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„Von Pioniergeist geprägt“

Ruhr-Universität Bochum würdigt Theologen und Bischof em. Dr. Paul-Werner Scheele

Bochum/Würzburg (POW) Als einen Pionier hat die Ruhr-Universität Bochum den verstorbenen Bischof em. Dr. Paul-Werner Scheele bezeichnet. „Er gehört zum erweiterten Kreis ihrer Gründerväter. Er ist einer ihrer prominenten Gestalten, die den Bochumer Spirit bereichert und verbreitet haben“, schreibt Dekan Professor Dr. Thomas Söding.

Von 1966 bis 1970 war Scheele Professor für Fundamentaltheologie an der Katholisch-Theologischen Fakultät Bochum. Seine vergleichsweise kurze Zeit in Bochum sei von Pioniergeist geprägt gewesen. „Die Ruhr-Universität war noch ganz jung, die Katholisch-Theologische Fakultät ebenso. Es brauchte Theologen, die verstanden, weshalb Wissenschaft und Theologie ins Revier gehören und welche Theologie und Wissenschaft hier gefragt sind: Forschung mit einem Sitz im Leben und mit Ambitionen, die durch Bodenhaftung Profil gewinnen, verbunden mit Lehre, die Menschen auch ohne akademischen Familienbackground vermittelt, wie spannend ein Fach ist und wie gut sich akademische Newcomer für das Lehr- und das Pfarramt machen.“ Scheeles Pioniergeist habe vor allem in der Ökumene ein fruchtbares Arbeitsfeld gefunden. Seine Promotionsschrift über Johann Adam Möhlers „Lehre von der Einheit der Kirche und ihre(r) Bedeutung für die Glaubensbegründung“ sei eine Programmschrift gewesen, „die zeigte, aus welchen Quellen eine katholische Ökumene schöpfen kann, die nicht den Zweifel an der eigenen Identität, sondern die Entdeckung der genuin christlichen Weite ins Zentrum stellt“.

In Bochum habe Scheele die Einsichten seiner wissenschaftlichen Erstlingsarbeit reifen lassen, im akademischen Unterricht erprobt und mit anderen Ansätzen ins Gespräch gebracht. „Fundamentaltheologie ist das Gegenteil von Fundamentalismus; die ökumenische Frage gehört zu ihrem zentralen Nervensystem: von der Gotteslehre über die Christologie und die Rechtfertigungslehre bis zur Theologie der Kirche“, betont Söding. Als Bischof habe Scheele mit Joseph Ratzinger, Klaus Hemmerle, Walter Kasper und Karl Lehmann zu einer Generation theologisch hoch qualifizierter Kirchenführer gehört, die nicht nur stets die Qualität der wissenschaftlichen Theologie an einer staatlichen Universität zu schätzen wussten, sondern auch in der Kirche selbst ihre theologische Expertise für Reformmodelle nutzbar gemacht haben – „nicht immer einer Meinung, aber alle mit der Fähigkeit, zu argumentieren und im wissenschaftlichen Gespräch dazuzulernen“.

Als Bischof habe Scheele die Ökumene zu einem Zentralthema auch seines Wirkens gemacht, hebt Söding hervor. „Vor allem im Verhältnis zum Protestantismus, dessen intellektuelle Präsenz er als echte Herausforderung der katholischen Theologie und Kirche zu schätzen gelernt hatte.“ Ungezählt seien die internationalen und nationalen Mitgliedschaften, Gremienvorsitze, Autor- und Herausgeberschaften von Bischof Scheele, die zu tausend kleinen Schritten der Annäherung, aber auch der differenzierten und respektvollen Unterscheidung geführt hätten – „und im Ganzen zu einem beeindruckenden Weg, der am Beispiel der katholischen Kirche und der evangelischen, aber auch der orthodoxen Kirchen zeigt, dass echter Glaube nicht im mindesten gewalttätig, sondern im Gegenteil friedenstiftend ist: Man muss ihn nur gut genug verstehen, offen genug vermitteln und klug genug bezeugen.“ Dabei habe Bischof Scheele der trockene Humor seiner Heimat nicht nur über manche Frustrationen in der Ökumene hinweggeholfen, sondern habe ihn zu immer neuen Initiativen angespornt, ohne dass er selbst sich allzu ernst hätte nehmen müssen.

Die Schriften und Bücher, die Scheele als Wissenschaftler wie als Bischof verfasste, beweisen nach Södings Worten dessen intellektuelle Neugier, stupende Kenntnisse, enormen Fleiß. Zugleich werde darin Scheeles menschliche Art sichtbar, Kontroversen auszutragen, aber nicht eskalieren zu lassen.

Bis in seine letzte Lebenszeit hinein habe Bischof Scheele regen Anteil an der Entwicklung der akademischen Theologie genommen, nicht zuletzt an seiner ersten Fakultät in Bochum. „Dass es gelungen ist, den Status der Bochumer Katholischen Theologie auf einer neuen Rechtsgrundlage im vollen Umfang zu erhalten und damit ein starkes Zeichen für eine zukunftsoffene Theologie zu setzen, hat ihn hoch erfreut und tief befriedigt.“

(2019/0527; E-Mail voraus)

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