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Im Gespräch

„Wäre hier nicht mein Platz?“

Warum Pfarrvikar Dr. Simon Schrott ab März im Kloster Münsterschwarzach lebt

Karlstadt/Großwallstadt/Münsterschwarzach (POW) Dr. Simon Schrott (36), Pfarrvikar in den Pfarreiengemeinschaften „Sankt Georg – Karlstadt“ und „Heiliger Jakobus, Karlburg“ (ohne Halsbach), tritt zum 15. März in das Kloster Münsterschwarzach ein. Was ihn zu diesem Schritt bewogen hat und wie sein Umfeld auf diese Entscheidung reagiert hat, erläutert er im folgenden Interview.

POW: Was hat Sie bewogen, ins Kloster einzutreten?

Dr. Simon Schrott: Das war keine spontane Entscheidung. Mein Kontakt nach Münsterschwarzach ist schon zu Studienzeiten entstanden. Vor etwas mehr als zehn Jahren habe ich für drei Semester im Haus Benedikt in Würzburg gewohnt, das damals noch den Benediktinern gehörte. Bereits damals habe ich gemerkt, dass in mir die Anfrage aufkam: Wäre das nichts für mich, wäre hier nicht mein Platz? In allen Jahren seither war ich immer wieder erneut in Münsterschwarzach: zu Exerzitien, zur Teilnahme am Chorgebet an Festtagen und so weiter. Ich konnte aber nie einfach dort sein und danach wieder nach Hause fahren, als wäre nichts gewesen. Es war jedes Mal eine persönliche Anfrage an mich: Sollte ich nicht eigentlich hier sein?

POW: Gab es auch einen konkreten Anstoß, an den Sie sich erinnern?

Schrott: Im Sommer 2019 waren wir mit unserem Weihekurs zu Exerzitien in Münsterschwarzach. Da wurde mir klar: Ich darf nicht nur immer darüber nachdenken, ins Kloster einzutreten. Ich muss es jetzt auch einmal wirklich in Angriff nehmen. Daraufhin habe ich den Kontakt mit dem Novizenmeister Pater Frank Möhler gesucht, um ein Gespräch gebeten und mich vorgestellt. Im Frühjahr 2020 habe ich Urlaub genommen und durfte zwei Wochen im Konvent mitleben. Das war eine intensive Zeit mit vielen Eindrücken und guten Gesprächen. Seither hat sich der Kontakt vertieft und ich habe immer deutlicher gemerkt: Die Richtung stimmt – und ich muss es versuchen. Ich habe also einen langen Anlauf gebraucht bis zur Entscheidung: Jetzt schiebe ich es nicht länger vor mir her. Ich bin immerhin auch alt genug (lacht).

POW: Sie haben als Seelsorger im Dienst des Bistums mit vielen Menschen zu tun. Was waren die Reaktionen auf Ihren Entschluss?

Schrott: Wer mich gut kennt, weiß, dass das Kloster für mich schon lange ein Thema ist. Ich habe das nie verheimlicht. Dennoch war die Nachricht für viele tatsächlich neu und ungewohnt. Das Interessante ist, dass ich durch die Bank positive und bestärkende Rückmeldungen bekommen habe – aus ganz unterschiedlichen Richtungen. Wie oft habe ich in den vergangenen Wochen gehört: „Das passt zu Ihnen“ oder „Das kann ich mir bei Dir sehr gut vorstellen“. Dass in unseren Gemeinden nicht alle erfreut sind über meinen Weggang, deute ich als Zeichen der Wertschätzung und Verbundenheit. Mich hat besonders gefreut, dass unser Bischof Dr. Franz Jung, als ich bei ihm war, meinen Wunsch sehr offen aufgenommen hat und den Schritt auch wohlwollend begleitet. Ich möchte der Vollständigkeit halber betonen, dass ich es aber sehr ernst nehmen würde, wenn mir gegenüber jemand begründete Zweifel äußern und mir sagen würde, dass ich mich da wohl in etwas verrenne. Tatsächlich hat das aber bislang noch niemand so zu mir gesagt.

