bei der Weihe der ersten Ständigen Diakone durch Bischof Josef Stangl. Aus dieser Zeit bleibt mir in guter Erinnerung, wie ich gleichzeitig, so gut es ging, beim Würzburger Domchor unter Leitung von Siegfried Koesler mitgesungen habe. Ebenso unvergessen war, dass zu der damaligen Zeit die Schola des Priesterseminars unter Leitung von Domkantor Otmar Faulstich bei vielen Altarweihen der beiden Bischöfe die musikalische Gestaltung übernommen hatte. Zu meiner Zeit als Bischofssekretär war diese Aufgabe zugleich verbunden mit der Verantwortlichkeit für die Liturgie für die Pontifikalämter, die der jeweilige Bischof zelebrierte. Selbstverständlich war für den damaligen jungen Sekretär die Beisetzung von Bischof Josef Stangl durch den damaligen Erzbischof von München, Joseph Kardinal Ratzinger, ein bleibendes Erlebnis. Viele Beisetzungsfeiern von Domherren sind mir ebenso in bleibendem Gedächtnis. In die Zeiten als Domkapitular und Sekretär des Domkapitels fielen die Einführung von Bischof Dr. Friedhelm Hofmann als Nachfolger von Bischof Dr. Paul-Werner Scheele. So hat sich die Liebe zur Musik und Liturgie so ausgeformt, dass ich schließlich als Domdekan in reiferem Alter ausdrücklich für diese Funktion im Kiliansdom Verantwortung übernehmen durfte.

POW: Was war bei Ihrer Aufgabe als Domdekan Ihr persönliches Glanzlicht?

Putz: Wenn man von Glanzlicht reden möchte, fallen natürlich in diese Phase der Verantwortung als Domdekan zuallererst die Vorbereitung der Bischofsweihe von Dr. Franz Jung und die Beisetzungsfeier von Bischof Scheele. Persönlich war mir wichtiger, im Hintergrund für den Bestand der Domsingknaben und der Mädchenkantorei zu sorgen. Durch die neue Schulentwicklung wie etwa die Einführung der Ganztagsschule wurde es nötig, schulisches Alltagsleben mit den Probeabläufen der Jugendlichen zu verknüpfen. Um das zu sichern, habe ich in meiner Eigenschaft als Schulreferent den musikpädagogischen Zweig in der Volksschule im Elisabethenheim, die in diözesaner Trägerschaft steht, eingeführt, zugleich eine Kooperation mit dem Wirsberg-Gymnasium als weiterführende Schule mit dem damaligen Domkapellmeister Martin Berger und der Leitung des Wirsberg-Gymnasiums eingerichtet. Ich freue mich, dass das bis zur Stunde zur Stabilisierung dieser beiden Jugendchöre in der Dommusik beiträgt. Ganz persönlich werde ich die Zelebration der Konventämter im Dom vermissen, wo in der Alltäglichkeit sonntags die Heilige Messe mit der Gestaltung der Würzburger Dommusik eine eigene Qualität für sich besitzt.

POW: Wie sieht für Sie die Zeit im Ruhestand aus? Welche Pläne und Ziele haben Sie?

Putz: Das Hirtenwort unseres Bischofs zur Fastenzeit 2020 kann sofort auch für mich eine richtige Hilfe sein. Kontemplation ist keine Sonderleistung und keine Passivität. Sie gehört zur Qualität eines spirituellen Menschen oder biblisch ausgesagt: Sie ist eine Schlüsselqualifikation für das Jüngersein. Der Herr beruft Jünger in allererster Linie, „damit sie bei ihm seien“ (vgl. Mk 3,14). Die Qualität des Ausgesandtseins und des Predigens bei der Wahl der Zwölf hängt wesentlich davon ab, in welchem Maß der Jünger „bei ihm ist“. Persönlich bin ich froh, dass diese Spannung zwischen Bei-ihm-sein und Für-ihn-Handeln sich nach 45 Jahren nunmehr umkehrt. Die innere Kohärenz beider Aufgaben des Jüngerseins lebt aus diesem Auswahlprinzip des Herrn. Der wesentliche Grund der inneren Qualität eines Jüngers wird im Ruhestand eines Priesters beschworen. So wird es weiterhin priesterliche Aufgaben geben, die deutlich machen, dass das Menschsein und Priestersein nicht zuallererst von Funktionen bestimmt wird, sondern vom Reichtum eines beantworteten Rufes.

Zur Person

Günter Putz wurde 1950 in Würzburg geboren und stammt aus der Würzburger Pfarrei Heiligkreuz. Nach dem Abitur am Röntgen-Gymnasium studierte er in Würzburg Theologie und erwarb das Theologische Lizentiat. Am 29. Juni 1975 weihte ihn Bischof Josef Stangl in Würzburg zum Priester. Als Kaplan war Putz in Ostheim vor der Rhön, Sailauf, Untersteinbach und später auch Kitzingen-Sankt Johannes, wo er auch als Dekanatsjugendseelsorger wirkte. 1978 wurde Putz zum Bischöflichen Sekretär ernannt, ab 1980 war er zudem Domvikar. 1983 ernannte ihn der Bischof auch zum Seelsorger der Würzburger CV‑Verbindungen. Im Mai 1984 übernahm Putz die Leitung des Bischöflichen Knabenseminars Kilianeum in Bad Königshofen und unterrichtete gleichzeitig am Gymnasium Bad Königshofen.

