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Wenn Loslassen zur Stärke wird

Bischof Dr. Franz Jung begeht mit rund 120 Ordensleuten „Tag des geweihten Lebens“ im Kloster Oberzell – Schwester Dr. Katharina Ganz charakterisiert den heiligen Franziskus als „gottvernarrt, armutsverliebt und gemeinschaftserprobt“

Kloster Oberzell (POW) Beim „Tag des geweihten Lebens“ im Kloster Oberzell hat Bischof Dr. Franz Jung am Sonntag, 1. Februar, das Leitmotiv des „Loslassens“ betont, das er im Evangelium von der Darstellung des Herrn (Lk 2,22–40) in drei Lebensaltern wiederentdecke: dem Jesuskind, Maria sowie Simeon und Hanna. Schwester Dr. Katharina Ganz, langjährige Generaloberin der Oberzeller Franziskanerinnen, charakterisierte zuvor in einem Vortrag den vor 800 Jahren gestorbenen heiligen Franziskus als „gottvernarrt, armutsverliebt und gemeinschaftserprobt“. Rund 120 Ordensfrauen und ‑männer aus dem Bistum Würzburg nahmen an der Veranstaltung teil.

Wie Bischof Jung in seinem Impuls bei der abschließenden Vesper in der Klosterkirche betonte, stehe das Jesuskind für das „Loslassen-Wollen“. Es vertraue sich in kindlicher Freiheit und Hingabe ganz seinem Vater an – ein Vertrauen, das Jesus bis ans Kreuz getragen habe. Der Bischof erinnerte an den heiligen Franziskus, der in diesem Sinn allen Besitz und selbst den Vaternamen losließ, um sich ganz Gott anzuvertrauen. Bischof Jung lud die Ordensleute ein, über jene Momente nachzudenken, in denen ihnen selbst solches kindliches Vertrauen geschenkt war.

Maria verkörpere das „Loslassen-Müssen“. Ihr werde immer wieder bewusst, dass ihr Sohn nicht ihr Besitz sei – von der Darstellung im Tempel über die Hochzeit zu Kana bis zum Kreuz. Franziskus habe Ähnliches erfahren, als er die Leitung seines Ordens abgab und damit das Werk seines Lebens aus der Hand geben musste. Der Bischof fragte die Zuhörenden, wo sie selbst in ihrem Ordensleben schmerzhaft loslassen mussten – Rollen, Pläne oder Menschen.

Schließlich stünden Simeon und Hanna für das „Loslassen-Können“. Nach einem langen Leben dürften sie den Messias sehen und in Frieden gehen. Franziskus habe dieses innere Einverständnis auf dem Sterbebett gefunden, als er den Sonnengesang anstimmte und selbst den „Bruder Tod“ lobte. Bischof Jung rief dazu auf, nach solcher Altersgelassenheit zu streben – im Vertrauen darauf, dass Gott das Leben zum Guten führt und man nicht alles selbst vollbringen muss. Den Ordensleuten dankte der Bischof für ihr wichtiges gelebtes Glaubenszeugnis.

Als einen Versuch, einen persönlichen Zugang zum Leben des heiligen Franziskus zu bieten, wollte Ganz ihren Vortrag verstanden wissen – geprägt von vielen Begegnungen mit den franziskanischen Stätten in Italien und dem Ringen um ein zeitgemäßes Ordensleben.

Unter dem Stichwort „gottvernarrt“ zeigte sie Franziskus als „Narren Gottes“ – einen, der sich durch Gottesbegegnung die Maßstäbe der Welt verrücken ließ. Der Bruch mit seiner wohlhabenden Familie, seine radikale Umkehr und die Entscheidung für ein Leben in der Nachfolge Christi seien Ausdruck eines tiefen Vertrauens, das menschliche Sicherheiten loslässt. Die „Armutsverliebtheit“ deutete Ganz hingegen als eine freie, befreiende Haltung: Franz und Klara hätten Armut nicht als Elend, sondern als innere Unabhängigkeit verstanden, die Nähe, Teilen und Geschwisterlichkeit ermöglicht. Ihre Liebe zur „Herrin Armut“ führe zu Solidarität mit den Armen und in die Nachfolge des armen Jesus.

Zudem sprach Ganz über das „gemeinschaftserprobte“ Leben – als spirituelle Lernform, die in der Begegnung wachse. Sie lud die Teilnehmenden ein, in Kleingruppen ein „Gespräch im Geiste“ zu führen – eine Methode geistlicher Unterscheidung, die auf gegenseitigem Hören aufbaut. Mit einem Gebet des heiligen Franziskus und einem Lied über den „Narren“ schloss sie den Vortrag und erinnerte daran, dass gerade die spirituelle Torheit und das Freiheitsstreben des Franziskus bis heute inspirierten: als Mut, anders zu leben, zu glauben und Gemeinschaft zu wagen.

mh (POW)

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