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	 xmlns:n="http://typo3.org/ns/GeorgRinger/News/ViewHelpers"><channel><title>Pressestelle Bistum Würzburg - Nachrichten</title><link>https://pow.bistum-wuerzburg.de</link><description></description><language>de-DE</language><copyright>Diözese Bistum Würzburg</copyright><pubDate>Mon, 11 May 2026 08:01:17 +0200</pubDate><lastBuildDate>Mon, 11 May 2026 08:01:17 +0200</lastBuildDate><atom:link href="https://pow.bistum-wuerzburg.de/aktuelle-meldungen/im-portraet/feed.rss" rel="self" type="application/rss+xml" /><generator>TYPO3 EXT:news</generator><item><guid isPermaLink="false">news-68364</guid><pubDate>Tue, 28 Oct 2025 15:02:40 +0100</pubDate><title>„Ich bin ein Mann der ‚Spiritualität der Straßen und Gassen‘“</title><link>https://pow.bistum-wuerzburg.de/aktuelle-meldungen/detailansicht/ansicht/ich-bin-ein-mann-der-spiritualitaet-der-strassen-und-gassen/</link><description>Seit vier Jahrzehnten ist Pastoralreferent Klaus Schmalzl als Seelsorger im Bistum Würzburg aktiv</description><content:encoded><![CDATA[<p><strong>Würzburg/Ochsenfurt</strong> (POW) Seit 40 Jahren steht Pastoralreferent Klaus Schmalzl (65), tätig als Diözesanrichter im Bischöflichen Offizialat und Berater in der Ehe-, Familien- und Lebensberatung (EFL) in Aschaffenburg, im Dienst des Bistums Würzburg. Er ist der erste männliche Pastoralreferent, der das erreicht. „Ich kann sagen: Ich habe die richtige Entscheidung getroffen. In meinem Beruf habe ich ein deutlich größeres Maß an Freiheit gehabt als ich als Lehrer gehabt hätte.“ Nach dem Abitur und Wehrdienst hatte der Kleinochsenfurter auf Wunsch seiner Eltern zwei Tage lang den gehobenen Dienst im Finanzamt angeschaut, diesen aber als nicht für sich passend verworfen. Katholisch sozialisiert, aber „kritisch distanziert“ sei er als junger Mann gewesen. Bei Soldatenexerzitien bei den Pallottinern in Kleinheubach während seiner Zeit bei der Bundeswehr habe er eine Art „Neu-Bekehrung“ erlebt. Deswegen nahm er im Anschluss in Würzburg ein Doppelstudium auf: Englisch und Religionslehre für Lehramt an Realschulen sowie Diplom-Theologie. „Im Zentrum für Pastoralassistenten hat mich damals Heribert Kurz, der Verantwortliche, gefragt: Wofür entscheidest Du Dich?“</p><p>Ab da war das Lehramtsstudium Geschichte. „Vermutlich, weil ich instinktiv geahnt und gehofft habe, dass die Entfaltungsmöglichkeiten im kirchlichen Dienst deutlich größer und die Bürokratie deutlich geringer als im Schulwesen ist.“ Erste Station im kirchlichen Dienst war für Schmalzl Hessenthal-Mespelbrunn. „Ich habe Seelsorge immer als Beziehungsseelsorge gelebt. Darunter verstehe ich, für einen überschaubaren Kreis von Menschen, die ich dann auch namentlich kenne, Seelsorger zu sein.“ Unter anderem habe er in den Ortschaften neben vielen Taufgesprächen und Gratulationen auch alle 18-Jährigen zum Geburtstag besucht. „Es gab nach fünf Jahren exakt fünf Häuser, in denen ich nicht war.“ Um so zu arbeiten, brauche es Konflikt- und Kritikfähigkeit. „Da kann man sich nicht hinter dem Amt verstecken und steht als Person in seiner Authentizität und Beziehungsfähigkeit auf dem Prüfstand.“ Pfarrer Ludwig Linker habe ihm in dieser Zeit sein Vertrauen geschenkt und ihn auch dadurch nachhaltig geprägt, sagt Schmalzl. Von 1989 bis 1993 ließ er sich berufsbegleitend zum Ehe-, Familien- und Lebensberater ausbilden. „Bei der EFL bin ich seither auch durchgängig tätig gewesen. Ich schätze an dieser Tätigkeit, dass sie Theologie und Psychologie verbindet und eine ganzheitliche Sicht auf den Menschen fördert und fordert.“ Deswegen sei Seelsorge, wie Schmalzl sie sich vorstelle, unter den aktuellen Bedingungen der Pastoralen Räume nach seiner Ansicht eher schwer möglich. „Meine Idee: maximal 2000 KatholikInnen pro SeelsorgerIn.“</p><p>1991 wechselte er in das Ministrantenreferat des Bistums. „Ich war immer schon ein Fan von Großveranstaltungen. Wenn diese geistlich fundiert sind, dann erzeugen sie einen unglaublichen Solidarisierungseffekt.“ So geschehen beispielsweise bei einem diözesanen Ministrantentag in Würzburg. „Die Ministrantenpolonaise von der Sankt-Ursula-Schule bis in den Dom hat uns seinerzeit sogar einen Eintrag ins Guinnessbuch der Rekorde beschert.“ Solche Großveranstaltungen habe er dank eines Teams von bis zu 20 engagierten Ehrenamtlichen, die sich in der Vorbereitung und bei der Durchführung maßgeblich einbrachten, realisieren können. In seine Zeit im Mini-Referat fiel auch die offizielle päpstliche Zulassung von Mädchen als Ministrantinnen.</p><p>1996 beendete Schmalzl seine Tätigkeit als Ministrantenreferent. „Ich habe fünf Jahre lang viele Wochenenden für Minis im Alter zwischen 16 und 25 Jahren organisiert. Das hat viel Spaß gemacht, aber auch viel Kraft gekostet, insbesondere in einer Zeit, in der ich mit meiner Frau gerade eine Familie gegründet hatte.“</p><p>Bis 1998 studierte er in Münster Kirchenrecht und schloss mit dem Lizentiat ab. „Es hat mich gereizt, nochmals ein Studium zu absolvieren und tief in eine neue Materie einzusteigen.“ Das hieß konkret, das juristische Denken zu erlernen und sich mit Geduld durch die lateinischen Texte der Rota Romana zu beißen. Mit Abschluss dieses Studiums begann Schmalzl seine Tätigkeit für das Würzburger Offiizialat, seine zweite große Konstante im Berufsleben. Nach Schmalzls Wissen ist er bundesweit der einzige Mitarbeiter eines Offizialats, der auch noch im Bereich EFL aktiv ist. „Im Offizialat bin ich mit halber Stelle tätig, bei der EFL mit 15 Wochenstunden. Ich betreibe darüber hinaus mit einer Kollegin seit drei Jahren in Bad Mergentheim eine Praxis für Paartherapie, einfach weil ich auch noch meinen ,Marktwert' testen wollte.“ Gerade der Kontakt mit Klienten habe ihm in der Zeit gefehlt, als er vier Jahre lang Fachreferent für EFL im Bistum Würzburg war. „Da ging es vor allem um Verwaltung, Geld und Personal.“</p><p>Sowohl im Offizialat als auch in der Beratung komme er mit existentiellen Notsituationen von Menschen in Berührung. „Man darf nicht mit den Menschen ins Grab sinken. Bei empathischer Zuwendung braucht es auch immer eine Distanz. Gute Psychohygiene, Humor und nicht zuletzt eine spirituelle Verankerung sind wichtig, auch wenn ich letztere nie wie eine Monstranz vor mir hergetragen habe“, erklärt Schmalzl. Er habe immer in guten Teams und mit Vorgesetzten arbeiten dürfen, die seine Fähigkeiten gesehen und ihn wohlwollend begleitet haben.</p><p>„Ich sehe mich in der Nachfolge Jesu, ohne frömmelnd daherzukommen“, sagt er. Schon im Zentrum für Pastoralassistenten seien die Psalmen für ihn nichts mehr gewesen. „Ich bin ein Mann der ,Spiritualität der Straßen und Gassen'. Das heißt, ich suche und entdecke Gott immer wieder mitten im Alltag, zum Beispiel in leuchtenden Kinderaugen und auch in der Natur.“ Als Ehemann und dreifacher Vater seien diese Kinderaugen unter anderem die der zwei Enkel. „Es gibt für mich auch ein Leben neben der Kirche.“ Ehrenamtlich engagiert sich Schmalzl seit 14 Jahren als Vorstand der Freiwilligen Feuerwehr seiner Heimat Kleinochsenfurt.</p><p class="text-right">mh (POW)</p><p>(4425/1120; E-Mail voraus)</p><p><em><strong>Hinweis für Redaktionen: </strong>Foto abrufbar im Internet</em></p>]]></content:encoded><category>Im Porträt</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-59913</guid><pubDate>Thu, 06 Jun 2024 09:02:59 +0200</pubDate><title>Zu Pferd zu den Gläubigen</title><link>https://pow.bistum-wuerzburg.de/aktuelle-meldungen/detailansicht/ansicht/zu-pferd-zu-den-glaeubigen/</link><description>Pfarrer Axel-Ulrich „Alejo“ Gerling wirkt seit 1973 in Bolivien – Die Sprachen Quechua und Aymara gelernt – In den ersten Jahren mit dem Rucksack von Gemeinde zu Gemeinde gelaufen</description><content:encoded><![CDATA[<p><strong>Bolivien/Karlstadt</strong> (POW) Die Freude darüber, dass die Gruppe aus Deutschland kommt, ist Pfarrer Axel-Ulrich Gerling anzusehen. Oder, wie man ihn hier nennt, „Padre Alejo“. Einen Tag nach der Ankunft der deutschen Reisegruppe im Priesterseminar in Cochabamba übernimmt er die Tagesplanung. Bei einer Pastoralreise besuchte Bischof Dr. Franz Jung im Frühjahr erstmals Missionare aus dem Bistum Würzburg in Bolivien. Gerling ist ausgestattet mit Lautsprecher und Mikro. Mit einem Kleinbus verlässt die Delegation die viertgrößte Stadt Boliviens. Wie ein Reiseleiter zeigt der 78-Jährige seine früheren Wirkungsstätten – die Gemeinden Aramasi und Ramadas.</p><p>Gerling wurde 1945 in Würzburg geboren und wuchs in Karlstadt auf. 1972 wurde er zum Priester geweiht und war Kaplan in Kirchzell im Landkreis Miltenberg. Ein Jahr später ging er als sogenannter „Fidei Donum“-Priester nach Bolivien. „Fidei Donum“ ist eine Papst-Enzyklika aus dem Jahr 1957. Wörtlich übersetzt heißt sie „Geschenk des Glaubens“. Darin forderte Papst Pius XII. dazu auf, Priester vor allem nach Afrika, Asien und Südamerika zu schicken, da dort Priestermangel herrschte.</p><p>Als er in Bolivien ankam, wurde Gerling erstmal überrascht. „Ich habe gedacht, die Menschen sprechen nur Spanisch“, erzählt er. Doch da hatte er sich getäuscht. „Dann habe ich herausbekommen, dass sie auch Quechua und Aymara sprechen.“ Am Anfang hätte man ihm gesagt, er müsse die Sprache nicht lernen. Doch das habe er anders gesehen: „Ich muss in meiner Muttersprache von Gott erzählt bekommen.“ Deshalb sei er für sechs Monate in die Stadt gegangen, um Quechua zu lernen. Das habe auch zu Protesten geführt. Schließlich würde er so in seiner Pfarrei Independencia ausfallen und könnte keine Messen halten. Doch er setzte sich durch und lernte ein halbes Jahr die Sprache. Zehn Jahre später machte er das gleiche noch einmal und lernte Aymara. Heute sagt Gerling: „Der Stolz auf ihre alte Kultur ist größer als vor 51 Jahren.“</p><p>Am Anfang wirkte er in der Pfarrei Independecia, anschließend war er in einem Dorf, und dann wurde eine Stelle in der Provinz Tapacari im Erzbistum Cochabamba frei. „Sie galt als die ärmste Pfarrei von Bolivien.“ Das habe er als junger Priester als Herausforderung gesehen. Dort war seit 1978. Seit zehn Jahren unterstützt ihn ein Pfarrer in den Landgemeinden, Gerling selbst ist seit 2010 Finanzdirektor der Erzdiözese Cochabamba.</p><p>Der erste Stopp in der Pfarrei ist die Gemeinde Aramasi. Dort hat Gerling lange gelebt. Mittlerweile wohnt er aus gesundheitlichen Gründen bei seiner Schwester und deren Mann in Cochabamba. In Aramasi wartet schon seine Schwester Andrea. Sie und ihr Mann unterhalten dort eine Schule für Garten- und Ackerbau. Auf dem Gelände ist auch die kleine Kapelle von Gerling, die die Delegation interessiert bestaunt. In einem Klassenraum auf dem Gelände ist eine Karte der Pfarrei. Dort ist zu sehen, wo in der Pfarrei Kirchen sind, wo der Priester hinkommt und wo es Katecheten gibt. Katecheten sind eine Art Religionslehrer. Sie bereiten Menschen auf Sakramente wie beispielsweise die Firmung vor.</p><p>###GALERIE###</p><p>Draußen hängen zwei Plakate mit vielen Bildern von Gerling. Sie zeigen ihn in verschiedenen Situationen als Priester. Auf einigen Bildern ist auch ein Pferd zu sehen. Von Ort zu Ort zu kommen, sei am Anfang schwierig gewesen: „Erstens hatte ich kein Auto, zweitens gab es keine Wege fürs Auto. Und da bin ich mit einem Rucksack von einer Gemeinde zur anderen gelaufen.“ Es seien zu diesem Zeitpunkt 120 „Comunidades“ gewesen, vergleichbar mit der Größe eines deutschen Weilers. Er habe relativ schnell festgestellt, dass er ein Pferd brauche. Von einem Münchner Pfarrer aus der Nachbarpfarrei habe er zwei geschenkt bekommen. „Das waren Riesenpferde, die haben nur gefressen. Dann habe ich sie gegen Ponys getauscht.“ Obwohl er vorher nie geritten war, macht ihm das Reiten Spaß.</p><p>Kurz darauf wird klar, warum Pferde nicht nur für die großen Distanzen eine gute Wahl waren. Der Weg der Delegation führt weiter nach Ramadas zu einer Firmung. Als Straße dient ein ausgetrockneter Fluss. Es ist ganz schön holprig. Und wenn es stark geregnet hat, ist die „Straße“ nicht befahrbar.</p><p>In den vergangenen 51 Jahren habe sich viel in Bolivien verändert. Dazu gehört der Straßenbau – am Anfang habe es nur Kies und Sand gegeben. Und es hat sich noch mehr verändert: „Als ich gekommen bin, war kein Haus höher als fünf Stockwerke.“ Jetzt sei das höchste Haus in Cochabamba 23 Stockwerke hoch. Und: „Früher haben sieben Millionen Menschen in Bolivien gelebt, jetzt sind es zwölf.“</p><p>Auch bei den Menschen habe sich viel verändert: „Es hat noch nie so viele Schülerinnen und Schüler, Studentinnen und Studenten gegeben wie zurzeit.“ Die Regierung käme gar nicht mit dem Bau von Schulen und Universitäten hinterher. In Bolivien lag das Durchschnittsalter im Jahr 2001 bei 23,9&nbsp;Jahren. In Deutschland lag das Durchschnittsalter im gleichen Jahr bei 44,7 Jahren.</p><p>Das sieht man auch bei der Firmung in Ramadas. Dort wartet schon die Gemeinde mit ihren jungen Firmlingen. Und hier wirkt Gerling, als ob er einfach dorthin gehört. Zum Beispiel, wenn er die Worte von Bischof Jung in Quechua übersetzt oder mit den Gemeindemitgliedern spricht (einen ausführlichen Bericht über die Firmung finden Sie hier: <a href="https://pow.bistum-wuerzburg.de/aktuelle-meldungen/detailansicht/ansicht/firmung-beim-volk-der-quechua/)" target="_blank">pow.bistum-wuerzburg.de/aktuelle-meldungen/detailansicht/ansicht/firmung-beim-volk-der-quechua/)</a>.</p><p>Gerling wird seinen Ruhestand in Bolivien verbringen und nicht nach Deutschland zurückkehren. Trotzdem sagt er über sich: „Ich bin sehr heimatverbunden.“ Deshalb liest er auch das Würzburger katholische Sonntagsblatt und die Main-Post. Beides digital, denn der Postweg funktioniert in Bolivien nicht mehr. So bleibt der 78-Jährige mit seiner Heimat verbunden. Die neue Aufmachung des Sonntagsblatts gefällt ihm gut: „Die neue Ausgabe ist noch besser. Ich muss sagen, sie hat Niveau.“ Das Sonntagsblatt bekommt er von der Diözesanstelle Weltkirche – wie alle anderen Missionarinnen und Missionare, die das wollen. Lateinamerikareferent Alexander Sitter erklärt: „Durchwegs zeigte sich, dass die Zeitschrift eine wichtige Verbindung in die Heimat darstellt.“ Dass Missionarinnen und Missionare das Sonntagsblatt digital lesen, sei keine Seltenheit: „Einige MissionarInnen waren dankbar für das Angebot, das Sonntagsblatt auch online lesen zu können. Sie berichteten, dass einige Blätter nicht ankamen oder dass oft ein ganzer Stapel gleichzeitig im Postfach landete.“</p><p class="text-right"><em>Aus Bolivien berichtet Anna-Lena Ils (Medienhaus des Bistums Würzburg)</em></p><p>(2424/0604; E-Mail voraus)</p><p><em><strong>Hinweis für Redaktionen:</strong> Fotos abrufbar im Internet</em></p>]]></content:encoded><category>Im Porträt</category><category>Main-Spessart</category><category>Bischof Franz Jung</category><category>Weltkirche</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-49768</guid><pubDate>Mon, 27 Dec 2021 11:01:57 +0100</pubDate><title>Mann der ersten Stunde</title><link>https://pow.bistum-wuerzburg.de/aktuelle-meldungen/detailansicht/ansicht/mann-der-ersten-stunde/</link><description>Axel Mager war unter den acht Männern, die 1972 für das Bistum Würzburg zum Ständigen Diakon geweiht wurden</description><content:encoded><![CDATA[<p><span style="line-height:100%"><font face="Arial, sans-serif"><span style="font-size:10pt"><b>Bad Kissingen/Würzburg</b></span></font><font face="Arial, sans-serif"><span style="font-size:10pt"> (POW) Die Begeisterung für die Liturgie und das Vorbild von Kardinal Julius Döpfner: Diese zwei Motive haben nach eigenem Bekunden Axel Mager bewogen, sich am 9.&nbsp;Januar 1972 zusammen mit sieben anderen Männern von Bischof Josef Stangl zum Ständigen Diakon weihen zu lassen. „Wir waren Versuchskaninchen“, erzählt Mager, Ständiger Diakon der ersten Stunde im Bistum Würzburg, mit einem Schmunzeln. </span></font></span></p><p><span style="line-height:100%"><font face="Arial, sans-serif"><span style="font-size:10pt">Mager hatte schon als Kind den Wunsch, Priester zu werden. Deswegen besuchte er das Bischöfliche Knabenseminar Ferdinandeum in Königshofen. Nach drei Jahren wechselte er in das Studiengymnasium nach Münnerstadt. Dass er von dort ohne Abitur wegging, lag nicht an seinen schulischen Leistungen. Seine Eltern hatten sich getrennt, als Mager drei Jahre alt war, und der gebürtige Bonner lebte fortan bei seiner Großtante in Bad Kissingen. Deswegen hielt man ihn nicht für den Priesterberuf geeignet. „Meine eigene Mutter habe ich übrigens bewusst erst bei meiner Erstkommunion wahrgenommen.