Hinweis

Ihre Browserversion wird leider nicht mehr unterstüzt. Dies kann dazu führen, dass Webseiten nicht mehr fehlerfrei dargestellt werden und stellt ein erhebliches Sicherheitsrisiko dar. Wir empfehlen Ihnen, Ihren Browser zu aktualisieren oder einen der folgenden Browser zu verwenden:

„Wir haben etwas gewagt“

Die Augustinerkirche in Würzburg öffnet nach Umbau am ersten Advent wieder – Neues Raumkonzept will vor allem Trauernde ansprechen

Würzburg (POW) Nach fast 15-monatiger Umbauphase wird die Augustinerkirche in der Würzburger Fußgängerzone am ersten Advent wiedereröffnet. In dem völlig erneuerten Gotteshaus wollen die Augustiner künftig verstärkt Trauernde ansprechen und ihnen einen Ort der Ruhe sowie des Gebets bieten. Domkapitular Dr. Jürgen Lenssen, Bau- und Kunstreferent des Bistums Würzburg, zelebriert am Samstag, 26. November, um 17.30 Uhr zusammen mit den Augustinern den Eröffnungsgottesdienst. Die Kosten für den Umbau und die Erneuerung der Orgel belaufen sich auf knapp 1,7 Millionen Euro. Die Diözese Würzburg gab für den Umbau 400.000 Euro sowie weitere 54.000 Euro für die Orgel.

„Wir haben etwas gewagt“, sagte Augustiner-Prior Bruder Peter Reinl über den Umbau der Kirche bei einer Presseführung am Mittwoch, 23. November. Ausgangspunkt war, dass die Augustiner ihr Profil als Bettelorden schärfen wollten. Als neuen pastoralen Schwerpunkt entschieden sie sich für die Trauerarbeit. Die beste Lösung sei es gewesen, die Klosterkirche zu nutzen, erklärte der Prior. „Meine Mitbrüder waren bereit, den Innenraum zu verändern.“ Und zwar so, dass die zwei Schwerpunkte, nämlich Trauerpastoral und flexible Bestuhlung für individuelle Eucharistiefeiern, berücksichtigt werden konnten. Die Idee für die Umstrukturierung entwickelte Kunstreferent Lenssen.

„Es sind fünf Bereiche im Gotteshaus geschaffen worden“, sagte der Domkapitular. Erkennbar seien die verschiedenen Bereiche anhand der Bodenfliesen, die jeweils anders angeordnet seien. Der Eingangsbereich ist auf die Individualfrömmigkeit ausgelegt, die Augustiner nennen ihn „ZwischenRaum“. Geschwungene Wände bilden eine Rückzugsmöglichkeit vor den hereinströmenden Besuchern. „Für sich sein, ohne alleine zu sein“, beschrieb Reinl das Konzept. „Hier können Menschen verweilen, denen Haltgebendes aus den Händen geglitten ist, ohne dass sie bereits wieder Halt gefunden haben.“ Anlässe sind beispielsweise: Trauer um Verstorbene, aber auch Belastungen in der Familie, auf der Arbeit oder in Beziehungen. Die Wand zum Hauptschiff ist in goldener Farbe gefasst. „Das ist der Bezug zum Überirdischen“, erklärte Lenssen. Gold sei das Ur-Symbol für Transzendenz. Außerdem liegt ein Buch bereit, in das die Gläubigen Namen von geliebten Personen eintragen können – von Lebenden und Verstorbenen.

Das große Hauptschiff ist der Bereich für die Eucharistiefeier. Die fest installierten Kirchenbänke sind verschwunden. An ihren Platz sind einzelne Stühle getreten, die beliebig angeordnet werden können. Altar und Ambo sind ebenfalls bewegbar, sodass sich die Gläubigen dazwischen versammeln können. „Wir wollen Gottesdienste so feiern können, dass man merkt, dass es ein Mahl mit Gleichgestellten ist“, betonte der Prior. Außerdem können im Chorraum kleinere Gruppen Gottesdienst um den Steinaltar feiern, der bereits 1992 nach der damaligen Renovierung geweiht wurde. Das ist auch der Bereich für das Stundengebet der Mönche.

