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Im Gespräch

„Wichtig ist Kommunikation“

Albert Knött, Fachreferent für Ehe-, Familien- und Lebensberatung (EFL) im Bistum Würzburg, gibt Tipps für die Zeit der Ausgangsbeschränkung

Würzburg (POW) Für zwei Wochen gilt in Bayern eine landesweite Ausgangsbeschränkung. Was macht das mit den Menschen und wie kommt man als Paar oder Familie gut über diese Zeit? Darüber spricht Albert Knött, Fachreferent für Ehe-, Familien- und Lebensberatung (EFL) im Bistum Würzburg, in folgendem Interview.

POW: Herr Knött, seit dem Wochenende gelten in Bayern landesweite Ausgangsbeschränkungen. Welche Auswirkungen hat das auf die Menschen?

Albert Knött: Der normale Alltag gibt Menschen Struktur und Sicherheit. Wenn die gewohnten Strukturen wegfallen, löst das Verunsicherung aus und erzeugt Stress: Man kann nicht mehr ins Büro gehen und sich mit den Kollegen austauschen. Die Kinder können ihre Freunde nicht treffen. Auch der Ausgleich fehlt, sei es beim Sport, im Chor, in der Volkshochschule. Dazu kommen Sorgen um die Gesundheit, um ältere Angehörige, gerade bei Selbstständigen auch um die Finanzen, sowie die ungewohnte räumliche Nähe. Man verbringt viel mehr Zeit in der Wohnung. Das kann leicht zu Aggressionen oder innerem Angespanntsein führen. In dieser Situation müssen neue Routinen und Strukturen gefunden werden. Das gilt nicht nur für Familien mit Kindern, sondern auch für Paare.

POW: Wie kann man den Tag strukturieren, wenn man den ganzen Tag in der Wohnung verbringt?

Knött: Ich habe Bilder aus Italien gesehen. Dort haben sich Familien einen Tagesplan an die Wand geheftet, mit festen Zeiten für den Schulunterricht zuhause, aber auch für Freizeit. Man muss sich eine solche Tagesstruktur schaffen. Manchen Menschen hilft es, wenn sie sich ein konkretes Projekt vornehmen, um die Zeit sinnvoll zu nutzen, etwa den Keller aufräumen, die Steuererklärung machen oder die schönsten Fotos der vergangenen Jahre auf dem Computer zu einem Fotobuch zusammenstellen. Wichtig ist Kommunikation. Bei einer täglichen kleinen Familienkonferenz – quasi einem Mini-Krisenstab – können alle Familienmitglieder sagen, was gerade gut läuft, wo es Ärger gibt, was sie gerade brauchen und was ihnen fehlt. Welche Ideen und Wünsche hat jeder Einzelne? Gerade Jugendliche haben ein großes Freiheitsverlangen. Sie sind in einer Phase der Abgrenzung. Wenn das unterbunden wird und sie sich nicht mehr mit Gleichaltrigen treffen können, steigt schnell der Frust, und das in einer Entwicklungsphase, die auch ohne Ausgangsbeschränkung die Auseinandersetzung mit den Eltern braucht.

Man darf auch nicht vergessen, Zeit ganz für sich einzuplanen. Vielleicht einmal alleine spazieren gehen, das ist ja erlaubt, oder in einer Kirche meditieren. Wenn man merkt, dass man aus dem Grübeln nicht mehr herauskommt, können Entspannungsübungen helfen – man kann nicht gleichzeitig entspannt sein und Angst haben. Auch Jugendliche brauchen Zeit für sich. Man kann mit ihnen Zeiten vereinbaren, in denen man sie alleine lässt und sie nicht gestört werden.

POW: Was kann man tun, wenn es zum Streit kommt? Man kann sich ja jetzt nicht so einfach aus dem Weg gehen?

Knött: Man muss sich klar machen: Streit ist in dieser Situation ganz normal. Aber wenn man merkt, dass ein Wort das andere gibt und der Streit eskaliert, dann sollte man versuchen, das zu unterbrechen. Man kann zum Beispiel ein Stopp-Signal vereinbaren, etwa indem man eine Hand hebt, und anbieten, am Abend oder am nächsten Morgen noch einmal in Ruhe über die Situation zu sprechen. Meistens geht es bei Streit darum, dass ein Bedürfnis nicht gesehen oder verstanden wurde. Hinter jedem Ärger liegt in der Regel ein nicht erfülltes Bedürfnis, zum Beispiel nach Kontakt oder nach Anerkennung. Das kann sich dann in Aggression entladen. Viel gewonnen ist, wenn es gelingt, das eigene Bedürfnis wahrzunehmen und ohne Vorwurf mitzuteilen.

POW: Erschwerend kommt hinzu, dass immer mehr Betriebe ihre Mitarbeiter ins Homeoffice schicken.

Knött: Im Internet findet man viele praktische Tipps zum Homeoffice. Wichtig ist auch hier die Struktur. Man sollte zum Beispiel, wenn möglich, einen eigenen Arbeitsplatz haben und sich feste Arbeitszeiten setzen. Sich nicht in der Jogginghose an den Computer setzen, sondern sich so anziehen, als würde man ins Büro gehen. Für die Kommunikation mit den Kollegen gibt es ja viele Möglichkeiten wie Telefon, E-Mail oder Videokonferenzen. Für Eltern mit Kindern gibt es beispielsweise den Tipp, gemeinsame Spielpausen in den Arbeitstag einzuplanen.

POW: Wie halte ich den Kontakt mit Freunden und Bekannten außerhalb der Familie?

Knött: Man kann nicht den ganzen Tag telefonieren. Aber man könnte sich zum Beispiel einen Plan machen und jeden Tag einen Menschen anrufen, mit dem man lange keinen Kontakt mehr hatte. Die Krise kann auch eine Chance sein, um zu entschleunigen und neue Möglichkeiten der Kommunikation zu entdecken, Manchen hilft es auch, wieder mehr mit sich in Kontakt zu kommen, indem sie zum Beispiel wieder damit beginnen, ein Tagebuch zu schreiben.

Hilfe bei Problemen und Konflikten

Die Beratungsstellen der Ehe-, Familien- und Lebensberatung sind für den Publikumsverkehr geschlossen. Es können jedoch Telefonberatungen vereinbart werden. Weitere Informationen im Internet unter www.eheberatung-wuerzburg.de. Onlineberatungen per Mail sind möglich unter www.eheberatung-bayern.de.

Die Telefonseelsorge Würzburg/Main-Rhön ist rund um die Uhr unter der gebührenfreien Rufnummer 0800/1110111 erreichbar. Zudem bietet sie auf der Homepage unter www.telefonseelsorge.de auch im Chat oder per Mail Hilfe an.

Zudem bietet das Bundesfamilienministerium verschiedene Servicetelefone bei Problemen und Konflikten zu Hause an: „Nummer gegen Kummer“ für Kinder und Jugendliche (Telefon 116-111), Elterntelefon (0800-111-0550), Pflegetelefon (030-2017-9131), Hilfetelefon „Schwangere in Not“ (0800-404-0020), Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“ (0800-011-6016).

Interview: Kerstin Schmeiser-Weiß (POW)

(1320/0358; E-Mail voraus)

Hinweis für Redaktionen: Foto abrufbar im Internet

Zum Autor: sti (POW) (pow@bistum-wuerzburg.de)

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