“</span></font></span></p><p><span style="line-height:100%"><font face="Arial, sans-serif"><span style="font-size:10pt">Mager absolvierte in Bad Kissingen in einem Eisenwarengeschäft eine Lehre zum Einzelhandelskaufmann. 30 Jahre wirkte er dort im Anschluss, zunächst als Abteilungsleiter, später als Geschäftsführer. „Im kirchlichen Bereich war ich unter Pfarrer Wilhelm Zirkelbach und seinen Kaplänen, unter anderem Roland Breitenbach, aktiv: als Kommunionhelfer, Ministrant, Lektor und Kolpingmitglied.“ 1962 heiratete Mager seine Frau Chriseldis. Sie bekamen einen Sohn und zwei Töchter. </span></font></span></p><p><span style="line-height:100%"><font face="Arial, sans-serif"><span style="font-size:10pt">In Wien absolvierte Mager den Theologischen Fernkurs, der insgesamt drei Jahre dauerte. Zu absolvieren waren neben den Lehrbriefen mehrere Wochenendseminare und Prüfungen in Frankfurt am Main. Eine Belastung, die Mager nach eigenem Bekunden gern auf sich nahm. „Das Zweite Vatikanische Konzil hatte den Ständigen Diakonat wieder ins Leben gerufen. Deswegen habe ich mich schon einmal theologisch vorbereitet“, erzählt Mager. Als dann das Bistum offiziell den ersten Ausbildungskurs ausschrieb, seien anfangs 50 Männer zu den ersten Treffen gekommen. Seine Ehefrau habe ihm schon damals den Rücken freigehalten und gesagt: „Wenn Du das machen möchtest, dann mach’s.“ </span></font></span></p><p><span style="line-height:100%"><a name="_GoBack"></a><font face="Arial, sans-serif"><span style="font-size:10pt">Um ungestört die Lehrbriefe lesen zu können, sei er oft nach dem Abendessen spazieren gegangen und erst um 21.30 Uhr wieder zurückgekommen. Die praktische Ausbildung vonseiten des Bistums für die angehenden Diakone umfasste unter anderem die Bereiche Liturgie, Pastoral und Homiletik. Die Weihe der Ständigen Diakone sollte dann nach dem Wunsch von Bischof Stangl zweigeteilt stattfinden: die eine Hälfte in Würzburg, die andere in Bad Kissingen. „Wir aber haben gesagt: Wir sind ein Kurs und möchten bitte auch gemeinsam geweiht werden. So geschah es dann auch, und zwar in Würzburg.“ Den Gottesdienst selbst fand Mager liturgisch „nicht so großartig“. Geprägt vom Geist des Zweiten Vatikanums sei der Bischof damals ohne Mitra und Pileolus in den Dom eingezogen. Die Familien der Weihekandidaten waren bei der Liturgie nicht präsent wie heute: Dass die Ehefrauen oder gar auch die Kinder mit ihnen gemeinsam einziehen – vor 50 Jahren nicht denkbar.</span></font></span></p><p><span style="line-height:100%"><font face="Arial, sans-serif"><span style="font-size:10pt">Gern erinnert sich Mager an den guten Zusammenhalt der acht Ständigen Diakone. „Wir sind sogar zusammen in den Urlaub gefahren, so gut haben wir uns verstanden.“ Nach der Weihe sei für ihn als Diakon die Herausforderung gewesen, seine Rolle in der Gemeinde zu finden. „Für uns gab es in diesem Sinne ja kein Vorbild.“ Dekan Zirkelbach, der für ihn verantwortlich war, habe ihm aber die größtmögliche Freiheit gewährt. „Wenn der Axel das so macht, ist das richtig“, habe dieser stets nach außen verkündet, und bei Bedarf doch unter vier Augen Kritik geäußert. </span></font></span></p><p><span style="line-height:100%"><font face="Arial, sans-serif"><span style="font-size:10pt">Mager kümmerte sich vor allem um Taufen und Beerdigungen, stand aber auch einigen Trauungen vor, unter anderem bei einer seiner Töchter. „In der Praxis bedeutete das im Alltag, dass ich bis 19.30&nbsp;Uhr im Geschäft war, dann ohne Abendessen und zu Fuß zum Tauf- oder Trauergespräch ging und selten vor zehn Uhr in der Nacht daheim war.“ Wenn er nachmittags auf den Friedhof musste, holte er diese Zeit natürlich in der Firma am Abend nach. Außerdem spendete Mager die Krankenkommunion, bereitete Gottesdienste vor, predigte und nahm an den Sitzungen des Pfarrgemeinderats teil. „In den Pastoralen Räumen von heute sind Diakone selbständiger und in der öffentlichen Wahrnehmung präsenter“, konstatiert er. 1989 wurde Mager hauptberuflicher Diakon. Eingesetzt war er außer in Bad Kissingen auch in Garitz mit Albertshausen, Poppenroth und Aura, außerdem in der Seniorenresidenz Parkwohnstift. Seit 2004 ist er offiziell im Ruhestand, hilft aber noch immer, soweit es die Gesundheit erlaubt, in der Seelsorge mit.</span></font></span></p><p><span style="line-height:100%"><font face="Arial, sans-serif"><span style="font-size:10pt">Mit Blick auf die vergangenen fünf Jahrzehnte stellt er fest: „Ich bin stolz und froh, den Dienst als Diakon gemacht haben zu dürfen. Ich würde mich auch heute sofort wieder weihen lassen, aber meiner Familie mehr Zeit widmen.“</span></font></span></p><p><span style="line-height:100%"><font face="Arial, sans-serif"><span style="font-size:10pt"><i>mh (POW)</i></span></font></span></p><p><span style="line-height:100%"><font face="Arial, sans-serif"><span style="font-size:10pt">(0122/0006; E-Mail voraus)</span></font></span></p><p><span style="line-height:100%"><font face="Arial, sans-serif"><span style="font-size:10pt"><i><u><b>Hinweis für Redaktionen:</b></u></i></span></font><font face="Arial, sans-serif"><span style="font-size:10pt"><i> Fotos abrufbar im Internet </i></span></font></span></p>]]></content:encoded><category>Bad Kissingen</category><category>Im Porträt</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-46674</guid><pubDate>Wed, 24 Feb 2021 17:41:26 +0100</pubDate><title>Kloster auf Zeit statt Thailandurlaub</title><link>https://pow.bistum-wuerzburg.de/aktuelle-meldungen/detailansicht/ansicht/kloster-auf-zeit-statt-thailandurlaub/</link><description>Sophie Schimmerohn verbringt ein Freiwilliges Ordensjahr im Kloster Oberzell – „Ich habe hier unglaublich viel gelacht!“</description><content:encoded><![CDATA[<p><strong>Oberzell</strong> (POW) Raus aus dem alltäglichen Hamsterrad von Arbeit und Konsum: Das ist das Ziel von Sophie Schimmerohn gewesen. Seit April 2020 lebt sie im Konvent Magdala im Kloster Oberzell und arbeitet wöchentlich 25 Stunden als Betreuungsassistentin im Pflegeheim Antoniushaus in Würzburg. Schimmerohn ist nicht katholisch, sondern evangelisch, und hatte mit der Kirche auch „nicht übermäßig viel am Hut“, wie sie es selbst ausdrückt. „Warum bist du nicht einfach nach Thailand an den Strand geflogen?“, haben sie viele gefragt. Schimmerohn hat sich für das Freiwillige Ordensjahr (FOJ) entschieden, da sie sich mit tieferen Themen auseinandersetzen wollte: „Ich hatte den Wunsch, etwas, das mit Glauben zu tun hat, kennen zu lernen“, sagt sie.</p><p>„Das Motto vom Ordensjahr ,Nimm dir Zeit für dich‘ hat mich sehr angesprochen“, erzählt Schimmerohn. Sie steckte in einer Lebensphase, in der sie sich genau das gewünscht habe. Die 31-Jährige ist bei ihrer Internetrecherche nach verschiedenen Auszeitmöglichkeiten auf das FOJ gestoßen und so im Kloster Oberzell gelandet. Ansprechpartnerin und Koordinatorin des FOJs ist Schwester Maria Stadler von der Ordensgemeinschaft der Missionarinnen Christi in München. „Nach dem ersten Kontakt habe ich Schwester Maria in München besucht. Wir haben uns unterhalten und kennen gelernt“, erzählt Schimmerohn. Stadler, die alle Klöster, die beim FOJ mitmachen, selbst besucht hat, habe ihr daraufhin das Kloster Oberzell vorgeschlagen. Insgesamt sind auf der Website des FOJs knapp 50 Klöster zu finden, die bei dem Projekt mitmachen. Im Bistum Würzburg ist das Kloster Oberzell bisher das einzige.</p><p>„Sophie ist die erste, die das FOJ bei uns macht“, erklärt Schwester Beatrix Barth, Generalrätin der Ordensgemeinschaft. Generell sei die Gemeinschaft immer offen dafür, Gäste und Interessierte bei sich leben zu lassen. „Wir fördern das FOJ besonders, da man dadurch zu sich selbst finden kann“, erläutert Barth. Außerdem ermutige es auch die Mitschwestern. „Es gibt viele ältere Mitschwestern und nur einige jüngere. Es ist ein Hoffnungszeichen, wenn auch Jüngere mit uns leben“, erklärt sie. Das FOJ kann zwischen drei Monaten und einem Jahr lang sein und hat einen flexiblen Startpunkt „Je nachdem, wie es in die individuelle Lebenslage und natürlich auch bei uns reinpasst“, sagt Barth. Schimmerohn plante zunächst, für sechs Monate im Kloster zu bleiben, verlängerte ihre Zeit aber auf ein ganzes Jahr. Barth habe beeindruckt, wie selbstverständlich und schnell sich Schimmerohn auf das Leben im Kloster eingelassen hat.</p><p>Auch für sie sei ihre Zeit im Kloster eine „Erfolgsgeschichte“. „Das Schönste am Leben hier im Konvent ist das alltägliche Zusammensein. Die Ausgelassenheit ist besonders schön. Ich habe hier unheimlich viel gelacht“, erzählt Schimmerohn. Sie erlebt das Kloster Oberzell als in der Welt verbunden und sehr engagiert. „Ich bin hier eingebunden und auch berufstätig. Mit der Zeit ist das also so eine Sache. Irgendwo habe ich mehr Zeit dazugewonnen und irgendwo geht auch mehr Zeit drauf. Die Uhren ticken hier trotzdem anders und es ist eine ganz andere Art, sich zuzuwenden – anderen und sich selbst“, beschreibt Schimmerohn ihre Erfahrungen. Die Coronakrise beeinflusst auch den Alltag im Kloster. Die Festlichkeiten finden in abgespeckter Form statt und der Kontakt zu den einzelnen Konventen ist schwächer. Erlebt hat Schimmerohn dennoch viel: Sie war bei einer Ewigen Profess dabei, hat Weihnachten und Ostern miterlebt, den 50. Geburtstag der Generaloberin und ihren eigenen Namenstag gefeiert. „Das hat mich sehr berührt, denn davor habe ich noch nie meinen Namenstag gefeiert“, erzählt Schimmerohn.</p><p>Inwiefern die Zeit im Kloster Schimmerohns weiteres Leben beeinflussen wird, könne sie noch nicht abschließend sagen. „Es haben sich viele interessante Gespräche auch über den Glauben ergeben und ich habe neue Einblicke erhalten. Ich hoffe, dass ich all das mitnehmen kann.“ Weiterempfehlen würde Schimmerohn das FOJ auf jeden Fall. „Es ist natürlich unterschiedlich, was man sich erwartet, aber die Orden, die zur Auswahl stehen, sind sehr vielfältig“, erklärt sie. Auch das Kloster Oberzell möchte dieses Angebot weiterführen. Eine konkrete Kandidatin gebe es aber noch nicht. Insgesamt haben bereits 26 Frauen und Männer am FOJ teilgenommen, berichtet Koordinatorin Stadler. Zwei davon haben im Februar damit begonnen. Von 18 bis 70 Jahren sei jedes Alter vertreten. Männer waren es bisher jedoch nur drei. Gemeinsam hätten sie alle, dass sie sich eine Auszeit nehmen und sich auf das Wesentliche besinnen wollen.</p><p>Weitere Informationen zum Freiwilligen Ordensjahr im Internet unter <a href="http://www.ordensjahr.de" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">www.ordensjahr.de</a>.</p><p class="text-right">mar (POW)</p><p>(0921/0205; E-Mail voraus)</p><p><em><strong>Hinweis für Redaktionen: </strong>Fotos abrufbar im Internet</em></p>]]></content:encoded><category>Im Porträt</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-45418</guid><pubDate>Fri, 06 Nov 2020 14:32:24 +0100</pubDate><title>„Ich fühle mich beschenkt“</title><link>https://pow.bistum-wuerzburg.de/aktuelle-meldungen/detailansicht/ansicht/ich-fuehle-mich-beschenkt/</link><description>Klinikpfarrer Gottfried Amendt war 30 Jahre Seelsorger an den Würzburger Universitätskliniken und am Klinikum Würzburg-Mitte am Standort Missio</description><content:encoded><![CDATA[<p><strong>Würzburg</strong> (POW) 30 Jahre lang hat Klinikpfarrer Gottfried Amendt (75) schwer kranke und sterbende Menschen sowie deren Angehörige begleitet. 1990 begann er als zweiter Krankenhauspfarrer an der heutigen Universitätsklinik Würzburg, 2011 wurde er Klinikpfarrer am Klinikum Würzburg-Mitte am Standort Missio. Die Aufgaben der Klinikseelsorger sind vielfältig: von Gesprächsangeboten über die Feier von Gottesdiensten bis hin zu Angeboten wie Besinnungstagen für die Mitarbeiter. „Ich sehe es als Berufung“, sagt er rückblickend. Die Gespräche habe er immer als ein Geben und Nehmen empfunden. „Viele Menschen haben mir ihre Lebensgeschichten erzählt. Oft fühlte ich mich mehr beschenkt. Ich bin sehr dankbar für diese Zeit.“ Seit 1. November 2020 ist Amendt im dauernden Ruhestand.</p><p>Es sei sein Wunsch gewesen, in der Klinikseelsorge oder Telefonseelsorge zu arbeiten, sagt Amendt. „Ich wollte Zeit für die Menschen und für die Seelsorge haben.“ Deshalb habe er sich bewusst gegen die mit mehr Verwaltungsaufgaben verbundene Leitung einer Pfarrei entschieden, als er nach 13 Jahren als Rektor des Würzburger Matthias-Ehrenfried-Hauses und Jugendseelsorger des Stadtdekanats Würzburg nach einer neuen Herausforderung suchte. „Verwaltung und Organisation sind nicht so mein Ding. Ich habe mich für die Klinikseelsorge entschieden.“ 21 Jahre wirkte er als katholischer Seelsorger an der heutigen Universitätsklinik Würzburg mit rund 1600 Patienten und acht Intensivstationen, und dann noch einmal neun Jahre am deutlich kleineren Standort Missio mit 320 Patienten und einer Intensivstation. In beiden Häusern lag sein Schwerpunkt auf der Seelsorge für die Menschen auf den Stationen der Inneren Medizin und auf den Intensivstationen. „Das Schöne war, dass ich nicht auf die Uhr schauen musste. Ich konnte mir Zeit nehmen für schwer kranke und sterbende Menschen, für ihre Angehörigen und auch für das Personal“, sagt Amendt.</p><p>Die Seelsorger würden im Krankenhaus sehr geschätzt, ist seine Erfahrung. „Wir haben keinen Zeitdruck. Wir entlasten das Personal. Die Ärzte hören den Patienten auch zu, aber sie müssen immer weiter.“ Mal wünschten sich die Patienten selbst geistlichen Beistand, mal würden sie von den Angehörigen angesprochen, mal sei es das Personal, das auf das Angebot der Seelsorge hinweise. Wenn Amendt auf eine Station kam, habe er im Stationszimmer nachgefragt, ob jemand einen Seelsorger wünsche. „Ansonsten bin ich von Zimmer zu Zimmer gegangen. Wenn ich neu in ein Zimmer gegangen bin und die Türklinke in der Hand hatte, war da immer ein bisschen Angst, was mich erwartet“, gibt Amendt zu.</p><p>Er habe bewusst darauf geachtet, nicht sofort als Priester erkenntlich zu sein, erklärt Amendt und zeigt auf sein schlichtes Namensschild aus Holz mit einem aufgemalten Baum. Manche Patienten hätten in ihrem Leben schlechte Erfahrungen mit Geistlichen gemacht. „Sie erzählen mir beispielsweise, dass sie in der Schule geschlagen wurden. Und dann stellen sie fest, dass ich eine ganz andere Person bin als der Pfarrer aus ihrer Kindheit.“ Einmal habe ihn ein Mann des Zimmers verwiesen und gesagt, er könne gleich weitergehen, er habe mit Kirche nichts am Hut. Später habe der gleiche Mann zu ihm gesagt: „Mit ihnen kann man ja ganz normal reden.“ Viele Menschen hätten sich für das Gespräch bedankt. „Dabei habe ich nur zugehört. Ich bin da und höre zu.“ Doch manchmal habe auch er keine Worte mehr gehabt. Amendt erzählt von einer jungen Patientin, die nach einem Sturz vom Pferd gestorben ist. „Die Mutter hat alles rausgelassen, ihren ganzen Frust. Sie hat mich gefragt, ob ich eine Antwort habe. Aber ich war auch sprachlos.“ Auch Zweifel seien im Krankenhaus erlaubt, „auch für die Seelsorger“.</p><p>Großen Respekt empfindet Amendt für das Personal. „In der Klinik gibt es viele Engel – die Ärzte, das Pflegepersonal, aber auch den technischen Dienst, die Pforte, das Reinigungspersonal.“ Im Missio würden seit 2016 jedes Jahr vier Besinnungstage für das Personal angeboten. „Wir sind in Abschnitten den Jakobsweg von Binsbach bis Gaukönigshofen gelaufen sowie den Besinnungsweg in Retzbach. Es gibt Impulse, etwa eine Meditation an einem Baum oder an einem Bildstock, aber auch Zeit zum Reden und zum Austausch“, erzählt Amendt. Ein Besinnungstag finde vor Ort statt, für jene, die nicht mehr so viel laufen können. Im Schnitt seien 25 Teilnehmer dabei. „Das Angebot wird sehr geschätzt.“ Mit der Zeit gehörten auch immer mehr Hochzeiten, Taufen und Beerdigungen zu den Aufgaben des Klinikpfarrers. „Wenn man die Menschen über Tage oder Wochen begleitet, dann wünschen sie auch, dass man den Angehörigen beerdigt.“ Auch für Trauungen und Taufen gebe es immer wieder Anfragen vom Personal.</p><p>Während des Corona-Lockdowns sei eine halbe Station des Missio mit Corona-Patienten belegt gewesen. Diese wurden – auf Anfrage – von Pastoralreferent Michael Hanft betreut. „Zu den anderen Patienten konnte ich wie gewohnt gehen, aber mit Maske und entsprechendem Abstand. Es durfte nur ein Angehöriger pro Patient zu Besuch kommen“, erzählt Amendt. Eine Ausnahme sei bei Menschen gemacht worden, die im Sterben lagen: Diese konnten auch von mehreren nächsten Angehörigen besucht werden.