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Wenn nicht nur der Zahn der Zeit an Kunstobjekten nagt

„Streichholzaltar“ wegen Schädlingsbefall behandelt – Vor allem Licht und Feuchtigkeit bedrohen Kunstwerke – Umfangreiche Vorsichtsmaßnahmen im Museum am Dom – Neue Materialien schaffen neue Probleme

Würzburg (POW) Eine Lücke klafft derzeit in der Dauerausstellung im Museum am Dom in Würzburg. Der „Streichholzaltar“ des Hammelburger Künstlers Robert Höfling (1919-1997) wurde Mitte Juli abgebaut und im Depot des Museums in einem Spezialzelt gegen Schädlingsbefall behandelt. Brotkäfer hatten sich in den angekohlten Kartoffeln eingenistet, mit denen Höfling Teile seines Werks gestaltet hat. „In der zeitgenössischen Kunst werden die ungewöhnlichsten Materialien verwendet“, sagt Museumskurator Michael Koller. So bedrohen nicht nur Licht und Feuchtigkeit, sondern in manchen Fällen eben auch Schädlinge die Kunstwerke. Um sie vor Schaden zu bewahren und ungebetene „Gäste“ rechtzeitig zu entdecken, gibt es im Museum eine Reihe von Vorsorgemaßnahmen.

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So werde beispielsweise „Aktives Monitoring“ betrieben, um Schädlinge rechtzeitig zu entdecken, sagt Koller. Im Schnitt alle acht Wochen geht eine spezialisierte Firma durch das Museum und untersucht, ob es einen Befall gibt. Dabei werden unter anderem Pheromonfallen eingesetzt, wie man sie auch von der Bekämpfung von Lebensmittel- oder Kleidermotten kennt. Zudem müsse jedes Kunstwerk, das neu in die Sammlung aufgenommen wird, erst einmal in Quarantäne, sagt Sammlungskurator Christoph Deuter. „Das Objekt wird erst einmal genau begutachtet, ob ein potentieller Schädlingsbefall zu sehen ist. Falls ja, kommt es zur Beobachtung in den Quarantäneraum.“ Dieser wurde eigens im Depot eingerichtet. Denn erst wenn das Objekt für längere Zeit ruhig dastehe, könne man sagen, ob es etwa von Holzwürmern befallen sei – das herausrieselnde Holzmehl sei mit bloßem Auge sichtbar.

Auch die ungebetenen Gäste im „Streichholzaltar“ hatten sich selbst verraten. Während sie sich durch die Kartoffeln nagten, rieselte feiner, heller Staub herab und blieb auf dem unteren Rand des Rahmens liegen. Aus der Nähe sind in den angekohlten Kartoffeln winzige Löcher zu sehen. „Bei Lebensmitteln und organischen Materialien besteht erhöhte Gefahr“, stellt Deuter sachlich fest. Das gleiche Problem sei schon bei der Installation „Abendmahl und zwölf Begleiter“ von Henning von Gierke aufgetreten. Das trockene Brot in der Mitte habe man eigens mit einem Schutzmittel behandelt, erzählt Deuter: „Selbst das hat nicht geholfen.“ Das Brot sei mittlerweile entfernt und der Künstler sei benachrichtigt.

Ein Schädlingsbefall klingt spektakulär, ist aber die Ausnahme. Für die meisten Kunstwerke sind Licht und Feuchtigkeit die größten Feinde. „Licht ist der natürliche Feind von Papier“, sagt Koller. Papierarbeiten etwa seien nicht für eine dauerhafte Ausstellung gedacht. Die Zeichnungen des Künstlers Jehuda Bacon zum Beispiel seien immer mal wieder durchgewechselt worden, was nach Ansicht von Koller ohnehin eine gute Idee ist: „Es ist doch schade, wenn so viele Objekte im Depot liegen und nicht zu sehen sind.“ Bilder würden in der Regel mit UV-Glas geschützt, und die Pappe auf der Rückseite gegen eine säurefreie Variante ausgetauscht. Pflanzen- und Pigmentfarben seien widerstandsfähiger gegen Licht als künstliche Farben, ergänzt Deuter. Eine Ausnahme ist Elfenbein, aus dem beispielsweise die Figurengruppe „Verspottung Christi“ (um 1700-1725) besteht. Es behalte seine ursprüngliche Farbe besser, wenn es hell oder in UV-Licht stehe – nur pralle Sonne vertrage das Material nicht.