POW: Was genau macht in Ihren Augen den Reiz eines Lebens als Mönch im Benediktinerorden aus?

Schrott: Das ist nicht ganz einfach in Worte zu bringen. Aber ich möchte es gern versuchen. Zunächst einmal vorweg: Ich bin jetzt schon ein paar Jahre lang Priester und bin das auch gerne. In dieser Zeit habe ich viel Gutes erlebt, für das ich sehr dankbar bin. Zugleich merke ich aber, dass ich meinen Platz noch nicht gefunden habe, über den ich sagen kann: Da gehöre ich tatsächlich hin. Ich habe lange Zeit den „Fehler“ im System und in den äußeren Strukturen gesucht. Schließlich ist mir klar geworden, dass das Ganze in erster Linie ein persönliches Thema ist. Also habe ich mich gefragt: Was genau suchst du eigentlich? Beim Leben als Mönch kommen drei Dimensionen zusammen, die mich reizen: erstens ein Freiraum für die Begegnung mit Gott. Klingt vielleicht seltsam, wenn ein Priester sagt, dass er sich das wünscht. Aber der Alltag in der Pfarrseelsorge lässt dafür tatsächlich nicht so viel Raum. Zweitens das Leben in einer solidarischen Gemeinschaft, wo man das geistliche Leben teilt und auch menschlich füreinander da ist. Und drittens die Möglichkeit, nicht in einer großen Fläche aufzugehen, sondern durch das gemeinsame Beten und Arbeiten Kirche an einem ganz konkreten Ort so zu gestalten, dass auch andere etwas davon haben.

POW: Ich könnte mir vorstellen, dass einige Ihrer diözesanen Mitbrüder aus dem Klerus zu Ihnen sagen: Du machst Dir jetzt einen schlanken Fuß und gehst ins Kloster, während bei uns die Anforderungen durch die größeren Räume steigen.

Schrott: Das hat zu mir tatsächlich noch niemand so gesagt. Ich sehe aber die Not, die vielerorts herrscht, und kann mir vorstellen, dass der Gedanke manchmal kommt. Wir brauchen Priester in der Pfarrseelsorge, keine Frage. Ich möchte meine Entscheidung auch nicht als persönliche Absage an die Pfarrseelsorge verstanden wissen oder gar als generelle Aussage über deren Sinn oder Unsinn. Aber wir Priester sind auch Menschen mit der Sehnsucht nach Erfüllung, Beheimatung und geistlicher Fruchtbarkeit und eben keine austauschbaren Spielfiguren, die man einfach nach Bedarf verschieben kann. Und man darf Kirche auch nicht auf den eigenen Kirchturm reduzieren, sie lebt aus der Vielfalt ihrer Gemeinden und Gemeinschaften und aus dem Zusammenwirken unterschiedlicher Charismen und Berufungen. Klöster leisten dazu einen wertvollen Beitrag, gerade die Abtei Münsterschwarzach ist ein Ort mit einer breiten Ausstrahlung und wird auch von vielen Leuten aus unseren Gemeinden als spirituelle Anlaufstelle sehr geschätzt. Der Anfrage muss ich mich also stellen, aber auch eine Grenze ziehen: Wo Priester auf ihre Dienstleistung für andere reduziert werden, gewissermaßen als Mittel zum Zweck, und ihre persönliche Sehnsucht delegitimiert wird, meine ich doch, dass eine rote Linie überschritten ist. Ich denke, dass die Mitbrüder das letztlich genauso sehen.

POW: Es geht in Ihren Augen also darum, dass jeder nur dort wirklich gut wirken kann, wo er das auch als seine persönliche Berufung erlebt?