</p><p>Kraft für seine Arbeit tankt Amendt unter anderem in der Natur. Schon als Kind sei er nach der Schule aufs Feld oder in den Wald gegangen. 1987 lief er zwei Monate zu Fuß auf dem Jakobsweg nach Santiago de Compostela, und ein Jahr später mit einer Gruppe aus Würzburg in sechs Etappen. Außerdem meditiert er seit 30 Jahren. „Ich meditiere jeden Morgen.“ Zudem geht er jedes Jahr für zehn Tage zur Schweigemeditation nach Gries bei Kronach. Wenn man anderen helfen wolle, müsse man auch seine eigene Lebensgeschichte aufarbeiten und mit sich im Reinen sein, sagt Amendt und fügt noch an: „Ich glaube, dass viele Menschen für mich gebetet haben. Das Gebet hat mich getragen und tut es auch jetzt noch.“</p><p>Im Ruhestand feiert Amendt weiterhin regelmäßig Gottesdienste in Würzburg. Für das kommende Jahr stehen bereits vier Trauungen im Kalender. „Ich habe keine Bedenken, dass ich arbeitslos werde.“</p><p class="text-right"><em>sti (POW)</em></p><p>(4620/1161; E-Mail voraus)</p><p><em><strong>Hinweis für Redaktionen:</strong> Foto abrufbar im Internet</em></p>]]></content:encoded><category>Würzburg</category><category>Im Porträt</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-44983</guid><pubDate>Wed, 30 Sep 2020 13:50:09 +0200</pubDate><title>„Ich bin dankbar“</title><link>https://pow.bistum-wuerzburg.de/aktuelle-meldungen/detailansicht/ansicht/ich-bin-dankbar/</link><description>Pfarrer Franz Schmitt blickt auf die vergangenen zehn Jahre als Diözesan-Altenseelsorger zurück</description><content:encoded><![CDATA[<p><strong>Würzburg/Frickenhausen</strong> (POW) Wenn Pfarrer Franz Schmitt an die vergangenen zehn Jahre denkt, lautet sein Fazit: „Ich bin für vieles dankbar. Es gibt viele Menschen, die ich in dieser Aufgabe als Seelsorger begleiten konnte.“ Vom 1. September 2010 bis 1. September 2020 war er mit halber Stelle als Diözesan-Altenseelsorger beauftragt. In dieser Funktion leitete Schmitt die Dienststellen des Katholischen Senioren-Forums der Diözese und vertrat dieses nach außen, war Ansprechpartner für die vielen haupt- und ehrenamtlich in der Altenseelsorge Engagierten und für die Dekanats-Altenseelsorger. Die Besinnungstage führten ihn jährlich in alle Dekanate des Bistums. Darüber hinaus begleitete er sehr viele religiöse Wanderfreizeiten, Pilgerwege und Wanderexerzitien. Mit der zweiten halben Stelle ist er bis heute Pfarrer der Pfarreiengemeinschaft „Emmaus: Erlach – Frickenhausen – Kaltensondheim – Zeubelried“.</p><p>Überrascht habe ihn anfangs vor allem das große ehrenamtliche Engagement für die Altenseelsorge im Bistum. „Es war mir vorher nicht bewusst, dass eine riesige Menge von Ehrenamtlichen in den Pfarreien, Pfarreiengemeinschaften und auf Dekanatsebene tätig ist. Das ist ein sehr wertvolles Netzwerk, das über Jahrzehnte gewachsen ist und trägt.“ Intensive Erinnerungen verbinde er mit den Besinnungstagen, die jährlich in allen Dekanaten für die haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiter stattfanden, erzählt Schmitt. „Die Besinnungstage werden mir am meisten fehlen. Die Menschen wachsen einem ans Herz, auch wenn man sie nur einmal im Jahr sieht.“</p><p>Ein Schwerpunkt seiner Arbeit sei die „differenzierte Altenpastoral“ gewesen. Das sogenannte „dritte Lebensalter“ lasse sich mittlerweile selbst in drei Abschnitte unterteilen: in die rüstigen „Jungsenioren“, die schon etwas bewegungseingeschränkten Menschen und schließlich die Pflegebedürftigen, die zu Hause oder in Senioren- oder Pflegeheimen leben. „Die Leute sind heute deutlich länger fit und aktiv, sie organisieren sich und ihre Freizeit selbst“, hat Schmitt beobachtet. In der Folge haben sich neben den klassischen Seniorengruppen viele weitere Angebote etabliert, wie Wander- und Tanzgruppen oder Kursangebote speziell für Senioren. „Wir haben neue Formate und Inhalte für eine sich ändernde Klientel entwickelt, die auch nicht mehr in dem Maße kirchlich geprägt ist wie frühere Generationen.“ Dabei sei es stets um die Frage gegangen: „Wo kann Kirche an die Wünsche, Sehnsüchte und Talente der Menschen andocken und Ansprechpartner sein?“ Mit Unterstützung der drei Dienststellen des Katholischen Senioren-Forums in Würzburg, Schweinfurt und Aschaffenburg und deren Referenten gebe es ein vielfältiges Angebot, sagt Schmitt.</p><p>So wurden beispielsweise die religiösen Wanderfreizeiten weitergeführt und ausgebaut, die bereits unter Schmitts Vorgänger Augustinerpater Adalbert Müller angeboten wurden. „Wanderfreizeiten sprechen vor allem die Altersgruppe von 65 bis 85 Jahren an. Man ist gemeinsam in der Natur unterwegs, kann den Glauben und Lebensfragen teilen. Wir haben auch angefangen, Wanderexerzitien für kleinere Gruppen mit rund 15 Personen anzubieten“, erzählt Schmitt. Oft seien Menschen dabei, die keine Seniorengruppe besuchen oder denen der Gottesdienst nicht ganz so wichtig ist. Doch immer wieder habe er erlebt, dass im Rentenalter viele Menschen auf der Suche seien. „Das sind zum Beispiel Menschen, die verwitwet sind, die umgezogen sind oder krank wurden.“ Ein „Alleinstellungsmerkmal“ der Seniorenarbeit im Bistum sind laut Schmitt die Erholungsfahrten für Hochbetagte inklusive medizinischer Betreuung. „Wann kommt man schon mal weg, wenn man auf den Rollator angewiesen ist?“</p><p>Ein Höhepunkt war für Schmitt die Feier des 50-jährigen Bestehens des Katholischen Senioren-Forums im Jahr 2015. „Wir haben sehr schöne und attraktive Veranstaltungen angeboten mit Vorträgen, Begegnungen und Musik, nicht nur in Würzburg, sondern auch in den Regionen.“ Am Diözesantag feierte Bischof Dr. Friedhelm Hofmann mit rund 900 Gläubigen einen Gottesdienst im Würzburger Kiliansdom. „Alter ist keine Quelle der Farblosigkeit, sondern bunte Wirklichkeit“, sagte der Bischof damals.</p><p>Die Coronakrise habe die Seniorenarbeit abrupt zum Stillstand gebracht. „Seit März wurden alle Veranstaltungen abgesagt.“ Als positiv wertet Schmitt die kreative Energie, die während des Lockdowns freigesetzt wurde. Der Kontakt zu den Menschen wurde durch Telefonate und Mails aufrechterhalten. Freiwillige trugen an Ostern Grußkärtchen aus, und mit Bischof Dr. Franz Jung wurde zur Kiliani-Wallfahrtswoche ein Brief an alle Senioren verschickt. „In einer Ortschaft hat die Leiterin eines Seniorenkreises reihum vier bis fünf Leute zum Kaffeenachmittag mit Abstand in ihr Wohnzimmer eingeladen. Andere haben ein Dorfquizz erfunden, damit die Leute wieder ein bisschen rausgehen.“ Mittlerweile würden auch wieder religiöse Reisen angeboten. So war Schmitt im September mit einer Gruppe zu einer „Religiösen Atempause“ eine Woche lang auf der Insel Wangerooge. Doch bis zur Normalität sei es noch ein weiter Weg. „Besuche waren nur mit Maske und auf Abstand möglich, Familien durften den sterbenden Vater oder die Großeltern im Pflegeheim nicht sehen. Ich habe in meiner Pfarreiengemeinschaft erlebt, dass sich jemand durch die erzwungene Distanz aufgegeben hat und innerlich abgestorben ist. Wir müssen als Kirche aufarbeiten, dass wir unsere Werte für die gesundheitliche Absicherung aufgegeben haben“, gibt er zu bedenken.</p><p>Derzeit befindet sich Schmitt in einer „Übergangszeit“. Noch bis zur Diözesanversammlung des Katholischen Senioren-Forums im November wird er Besinnungstage leiten und Wanderexerzitien begleiten. Als Ansprechpartner für Fragen werde er auch darüber hinaus zur Verfügung stehen. Angebote wie Seniorenfreizeiten oder Exerzitien werde er „auf Anfrage“ weiterhin begleiten. Einen Nachfolger gibt es nicht. „Für die Zukunft ist die Stelle des Diözesan-Altenseelsorgers in der Seniorenarbeit nicht mehr vorgesehen“, heißt es dazu auf der Homepage des Katholischen Senioren-Forums. Dabei bleibe Altenseelsorge immer wichtig, ist Schmitt überzeugt. „Wenn die Generation der Babyboomer in Rente geht, kommt ein ganzer Schwung von Senioren auf uns zu. Darauf muss sich die Kirche einstellen. Auch die Älteren, die nicht mehr so mobil sind und nicht mehr aus dem Haus kommen, müssen im Blick bleiben.“ Zudem sei es schwieriger geworden, ehrenamtlich Engagierte zu finden. „Die Altenseelsorge ist kein Selbstläufer mehr. Die Leute wollen sich nicht mehr so lange binden. Man muss genau hinschauen, wie man die Leute anspricht, wo ihre Ressourcen und Talente liegen.“ Eine Chance sieht Schmitt in Teams, bei denen die Arbeit auf mehrere Schultern verteilt wird.</p><p>„Ich bin dankbar dafür, dass ich bei vielen Leuten ein Bewusstsein dafür schaffen konnte, was Alter und Altwerden für jeden Einzelnen und für unsere Kirchengemeinden bedeuten“, sagt er rückblickend. Dazu gehöre auch, sich auf das Alter einzustellen, zu akzeptieren, dass man manche Dinge nicht mehr so gut könne, aber trotzdem mit Gottvertrauen den Mut und die Energie zu finden, die verbliebenen Kräfte und Talente zu nutzen. Für die Zukunft der Altenseelsorge wünscht er sich, dass die diözesane Altenarbeit gut weitergeführt wird und die Senioren auch in den neuen Pastoralen Räumen im Blick behalten werden. „Es muss Ziel der Seelsorge sein, auch bei den Älterwerdenden die Freude an der Gemeinschaft, am Glauben, an der Kirche wachzuhalten.“</p><p class="text-right">sti (POW)</p><p>(4120/1016; E-Mail voraus)</p><p><em><strong>Hinweis für Redaktionen:</strong> Fotos abrufbar im Internet</em></p>]]></content:encoded><category>Im Porträt</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-44844</guid><pubDate>Wed, 16 Sep 2020 15:47:24 +0200</pubDate><title>„Bei mir steht der Mensch im Mittelpunkt“</title><link>https://pow.bistum-wuerzburg.de/aktuelle-meldungen/detailansicht/ansicht/bei-mir-steht-der-mensch-im-mittelpunkt/</link><description>Domvikar Dr. Burkhard Rosenzweig geht nach 15 Jahren als Rektor des Exerzitienhauses Himmelspforten und Männerseelsorger des Bistums Würzburg in den Ruhestand </description><content:encoded><![CDATA[<p><strong>Würzburg</strong> (POW) „Es hat etwas mit meinem Verständnis von Religion zu tun, wie ich mit Menschen umgehe“, sagt Domvikar Dr. Burkhard Rosenzweig. „Bei mir steht der Mensch im Mittelpunkt. Ich habe alle früheren Allüren verloren.“ Nach 15 Jahren als Rektor des Würzburger Exerzitienhauses Himmelspforten und Männerseelsorger des Bistums Würzburg ist der 70-Jährige vor wenigen Tagen in den Ruhestand gegangen.</p><p>„In Himmelspforten konnte ich Spiritualität und Kunst verbinden. Dafür bin ich sehr dankbar“, sagt Rosenzweig. Er habe viele Künstler kennenlernen und viel mit Kunst arbeiten dürfen. Inspiriert habe ihn dazu ein Wort von Ludwig Mödl, in dem dieser zu bedenken gibt: „Eine Kirche, die nicht den verschiedenen Künsten Raum gibt, ist gleichermaßen arm an Strahlkraft wie eine Kirche, die keine dem Reflexionsniveau einer Zeit entsprechende Theologie fördert und pflegt. Sie verkommt zu einer organisierten Religionshülse oder nimmt sektenhafte Züge an.“</p><p>Viele von den Besuchern, die erstmals nach Himmelspforten kamen, hätten gesagt: „So etwas Modernes hätte ich der Kirche gar nicht zugetraut.“ Über Kunst entstehen Brücken auch zu Menschen, die sich ansonsten von der Kirche entfremdet haben, oder denen, die Kirche als ewiggestrig bezeichnen, ist sich Rosenzweig sicher. „Dafür gab es aber auch viel Gegenwind aus der frommen Szene“, sagt er im Rückblick. Fast habe er nach anderthalb Jahren in Himmelspforten deswegen hingeworfen.</p><p>Dass er das nicht getan hat, werden ihm so einige Menschen danken. „Es gab Wiedereintritte, und auch so mancher Erwachsene hat sich taufen lassen“, weiß der langjährige Rektor von Himmelspforten zu berichten. „Ich habe mein Bestes gegeben, Menschen aufzufangen, die mit der Kirche ‚draußen‘ nicht zurechtkommen.“ Der stumme, aber religiöse Dialog im Blick auf die Kunst habe eine Verbindung zur Kirche in Unaufdringlichkeit ermöglicht. „Da würde ich gerne weitermachen, wenn man mich ab und zu einmal hierfür holen würde.&quot;</p><p>Großes Lob spricht Rosenzweig beim Blick auf seine langjährige Wirkungsstätte in der Würzburger Mainaustraße den Frauen und Männern aus, die in Himmelspforten arbeiten. „Das Miteinander war schon besonders.“ Jeder und jede habe einen Blick auf den anderen, gegenseitige Hilfe sei ganz selbstverständlich. Einer der Erträge aus diesem besonderen Zusammenspiel seien die regelmäßig herausragenden Prüfungsergebnisse der verschiedenen im Haus angebotenen Ausbildungsberufe.&nbsp;</p><p>Ähnlich ins Schwärmen kommt der Domvikar, wenn er über seine Aktivität als Männerseelsorger spricht. Hier habe er sich immer dann engagiert, wenn ihm seine Tätigkeit als Rektor von Himmelspforten Luft dafür gelassen habe. „Angebote für Männer fristen in vielen deutschen Diözesen ein Stiefkinderdasein.“ Wenig Personal und Geld werde hierfür aufgewandt, für Frauen dagegen gebe es neben einer institutionalisierten Frauenseelsorge auch beispielsweise den Katholischen Deutschen Frauenbund (KDFB), der sich als Verband um ein spezielles Programm kümmere.</p><p>„Dabei ist es schon mühsam genug, Männer überhaupt für ein spirituelles Angebot zu begeistern“, sagt Rosenzweig. Sie täten sich schwer damit, Schwächen, Ängste und Schmerzen zuzugeben. Deswegen trugen Angebote Titel wie „Ein Indianer kennt keinen Schmerz?“. Aber auch die Überforderung in Beruf und Familie fand ihren Niederschlag. „Wir haben eine Veranstaltung gehabt mit dem Thema: Wenn der Ofen aus ist, kann man nicht mehr nachlegen.“ Auch Partnerschaftsprobleme belasteten viele Männer. „Es geht dabei nicht nur um Kommunikationsschwierigkeiten aufgrund unterschiedlicher Artikulationsmuster. Es geht auch um das heikle Thema von Gewalt von Frauen gegen Männer.“</p><p>„Ich scheide mit einem lachenden und einem weinenden Auge aus“, sagt Rosenzweig. Er freut sich, mehr Zeit für private Kontakte zu haben. „Die Abendmessen in Himmelspforten habe ich nicht einfach ausfallen lassen, wenn ich irgendwo eingeladen war. Schließlich gehören diese Gottesdienste zu meinen Aufgaben.“ An Weihnachten oder Silvester sei er auch immer im Dienst gewesen, zum Beispiel bei den hauseigenen Angeboten für Singles. „Gerade sie brauchen kirchliche Zuwendung. Die einen wollen keinen Partner, andere finden keinen, und andere wiederum leiden noch massiv unter einer zerbrochenen Beziehung. Und faktisch kommen sie dennoch in den kirchlichen Angeboten so gut wie nicht vor.“</p><p>Seinem Klavier, aber auch dem Tennis plant Rosenzweig sich im Ruhestand wieder öfter zu widmen. Auch der Leidenschaft für motorisierte Gefährte aller Art will er in Zukunft mehr Raum geben. Seit er vorübergehend auch Militärpfarrer im Lager Hammelburg war und auf dem dortigen Truppenübungsplatz Panzer und Geländewagen fahren durfte, liebt er nach eigenem Bekunden das Fahren im Gelände. „Mit meinem Iltis-Kübelwagen, Baujahr 1984, haben wir bei einem Betriebsausflug in Himmelspforten auch Querfeldeinfahrten angeboten“, erzählt Rosenzweig schmunzelnd.&nbsp;</p><p>Bei der jüngsten Sitzung des Ständigen Rats der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) in Himmelspforten überreichte Bischof Dr. Georg Bätzing, Vorsitzender der DBK, Rosenzweig einen Dankesbrief. Darin heißt es: „Nicht nur der Ständige Rat der Deutschen Bischofskonferenz, sondern viele andere Gremien und Gruppen aus dem Bereich der Bischofskonferenz kommen gern nach Himmelspforten. Das hat mit der schönen Lage, aber auch mit dem Stil zu tun, wie Sie persönlich und durch Sie angeleitet das ganze Team des Hauses für die Gäste da sind.“</p><p><em><strong>Zur Person:</strong></em></p><p>Rosenzweig wurde 1950 in Kitzingen geboren. Nach dem Abitur am Domgymnasium in Fulda studierte er Theologie und Philosophie in Würzburg und Innsbruck. Bischof Josef Stangl weihte ihn am 26. Juni 1977 in Würzburg zum Priester. Anschließend wirkte Rosenzweig als Kaplan in Aschaffenburg-Herz Jesu. 1979 wechselte er als Domkaplan nach Würzburg. 1981 wurde er Religionslehrer am Frobenius-Gymnasium in Hammelburg. Zugleich wirkte er bis 1992 in der Krankenhausseelsorge in Hammelburg. Von 1982 bis 1990 war er zudem Dekanatsbeauftragter für Priesterfortbildung und theologische Erwachsenenbildung sowie für Priester- und Ordensberufe im Dekanat Hammelburg, von 1982 bis 1992 Seelsorger und Verwalter der Filiale Weyersfeld der Pfarrei Karsbach (Dekanat Karlstadt) sowie von 1982 bis 1993 Dekanatsjugendseelsorger im Dekanat Hammelburg. 1990 wurde Rosenzweig zum Oberstudienrat befördert. 1992 begann er als wissenschaftlicher Assistent an der Universität Bayreuth. 1997 wechselte er an das Städtische Gewerbliche sowie das Städtische Kaufmännische Berufsbildungszentrum Würzburg. Im gleichen Jahr erhielt er einen Lehrauftrag an der Universität Bayreuth und promovierte. Von 1996 bis 2001 war er auch Hausgeistlicher in der Hueberspflege des Würzburger Bürgerspitals. 