Ab 1985 war er im Dekanat Rhön-Grabfeld auch Stellvertreter des Dekans sowie Beauftragter für Priester- und Ordensberufe und ab 1990 zudem Präses für Liturgie und Kirchenmusik. 1991 wechselte Putz als Ordinariatsrat ins Bischöfliche Ordinariat Würzburg und übernahm die Leitung der Hauptabteilung Schule und Erziehung. Zugleich wurde er Geistlicher Beirat des Sachausschusses Erziehung und Schule des Diözesanrats der Katholiken im Bistum Würzburg. Seit 1998 ist Putz Domkapitular und übte von 1998 bis Ende 2008 auch das Amt des Sekretärs des Domkapitels aus. Im Jahr 2000 wurde er zudem Referent für die Hochschulseelsorge. Im Hochschulrat der Hochschule für angewandte Wissenschaften Würzburg-Schweinfurt ist Putz Mitglied. Seit 2009 ist er Domdekan an der Kathedralkirche zu Würzburg und für Liturgie und Kirchenmusik am Dom verantwortlich.

Putz nimmt außerdem zahlreiche zusätzliche Aufgaben auf Diözesan- und Landesebene wahr. So ist er seit 1991 Vertreter des Ordinariats im Stiftungskuratorium des Studienseminars Julianum, seit 1997 Vertreter des Bischöflichen Stuhls im Vorstand des Ferdinandeums, seit 2000 Vorsitzender des Vereins Studentenburse und Vorstandsvorsitzender der Franz-Oberthür-Schulstiftung und seit 2007 auch Geistlicher Beisitzer des Vereins Elisabethenheim Würzburg. Von 2001 bis 2010 war er Vorsitzender des Beirats der Caritas-Schulen gGmbH, seit 2011 ist er dort Mitglied. Von 1996 bis 2011 war er außerdem Vorsitzender des Priestervereins der Diözese Würzburg und Mitglied im Verwaltungsausschuss der Emeritenanstalt und von 2001 bis 2006 auch Vorsitzender der Sankt-Kilians-Konfraternität. Außerdem war er bis 2011 viele Jahre Mitglied im Priesterrat. Auf Landesebene agiert Putz als Vertreter der bayerischen Schulreferenten im Landeskomitee der Katholiken in Bayern und war von 2001 bis 2004 stellvertretender Vorsitzender der Schulabteilungsleiter der deutschen Bistümer. Als Vorsitzender des Klerusvereins vertrat er die Diözese Würzburg im Bayerischen Klerusverein. Ab 2014 war Putz in Vertretung des Bischofs außerdem Vorsitzender der „Gemischten Kommission zur Begleitung der wissenschaftlichen Ausbildung an den katholischen Fakultäten“.

Putz ist besonders der studentischen Jugend ein Ansprechpartner. Er war bis 2010 viele Jahre Geistlicher Beirat des KKV Constantia Würzburg und des Jung-KKV. Von 1997 bis 2000 war er Philistersenior in der Katholischen Deutschen Studentenverbindung Markomannia in Würzburg, seit 2004 ist er Ehrenphilister bei der Guelfia in Würzburg. Außerdem war er zeitweise auch Seelsorger des Cartellverbands der katholischen deutschen Studentenverbindungen. 1997 wurde Putz in die Gemeinschaft der Familiaren des Deutschen Ordens aufgenommen. Seit 2000 ist er außerdem Aufsichtsratsmitglied und Mitherausgeber der „Tagespost“.

Sein besonderes Engagement galt der Seligsprechung des im Konzentrationslager Dachau gestorbenen Pfarrers Georg Häfner. Putz war hierbei von 1986 bis 2002 Postulator beim Bischöflichen Erhebungsverfahren für die Seligsprechung des NS-Märtyrers. Papst Johannes Paul II. ernannte Putz 2003 zum Monsignore. Der Katholische Studentenverein Unitas-Hetania Würzburg würdigte die Leistung des Geistlichen als Postulator im Seligsprechungsprozess für Pfarrer Georg Häfner mit der Ernennung zum Ehrenmitglied im Jahr 2012. Ebenfalls 2012 ernannte Papst Benedikt XVI. Putz zum Prälaten. Seit 2019 ist Domdekan Putz zudem Geistlicher Assistent der Komturei Franken des Deutschen Ordens. 2019 ging Putz als Leiter der Hauptabteilung Hochschule, Schule und Erziehung des Bistums Würzburg in den Ruhestand.

Interview: Markus Hauck (POW)

(1020/0261)

Zum Autor: mh (POW) (pow@bistum-wuerzburg.de)