Kahl am Main/Kürnach (bw/POW) Manche Reisen verändern nicht nur den Blick auf andere Länder, sondern auch den auf das eigene Leben. Für 25 junge Erwachsene aus ganz Deutschland beginnt in diesem Sommer mit dem „Praktikum im Norden“ des Bonifatiuswerks eine Reise, die weit mehr ist als ein Auslandsaufenthalt. Sie führt nach Schweden, Norwegen, Dänemark, Finnland, Island sowie nach Lettland und Estland – dorthin, wo sie in Kirchengemeinden, sozialen Einrichtungen, Schulen und Bildungszentren mitarbeiten, Verantwortung übernehmen und Menschen begegnen werden, die ihren weiteren Lebensweg prägen werden. Dabei lernen sie nicht nur neue Länder mit ihren jeweiligen Kulturen kennen, sondern auch eine Kirche, deren Mitglieder ihren Glauben in einer kleinen Minderheit leben.
Aus dem Bistum Würzburg bricht Paula Breuter am 6. September Richtung Schweden auf. In Rättvik wird die Kürnacherin dem Exerzitien-, Retreat - und Meditationszentrum Stiftelsen Berget tatkräftig zur Seite stehen. Das Zentrum wird von der Kommunität der Heiligen Dreifaltigkeit, einer ökumenischen Gemeinschaft, geführt. Die Abiturientin wird bei den täglich anfallenden Aufgaben in den Gästehäusern und der Begleitung einzelner Gäste helfen. „Das Praktikum sehe ich als Chance, Verantwortung zu übernehmen und Teil einer lebendigen Gemeinschaft zu sein. An diesem Ort möchte ich nicht nur meine praktischen Fähigkeiten einbringen, sondern auch gleichzeitig in meinem Glauben wachsen“, erklärt die 19-jährige.
Anastasia Santoro aus Kahl am Main im Landkreis Aschaffenburg wird ihren Freiwilligendienst in der lettischen Hauptstadt Riga ab dem 29. September in unterschiedlichen Einsatzstellen absolvieren. Die 22-Jährige kann im deutschen Kindergarten oder im katholischen Gymnasium mitarbeiten. In der Kerzenwerkstatt kann sie Menschen mit Behinderung bei der Produktion von Kerzen helfen. Im Tageszentrum für Menschen mit Autismus bringt sich die Studentin bei der Vorbereitung und Durchführung eigener Workshops und Kreativangebote einbringen. „Ich freue mich darauf, ein anderes Land nicht nur zu bereisen, sondern mittendrin zu leben und zu arbeiten. Ich möchte meine Energie und meine Erfahrungen in die Diaspora-Arbeit des Bonifatiuswerkes einbringen und gemeinsam mit jungen Menschen im Norden den Glauben leben“, sagt Santoro.
Bonifatiuswerk-Generalsekretär Monsignore Georg Austen macht deutlich, dass die Freiwilligen nicht nur in andere Länder reisen, sondern zugleich Brücken zwischen Menschen und Kulturen bauen: „Wer sich auf den Weg macht, verändert nicht nur seinen Standort, sondern oft auch seine Haltung. Das ‚Praktikum im Norden‘ schafft Begegnungen über Länder- und Kulturgrenzen hinweg und zeigt, wie viel Menschen voneinander lernen können. Unser Freiwilligendienst ist eine Einladung, den eigenen Horizont zu weiten und Kirche als weltweite Gemeinschaft in ihrer Vielfältigkeit zu erleben. Gerade in einer Zeit gesellschaftlicher Spannungen sind solche Erfahrungen von unschätzbarem Wert.“
Während ihres Freiwilligendienstes werden die jungen Erwachsenen von Mentorinnen und Mentoren vor Ort begleitet und bleiben zugleich mit dem Bonifatiuswerk im Austausch. Das Programm wurde 2011 gestartet und ermöglicht jährlich mehr als 20 jungen Menschen zwischen 18 und 27 Jahren Auslandserfahrungen in Nordeuropa und dem Baltikum. Das „Praktikum im Norden“ ist ein Kooperationsprogramm zwischen dem Bonifatiuswerk und dem Newman-Institut im schwedischen Uppsala. Es kann als „Internationaler Jugendfreiwilligendienst“ (IJFD) anerkannt werden.
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