1999 wurde Rosenzweig Fortbildungsreferent für Berufliche Schulen in der Hauptabteilung Hochschule, Schule und Erziehung. 2005 übernahm er das Amt des Rektors des Exerzitienhauses Himmelspforten in Würzburg. Im gleichen Jahr wurde er zum Domvikar sowie zum Diözesan-Männerseelsorger ernannt. Seit 2011 ist er auch Vorsitzender des Klerus-Vereins der Diözese Würzburg.</p><p class="text-right">mh (POW)</p><p>(3920/0958; E-Mail voraus)</p><p><em><strong>Hinweis für Redaktionen:</strong> Foto abrufbar im Internet</em></p>]]></content:encoded><category>Im Porträt</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-31646</guid><pubDate>Mon, 05 Aug 2019 14:41:00 +0200</pubDate><title>„Nüchterne und klare Entscheidungen tun der Kirche gut“</title><link>https://pow.bistum-wuerzburg.de/aktuelle-meldungen/detailansicht/ansicht/nuechterne-und-klare-entscheidungen-tun-der-kirche-gut/</link><description>Domdekan Prälat Günter Putz geht nach 28 Jahren als Schulreferent des Bistums Würzburg in den Ruhestand </description><content:encoded><![CDATA[<p>Würzburg (POW) Zum 31. August geht Domdekan Prälat Günter Putz (69) als Leiter der Hauptabteilung Hochschule, Schule und Erziehung des Bistums Würzburg in den Ruhestand. Schulrat i. K. Jürgen Engel, bislang stellvertretender Schulreferent, wird als kommissarischer Schulreferent Putz‘ Aufgaben im Schulreferat übernehmen. 28 Jahre lang stand Putz an der Spitze des Schulreferats. „Ganz überrascht war ich 1991 nicht über meine Ernennung“, erzählt er.</p><p>Am Ende seiner Tätigkeit als Bischofssekretär für Bischof Josef Stangl und dessen Nachfolger Dr. Paul-Werner Scheele hatte dieser Putz in den Bildungssektor eingesetzt. Ab 1984 wirkte er als Leiter des Knabeninternats Kilianeum in Bad Königshofen und war zugleich mit halber Stelle Religionslehrer am örtlichen Gymnasium. „Das hat mir viel Freude gemacht, denn so wichtig Lehren und Lernen sind: Die Erziehungsarbeit ist noch wichtiger.“ 84 Schüler der Jahrgangsstufen fünf bis 13 waren damals im Internat untergebracht. „Ich selbst war neben der Hausleitung auch für die Betreuung der Oberstufe zuständig.“</p><p>Neu gelernt hat Putz in dieser Zeit nach eigenem Bekunden, dass das Begleiten der Persönlichkeitsentwicklung etwas „ganz Substanzielles“ ist und auch immer eine Reaktion beim Erzieher auslöst. Wichtig sei das solidarische Handeln von Erwachsenen zugunsten junger Menschen. „Erziehung kann nur gelingen, wenn Schule, Elternhaus und Internat gemeinsam an einem Strang ziehen.“ Dennoch sei es heutzutage schwer, eine nachhaltige religiöse Sozialisation zu erreichen, betont der Schulreferent.</p><p>Als eines Tages dann der Anruf aus Würzburg kam, verbunden mit der Bitte, dem langjährigen Schulreferenten Prälat Oskar Hörning nachzufolgen, sei ihm die Entscheidung nicht schwer gefallen, berichtet Putz. Schon von Kindertagen an sei ihm immer wieder pädagogisches Geschick bescheinigt worden. „Ich war bereits im Kindergarten der ‚Gruppenstabilisator‘.“ In der Grundschule habe sein Lehrer ihm zudem die Betreuung der Parallelklasse aufgetragen, als deren Klassenlehrer wegen Krankheit ausfiel. „Und mit 16 Jahren habe ich die Leitung der Schola von meiner Würzburger Heimatpfarrei Heiligkreuz übernommen.“</p><p>Die neue Aufgabe sei dennoch ein großer Vertrauensakt von Bischof Scheele gewesen. „Wir haben uns immer glänzend verstanden. Und er hat mich jederzeit zuverlässig und treu unterstützt.“ Schwierige Situationen und Herausforderungen, die es zu meistern galt, hat Putz in der langen Amtszeit genügend erlebt. Zum Beispiel, als es galt, die beiden verbliebenen Kilianeen in Bad Königshofen und Würzburg zu schließen. Putz ist sich sicher: „Nüchterne und klare Entscheidungen tun der Kirche gut.“ Es habe keinen Sinn mehr ergeben, Häuser zu verteidigen, die fast leer waren. „Am Ende kamen auf 20 Jugendliche fast genauso viele Angestellte.“</p><p>Umgekehrt hat Putz als Schulreferent den „Ein-Mann-Betrieb“ seines Vorgängers ausgebaut. Eine besondere Stütze sei ihm dabei von Anfang an seine Sekretärin Elisabeth Pfister gewesen, betont er. Aufgaben gab es mehr als genug: „Die Fortbildung musste erweitert und auf die Bedürfnisse der jeweiligen Schularten angepasst werden.“ Außerdem nahm er die Schulpastoral als wichtiges Angebot in den Blick. „Hier haben wir als Kirche schon früh die Ganztagesschule vorweggenommen.“ Neu geschaffen wurde unter Putz‘ Führung auch das Mentorat für die staatlichen Religionslehrer. Im Katechetischen Institut sei außerdem die Aus- und Fortbildungsordnung neu festgelegt worden. Personell und inhaltlich breit aufgestellt sei heute auch die Hochschulseelsorge. „Mein Vorgänger hat eher situativ gehandelt, ich mag es gerne strukturiert“, sagt Putz. Deswegen habe er auch mit Nachdruck dafür gesorgt, dass kirchliche Schulen, die bis dahin meist in Ordensträgerschaft waren, in Stiftungen umgewidmet worden seien. So sei deren Eigenständigkeit und Fortbestand auf die Zukunft hin gesichert.</p><p>„Immer gut hinbekommen“ hat der Schulreferent in den vielen Jahren die Balance zwischen Angebot und Nachfrage bei den Religionslehrern. „Die Religionslehrer im Kirchendienst sind immer dort eingesprungen, wo staatliche Lehrkräfte fehlten.“ Zwar habe das mitunter für diese bedeutet, an bis zu vier Schulen zu unterrichten. „Aber selbst an den Berufsschulen wird praktisch zu 100 Prozent der Religionsunterricht erteilt“, sagt Putz. Das sei bundesweit eine der wenigen Ausnahmen. Ärgerlich finde er, dass Priester, Diakone und die anderen pastoralen Kräfte immer wieder versuchten, die Pflichtstunden an Religionsunterricht, die sie halten müssen, zu reduzieren. Die Bedeutung des Religionsunterrichts sei gegenüber den staatlichen Stellen schwer zu bekräftigten, wenn die Kirche diese vornehme Pflicht sichtbar nicht wichtig nehme.</p><p>Als theologischen Faden in seinem Wirken im Schulreferat bezeichnet Domdekan Putz es, den sinnstiftenden Charakter von Religion jungen Leuten vermittelt zu haben. „Kirche ist geoffenbarte Wirklichkeit, über die Menschen nicht verfügen können.“ Er habe sich daher immer für eine „Ent-Säkularisierung“ eingesetzt. Die Kultur in Deutschland und Europa sei nur aus dem Geist christlicher Kultur, aus den jüdisch-christlichen Wurzeln des Abendlands heraus zu verstehen. Diese zu kennen und zu verstehen, sei deswegen zentrales Element des Religionsunterrichts. Wichtig sei zudem, die Menschen zur Dialogfähigkeit in einer multireligiösen Gesellschaft zu erziehen. „Unwissenheit ist oft der Grund für Angst.“</p><p>Die Bilanz, die Putz von seinem Wirken im Schulreferat zieht, fällt insgesamt positiv aus. „Ich bin sehr zufrieden. Wenn ich Menschen enttäuscht habe, dann immer aus Sachgründen. Mag sein, dass diese nicht immer mit den Karriereplänen Einzelner deckungsgleich waren.“ Letztlich müssten aber andere sein Wirken beurteilen. Bis 31. März 2020 bleibt Putz als Domdekan im Dienst und organisiert Dommusik und Liturgie in der Bischofskirche. Angst vor dem endgültigen Ruhestand hat der Geistliche nicht. „Ich bin niemand, der sich über Funktionen definiert. Durch die Taufe bin ich Christ, durch die Weihe Priester. Ich habe also immer meine Aufgabe.“ Der Ruhestand sei die letzte Reifungsphase im Leben eines Priesters. Dankbar sei er, dass er so lange habe durchhalten können, trotz einer angeschlagenen Gesundheit. „Gott hat mir dafür die Kraft gegeben. Und ich bin ohnehin ein Willensmensch und niemand, der sich leicht unterkriegen lässt.“ Im künftigen Lebensabschnitt will Putz sich Zeit nehmen für „das Ruhen und Spielen vor Gott“. Zeit für die angenehmen Dinge im Leben, zu denen für ihn das Klavierspiel, Theater, Belletristik, Tennis und Wandern zählen.</p><p><em><strong>Zur Person</strong></em></p><p>Günter Putz wurde 1950 in Würzburg geboren und stammt aus der Würzburger Pfarrei Heiligkreuz. Nach dem Abitur am Röntgen-Gymnasium studierte er in Würzburg Theologie und erwarb das Theologische Lizentiat. Am 29. Juni 1975 weihte ihn Bischof Josef Stangl in Würzburg zum Priester. Als Kaplan war Putz in Ostheim vor der Rhön, Sailauf, Untersteinbach und später auch Kitzingen-Sankt Johannes, wo er auch als Dekanatsjugendseelsorger wirkte. 1978 wurde Putz zum Bischöflichen Sekretär ernannt, ab 1980 war er zudem Domvikar. 1983 ernannte ihn der Bischof auch zum Seelsorger der Würzburger CV‑Verbindungen. Im Mai 1984 übernahm Putz die Leitung des Bischöflichen Knabenseminars Kilianeum in Bad Königshofen und unterrichtete gleichzeitig am Gymnasium Bad Königshofen.</p><p>Ab 1985 war er im Dekanat Rhön-Grabfeld auch Stellvertreter des Dekans sowie Beauftragter für Priester- und Ordensberufe und ab 1990 zudem Präses für Liturgie und Kirchenmusik. 1991 wechselte Putz als Ordinariatsrat ins Bischöfliche Ordinariat Würzburg und übernahm die Leitung der Hauptabteilung Schule und Erziehung. Zugleich wurde er Geistlicher Beirat des Sachausschusses Erziehung und Schule des Diözesanrats der Katholiken im Bistum Würzburg. Seit 1998 ist Putz Domkapitular und übte von 1998 bis Ende 2008 auch das Amt des Sekretärs des Domkapitels aus. Im Jahr 2000 wurde er zudem Referent für die Hochschulseelsorge. Im Hochschulrat der Hochschule für angewandte Wissenschaften Würzburg-Schweinfurt ist Putz Mitglied. Seit 2009 ist er Domdekan an der Kathedralkirche zu Würzburg und für Liturgie und Kirchenmusik am Dom verantwortlich.</p><p>Putz nimmt außerdem zahlreiche zusätzliche Aufgaben auf Diözesan- und Landesebene wahr. So ist er seit 1991 Vertreter des Ordinariats im Stiftungskuratorium des Studienseminars Julianum, seit 1997&nbsp;Vertreter des Bischöflichen Stuhls im Vorstand des Ferdinandeums, seit 2000 Vorsitzender des Vereins Studentenburse und Vorstandsvorsitzender der Franz-Oberthür-Schulstiftung und seit 2007 auch Geistlicher Beisitzer des Vereins Elisabethenheim Würzburg. Von 2001 bis 2010 war er Vorsitzender des Beirats der Caritas-Schulen gGmbH, seit 2011 ist er dort Mitglied. Von 1996 bis 2011 war er außerdem Vorsitzender des Priestervereins der Diözese Würzburg und Mitglied im Verwaltungsausschuss der Emeritenanstalt und von 2001 bis 2006 auch Vorsitzender der Sankt-Kilians-Konfraternität. Außerdem war er bis 2011 viele Jahre Mitglied im Priesterrat. Auf Landesebene agiert Putz als Vertreter der bayerischen Schulreferenten im Landeskomitee der Katholiken in Bayern und war von 2001 bis 2004&nbsp;stellvertretender Vorsitzender der Schulabteilungsleiter der deutschen Bistümer. Als Vorsitzender des Klerusvereins vertrat er die Diözese Würzburg im Bayerischen Klerusverein. Seit 2014 ist Putz in Vertretung des Bischofs außerdem Vorsitzender der „Gemischten Kommission zur Begleitung der wissenschaftlichen Ausbildung an den katholischen Fakultäten“.</p><p>Putz ist besonders der studentischen Jugend ein Ansprechpartner. Er war bis 2010 viele Jahre Geistlicher Beirat des KKV Constantia Würzburg und des Jung-KKV. Von 1997 bis 2000 war er Philistersenior in der Katholischen Deutschen Studentenverbindung Markomannia in Würzburg, seit 2004&nbsp;ist er Ehrenphilister bei der Guelfia in Würzburg. Außerdem war er zeitweise auch Seelsorger des Cartellverbands der katholischen deutschen Studentenverbindungen. 1997 wurde Putz in die Gemeinschaft der Familiaren des Deutschen Ordens aufgenommen. Seit 2000 ist er außerdem Aufsichtsratsmitglied und Mitherausgeber der „Tagespost“.</p><p>Sein besonderes Engagement galt der Seligsprechung des im Konzentrationslager Dachau gestorbenen Pfarrers Georg Häfner. Putz war hierbei von 1986 bis 2002 Postulator beim Bischöflichen Erhebungsverfahren für die Seligsprechung des NS-Märtyrers. Papst Johannes Paul II. ernannte Putz 2003 zum Monsignore. Der Katholische Studentenverein Unitas-Hetania Würzburg würdigte die Leistung des Geistlichen als Postulator im Seligsprechungsprozess für Pfarrer Georg Häfner mit der Ernennung zum Ehrenmitglied im Jahr 2012. Ebenfalls 2012 ernannte Papst Benedikt XVI. Putz zum Prälaten. Seit 2019 ist Domdekan Putz zudem Geistlicher Assistent der Komturei Franken des Deutschen Ordens.</p><p>mh (POW)</p><p>(3219/0867; E-Mail voraus)</p>]]></content:encoded><category>Im Porträt</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-29677</guid><pubDate>Thu, 06 Jun 2019 13:49:52 +0200</pubDate><title>Ehemann, Vater, Christ – und Fußballtrainer</title><link>https://pow.bistum-wuerzburg.de/aktuelle-meldungen/detailansicht/ansicht/ehemann-vater-christ-und-fussballtrainer/</link><description>Josip Frančić trainiert den künftigen Regionalligisten Aubstadt und engagiert sich zugleich in seiner Pfarrei – „Ich möchte wirklich nicht in der Haut des Bischofs stecken“</description><content:encoded><![CDATA[<p><strong>Bad Neustadt/Aubstadt</strong> (POW) Aufstieg ist praktisch sein zweiter Name: Fußballtrainer Josip Frančić ist ein Meistermacher. Mehrfach hat der 51-Jährige Fußballvereine in höhere Klassen geführt. Sein jüngster Coup ist ihm mit dem TSV Aubstadt geglückt: Von der Landesliga sind die Kicker des 750-Einwohner-Orts im Landkreis Rhön-Grabfeld unter seiner Führung vor wenigen Tagen in die Regionalliga Bayern aufgestiegen – als souveräner Meister der Bayernliga Nord. Höher kann man im Amateurbereich nicht kommen. Zusätzlich zu dieser arbeitsintensiven Tätigkeit engagiert sich Frančić, im Hauptberuf Hausmeister im Dienst der Stadt Bad Neustadt, in der Kirchenverwaltung der Bad Neustädter Pfarrei Mariä Himmelfahrt. „Ich bin Christ, und da ist es für mich ganz selbstverständlich, dass ich mich einbringe.“</p><p>Halbe Sachen sind einfach nicht sein Ding: 1992 beschloss der gelernte Fliesenleger und damalige Zweitligaspieler gemeinsam mit seiner Frau Jasminka, der Unsicherheit in Kroatien zu entfliehen. „Meine Frau hatte Verwandte in Bad Neustadt, deswegen sind wir hierhergekommen.“ Aus den damals geplanten drei bis vier Jahren Aufenthalt ist ein dauerhafter geworden. „Wir haben inzwischen die doppelte Staatsbürgerschaft, und unsere beiden erwachsenen Kinder betrachten Deutschland als Heimat. Kroatien ist für sie ein Urlaubsland“, sagt Frančić.</p><p>In Deutschland fand er als Lizenzfußballspieler beim VfL Bad Neustadt eine Anstellung. „Ich war Spielertrainer, Platzwart und Jugendtrainer zugleich.“ Der positive Nebeneffekt des Eingebundenseins in den Sport: „Ich habe leicht und schnell Deutsch gelernt“, sagt Frančić mit hörbarem fränkischen Einschlag. 1999 fand er eine Anstellung im städtischen Bauhof, seit 2009 betreut er als Hausmeister die städtischen Gebäude in der Bad Neustädter Innenstadt. „Ich mag die abwechslungsreiche Arbeit.“</p><p>An die katholische Kirche hat sich Frančić in Deutschland langsam wieder angenähert. In seiner Heimat Kroatien war er in seiner Familie wie die fünf Brüder und die eine Schwester klassisch katholisch sozialisiert und natürlich auch als Messdiener aktiv. Auch wenn damit im damaligen sozialistischen Jugoslawien jede verantwortliche öffentliche Position verbaut war. „In der Pubertät hab ich dann, wie so viele Teenager auch, den Kontakt zu Glaube und Kirche verloren“, erzählt er.&nbsp;</p><p>In der neuen Heimat war der regelmäßige Gottesdienstbesuch ein Fixpunkt. Im Bad Neustädter Stadtteil Mühlbach, wo die junge Familie damals lebte, war er bald Mitglied im Pfarrgemeinderat. „Ich bin einfach immer mehr in das Gemeindeleben hineingewachsen.“ Wie als Fußballer, Spielertrainer oder Trainer macht er auch in Glaubensdingen Nägel mit Köpfen. „Mein Motto heißt: Ganz oder gar nicht.“ Er habe zwar „nur“ die B-Lizenz als Trainer, bilde sich aber bei jeder Gelegenheit weiter. „Ich muss in Physiologie oder Psychologie nicht jedes wissenschaftliche Detail kennen. Aber ich will erkennen, was der Hintergrund ist, und meinen Spielern verständlich machen können, warum ich etwas so trainiere, wie ich es mache.“</p><p>Das gleiche gilt nach Frančićs Worten für den Glauben. „Ich muss als Christ sagen können, warum ich an Gott glaube, was die Dreifaltigkeit ist und warum es wichtig ist, die Gebote zu halten.“ Sich auf das Angenehme oder Bequeme am Christentum zu beschränken? Nicht mit Frančić. „Wenn ich Torte esse, dann kann ich mir auch nicht die Erdbeeren rauspicken und lasse den Rest auf dem Teller liegen.“ Neben dem regelmäßigen Gottesdienstbesuch gehört für ihn deswegen die regelmäßige Beichte zur festen Praxis. „Genauso wichtig finde ich, dass ich mich jeden Tag frage, was ich mit meinen Talenten und Fähigkeiten konkret tun kann.