Schrott: Ich meine, dass es für die Kirche das Beste ist, wenn alle dort wirken, wo sie geistlich fruchtbar werden können. Die Kirche kann kein Interesse daran haben, nur Planstellen zu besetzen. Jeder und jede Einzelne muss sich fragen, wo sie oder er den richtigen Platz hat. Natürlich geht es dabei nicht darum, das persönliche Hobby zu verwirklichen. Es geht auch darum, sich einzufügen in das große Ganze und mitzuwirken am Auftrag der Kirche. Zugleich müssen wir alle unserer persönlichen Berufung treu bleiben, und die Kirche als Ganze kann nur gewinnen, wenn es ihr gelingt, das zu ermöglichen und zu integrieren. Das gilt für uns Priester ebenso wie für alle anderen Berufsgruppen.

POW: Wie sehen Ihre nächsten Schritte aus? Absolvieren Sie zunächst ein Postulat oder starten Sie direkt in das Noviziat, also starten damit direkt in die Ordensausbildung?

Schrott: Am Anfang steht auch für mich ein halbjähriges Postulat. Es dient dem Ankommen und Eingewöhnen in die klösterliche Lebensweise. In Münsterschwarzach schließt sich dann ein zweijähriges Noviziat an. Danach kann man sich auf Zeit für insgesamt vier Jahre binden. Wenn Bedarf besteht, kann man diese Zeit noch einmal verlängern, oder eben sich feierlich auf Lebenszeit an die Gemeinschaft binden. Es ist also ein Weg, auf dem man einige Schritte geht, der Zeit braucht. Das ist auch Sinn der Sache. Niemand, der als Postulant antritt, weiß, wie er sich später erlebt. Ich auch nicht. Die Selbstprüfung beginnt dann erst richtig. Passt diese Lebensform für mich? Habe ich mir vielleicht das Kloster anders vorgestellt? Ich habe eine Hoffnung, wie meine Antwort am Ende ausfällt. Aber ich lasse das auf mich zukommen.

POW: Haben Sie vielleicht einen Tipp für andere Menschen, die auch auf der Suche nach ihrer persönlichen Berufung sind?

Schrott: Das ist eine gute Frage. Was es heute braucht, ist eine große innere Freiheit und Ehrlichkeit vor Gott und sich selbst sowie ein nüchterner Blick für die kirchliche Situation. Als Beispiel: Als ich 2004 ins Priesterseminar eintrat, hatte ich noch nie von der Vokabel „Pfarreiengemeinschaft“ gehört. Wer Priester werden wollte, hatte meist das Bild des Pfarrers für eine Einzelpfarrei im Hinterkopf, der sich sozusagen väterlich um seine Herde sorgt. Das war jetzt nicht mein Leitbild, aber sicherlich das vieler Kollegen. Dieses Bild gibt es in der Realität nicht mehr. Und es wird in den kommenden Jahren noch mehr zerbröseln, dafür wird sich vieles neu sortieren und entwickeln. Wenn ich mir also die Frage nach der eigenen Berufung stelle, darf ich mich dabei nicht von irgendwelchen Idealbildern aus der Vergangenheit oder den Erwartungen anderer leiten lassen. Ich muss unvoreingenommen wahrnehmen, was heute ist. Wie nehme ich mich wahr, wie die Kirche? Was wünsche ich mir wirklich? Welche Gaben und Fähigkeiten hat Gott mir geschenkt? Wie und wo kann ich mir vorstellen, dass mein Wirken durch sie fruchtbar sein kann?

POW: Welche Bedeutung hat in diesem Zusammenhang der Rat eines Menschen, der kritisch die Außensicht einbringt?

Schrott: Der ist sehr wichtig. Am besten jemand, der nicht einfach auf die Schulter klopft. Sondern jemand, der die nötige Weite und Menschenkenntnis hat und sich auch mit der Materie auskennt. Sonst sitzt man den eigenen Vorstellungen auf.

POW: Auch finanziell bedeutet der Schritt ins Kloster für Sie eine deutliche Veränderung.