Die barocke Augustinusfigur ist von der Wand im Kirchenschiff verschwunden. Nun sitzt eine geschnitzte Skulptur des Ordensvaters im Chorraum. Von oben ergießt sich ein Papierband und schlängelt sich um das Handgelenk des Kirchenvaters, bevor es kurz vor dem Boden endet. Der Bildhauer Thomas Hildenbrand hat diese Figur geschaffen. Das in Gold gefasste Gemälde von der Seeschlacht von Lepanto an der Rückwand des Chorraums wird derzeit von Jacques Gassmanns „Das himmlische Jerusalem“ verdeckt. Außerhalb der Advents- und Weihnachtszeit sowie der Fasten- und Osterzeit solle das Barockgemälde aber wieder zu sehen sein, sagte Reinl. Unter Gassmanns Werk in knallig bunten Farben steht ein goldenes Kreuz auf einem Stab.

Ebenfalls von Jacques Gassmann stammt der neue Kreuzweg in den Seitenschiffen der Kirche. Zusammen mit dem Gemälde im Chorraum bilden sie die einzig farbigen Punkte in der sonst weißen Augustinerkirche. Neugestaltet ist auch die Ritakapelle neben dem Chorraum. Vor einem großen Kreuz mit fünf Rosen ist die Skulptur der heiligen Rita aufgebahrt. Außerdem wurde die Klais-Orgel von 1995/1996 generalgereinigt, neuintoniert und auf 75 Register erweitert. Die Kosten für die Arbeiten am Instrument belaufen sich auf rund 298.000 Euro.

Mit dieser neu gestalteten Kirche und ihrem zielgerichteten Konzept wollen die Augustiner auch für die Menschen da sein, die „in einer Distanz zur Kirche stehen“, sagte Reinl. Er spricht von „City-Pastoral“.

Die Augustinerkirche im Wandel der Zeit

Die heutige Augustinerkirche in der Innenstadt von Würzburg war ursprünglich eine Dominikanerkirche. 1266 legte der Dominikaner Albertus Magnus den Grundstein. 1270 wurde der Chor geweiht. Das Kloster und das dreischiffige Langhaus der Kirche waren erst gegen 1308 vollendet. Davon steht heute noch der gotische Chor und die ihm südlich angefügte gotische Kapelle. Die übrige Kirche trägt die Handschrift Balthasar Neumanns. Er baute 1743 die Kirche neu. 1748 kamen Deckengemälde hinzu, 1754/55 schließlich die Fresken im Chorraum. 1771 entstand der Hochaltar. So reich geschmückt und verziert überdauerte die Kirche bis zum Brand 1945. 1948 war der Kirchenraum bis zum Chorbogen wieder hergerichtet, dass Gottesdienste gefeiert werden konnten. 1967 und 1974/75 fand eine Neueinrichtung statt. 1988 bis 1991 wurde zum letzten Mal groß umgebaut.

Gottesdienstordnung und musikalisches Angebot

Montags bis freitags laden die Augustiner jeweils um 11.30 Uhr zur Messfeier ein. Die Gottesdienstzeiten für Sonn- und Feiertage: 17.30 Uhr Vorabendmesse, 10 Uhr Messfeier, 17.30 Abendmesse, 21 Uhr moonlightmass mit Jazz. Jeden Dienstag gibt es um 17 Uhr Musik und Meditation in der Augustinerkirche – im Advent sogar jeden Werktag. Ab Januar bieten die Augustiner am zweiten Mittwoch im Monat das Trauerritual „ZwischenRaum“ an. In der Adventszeit gibt es ein spezielles musikalisches Angebot: Am Mittwoch, 30. November, um 19.30 Uhr ist beispielsweise das Trompetenensemble Joachim Schäfer aus Leipzig zu Gast und spielt „Musik an Königshöfen“. Zum „Orgelnach(t)gespräch“ laden die Augustiner am Samstag, 3. Dezember, um 19.30 Uhr ein.

vb (POW)

(4811/1227; E-Mail voraus)

Hinweis für Redaktionen: Fotogalerie abrufbar im Internet

Weitere Bilder

Um unsere Webseite für Sie optimal zu gestalten und fortlaufend verbessern zu können, verwenden wir Cookies. Durch die weitere Nutzung der Webseite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen zu Cookies erhalten Sie in unserer Datenschutzerklärung