“ Also kandidierte er vergangenen Herbst auch für die örtliche Kirchenverwaltung, als er dafür angefragt wurde. „Ich bin kein Mensch, der sich in Posten sonnt. Ich drücke mich aber auch nicht vor der Verantwortung.“ In Aubstadt hat er deswegen zum Beispiel gefragt, ob der Verein des mehrheitlich evangelischen Orts mit einem Benefizspiel das Waisenhausprojekt des Bad Neustädter Pfarrers Dr. Andreas Krefft in Ruanda unterstützt. „Ein anderes Wohltätigkeitsspiel war zugunsten von Kindern, die auf Prothesen angewiesen sind.“</p><p>Sorgen macht sich der Erfolgstrainer beim Blick auf die geringe Zahl der Gottesdienstbesucher. „Ich glaube manchmal, die Menschen sind zu versorgt. Wozu sollten sie sich Gedanken um Gott machen. Dabei weiß jeder von uns, wie schnell wir uns den Eltern zuwenden, wenn wir Hilfe und Beistand brauchen.“ In Kroatien erlebe er die Kirche als lebendiger, vielleicht auch, weil die Priester mehr Glaubenspraxis von den Gläubigen einforderten.</p><p>Für Frančić ist jeder Einzelne gefragt, den Glauben im Alltag zu thematisieren. „Ich bin manchmal – ganz positiv – neidisch auf die Muslime in Deutschland. In Berlin ist Mohamed der häufigste Name. Aber wo sind die Christen, die ihre Kinder Josef oder Maria nennen?“ Und auch im Umgang untereinander „mit Kirche, den Eltern und den Kindern“ wünscht Frančić sich mehr Bewusstsein dafür, dass das Vorbild ganz entscheidend ist. „Das ist ein sehr komplexes Thema. Ich möchte wirklich nicht in der Haut des Bischofs stecken“, sagt er.</p><p>Insgesamt etwa 50 Personen gehören zum Erfolgsteam des TSV Aubstadt, darunter etwa 25 Spieler, zum Teil mit Wurzeln in der Türkei, den USA oder Russland. Jeder müsse wertgeschätzt, aber zugleich das Gemeinsame in den Mittelpunkt gestellt werden. Ohnehin sei es schwer genug, gute Spieler in die „fußballerische Provinz“ zu locken. „Es kommt oft genug vor, dass überraschend ein Gespräch geführt werden muss oder organisatorisch etwas erledigt werden muss“, erzählt Frančić. Einen Sportdirektor oder Manager, wie viele der anderen Bayernliga- oder Regionalligavereine, die noch dazu meist in wirtschaftlich stärkeren Großstädten beheimatet sind, hat Aubstadt nicht. „Meine Frau hat großes Verständnis. Ohne sie und den Rückhalt der ganzen Familie ginge es nicht.“ Dienst nach Vorschrift ist sein Ding nicht. „Ehemann, Vater, Christ und Fußballtrainer ist man nicht zeitweise, sondern 24 Stunden am Tag.“</p><p class="align-right">mh (POW)</p><p>(2419/0639; E-Mail voraus)</p><p><em><strong>Hinweis für Redaktionen:</strong> Fotos abrufbar im Internet</em></p>]]></content:encoded><category>Im Porträt</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-28687</guid><pubDate>Sat, 11 May 2019 06:39:56 +0200</pubDate><title>Ein Leben für „Friede und Freude“ aus dem Glauben</title><link>https://pow.bistum-wuerzburg.de/aktuelle-meldungen/detailansicht/ansicht/ein-leben-fuer-friede-und-freude-aus-dem-glauben/</link><description>Bischof em. Dr. Paul-Werner Scheele hat die Diözese Würzburg nachhaltig geprägt – Spuren in der weltweiten Ökumene hinterlassen – Rolle der Laien entschieden gestärkt</description><content:encoded><![CDATA[<p><strong>Würzburg</strong> (POW) Bischof zu sein, das war für ihn nicht irgendein Job. Es war für ihn eine Lebensaufgabe. Deswegen blieb der im westfälischen Olpe (Erzbistum Paderborn) Geborene auch nach seiner Emeritierung im Jahr 2003 weiter in Würzburg. Würzburg war und blieb der Ort, an dem er seit 1979&nbsp;wirkte, davon fast 24 Jahre als amtierender Diözesanbischof – länger als viele seiner 86&nbsp;Vorgänger auf dem Stuhl des heiligen Burkard. Am Abend des 10. Mai ist Bischof em. Dr. Paul-Werner Scheele im Alter von 91&nbsp;Jahren in Würzburg gestorben.</p><p>„Das Gute zu stärken ist besser, als einen Krieg gegen das Übel zu führen.“ Diese Devise prägte die Amtszeit des 87. Bischofs von Würzburg. Auf diese Weise warnte der Bischof vor einer Tendenz, dauernd Dinge zu thematisieren, die nicht gehen, und 100 Dinge nicht anzugehen, die möglich sind. Freiheit war ein wichtiges Leitmotiv für Bischof Scheele. Und das ließ er in seinem Wirken immer wieder anklingen. „Ich versuche, den einzelnen Menschen ernst zu nehmen, so wie er ist“, sagte er. Seinen bischöflichen Wahlspruch „Friede und Freude“ setzte er um, auch wenn es um ganz konkrete, tagesaktuelle Fragen ging. Wohl auch deswegen verzichtete er 1996 in seinen Orientierungshilfen „Unser Weg“ für das Bistum darauf, verpflichtende einheitliche Modelle für das gesamte Bistum herauszustellen und Festlegungen wahrzunehmen, die am Ende niemandem helfen würden. „Der weite und freie Raum innerhalb der Wegmarkierungen ist offen für neue Initiativen“, schrieb der Bischof damals.</p><p>###GALERIE###</p><p>In den 24 Jahren seiner Amtszeit als Bischof von Würzburg durchlief die Diözese zahlreiche Veränderungen. Doch Bischof Scheele klagte nicht, stattdessen stärkte er das Gute. In der Seelsorge nahm die Zahl der Priester ab – Bischof Scheele förderte das Engagement der Laien. Als er 2003&nbsp;emeritiert wurde, war die Zahl der hauptamtlichen Seelsorgerinnen und Seelsorger trotz Priestermangel höher als zu Beginn seiner Amtszeit. Priester, Diakone, Pastoralreferenten und Gemeindereferenten sorgten gemeinsam in den damals knapp 880 Pfarreien, Kuratien und Filialen mit, dass das Wort Gottes weitergegeben wurde. Ehrenamtliche wirkten als Kommunionspender, Lektoren, Wortgottesdienstleiter sowie als Mitglieder von Pfarrgemeinderäten und Kirchenverwaltungen wie auch Gremien auf Dekanats- und Diözesanebene. Das Miteinander der verschiedenen Dienste in der Pastoral war in der Amtszeit Bischof Scheeles selbstverständlich geworden – vereint unter dem Dach der „Kooperativen Pastoral“. Jeder war eingeladen, aktiv seinen Teil zum Leben der Pfarrgemeinde beizutragen. Eine „ganze Heerschar“, wie Bischof Scheele sagte, habe dieses Konzept umgesetzt, um das man von 1993 bis 1996 rang. „Wir sind Kirche – Wege suchen im Gespräch“ lautete der von Bischof Scheele zu diesem Zweck initiierte Dialogprozess im Bistum Würzburg. Für die Anliegen der Jugend zeigte er sich offen und nahm sie ernst.</p><p>Zur Pastoral gehörten für ihn immer aber auch die karitativen und sozialen Dienste. Nie wurde Bischof Scheele müde zu betonen, dass diese noch stärker beachtet werden müssen. Zahlreiche Projekte entstanden in Bischof Scheeles Amtszeit und wurden von ihm eingeweiht: Kindergärten, Sozialstationen, Beratungsdienste, Seniorenheime und gegen Ende seiner Amtszeit die größte Seniorenwohnanlage der Diözese, das Marienstift in Schweinfurt, als Antwort auf die Krise in der Kugellagerstadt Anfang der 1990er Jahre. Die Krankenwallfahrt in der Kilianiwallfahrtswoche, gestand er einmal, war für ihn einer der bewegendsten Gottesdienste, den er jedes Jahr feiern durfte. Den Kranken und Notleidenden wende sich Christus bevorzugt zu, und ihnen gelte sein Verständnis, betonte der Bischof. „Wir sind gut beraten, wenn wir uns an die Armen halten, wenn wir die Freundschaft der Freunde Jesu suchen, wenn wir helfen, wo immer wir helfen können.“ Die bedrängten Katholiken im südthüringischen Teil des Bistums, der nach dem Mauerfall in das Bistum Erfurt überging, unterstützte er zu DDR-Zeiten nach Kräften und stärkte die Zusammengehörigkeit in besonders schwierigen Zeiten, unter anderem mit privaten Besuchen in den rigoros abgeschotteten Regionen. Als Bischof hätte er keine Einreisegenehmigung erhalten.</p><p>Bischof Scheele blieb aber nicht bei der Hilfe für materiell und körperlich Notleidende stehen. Auch die geistigen und geistlichen Nöte der Menschen hatte er unter dem Stichwort „Kulturdiakonie“ im Blick. Dazu zählte der jährliche Aschermittwoch der Künstler mit wegweisenden Worten an die Kunstschaffenden ebenso wie das von ihm und dem Komponisten Berthold Hummel 1989 geschaffene Oratorium „Der Schrein der Märtyrer“. Hilfen vermittelten darüber hinaus die in den 1990er Jahren geschaffenen Museen vom Marmelsteiner Kabinett über Tückelhausen und Astheim bis hin zum 2003 eröffneten Museum am Dom sowie das Brucknerfest, dessen Schirmherr der Bischof war.</p><p>Der Blick des Bischofs reichte aber über die Diözese Würzburg hinaus: Die Sorge um die Einheit aller Christen, der Kontakt und Dialog mit den anderen Konfessionen und Religionen waren ihm selbstverständlich. Papst Johannes Paul II. schätzte ihn besonders wegen seiner jahrzehntelangen ökumenischen Erfahrungen und seiner daraus resultierenden realistischen, aber doch hoffnungsvollen Sicht des Wegs hin zur Einheit der Christen. 1976 wurde Bischof Scheele Vorsitzender der Ökumenekommission der Deutschen Bischofskonferenz, ab 1984 wirkte er im Päpstlichen Rat zur Förderung der Einheit der Christen. Weit über seine Amtszeit als Bischof von Würzburg hinaus war Bischof Scheele auf Wunsch von Papst Benedikt XVI. bis 2008 Mitglied im Einheitsrat. „Bei ökumenischen Aufgaben gibt es kein Verfallsdatum“, betonte Bischof Scheele. Zudem engagierte er sich in der Päpstlichen Gesprächsgruppe, die den Dialog mit den Altorientalen führt. Gefragt war Scheele hier vor allem als Kenner der Dogmengeschichte, nicht zuletzt eine Frucht seiner jahrzehntelangen Tätigkeit in der Theologie. „Wiederholt haben wir erfahren dürfen, dass das Glaubenszeugnis der orientalisch-orthodoxen Kirchen eine große Hilfe für uns alle ist“, betonte der Bischof.</p><p>Engen Kontakt hielt Bischof Scheele zu den zahlreichen Missionsgemeinschaften im Bistum und den in seiner Amtszeit rund 200 aus dem Bistum stammenden Missionaren und Missionsschwestern in aller Welt. „Mission ist eine ständige Provokation für alle, die in den Dienst des Reiches Gottes berufen sind“, sagte er. Die Partnerschaft mit der afrikanischen Diözese Mbinga besiegelte er 1989. Der damalige Bischof Dr. Emmanuel Mapunda sagte, Bischof Scheele sei für ihn „wirklich zu einem Bruder geworden“. Bei einem Besuch in Tansania weihte Bischof Scheele 1997 die Kathedrale Sankt Kilian des Partnerbistums Mbinga. Als am 5.&nbsp;Juni 2011 John C. Ndimbo zum neuen Bischof von Mbinga geweiht wurde, stand Bischof Scheele an der Spitze der Würzburger Delegation. Nicht Patenschaft, sondern Partnerschaft soll die deutsch-afrikanische Beziehung prägen, betonte er stets. Daran wurde deutlich, wie wichtig ihm die weltweite Verantwortung und Solidarität der Würzburger Ortskirche war. „Jede Diözese ist ganz Kirche, aber nicht die ganze Kirche. Sie ist Teilkirche, aber nicht ein Kirchenteil. All das verpflichtet Papst und Bischöfe zu vertrauensvoller Zusammenarbeit, in der die Position aller beachtet und geachtet wird.“</p><p>Drei besondere Höhepunkte fielen in die Amtszeit des Bischofs: 1989 die 1300-Jahr-Feier des Martyriums der Frankenapostel Kilian, Kolonat und Totnan, 1992 das 1250. Jubiläum der Bistumsgründung und schließlich 2000 das Heilige Jahr. Bischof Scheele blickte bei allen Jubiläen nicht nur zurück, sondern erschloss beispielsweise die 1300 Jahre alte Spiritualität der Frankenapostel für die Menschen von heute. Tiefere Wurzeln sollte die Verehrung dieser Heiligen entwickeln, damit Kiliani mehr ist als nur Volksfest. Die Bistumsgründung stellte Bischof Scheele als Teamarbeit vor, als Herausforderung und Vorbild für heutiges Handeln: „Fest miteinander vereint brachen sie auf.“</p><p>Das Zeugnis der Bistumsheiligen – seien es Kilian und Gefährten, Burkard, Thekla und Lioba, Adalbero und Bruno oder der selige Liborius Wagner – konnte Bischof Scheele nicht oft genug hervorheben. Anstecken lassen sollten sich die Gläubigen vom Feuer, das in diesen Menschen gebrannt hat. Das Leben neuer Glaubenszeugen brachte Bischof Scheele ans Licht. Er forschte und schrieb über den NS-Märtyrerpriester Georg Häfner und über die Mystikerin Julitta Ritz und förderte so das Gedenken an diese Zeugen unserer Tage. Nicht zuletzt seinem nimmermüden Einsatz ist es mit zu verdanken, dass Pfarrer Häfner 2011 im Würzburger Kiliansdom seliggesprochen wurde. Erlöserschwester Ritz wurde im gleichen Jahr als wichtige Etappe auf dem Weg zur Seligsprechung der „heroische Tugendgrad“ zugesprochen. „Wir brauchen Brückenbauer zwischen den vielen Gemeinschaften dieser Welt wie zwischen den Menschen, die durch vieles voneinander getrennt sind. Mehr noch brauchen wir Menschen, die selber lebendige Brücken sind“, begründete er sein Engagement für die Seligsprechungen in seinem jüngsten Buch über Schwester Julitta.</p><p>Besondere Initiativen von Bischof Scheele waren der 1984 gegründete Solidaritätsfonds Arbeitslose und die 1999&nbsp;errichtete Stiftung „Miteinander für das Leben“. Rund 4350 Menschen in Unterfranken wurde und wird bis heute mit Hilfe des Solidaritätsfonds der Broterwerb gesichert, Schwangere und Mütter in Not erhalten von „Miteinander für das Leben“ Hilfe bei ganz alltäglichen Problemen.</p><p>Im Bistum Würzburg half er nach der Emeritierung weiter nach Kräften mit, sei es bei Firmungen, Jubiläen oder bei Weihen. Die Entscheidung hierüber überließ Bischof Scheele seinen Nachfolgern. Als in den vergangenen Jahren gesundheitliche Probleme seinen Bewegungsradius einschränkten, fokussierte er sich auf das Gebet und die Forschung. Die Liste der von ihm geschriebenen theologischen Bücher ist lang. „Von der Leitung des Bistums entbunden, hat man mehr Möglichkeiten, schriftlich weiterzugeben, was einem wichtig ist. Es entfallen etliche Verpflichtungen, für die man nicht die Bischofsweihe empfängt, denen man aber gerecht werden soll“, erklärte er vor wenigen Jahren.</p><p>Zudem bewahrte er sich seinen herzlichen Humor. So scherzte Bischof Scheele, als er seinen Alterswohnsitz im Obergeschoss des Diözesanarchivs bezog: „Bei uns werden alte Bischöfe im Archiv abgelegt.“ Seine Leidenschaft für das Klavierspiel und den Fußball erhielt er sich bis zuletzt.</p><p>Die Worte, die er bei seiner Verabschiedung als Bischof von Würzburg im Würzburger Kiliansdom am 13.&nbsp;Juli 2003 sprach, klingen heute wie sein Vermächtnis: „Bischöfe kommen und gehen, Jesus Christus bleibt. Halten wir uns an ihn, halten wir zu ihm, was immer auch kommt. Setzen wir uns mit ihm für das Reich Gottes ein, helfen wir mit ihm, wo immer wir helfen können. Tun wir mit ihm, was eint; tun wir es in allen Bereichen unseres Lebens: in den Familien, den Pfarrgemeinden und Dekanaten, in unserer Diözese, in der weltweiten Kirche und in der gesamten Ökumene.“</p><p>Nicht nur als Würdenträger, auch als Mensch wird Paul-Werner Scheele vielen in Mainfranken und darüber hinaus schmerzlich fehlen.</p><p><em><strong>Zur Person</strong></em></p><p>Paul-Werner Scheele wurde am 6. April 1928 in Olpe in Westfalen geboren. Nach Kriegsdienst, Abitur und Studium weihte ihn Erzbischof Lorenz Jaeger am 29. März 1952 in Paderborn zum Priester. Danach war Scheele Kaplan und Religionslehrer an berufsbildenden Schulen in Paderborn. 1964 promovierte er an der Theologischen Fakultät der Universität Würzburg und war dann als Journalist für eine kirchliche Zeitschrift bei der dritten und bei Teilen der vierten Sitzungsperiode des Zweiten Vatikanischen Konzils tätig. Es folgten Jahre als Professor in Fulda und Marburg, in Bochum und Würzburg, schließlich von 1971 bis 1979 in Paderborn. Dort leitete er das Johann-Adam-Möhler-Institut für Ökumenik. Erzbischof Johannes Joachim Degenhardt spendete Scheele am 9. März 1975 in Paderborn die Bischofsweihe. Es folgten vier Jahre als Weihbischof in Paderborn. Am 31. August 1979 ernannte ihn Papst Johannes Paul&nbsp;II. zum 87. Bischof von Würzburg. Die Amtseinführung fand am 21. Oktober 1979 in Würzburg statt. 24&nbsp;Jahre, von 1979 bis 2003, leitete Bischof Scheele das Kiliansbistum gemäß seinem Wahlspruch „Friede und Freude“. In der Deutschen Bischofskonferenz war er von 1976 bis 2003 Vorsitzender der Ökumenekommission. Außerdem war er neben vielen weiteren ökumenischen Aufgaben von 1984 bis 2008 als Mitglied im Päpstlichen Rat zur Förderung der Einheit der Christen tätig. Seit 14. Juli 2003 war er emeritiert, nahm aber weiterhin zahlreiche Aufgaben im Bistum und in der weltweiten Ökumene wahr, beispielsweise seit 2003 in der Kommission für den theologischen Dialog zwischen der römisch-katholischen Kirche und den orientalisch-orthodoxen Kirchen. Bischof Scheele war Ehrendomherr in Paderborn und Würzburg, Träger der Goldenen Stadtplakette der Stadt Würzburg, des Bayerischen Verdienstordens und des Bundesverdienstkreuzes erster Klasse sowie Honorarprofessor und Ehrensenator an der Universität Würzburg. Anlässlich des 85. Geburtstags verlieh ihm die Stadt Würzburg 2013 den Ehrenring. Bischof Scheele starb am Freitag, 10. Mai 2019, im Alter von 91 Jahren in Würzburg.