Schrott: Natürlich. Ich werde kein Gehalt mehr bekommen und von meiner Wohnung in ein kleines Zimmer, die Klosterzelle, ziehen. Ich kann einige persönliche Gegenstände, Kleidung und Bücher mitnehmen. Viel von dem, was ich derzeit besitze, werde ich abgeben, verschenken. Ich habe für vieles auch schon Kandidaten, die mir die Dinge abnehmen. Mir ist auch bewusst, dass ich Autonomie abgebe. Wenn ich etwas brauche, werde ich im Kloster darum bitten müssen. Bislang sage ich einfach: Gut, dann gehe ich halt einkaufen. Wie sich dieser neue Lebensabschnitt anfühlen wird, weiß ich noch nicht zu sagen. Ich kann aber sagen, dass ich mich bereits darauf freue, vieles künftig nicht mehr zu brauchen.

POW: Weil Dinge, an die man sich bindet, einen auch jeweils binden?

Schrott: Ganz genau. Wenn ich eine Wohnung habe, dann muss diese auch vorzeigbar sein. Ich muss dort besuchbar sein, muss mir vorstehen können, das heißt, ich brauche eine bestimmte Ausstattung. Außerdem brauche ich Versicherungen und ähnliche Dinge der persönlichen Lebensvorsorge. Und vieles andere mehr, um das man sich als Weltpriester ja genauso kümmern muss wie alle anderen Leute auch. Mit dem Schritt in die klösterliche Gemeinschaft kann ich all das abgeben. Was wir als Gemeinschaft brauchen, haben wir gemeinsam. Wenn ich mich darum nicht mehr kümmern muss, entsteht für mich ein neuer persönlicher Freiraum. Das gilt für mich insbesondere deswegen, weil ich jemand bin, der dazu neigt, sich über viele Dinge Gedanken zu machen. Manchen Dingen werde ich aber sicherlich nachtrauern. Ich werde zum Beispiel, obwohl ein leidenschaftlicher Autofahrer, kein eigenes Auto mehr haben. Aber das schafft auch Freiheit. Und darauf freue ich mich.

Zur Person:

Schrott, Jahrgang 1984, kommt aus Großwallstadt. Nach dem Abitur am Musikgymnasium der Regensburger Domspatzen im Jahr 2004 studierte er in Würzburg und Freiburg im Breisgau Theologie. Von 2010 bis 2012 absolvierte er im Fach Liturgiewissenschaft ein Promotionsstudium, das er 2013 mit dem Doktorgrad abschloss. Seine Dissertation trug den Titel „Mysterium Paschale. Genese und theologische Bedeutung des Begriffs in der Liturgiekonstitution Sacrosanctum Concilium sowie seine nachkonziliare amtliche Rezeption“. Bischof Dr. Friedhelm Hofmann weihte ihn am 7. Juni 2014 im Würzburger Kiliansdom zum Priester. Im Anschluss wirkte Schrott als Kaplan in der Pfarreiengemeinschaft „Sankt Benedikt am Hahnenkamm, Alzenau“, ehe er im September 2014 als Kaplan in die Pfarreiengemeinschaft „Hösbach – Maria an der Sonne“ wechselte. 2015 wurde er zudem Mitglied der Liturgiekommission der Diözese Würzburg. 2017 wurde Schrott mit jeweils halber Stelle Pfarrvikar in der Pfarreiengemeinschaft „Maria im Werntal, Werneck“ sowie wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Liturgiewissenschaft an der Universität Würzburg. Im August 2018 wurde er in Vollzeit Pfarrvikar für diese Pfarreiengemeinschaft. Seit April 2018 war er zudem Beauftragter für Liturgie und Kirchenmusik für das Dekanat Schweinfurt-Süd. Seit November 2018 ist Schrott Pfarrvikar für die Pfarreiengemeinschaften „Sankt Georg – Karlstadt“ und „Heiliger Jakobus, Karlburg“ (ohne Halsbach).

Interview: Markus Hauck (POW)

(0521/0107; E-Mail voraus)

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