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Umweltarbeit im Bistum Würzburg

„Wir wollen einen Denkprozess anstoßen”

Bewahrung der Schöpfung ist für die Kongregation der Schwestern des Erlösers zentrale Aufgabe – Alle Einrichtungen werden auf erneuerbare Energien umgestellt – Viele Mitarbeiter setzen freiwillig auf Höchsttempo 130

Würzburg (POW) Wer in diesen Tagen bei den Erlöserschwestern zu Gast ist, kann es nicht übersehen: Hier geschehen Veränderungen. Bauschutt von Abrissarbeiten liegt auf dem bisherigen Parkplatz neben der Kirche, der Lärm der Maschinen hallt über das große Areal in der Ebracher Gasse. Es wird umgebaut. Das hat mehrere Gründe. Einer davon: Bei ihrem jüngsten Generalkapitel haben sich die Erlöserschwestern aus Deutschland, den USA und Tansania dazu entschieden, die Bewahrung der Schöpfung noch entschiedener voranzutreiben. „Schöpfungsbewahrung gehört zu unserer Spiritualität”, sagt Schwester Monika Edinger, Generaloberin der Erlöserschwestern. Und dafür sind die Schwestern und Mitarbeiter bereit, einiges zu tun.

So haben die 33 Delegierten im August beispielsweise entschieden, dass alle Einrichtungen der Kongregation in allen Ländern bis 2037 – also in weniger als 20 Jahren – auf erneuerbare Energien umgestellt werden sollen. Dass das ambitioniert ist, weiß der Geschäftsführer des Mutterhauses in Würzburg, Martin Stapper. Doch es ist auch klar: Solche Veränderungen sind notwendig. Stapper verweist auf einen Impulsvortrag, den der Politiker Hans-Josef Fell beim Generalkapitel gehalten hat. „Wir müssen für unsere Kinder und Enkelkinder eine gute Umgebung schaffen”, fasst er zusammen. Und: „Wenn wir jetzt nichts tun, wird sich unser Zusammenleben verändern.” Noch gebe es aber die Möglichkeit, etwas zu drehen.

Die Erlöserschwestern wollen, dass sich etwas dreht. Schon seit Anfang des Jahres haben sie ein Tempolimit von 130 Stundenkilometern eingeführt. Dieses ist zwar freiwillig, aber die Rückmeldung der Mitarbeiter sehr positiv. Viele hätten sich der Selbstverpflichtung angeschlossen. Auch Stapper selbst: „Mein Auto kann zwar schneller fahren, aber ich mache es nicht.” Bis Ende 2020 will die Kongregation außerdem internationale Leitlinien zum Thema Schöpfungsbewahrung erarbeiten. Auch das Thema Bildung rückt weiter in den Fokus: „Wir müssen dort, wo wir einen Bildungsauftrag haben, beispielsweise in unseren Kindertageseinrichtungen oder Krankenpflegeschulen, das Thema noch stärker in den Blick nehmen.” Dazu gehöre auch Umweltschulung in Fortbildungen. Um die Arbeit zu erleichtern, sollen in allen drei Ländern Umweltbeauftragte eingestellt werden, die die einzelnen Prozesse steuern und koordinieren.

Es gibt aber auch jetzt schon konkrete Pläne und Veränderungen: Die Kirche des Mutterhauses soll im Zuge der Umbauarbeiten in den Mittelpunkt des Areals rücken, rund herum wird es einen kleinen Park geben. „Wir wollen eine kleine Oase mitten in der Stadt schaffen”, erläutert der Geschäftsführer. Dafür muss auch der Parkplatz weichen. Zwar soll es auch in Zukunft Parkplätze geben – allerdings mit Parkgebühren. Diese sind abhängig vom CO2-Ausstoß des jeweiligen Autos. Je höher, desto teurer. Das rufe zwar nicht immer positive Resonanz hervor, „aber wir wollen einen Denkprozess anstoßen”, sagt Stapper.

Um den Mitarbeitern entgegenzukommen, gibt es ab Oktober die Möglichkeit eines Jobtickets über den Würzburger Verkehrsverbund. Außerdem sind E-Bikes geplant, die die Mitarbeiter günstig leasen und auch privat nutzen können. Die Kongregation ist außerdem Mitglied der Initiative „Klimaschonender Firmenwagen” des Umweltpakts Bayern. Dazu gehört auch, dass alle Neufahrzeuge bestimmten Schadstoffemissionswerten unterliegen.

„Das Thema Schöpfung liegt allen Schwestern am Herzen”, sagt Edinger. So hätten sie Carsharing schon immer gelebt, genauso wie einen bewussten Konsum. Eingekauft wird möglichst lokal und nach Saison. Sie weiß, dass die anstehenden Veränderungen im Haus und in der Kongregation nicht immer einfach sind – weder für die rund 60 Schwestern noch für die zirka 200 Mitarbeiter in Würzburg. „Ich bin froh und dankbar für die Bereitschaft”, betont sie.

Für diesen Freitag können die Schwestern und Mitarbeiter in Würzburg zumindest dem Baulärm für kurze Zeit entkommen. Dann sind sie aufgerufen, sich am von „Fridays for Future” initiierten Klimaprotesttag zu beteiligen. Dafür werden sie von der Arbeit freigestellt. „Zusammengefasst lautet unsere Spiritualität ‚In Liebe für das Leben, damit Erlösung Wirklichkeit wird’”, erklärt die Generaloberin. „Und das Leben schließt die Schöpfung mit ein.” Dafür wollen sie auch auf die Straße gehen.

Sophia Michalzik (POW)

(3919/1014; E-Mail voraus)

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