</p><p class="align-right">&nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; <em>mh/bs (POW)</em></p><p>(2019/0505; E-Mail voraus)</p><p><em><strong>Hinweis für Redaktionen: </strong>Fotos abrufbar im Internet</em></p>]]></content:encoded><category>Im Porträt</category><category>Bischof em. Paul-Werner Scheele</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-20129</guid><pubDate>Tue, 23 Jan 2018 09:29:54 +0100</pubDate><title>Engagierte Kämpferin für Frauen in Not</title><link>https://pow.bistum-wuerzburg.de/aktuelle-meldungen/detailansicht/ansicht/engagierte-kaempferin-fuer-frauen-in-not/</link><description>Antonia Werr, Gründerin der Oberzeller Franziskanerinnen, starb vor 150 Jahren – Festgottesdienst mit Bischof em. Dr. Paul-Werner Scheele</description><content:encoded><![CDATA[<p><strong>Kloster Oberzell/Würzburg</strong> (POW) Zum Gedenken an Antonia Werr, Gründerin der Oberzeller Franziskanerinnen, feiert Bischof em. Dr. Paul-Werner Scheele am Samstag, 27. Januar, um 10.30 Uhr einen Gottesdienst in der Oberzeller Klosterkirche. Die gebürtige Würzburgerin starb vor genau 150 Jahren. Bis heute engagieren sich die Dienerinnen der heiligen Kindheit Jesu, wie die von Werr gegründete Gemeinschaft offiziell heißt, nach dem Vorbild ihrer Gründerin mutig und selbstbewusst für Frauen in Not.</p><p>Als Werr am 14. Dezember 1813 am Kürschnerhof 4 in Würzburg das Licht der Welt erblickt, ist es für die Familie zugleich ein Tag der Trauer: An diesem Tag wird ihr Vater beerdigt. Werr zieht später gemeinsam mit sieben Geschwistern und der Mutter in die Kettengasse um. Ihre Mutter verdient für sich und ihre acht Kinder ein Zubrot, indem sie reiche Studenten gegen Entgelt mit Essen versorgt. Antonia gilt als sehr hübsches Mädchen, weshalb sich einige junge Männer der Stadt – vergeblich – um sie bemühen. Einige Quellen beschreiben sie als sehr fromm. Zudem pflegt sie ihre kranke Mutter bis zu deren Tod 1841. Nicht exakt rekonstruieren lässt sich Werrs Lebensweg bis zu ihrem Eintritt ins Kloster der Schwestern vom Guten Hirten im belgischen Namur. Fest steht, dass sie 1845 ins dortige Kloster kommt und hernach ins Mutterhaus der Gemeinschaft nach Angers in Frankreich wechselt. Von Beginn an fühlt sie sich dort nicht wohl. Sie kommt wohl mit der französischen Mentalität nicht zurecht. So kehrt Werr 1846 nach schwerem innerem Ringen zurück nach Würzburg. Sie weiß, dass sie sich dem Klosterleben verschreiben möchte. Sie ist enttäuscht und wird zusehends trauriger. Sie ist zerrissen, wird gar depressiv, aber sie findet Trost im Glauben. Sie spürt, dass sie mit straffällig gewordenen Frauen arbeiten möchte. Wie ihr das gelingen soll, weiß sie nicht. Sie verfügt über kein Einkommen, fühlt sich alleine. In ihr keimt die Idee auf, selbst eine entsprechende Einrichtung ins Leben zu rufen.</p><p>Am 31. Juli 1848 legt Werr ihre privaten Gelübde vor ihrem Beichtvater ab, dem Franziskanerpater Franz Ehrenburg. Fortan lebt sie in Keuschheit, Gehorsam und Armut. Sie zieht in eine kleine Wohnung in der Franziskanergasse und verdingt sich mit kleineren Schreibarbeiten. Sie besucht Kranke und nimmt ein verstoßenes Mädchen bei sich auf, um ihm eine Ausbildung und bessere Zukunft zu ermöglichen. Ihr Hauptaugenmerk gilt fortan jedoch straffällig gewordenen jungen Frauen. Ihr großes Ziel ist es, ein Institut zu gründen, das sie zurück auf den rechten Weg bringt. Auf den Rat eines befreundeten Pfarrers hin tritt Antonia Werr mit Staatsrat Maximilian Freiherr von Pelkhoven aus München in Kontakt. Er ist ihr fortan Ratgeber, kollegialer Begleiter und Brieffreund. Die aufreibende Suche nach einem geeigneten Grundstück für ihre zu errichtende „Besserungsanstalt“ für straffällig gewordene junge Frauen beginnt. Nach schier end- und ergebnislosen Verhandlungen sowie zahlreichen Auseinandersetzungen mit Mitbewerbern um diverse Objekte kommt Werr zu der Einsicht, dass sie lieber klein beginnen sollte – mit einer Wohnung, in die sie zusammen mit drei Weggefährtinnen entsprechende Frauen aufnehmen möchte. Auch Pelkhoven rät ihr, diese Zeit für eine konzeptionelle Änderung ihrer Idee zu nutzen. Er schlägt vor, lieber das eigentliche Werk zu beginnen, statt sich weiter mit der Suche nach einem geeigneten Ort dafür aufzuhalten.</p><p>Auf dem Gutshof in Oberzell findet sie 1854, wonach sie so lange gesucht hat: ein Haus mit Garten, groß genug für acht bis zehn Personen und stadtnah. Während weitere Stolpersteine mit den Pachtherren aus dem Weg zu räumen sind, verfasst Werr – stets in Absprache mit von Pelkhoven – bereits die Statuten für ihren Orden und einen Spendenaufruf. Sie diskutiert mit ihm eine mögliche Kleiderordnung und wägt mit ihm das Für und Wider ab, fortan Schleier und eine blaue Kette mit Kreuz als Erkennungszeichen zu tragen. Ende 1854 sendet von Pelkhoven die fertigen Statuten der „katholischen Anstalt zur Besserung verwahrloster Personen des weiblichen Geschlechts“ an die Regierung und bittet, diese zu genehmigen und einen Spendenaufruf zu verbreiten. Zeitgleich erörtert Werr mit ihrem Brieffreund ihre Schriften über die Verehrung der Kindheit Jesu, die als Quelle der Spiritualität ihrer Gemeinschaft dienen soll. Es geht mit großen Schritten voran: Im Februar 1855 übernimmt Werr das einzugsbereite Schlösschen zur Miete. Mitte April folgen ihr die ersten vier Frauen, und im Mai nehmen sie die erste Klientin bei sich auf, ein 14‑jähriges Mädchen. An Pfingsten 1855 wird die Anstalt offiziell eröffnet. Werr und ihre Helferinnen werden eingekleidet. Fortan gibt es ständig neue Herausforderungen, die zu bewältigen sind: seien es die oft schlechte gesundheitliche Verfassung der Frauen oder deren disziplinarische Anpassungsschwierigkeiten. Nicht zuletzt kämpft Werr selbst mit gesundheitlichen Problemen.</p><p>In den Folgejahren kümmert sich Werr neben organisatorischen Fragen wie dem geeigneten Personal auch um die Neuordnung der Statuten und das Etablieren der Anstalt bis hin zu einem Orden. Ab 1857 sprechen die Quellen vom „Katholischen Jungfrauen-Verein der heiligen Kindheit Jesu zur Besserung verwahrloster Personen des weiblichen Geschlechts“. Werr sieht sich mehr und mehr unter Zugzwang, ihre Nachfolge und die Vermögensverwaltung zu regeln. Noch immer fließen öffentliche Gelder spärlich. Zwar erhält sie Spenden, gleichzeitig steigen die Kosten, da sie immer mehr Zulauf erhält. 1863 schließt sie sich dem Johanniszweigverein an. In seinen Briefen fordert von Pelkhoven Werr immer wieder auf, endlich ihre Ordensregel niederzuschreiben und damit für ein stabiles Fundament ihrer Arbeit zu sorgen – über ihren Tod hinaus. Sie wird körperlich immer schwächer, verschiebt es weiter und weiter. Schließlich legt sie doch im September 1863 ihre Profess auf den Dritten Orden ab, nachdem sie kurz zuvor eingekleidet worden war. Aus dem Briefwechsel mit von Pelkhoven geht hervor, dass Werr sehr hohe Ansprüche an sich selbst hat. Sie gilt als selbstbewusst und stark, pragmatisch und fleißig, mit einem wachen Geist, stets auf das Beste für die ihr Anvertrauten und ihr Haus bedacht. Wohl deshalb tut sie sich schwer, eine geeignete Nachfolgerin für ihr Lebenswerk zu etablieren. Aufgrund ihrer immer schlechteren Verfassung ermahnt ihr Brieffreund sie stets, sich darum zu kümmern.</p><p>Im Januar 1868 stirbt Werr, nachdem sie sich bei einer Mitschwester mit Typhus angesteckt hatte. Ihr Lebenswerk führt zunächst ihre Assistentin Angela Schmitt weiter. 1888 erhält der Verein die kirchliche Anerkennung. 1901 erwirbt die Schwesterngemeinschaft die Klostergebäude in Oberzell. 1936 wird die Kongregation zu einer Gemeinschaft päpstlichen Rechts erhoben. Die höchste Mitgliederzahl haben die Oberzeller Franziskanerinnen in den 1950er Jahren mit rund 1200 Schwestern. Derzeit gehören der Kongregation insgesamt 156 Mitglieder an: 126 Schwestern leben in Deutschland, 21 in Südafrika und neun in den USA.</p><p><em>ah (POW)</em></p><p>(0418/0086; E-Mail voraus)</p><p><strong><em>Hinweis für Redaktionen</em></strong><em>: Foto abrufbar im Internet </em></p>]]></content:encoded><category>Bischof em. Paul-Werner Scheele</category><category>Im Porträt</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-10933</guid><pubDate>Wed, 23 Aug 2017 16:52:03 +0200</pubDate><title>Inklusion und Integration von Menschen mit Behinderung als Herzensanliegen</title><link>https://pow.bistum-wuerzburg.de/aktuelle-meldungen/detailansicht/ansicht/inklusion-und-integration-von-menschen-mit-behinderung-als-herzensanliegen/</link><description>Hildegard Metzger mit Bayerischem Verdienstorden ausgezeichnet – Initiatorin der Internetplattform www.intakt.info seit Jahrzehnten im Familienbund der Katholiken engagiert </description><content:encoded><![CDATA[<p><strong>Würzburg</strong> (POW) Dieser sehr feierliche, wenn auch kurze Moment, wird Hildegard Metzger bestimmt lange in Erinnerung bleiben: Sie ist eine von 49 Persönlichkeiten, die Anfang Juli in der Münchener Residenz vom Bayerischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer für ihre Verdienste mit dem Bayerischen Verdienstorden ausgezeichnet wurde. Als Projektleiterin und Mitinitiatorin von www.intakt.info, einem Internetportal, das vom Familienbund der Katholiken (FDK) im Bistum Würzburg getragen und vom Bayerischen Sozialministerium finanziert wird, ist sie vielen Würzburgern vor allem für ihren Einsatz um die Inklusion und Integration von Menschen mit Behinderung bekannt. „Ich mische mich grundsätzlich gerne ein, hinterfrage viel und überprüfe, ob sich Bestimmungen oder Gesetze mit unserem Alltag verbinden lassen“, beschreibt Metzger sich und das, was sie seit nunmehr 30 Jahren anspornt. „Für mich ist diese hohe Auszeichnung eine Wertschätzung und Würdigung meiner Arbeit.“</p><p>Die ausgebildete Erzieherin und Mutter eines inzwischen erwachsenen Sohnes und einer ebenfalls erwachsenen geistig behinderten Tochter engagiert sich seit jeher in vielen sozialen Bereichen. 1987 gründet sie eine Elterninitiative zum Betrieb eines integrativen Kindergartens, der 1988 eröffnet wird, und ist über zehn Jahre lang deren Vorsitzende. Für die Lebenshilfe für Menschen mit geistiger Behinderung Stadt und Landkreis Würzburg ist sie in der Vereinsleitung unter anderem als stellvertretende Vorsitzende tätig. Seit 1990 gehört Metzger dem Landeselternbeirat der Lebenshilfe für Menschen mit geistiger Behinderung Landesverband Bayern an, davon mehr als zehn Jahre im Vorstand. „Bei allem, was ich mache, möchte ich, dass alle Eltern, vor allem aber die Eltern mit schwerst behinderten Kindern, von der Gesellschaft gesehen und mitgenommen werden. Sie sollen auf ihrem Weg bestärkt und ermutigt werden“, sagt Metzger.</p><p>Aufgrund ihrer eigenen Lebensgeschichte und den gesammelten Erfahrungen als Mutter einer behinderten Tochter weiß sie, was betroffene Eltern dringend benötigen. So beteiligt sie sich immer wieder bei der Konzeption diverser Fortbildungsmaßnahmen für Eltern von behinderten Kindern sowie bei der Organisation und Durchführung von Elternveranstaltungen. Seit über 20 Jahren ist Metzger auch ehrenamtlich in den verschiedenen Funktionen des FDK im Bistum Würzburg, unter anderem als Mitglied des Diözesanvorstandes sowie als stellvertretende, zeitweise auch kommissarische Diözesanvorsitzende tätig. Im Rahmen ihrer Referententätigkeit gibt sie außerdem seit zehn Jahren ihre fachliche Kompetenz, vor allem aber ihre persönlichen Erfahrungen an Schüler, Studenten und Fachleute aus dem sozialen Bereich weiter.</p><p>2001 gründet Metzger zusammen mit Kollegen die Internetplattform „Intakt“ für und von Eltern mit behinderten Kindern. Unter der Trägerschaft vom Familienbund der Diözese Würzburg ist „Intakt“ eine wichtige Anlaufstelle, die Betroffenen eine kontinuierliche Unterstützung im Alltag bietet: Nicht nur komplexe Themen werden hier behandelt oder aktuelle Gesetzestexte „übersetzt“ und für Betroffene erläutert, sondern auch gleich die entsprechenden rechtlichen Hilfen und Leistungen klar dargestellt und praktisch verlinkt. „Im heutigen schnelllebigen Zeitalter werden wir mit neuen Informationen, Gesetzen und Bestimmungen überhäuft. Wir möchten für Klarheit und Orientierung sorgen“, erklärt Metzger.</p><p>Zusätzlich zu den vielen unterschiedlichen Aufgaben und Projekten, für die sich die Würzburgerin engagiert, steckt sie sich auch stets neue Ziele. „Mich selbst weiterzuentwickeln, meine eigene Haltung immer wieder zu hinterfragen und Etabliertes zu überprüfen, das treibt mich an“, sagt sie. Ein solches Projekt ist zum Beispiel der praxisorientierte Elternkurs „Kess-erziehen: Kinder mit Handicap“ für Eltern von Kindern zwischen drei und elf Jahren, an dessen Aufbau sie innerhalb einer bundesweiten Entwicklungsgruppe beteiligt war.</p><p>„Dieser Kurs soll Eltern Mut machen, sie stärken und ihnen das sichere Gefühl vermitteln, ihren Alltag meistern zu können“, fasst Metzger zusammen. Die Eltern erhalten zunächst vielfältige, praxisorientierte Impulse, wie sie ihre individuelle Beziehung zu ihrem Kind stärken können. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist, Mütter und Väter zu ermutigen, auf sich und ihre Bedürfnisse zu achten und ihre Grenzen respektvoll zu setzen. Die Kurse fangen bereits diesen Herbst an. Weitere Informationen und alle Termine gibt es dann auf www.familienbund-wuerzburg.de, unter dem Schlagwort Familien oder Kess-erziehen, und persönlich über das Büro des Familienbunds. Zu erreichen ist Ansprechpartnerin Elisabeth Amrhein unter der Telefonnummer 0931/38665221.</p><p>Trotz ihrer eigenen Erfahrungen als betroffene Mutter lernt Metzger niemals aus. „Ob Fortbildungen und Kurse oder Gespräche mit anderen Eltern – es ist wichtig, eigene Ideen und Meinungen zu überdenken“, sagt die 62-Jährige. Und ganz viel lernt sie immer noch von ihrer Tochter. Denn ganz gleich, welche Auszeichnungen die Mutter mit nach Hause bringt, für Tochter Elisabeth zählt nur eins: „Dass ich da bin für sie und mich um sie kümmere“, sagt Metzger.</p><p><em>Andrea Bala (FDK)</em></p><p>(3317/0861; E-Mail voraus)</p><p><strong><em>Hinweis für Redaktionen:</em></strong><em> Foto abrufbar im Internet </em></p>]]></content:encoded><category>Im Porträt</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-1464</guid><pubDate>Thu, 11 May 2017 11:06:55 +0200</pubDate><title>„Ich bin froh und dankbar“</title><link>https://pow.bistum-wuerzburg.de/aktuelle-meldungen/detailansicht/ansicht/ich-bin-froh-und-dankbar/</link><description>Bischof Dr. Friedhelm Hofmann wird 75 Jahre alt – Nah an den Menschen und kunstbegeistert – Gotteslob als wichtiges überdiözesanes Projekt – „Die Kirche muss vor Ort bleiben“</description><content:encoded><![CDATA[<p><strong>Würzburg</strong> (POW) „Ich wurde als Bischof in eine Zeit hineinbestellt, in der in Kirche und Gesellschaft ein großer Wandel stattfindet“, sagt Bischof Dr. Friedhelm Hofmann. Am 25. Juni 2004 ernannte ihn Papst Johannes Paul II. zum 88. Bischof von Würzburg. Am Freitag, 12. Mai, wird Bischof Hofmann 75 Jahre alt.</p><p>Seit über zwölf Jahren steht Bischof Hofmann an der Spitze der Katholiken in Unterfranken. „Ich bin froh und dankbar, dass der Papst mir die Möglichkeit eröffnet hat, Bischof von Würzburg zu werden“, betont er. Der Wechsel sei ihm, dem gebürtigen Kölner, nicht so schwer gefallen, wie er selbst anfangs befürchtet habe. „Würzburg ist von seiner Geschichte, seiner Lage, seiner Kultur und den Menschen her so eine lebenswerte Stadt, dass vieles auch aufgefangen wurde und ich Köln mit all den Attraktionen nicht vermisst habe.“ War er als Weihbischof in Köln für Düsseldorf zuständig, musste er sich als Bischof von Würzburg von einem Stadtbistum umstellen auf ein fränkisches Landbistum. „Die kleinen Gemeinden im Bistum Würzburg liegen oft weit auseinander. Bei Priester- und Gläubigenmangel hat diese Situation zur Folge, dass nicht in jeder Gemeinde sonntags die heilige Messe gefeiert werden kann, sondern eine Wort-Gottes-Feier an die Stelle der Messfeier tritt.“</p><p>Als eine Antwort auf die geänderte Situation bildete Bischof Hofmann im Kiliansbistum aus den 610 Pfarreien und Kuratien 167 Pfarreiengemeinschaften und zehn Großpfarreien. „Wir haben in den Jahren immer versucht, mit den Gremien Entscheidungen zu finden, die zum Wohl der Menschen getroffen werden.“ Das Konzept der Pfarreiengemeinschaften ist nach Ansicht des Bischofs in Zukunft nicht mehr zu halten, da Priester für deren Leitung fehlen. „Von daher ist es notwendig, größere pastorale Räume anzupeilen, dabei aber den Kirchturm in den kleinen Gemeinden nicht zu vergessen. Die Kirche muss vor Ort bleiben!