Bei Bildern sei meist die Holzkonstruktion im Rahmen empfindlicher als die Leinwand selbst, erklärt Deuter. Das Holz arbeitet, das heißt, es dehnt sich aus und zieht sich wieder zusammen. An den Rissen kann man unter Umständen sogar erkennen, wie die Holzleisten auf der Rückseite zusammengefügt wurden. Etwa bei dem gotischen Tafelbild „Irdisches und Himmlisches Gericht“ aus der Zeit um 1430. Auf den Farbschichten zeichnen sich feine waagerechte Konturlinien ab. „Hier ist das Holz quer angeordnet“, zeigt Deuter. Hinter den Konturlinien stoßen die Holzplanken aufeinander. Optimal seien eine Luftfeuchtigkeit von 50 bis 55 Prozent und eine Temperatur von 18 bis 20 Grad Celsius. Eine Klimaanlage ist deshalb Standard in modernen Museen. Zusätzlich misst ein Thermohygrograph konstant Luftfeuchtigkeit und Temperatur.

Ein Problem sei Kunststoff, der erst seit rund 50 Jahren auch in der Kunst verwendet werde. „Das Material kann spröde, weich oder klebrig werden, die Farbe verändern und ausbleichen. Man hat noch nicht lange Erfahrungen damit gesammelt und erforscht erst seit einigen Jahren, wie man Objekte aus Plastik erhalten kann“, sagt Deuter. Ein weiteres Problemfeld zeigt die mannshohe Arbeit „Der Pilger“ von Antonius Höckelmann. Den statischen Problemen an ihrem inneren Gerüst versucht man mit einer externen metallenen Stütze im Rückenbereich zu begegnen. „Sie ist aus verschiedenen Materialien zusammengestückelt, wie Papier, Karton, Farbe oder zerknüllter Aluminiumfolie.“ Da die Materialien unterschiedlich stark nachgeben und wegen eines ungenügend stabilen Lattengerüsts im Inneren habe sich die Figur mit der Zeit immer mehr zur Seite geneigt.

Manches, was früher gemacht wurde, um Kunstwerke zu schützen, sei heute ein Problem. So seien manche Holzschutzmittel, die in den 1970er Jahren eingesetzt wurden, so giftig, dass die damit behandelten Kunstwerke ohne Sicherheitsvorkehrungen nicht ausgestellt werden können. Früher seien von Holzwurm befallene Stellen an Skulpturen manchmal auch einfach abgesägt und ersetzt worden. In den Nachlässen von Bildhauern habe man immer wieder Reste von alten Altarteilen finden können, erzählt Deuter. „Heute werden nur noch solche Arbeiten gemacht, die reversibel sind“, erklärt er. So werde beispielsweise als Kleber Fischleim verwendet, der wasserlöslich sei und wieder entfernt werden könne. „Man plant schon bei der Restaurierung ein, dass irgendwann wieder etwas gemacht werden muss.“ Auch das Reinigen von Kunstwerken sollte man besser dem Fachmann überlassen, ergänzt Koller. Er erinnert sich mit Schaudern an ein altes Foto, auf dem ein altes Kruzifix mit einem Wasserstrahl von Schmutz befreit wird. „Auch durch gut gemeintes Putzen wurde manchmal mehr geschadet als geholfen.“

sti (POW)

(3121/0750; E-Mail voraus)

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