“ Das hat er auch in seinem Brief zur Pastoral der Zukunft im Februar 2017 für die Zeit der Vakanz als Leitlinie genannt.</p><p>Als „äußerst schmerzlich und katastrophal“ bezeichnet der Bischof, was im Zuge des Missbrauchsskandals im Jahr 2010 an Verbrechen innerhalb der ganzen Kirche sichtbar wurde. „Das hat mich am meisten belastet.“ Wehgetan habe ihm zudem jeder einzelne Fall, wenn Priester ihren Beruf aufgaben, um sich laisieren zu lassen, oder Gotteshäuser profaniert wurden.</p><p>Ein echtes Anliegen sind Bischof Hofmann die Bistumspartnerschaften mit Mbinga in Tansania und Óbidos in Brasilien. 2012 besiegelte er mit seinem brasilianischen Amtsbruder Bischof Bernardo Johannes Bahlmann den Vertrag über die Bistumspartnerschaft. „Von den Südamerikanern lernen wir, dass Kirche vor Ort lebt, auch wenn die wenigen Priester, die riesige Pfarreien betreuen, nur selten in die kleinen Gemeinden kommen können.“ In Afrika sei die Kirche jung und nehme auch das Wohl der Menschen in den Blick, nicht allein das Heil. „Die Kirche setzt sich dort dafür ein, die Strukturen der Gesellschaft aufzubauen, damit die Menschen im eigenen Land ein lebenswürdiges Leben führen können und erst gar nicht flüchten müssen.“</p><p>Seit mehr als 25 Jahren ist Bischof Hofmann Mitglied der Kommission für Liturgie und der Kommission für Fragen der Wissenschaft und Kultur der Deutschen Bischofskonferenz. „Die größte Herausforderung in der Liturgiekommission war für mich die Erstellung und Einführung des neuen Gotteslobs, das ich verantwortet habe.“ Von 2002 bis 2014 begleitete ihn dieses Projekt. „Die jahrelange Arbeit hat sich nicht nur gelohnt, sondern sie war von einem Erfolg gekrönt, den ich nicht erwartet hätte“, sagt er. Zudem wirkte er in der Liturgiekommission an der Überarbeitung der Einheitsübersetzung der Bibel mit, die 2016 ihren Abschluss fand.</p><p>Großes Augenmerk in den Bereichen Wissenschaft und Kultur legte Bischof Hofmann auf das Themenfeld Kunst. So war er Ideengeber eines Kunstprojekts zum Konzilsjubiläum 2015, das unter dem Titel „Freude und Hoffnung, Trauer und Angst“ unter anderem in Würzburg, München, Köln, Düsseldorf, Fulda und Konstanz Gelegenheit zur Auseinandersetzung mit dem Zweiten Vatikanum bot. „Das, was in der Kultur an Fragen sichtbar wird, hilft auch der Kirche, aktuell und zeitgemäß ihre Aufgabe wahrzunehmen.“</p><p>Berührungsängste im Umgang mit Künstlern, Politikern oder den ganz normalen Gläubigen kennt Bischof Hofmann nicht. Im Gegenteil: Es ist ihm ein Anliegen, mit möglichst vielen Menschen in Austausch zu kommen. Dazu nutzt er unter anderem die Gottesdienste und Begegnungen in der Kiliani-Wallfahrtswoche oder die Wallfahrten, die er begleitet – mit den Familien nach Assisi und Lourdes, mit den Ministranten nach Rom. „Für mich ist Lourdes ganz, ganz wichtig, weil wir aus den vielen Eindrücken des Alltags hier auf das Wesentliche zurückgeführt werden. Hier hat der Himmel die Erde berührt.“ Außerdem wirkten Wallfahrten auch immer positiv in die Gemeinden hinein und setzten dort neue Impulse, sagt der Bischof.</p><p>Die Dekanate seines Bistums hat er seit 2004 gemeinsam mit Weihbischof Helmut Bauer und ab 2009 mit Weihbischof Ulrich Boom alle visitiert, oder, wo das aufgrund weltkirchlicher Verpflichtungen nicht möglich war, zumindest besucht. Deutliche Worte fand Bischof Hofmann in der Flüchtlingskrise 2015 – nicht immer zum Gefallen der bayerischen Regierung. „Kirche ist aufgerufen, sich da einzubringen, wo die Stimme zum Wohl und Heil der Menschen gehört werden muss und wo die christlichen Werte mit Füßen getreten werden“, lautet seine Überzeugung.</p><p>2011 und 2016 durfte Bischof Hofmann auch zwei ganz besondere Gottesdienste im Kiliansdom feiern: die Seligsprechungen für den Würzburger Diözesanpriester Pfarrer Georg Häfner und den Mariannhillerpater Engelmar Unzeitig. Beide starben während der Nazidiktatur für ihren Glauben im Konzentrationslager Dachau.</p><p>Gemäß den Vorgaben des Kirchenrechts hat Bischof Hofmann zu seinem 75. Geburtstag Papst Franziskus seine Versetzung in den Ruhestand angeboten. Dieser wird über die Annahme des Ruhestandsgesuchs entscheiden. Als emeritierter Bischof werde er dann in die zweite Reihe zurücktreten und sich zunächst von allen Verpflichtungen fernhalten. „Gerne werde ich mithelfen, wenn mein Nachfolger dies will und es meine Gesundheit zulässt.“</p><p><em><strong>Zur Person</strong></em></p><p>Friedhelm Hofmann kam am 12. Mai 1942 in Köln-Lindenthal zur Welt. Zwei ältere und ein jüngerer Bruder gehören zur Familie. Ab 1948 besuchte er die katholische Grundschule in Köln-Vogelsang, anschließend von 1955 bis 1963 das Erzbischöfliche Collegium Marianum in Neuss. Am dortigen Staatlichen Quirinus-Gymnasium erwarb Hofmann 1963 das Abitur. Im selben Jahr begann er das Philosophie- und Theologiestudium in Bonn, 1967 wechselte er an das Priesterseminar in Köln. Während seiner Studienzeit erwarb er sich außerdem das praktische Rüstzeug für Zeichnung und Malerei in dem der Universität zugehörigen Kunstatelier. Am 3. Februar 1969 empfing er durch Kardinal Josef Frings die Priesterweihe im Kölner Dom.</p><p>Danach wirkte Hofmann drei Jahre als Kaplan an Sankt Peter in Köln-Ehrenfeld. 1972 berief ihn Kardinal Joseph Höffner als Domvikar und Dompfarrvikar an den Hohen Dom zu Köln. Von 1978 bis 2004 war Hofmann als Nachfolger von Weihbischof Wilhelm Cleven Vorsitzender des Deutschen Lourdes-Vereins.</p><p>1979 schloss er das Studium der Kunstgeschichte und Philosophie mit der Promotion im Fachbereich Kunstgeschichte über „Zeitgenössische Darstellungen der Apokalypse-Motive im Kirchenbau seit 1945“ ab. Ein Jahr später erfolgte die Ernennung zum Dompfarrer und Domkapitular am Kölner Dom. 1981 wurde er außerdem Künstlerseelsorger im Erzbistum Köln. 1983 folgte die Ernennung zum Ehren- und Konventualkaplan des Malteser Ritterordens. 1984 verlieh ihm Papst Johannes Paul II. den Ehrentitel „Monsignore“.</p><p>Am 25. Juli 1992 ernannte Johannes Paul II. Hofmann zum Weihbischof in Köln und Titularbischof von Taddua. Am 13. September 1992 empfing Hofmann die Bischofsweihe in Köln. Sein bischöflicher Wahlspruch lautet „Crux spes unica“, „Das Kreuz – einzige Hoffnung“. Zum 88. Bischof von Würzburg wurde Hofmann am 25. Juni 2004 ernannt und am 19. September 2004 im Kiliansdom eingeführt.</p><p>Im Oktober 2008 nahm er in Rom an der Weltbischofssynode zum Thema „Das Wort Gottes im Leben und in der Sendung der Kirche“ teil. Als Nationaldelegierter besuchte er die Eucharistischen Weltkongresse 2012 in Dublin/Irland und 2016 in Cebu/Philippinen.</p><p>Seit 1992 ist Bischof Hofmann Mitglied der Kommission für Liturgie sowie Kommission für Fragen der Wissenschaft und Kultur der Deutschen Bischofskonferenz. Von 2002 bis 2014 hatte er zudem den Vorsitz der Unterkommission „Gemeinsames Gebet- und Gesangbuch“ der Liturgiekommission inne. Im Forum Liturgie im Deutschsprachigen Raum (FLD) ist er seit 2004 Mitglied und seit 2015 Vorsitzender.</p><p><em>mh (POW)</em></p><p>(1717/0462; E-Mail voraus)</p><p><strong><em>Hinweis für Redaktionen:</em></strong><em> Fotos abrufbar im Internet  </em></p>]]></content:encoded><category>Bischof em. Friedhelm Hofmann</category><category>Im Porträt</category><category>Personalmeldungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-3184</guid><pubDate>Wed, 26 Apr 2017 13:19:02 +0200</pubDate><title>„Kirche soll zeitgenössisch sein“</title><link>https://pow.bistum-wuerzburg.de/aktuelle-meldungen/detailansicht/ansicht/kirche-soll-zeitgenoessisch-sein/</link><description>Kunstreferent Domkapitular Dr. Jürgen Lenssen wird am 11. Mai 70 Jahre alt – Theologie und Kunst als Standbeine seines Wirkens – Viele Pläne für den Ruhestand</description><content:encoded><![CDATA[<p><strong>Würzburg</strong> (POW) Wenn er auf sein bisheriges Leben zurückblickt, fällt ihm als erstes das Wort „Vertrauen“ ein. „Ich durfte ein ungemeines Vertrauen erfahren, an das ich gerne zurückdenke“, sagt Domkapitular Dr. Jürgen Lenssen, Kunstreferent der Diözese Würzburg. Das Vertrauen von Bischof em. Dr. Paul-Werner Scheele, der ihn 1989 zum Leiter der damaligen Hauptabteilung Bau- und Kunstwesen im Bischöflichen Ordinariat ernannte. Und das Vertrauen der Gemeinden, auch wenn seine Entscheidungen nicht immer unumstritten waren. „Dass im Umgang mit Kunst Konflikte programmiert sind, versteht sich von selbst.“ Am Donnerstag, 11. Mai, wird Lenssen 70 Jahre alt. Zum 31. Mai tritt er altersbedingt von seinen Aufgaben als Domkapitular und Leiter der Hauptabteilung Kunst zurück. Franken ist längst seine Heimat geworden. „Ich bin hier zu Hause. Ich liebe das Frankenland“, sagt er. Für seinen Ruhestand hat er unzählige Pläne – von der Fertigstellung noch laufender Kirchensanierungen und Museumsprojekte bis hin zu Ideen für Bücher. Doch noch wichtiger sind für ihn die vielen Begegnungen mit den Menschen: „Die Freundschaften bleiben.“</p><p>In seinem Leben gab und gibt es zwei Standbeine: die Theologie und die Kunst. Beides ergänze sich hervorragend. „Die Kirche war immer Trägerin von Kunst und Kultur.“ Umgekehrt tue es der Kirche gut, sich von der Kunst inspirieren zu lassen: „Kirche soll zeitgenössisch sein. Die Weite, die der Kunst eigen ist, sollte auch die Kirche auszeichnen.“ Für seine zahlreichen Initiativen zur Kunst- und Kulturförderung wie die Errichtung der diözesanen Museen und die Gestaltung von Gotteshäusern ist Lenssen weit über das Bistum Würzburg hinaus bekannt. „Die Diözese Würzburg hat in der deutschen Diözesanlandschaft den Ruf, dass zeitgenössische Kunst einen wirklichen Stellenwert bekommt.“ Künstler wie Michael Triegel, Thomas Lange und Jacques Gaßmann wurden von Lenssen entdeckt oder gefördert. „Es ist spannend, wenn diese Künstler in ihren Bildinhalten Themen aufgreifen, die auch wir verfolgen – Barmherzigkeit, Menschenwürde, die Verortung des Menschen.“</p><p>Die Gegenüberstellung alter und neuer Kunst bestimmt das Konzept der insgesamt 13 Museen, die nach seinen Plänen und unter seiner Regie in den vergangenen Jahren entstanden. „Ich wollte ganz bewusst eine Dezentralisierung, damit diese Museen und ihre Kunstschätze im ganzen Bistum wahrgenommen werden können“, erklärt Lenssen. Zentrales und umfangreichstes Museum ist das Museum am Dom in Würzburg, das 2003 eröffnet wurde. Eingebettet ist es in eine Landschaft von Museen, die über das ganze Bistum verteilt, teils in kommunaler, teils in kirchlicher Trägerschaft, Kunstwerke aus dem Besitz der Diözese präsentieren: etwa das Kartäusermuseum Tückelhausen, das Museum Kartause Astheim, der Domschatz Würzburg, das Museum Schloss Oberschwappach, das Museum Johanniskapelle in Gerolzhofen, das Pilger- und Wallfahrtsmuseum in Dettelbach oder das „Museum. Burg. Miltenberg.“ auf der Mildenburg. Zuletzt wurden im Dezember 2016 das Krippenmuseum in Baunach und im März 2017 das Museum zum frühen Christentum in Franken in Karlburg eröffnet. Den Kontakt zu Künstlern pflegte Lenssen bei Künstlergottesdiensten im Dom, beim traditionellen Aschermittwoch der Künstler oder bei Ausstellungen. Besonders am Herzen liegt ihm die Kunst aus der ehemaligen DDR. So sicherte er 1995 der Diözese den bedeutenden Nachlass des Dresdner Künstlers Friedrich Press.</p><p>Mehr als 370 Kirchen und Kapellen habe er in den vergangenen 28 Jahren umgestaltet, schätzt Lenssen. Dabei gab es immer wieder auch Auseinandersetzungen um seine Ideen, seine Pläne, seine Kunstwerke. Sehr deutlich war dies bei der Debatte um die Neugestaltung des Kilianshauses um die Jahrtausendwende zu erleben, als Befürworter und Gegner heftig miteinander stritten, oder auch bei der Haßfurter Ritterkapelle. Manches davon sei unter der Gürtellinie gewesen. „Aber viel entscheidender ist, dass mir von vielen Gemeinden bis heute großes Vertrauen entgegengebracht wird“, sagt Lenssen. Besonders schön sei für ihn die Arbeit in sehr kleinen Gemeinden gewesen, von denen manche gerade mal 100 Katholiken zählten. „Ich konnte die Liebe zu ihrem Sakralraum spüren.“ Gerade hier habe er viel Offenheit erlebt, „in der Frömmigkeit wie in Fragen der Raumgestaltung“. Auf allgemeine Zustimmung stießen die großen Kirchensanierungen unter seiner Regie wie von Kiliansdom, Stift Haug, der Neumünsterkirche in Würzburg, der Stadtpfarrkirche Dettelbach oder der Pfarr- und Wallfahrtskirche zum Heiligen Kreuz auf dem Volkersberg. Zahlreiche Altäre in den Gotteshäusern der Diözese Würzburg und darüber hinaus – selbst in evangelischen Kirchen – tragen Lenssens Handschrift. Seine künstlerischen Arbeiten fanden Interesse bei Ausstellungen in mehreren Städten Deutschlands, Italiens und den USA.</p><p>Bevor er in das Domkapitel gewählt wurde, war Lenssen fast 20 Jahre als Seelsorger tätig. „Die Gemeindeseelsorge hat mich sehr geprägt. Ich hatte zunächst Angst, dass ich nun keine Gemeinde mehr haben würde“, sagt er. Bei den 11.30-Uhr-Messen im Kiliansdom habe er dann eine neue Gemeinde gefunden. „Das hat mich getragen. Ich habe auch Trauungen, Taufen und Beerdigungen gehalten.“ Nach seiner Emeritierung wird er weiterhin in die Feier der 11.30-Uhr-Messen eingebunden bleiben.</p><p>Auch als Künstler wird er tätig sein. So werden noch unter seiner Federführung die Generalsanierung der Pfarrkirche Sankt Mauritius in Wiesentheid und der Pfarrkirche Sankt Oswald in Baunach abgeschlossen. In Karlstadt wird 2018 ein weiteres diözesanes Museum „Kunst und Geist zu Beginn der Neuzeit“ mit dem Schwerpunkt Renaissance und Reformation eröffnen. Auch von außerhalb der Diözese habe er viele Anfragen bekommen – von katholischen wie evangelischen Gemeinden. „Ich möchte auch noch einiges veröffentlichen, zum Beispiel über unsere fränkischen Dorfkirchen. Es sind wirklich Perlen!“</p><p><em><strong>Zur Person</strong></em></p><p>Dr. Jürgen Lenssen wurde 1947 in Mönchengladbach geboren. Die ersten Lebensjahre verbrachte er in Bad Neustadt, anschließend lebte er mit seinen Eltern bis 1962 in Mönchengladbach. Theologie, Kunstgeschichte und Volkskunde studierte er in Würzburg, Münster und Osnabrück. Am 27. November 1971 empfing er in Osnabrück durch Bischof Helmut Herrmann Wittler die Priesterweihe. Nach der Kaplanszeit in Osnabrück und Lingen/Ems kam er 1974 aufgrund familiärer Verbindungen in die Diözese Würzburg. Seine erste Stelle trat er als Kaplan in Alzenau an. 1975 wurde er Kuratus in Dittelbrunn, im gleichen Jahr Jugendseelsorger für das Dekanat Schweinfurt-Nord. 1981 ernannte ihn Bischof Dr. Paul-Werner Scheele zum Pfarrer in Glattbach. 1988 promovierte Lenssen zum Doktor der Theologie in Liturgiewissenschaft. Im gleichen Jahr wurde er stellvertretender Dekan im Dekanat Aschaffenburg-West. Am 1. Oktober 1989 ernannte ihn Bischof Scheele zum Ordinariatsrat und zum Leiter der Hauptabteilung Bau- und Kunstwesen im Bischöflichen Ordinariat Würzburg. Die Leitung des Baureferats gab Lenssen 2015 ab. 1989 übernahm er zudem die Aufgabe als Personalreferent für die Pastoral- und Gemeindereferenten, die er 1996 aus gesundheitlichen Gründen abgab. Von 1990 bis 2000 war Lenssen außerdem Referent für die Hochschulseelsorge und von 1991 bis 2002 Mitglied der Kommission für Kirchenmusik. Seit 1. Oktober 1991 ist er Mitglied des Domkapitels.</p><p>1992 übernahm der Domkapitular auch die Aufgabe des Direktors der Stiftung Kunstsammlung der Diözese Würzburg. Darüber hinaus wurde er 1998 Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft kirchlicher Museen und Schatzkammern im deutschsprachigen Raum und war von 1999 bis 2003 Präsident der Deutschen Gesellschaft für zeitgenössische Kunst und christliche Kultur. Außerdem engagierte er sich als Geistlicher Beirat der Diözesangruppe Würzburg des Bunds Katholischer Unternehmer (BKU), als Vertreter des Domkapitels bei der Verwaltung der Ignaz-Kolb’schen Messweinstiftung und als Rektor der ehemaligen Klosterkirche der Kartause Astheim. In der diözesanen Kommission für Liturgie und Kirchenmusik ist er seit 2004 erneut tätig, in der 2006 errichteten Kunstkommission der Diözese hat er einen ständigen Sitz. Im März 2017 wurde er erneut in den Wissenschaftlichen Beirat zur Instandsetzung des Speyerer Doms berufen.</p><p>Für die Resakralisierung und Ausstattung der alten Glattbacher Kirche Mariä Himmelfahrt erhielt Lenssen 1985 die Verdienstmedaille der Gemeinde Glattbach und 1988 die Denkmalschutzmedaille des Freistaates Bayern. Das Bundesverdienstkreuz am Bande wurde ihm 2006 verliehen. Für sein „Gesamtkunstwerk“ zeichnete ihn die Stadt Würzburg 2009 mit dem Kulturpreis aus. Das Landesamt für Denkmalpflege verlieh ihm 2011 die „Alte Münze“ für besondere Verdienste im Bereich Denkmalschutz, Denkmalpflege und Museumsarbeit. 2013 erhielt er für sein museales und kulturelles Schaffen den Kulturpreis des Bezirks Unterfranken.</p><p><em>sti (POW)</em></p><p>(1717/0460; E-Mail voraus)</p><p><strong><em>Hinweis für Redaktionen:</em></strong><em> Fotos abrufbar im Internet</em></p>]]></content:encoded><category>Im Porträt</category><category>Personalmeldungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-8148</guid><pubDate>Wed, 12 Apr 2017 12:12:14 +0200</pubDate><title>„Fußball ist keine Religion“</title><link>https://pow.bistum-wuerzburg.de/aktuelle-meldungen/detailansicht/ansicht/fussball-ist-keine-religion/</link><description>Pastoralreferent Dr. Thorsten Kapperer schreibt Doktorarbeit zum Thema „Leidenschaft und Fußball“ – Wie kann man die Botschaft Jesu besser an die Menschen bringen?</description><content:encoded><![CDATA[<p><strong>Bad Neustadt</strong> (POW) „Fußball und Kirche durchziehen mein Leben, seit ich denken kann.“ Seine beiden Leidenschaften hat Pastoralreferent Dr. Thorsten Kapperer, Beauftragter für Jugend und Schule im Dekanat Bad Neustadt sowie Regionaljugendseelsorger, nun in einer Doktorarbeit zusammengebracht. „Leidenschaft und Fußball. Ein pastoral-theologisches Lernfeld“ lautet der Titel des 464 Seiten umfassenden Werks. Er wolle die Begriffe Fußball und Pastoral in ein „produktives Spannungsverhältnis“ bringen, beschreibt der 36-Jährige das Ziel seiner Arbeit. Fußball beinhalte viel kreatives Potenzial für die Pastoral. Dieses Potenzial möchte er unter anderem für die Pastoral der Zukunft nutzen, erklärt er. „Ich wünsche mir mehr Leidenschaft, auch in der Kirche.“</p><p>„Ich bin fußballverrückt und kirchenverrückt“, beschreibt Kapperer sich selbst. Aufgewachsen in Lohr am Main, spielte er als Kind im SV Sendelbach und trainierte später die G- und F-Jugend. Zugleich war er Ministrant, dann Oberministrant. In der zwölften Klasse beschloss er, Theologie zu studieren, und absolvierte anschließend die Ausbildung zum Pastoralreferenten. „Pastoralreferent ist mein Traumberuf“, sagt er. Schon damals habe er gemerkt, dass es Berührungsfelder zwischen Sport und Religion gebe. Für seine Zulassungsarbeit zur Zweiten Dienstprüfung wählte er das Thema Fußball und Kirche. Nach der Ausbildung habe er dann den Wunsch verspürt, ein eigenes pastorales Konzept zu entwickeln. „Ich wollte die beiden Themen wissenschaftlich in Beziehung setzen und mir so ein Konzept für mein pastoraltheologisches Wirken erarbeiten“, erklärt Kapperer, der mittlerweile für die „Rhön-Oldies“ kickt. Im Verein habe er die Erfahrung gemacht, dass Pastoral auch ganz unerwartete Formen annehmen kann. „Auf dem Fußballplatz bin ich erst einmal Fußballer. Aber alle wissen, dass ich bei der Kirche arbeite. Im Laufe der Jahre haben sich daraus viele tolle Gespräche ergeben.“</p><p>Während des Studiums war Pastoraltheologie sein Lieblingsfach. So wandte er sich an Professor Dr. Erich Garhammer, Inhaber des Lehrstuhls für Pastoraltheologie an der Universität Würzburg. „Ich kannte ihn vom Studium. Er war gleich offen für meine Idee.“ Im September 2012 begann Kapperer mit der Arbeit an seiner Promotion, im Sommer 2016 legte er das Doktorexamen ab. „Kirche ist nicht ,nur‘ im Gottesdienst sichtbar. Das Religiöse wird auch außerhalb seiner angestammten Orte in den etablierten Konfessionen und Kirchen sichtbar, zum Beispiel auf dem Fußballplatz“, erklärt er die Grundidee seiner Doktorarbeit. Religion biete Inhalte, die einen guten Beitrag für ein gelingendes Leben leisten könnten, wie Barmherzigkeit, Gerechtigkeit, Nächstenliebe und einen überlegten Umgang mit der Schöpfung. „Allerdings muss sie ihre Inhalte so kommunizieren, dass sie verstanden werden – auch von Menschen, die sich nicht zu einer Pfarrgemeinde zugehörig fühlen. Die Frage war also: Wie kann man die tolle Botschaft Jesu kommunizieren, so dass sie wieder bei den Menschen ankommt?“</p><p>Um sich dieser Frage wissenschaftlich zu nähern, unterteilte Kapperer seine Doktorarbeit in die drei Hauptteile „Sehen“, „Urteilen“ und „Handeln“. Im ersten Teil mit der Überschrift „Sehen – Fußball als Realitätsmodell“ betrachtet er die Geschichte des Fußballs als die Geschichte einer Leidenschaft. „Ein simples Spiel begeistert so viele Menschen, dass es bis heute einen Siegeszug angetreten hat. Ich glaube, dass man davon viel lernen kann“, sagt er. Zugleich stellt er klipp und klar fest: „Fußball ist keine Religion, und es gibt auch keinen Fußballgott.“ Dennoch zeigt er im zweiten Teil unter der Überschrift „Urteilen: Die Leidenschaft des Fußballs – ein höchst bedeutsamer theologischer Analysegegenstand“ unter anderem auf, wie exemplarische Kennzeichen des Heiligen auch beim Fußball sichtbar werden. So beschreibt Kapperer das Heilige als etwas, das zugleich „erschreckt und fasziniert“. Diese völlig gegensätzliche Wirkung zeige sich auch, wenn ein Tor falle. Wenn der Fußballfan das Stadion betrete, lasse er die profane Welt hinter sich und betrete einen anderen Lebensbereich „Beim Fußball kommt das Heilige derart zum Ausdruck, dass es offensichtlich von vielen Menschen verstanden wird. Somit kann der Fußball zum Vorbild pastoraltheologischer Sprachfähigkeit werden“, folgert er.</p><p>Für den dritten Teil „Handeln: Die Leidenschaft des Fußballs als Lern-Ort pastoraltheologischer Sprachfähigkeit und die sich daraus ergebenden Haltungs- beziehungsweise Handlungsimpulse“ hat Kapperer bundesweit Beispiele gesammelt, wie Kirche und Fußball voneinander profitieren können. „In Mönchengladbach etwa sind die Kollegen mit dem Pfarrgemeinderat für eine Klausurtagung ganz bewusst in den Konferenzraum des Fußballstadions Bökelberg gegangen. Das hat den Blick verändert“, sagt er. Man habe für die Veranstaltung gezielt das alte Fußballstadion gewählt und nicht den neuen, modernen Borussia-Park. Daraus hätten sich für die Teilnehmer mit Blick auf die Zukunft der Pastoral spannende Fragen ergeben: „Wo hänge ich noch an ,meinem‘ Bökelberg? Wo zieht es mich schon in den neuen Borussia-Park?“</p><p>Viele weitere Beispiele hat Kapperer zusammengetragen, von der Fußballwallfahrt mit Jugendlichen über Sportlergottesdienste bis zur Stadionkapelle des FC Schalke 04, in der viele Trauungen und Taufen stattfänden. Er selbst organisierte im Jahr 2010 für seinen Heimatverein SV-DJK Langenleiten einen Fußballworkshop mit Jugendtrainer Udo Bassemir vom FC Bayern München, den er zufällig bei einer Tagung kennen gelernt hatte. Rund 60 Jugendliche kamen, auch aus den benachbarten Vereinen. „Bassemir verfolgt einen ganzheitlichen Ansatz. Er hat zum Beispiel die Körperhaltung mit dem Leben verglichen: Man brauche eine gute Haltung, um Dinge gut ansprechen zu können. Die Kinder klebten förmlich an seinen Lippen“, erinnert sich Kapperer.</p><p>„Der Gottesdienst ist mir sehr wichtig, aber es muss auch andere Formen geben. Für die Pastoral der Zukunft wünsche ich mir, dass wir noch viel mehr als bislang den Blick über den kirchlichen Tellerrand wagen und uns von dem inspirieren lassen, was Menschen heute bewegt. Gerade mit Blick auf die Pastoral der Zukunft gibt es viele Möglichkeiten, etwas zu gestalten“, zieht Kapperer ein Fazit seiner Arbeit. Die Erkenntnisse aus seiner Doktorarbeit möchte er auch an seiner nächsten Stelle einbringen. Im September wechselt er in die Pfarreiengemeinschaft „Unter der Homburg, Gössenheim“ und wird für den pastoralen Raum Gemünden in der Koordination und Planung tätig sein. Ausdrücklich ermuntert er dazu, als Kirche den ersten Schritt zu machen: „Es wird in jedem Sportverein sehr wahrgenommen und wertgeschätzt, wenn der Pfarrer sich einmal im Jahr sehen lässt oder zu einem Fest kommt.“</p><p>Zur Person</p><p>Thorsten Kapperer wurde 1980 in Lohr am Main geboren. Nach dem Abitur leistete er seinen Zivildienst in der dortigen Caritas-Sozialstation. Von 2001 bis 2006 studierte er in Würzburg Diplom-Theologie. Der Pastoralkurs führte ihn von 2006 bis 2007 in die Pfarrei Marktheidenfeld. Ab September 2007 war er jeweils mit halber Stelle als Pastoralassistent in der Pfarreiengemeinschaft „Die Walddörfer“ im Dekanat Bad Neustadt sowie Dekanats-Jugendseelsorger für das Dekanat Bad Neustadt tätig. Seit September 2012 ist er als Regionaljugendseelsorger für das Dekanat Bad Neustadt tätig. Zum 1. September 2017 wechselt er jeweils mit halber Stelle in die Pfarreiengemeinschaft „Unter der Homburg, Gössenheim“ sowie in die Koordination und Planung für den pastoralen Raum Gemünden. Kapperer ist verheiratet und Vater eines Sohns und einer Tochter.</p><p><em>Thorsten Kapperer: Leidenschaft und Fußball. Ein pastoral-theologisches Lernfeld. Band 98 der Reihe „Studien zur Theorie und Praxis der Seelsorge“. Echter-Verlag Würzburg, 2017. 464 Seiten, 42 Euro. ISBN 978-3-429-04314-8.</em></p><p><em>sti (POW)</em></p><p>(1517/0422; E-Mail voraus)</p><p><strong><em>Hinweis für Redaktionen:</em></strong><em> Fotos abrufbar im Internet</em></p>]]></content:encoded><category>Im Porträt</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-9112</guid><pubDate>Tue, 25 Nov 2014 17:51:59 +0100</pubDate><title>Rastloser Priester aus Leidenschaft  </title><link>https://pow.bistum-wuerzburg.de/aktuelle-meldungen/detailansicht/ansicht/rastloser-priester-aus-leidenschaft/</link><description>Generalvikar Dr. Karl Hillenbrand im Alter von 64 Jahren völlig überraschend gestorben – Mitten aus seinem reichen Priesterleben gerissen – Hoch geschätzter Theologe und Priester – Große Liebe zur fränkischen Heimat
</description><content:encoded><![CDATA[<p><strong>Würzburg/Ochsenfurt</strong> (POW) Am Freitagabend referierte er noch in Retzbach bei der Pastoraltagung. Am Samstagmorgen wurde er zur Firmung in Haibach bei Aschaffenburg erwartet. Er kam nicht. Würzburgs Generalvikar Dr. Karl Hillenbrand wurde am Samstagmorgen, 22. November, tot in seiner Wohnung unweit der Marienkapelle aufgefunden: im Sessel sitzend, das priesterliche Gebetbuch an seiner Seite liegend. Ein völlig überraschender Tod, der unzählige Menschen im Bistum Würzburg und weit darüber hinaus in tiefe Trauer versetzt. „Das Bistum Würzburg ist im Schockzustand“, sagte ein sichtlich ergriffener Bischof Dr. Friedhelm Hofmann am Samstagabend im Würzburger Bischofshaus. „Generalvikar Hillenbrand hat mit innerer Bereitschaft bis an die Grenzen seiner Belastbarkeit für das Bistum Würzburg und die Kirche in Deutschland gewirkt. Ich bin unendlich dankbar dafür, dass ich ein langes Stück meines Lebens mit ihm gehen durfte.“</p><p>Karl Hillenbrand war im Bistum Würzburg hochgeschätzt: als Priester, als Theologe, als Generalvikar, als Rundfunkprediger, als Medienexperte, als Mensch. Sein Wort hatte Gewicht, seine Entscheidungen waren überlegt und begründet. „Unser Generalvikar war ein Mann des Wortes. Was er uns gesagt hat, hat bleibenden Bestand“, würdigte Bischof Hofmann am Todestag. Weit über die Diözese Würzburg hinaus war Hillenbrand in zahlreichen kirchlichen Gremien, Ausschüssen und Kommissionen auf Bundesebene ein geschätzter, erfahrener, fachkundiger und keine Mühen scheuender Experte und Ratgeber. Bei allem Tun in der Kirche, das ihn auch zu zwei Synoden nach Rom führte, ging sein Blick zugleich stets über den katholischen Binnenraum hinaus. In der Ökumene war er ein geschätzter Gesprächspartner, Freundschaften verbanden ihn mit Vertretern anderer christlicher Kirchen. Er legte größten Wert auf die geschwisterliche Verbundenheit mit dem Judentum. Er reiste immer wieder nach Polen, um auf den Spuren des von ihm sehr verehrten früheren Sonntagsblatt-Chefredakteurs Monsignore Dr. Helmut Holzapfel an der Aussöhnung der beiden Nachbarvölker mitzuwirken.</p><p>Karl Hillenbrand stammte aus Ochsenfurt, dort wurde er am 8. Juni 1950 geboren. Auf seine fränkische Heimat war er immer stolz, noch mehr: Er liebte sie, ihre Menschen, ihre Frömmigkeit, ihre Lebensart. Die Gemeinschaft, die er im gläubigen Elternhaus in Ochsenfurt und als Internatsschüler im Kilianeum in Würzburg erleben durfte, prägte ihn und trug ihn für sein weiteres Leben. Das Wort seiner Landsleute, besonders der „einfachen“, schätzte er. Bei seinem Silbernen Priesterjubiläum zitierte Hillenbrand eine ältere Frau aus Ochsenfurt, die ihm kurz nach der Priesterweihe gesagt hatte: „Ein richtiger Priester richtet die Menschen auf, macht ihnen Mut und hilft weiter.“ Mit den wenigen Worten dieser Frau konnte Hillenbrand umschreiben, was einen Priester ausmacht und wie er selbst sein Priestersein verstand: Menschen aufrichten, ihnen Mut machen, weiterhelfen. Hillenbrand tat dies aus Leidenschaft, ohne sich selbst zu schonen, rastlos wirkte er für Kirche und Glauben, für die Menschen im Bistum Würzburg.</p><p>Theologisch war Hillenbrand bestens gebildet. Er studierte an der Päpstlichen Universität Gregoriana in Rom, wurde dort am 10. Oktober 1976 von Josef Kardinal Höffner zum Priester geweiht und promovierte in Rom auch zum Doktor der Theologie. „Heil in Jesus Christus“ lautete der Titel seiner Doktorarbeit, wie auch sonst Jesus Christus die Mitte seines theologischen Denkens bildete. „Stelle dein Leben unter das Geheimnis des Kreuzes“, steht auf dem Primizbildchen Hillenbrands. Es zeigt das Kreuz als Lebensbaum: ein Motiv, das er immer wieder in Ansprachen aufgriff und bei zahlreichen Wallfahrten zum Kreuzberg in der Rhön meditierte. Aus dem Glauben heraus setzte Hillenbrand auf die Zusage, dass Gott in Jesus Christus das menschliche Leben teilt und die Wege der Menschen bis ins Dunkel des Todes mitgeht.</p><p>Seine vielfältigen priesterlichen Aufgaben im Bistum Würzburg nahm Hillenbrand stets von seiner Glaubenseinstellung her an. „Als Priester habe ich dem Bischof Verfügbarkeit versprochen.“ Erste Erfahrungen in der Seelsorge sammelte er als Diakon in Leidersbach und in der Aschaffenburger Stiftspfarrei, seine Kaplanszeit führte ihn nach Riedenberg und Oberbach in der Rhön sowie in die Schweinfurter Pfarrei Heilig Geist. 1983 übernahm er als erst 33-Jähriger die Aufgabe des Regens am Priesterseminar Würzburg. Die folgenden 13 Jahre in der Priesterausbildung waren für ihn nach eigenen Angaben ein Geschenk. „Ich konnte mit sehr motivierten jungen Menschen unterwegs sein, die nach einer Lebensentscheidung suchten.“ Eine ganze Priestergeneration ist von ihm geprägt. Landes- und bundesweit engagierte er sich in diesen Jahren als Sprecher der beiden Regentenkonferenzen.</p><p>Als Bischof Dr. Paul-Werner Scheele ihn 1996 zum Generalvikar der Diözese Würzburg berief, trat Hillenbrand diese Aufgabe mit Freude an. Für ihn galt die Prämisse: Die Verwaltung muss sich danach bemessen, ob sie der Pastoral, ob sie dem Glaubensleben einer Diözese dient. Generalvikar zu sein war für ihn nicht einfach nur Verwaltungschef zu sein. Er wollte auch Seelsorger sein und blieb dies Zeit seines Lebens. Hillenbrand ging es um den Dienst an der Einheit im Bistum, um den Dienst am Glauben, für ihn ein Dienst auf dem Weg des Gesprächs und des Dialogs. Die diözesanen Aktionen „Wege suchen im Gespräch“ in den 1990er Jahren oder der aktuelle Dialogprozess wären ohne Hillenbrand nur schwer denkbar. Er scheute nicht die Debatten in Gremien, brachte sein fundiertes Wissen ein und war dabei immer wieder Vermittler zwischen unterschiedlichen Positionen. Dienst an der Einheit bedeutete für ihn weiter das Zusammenarbeiten von Priestern und Laien, was er so in Worte fasste: „Die Laien sind keine austauschbaren Ersatzspieler, sie haben ihre eigene Berufung.“ Diese Wertschätzung durften die verschiedenen pastoralen Berufsgruppen ebenso spüren wie der Diözesanrat der Katholiken oder die Jugendverbände, für die Hillenbrand stets Zeit und ein offenes Ohr hatte.</p><p>Intensiv in die Pflicht genommen sah er sich in den christlich-jüdischen Beziehungen. Als Regens des Priesterseminars Würzburg war er unmittelbar eingebunden in die Gespräche mit der jüdischen Gemeinde, die in die Rückgabe des nach dem Krieg vom Bistum erworbenen Synagogengeländes mündeten. Als Rektor der Würzburger Marienkapelle, die untrennbar mit der Ausrottung jüdischen Lebens im Jahr 1349 zusammenhängt, galt sein Einsatz dem guten Miteinander von Juden und Christen in Würzburg und darüber hinaus. Unmissverständlich stellte er immer wieder klar, dass im Wissen um die leidvolle Geschichte des jüdischen Volks eine Leugnung oder Verharmlosung des Holocaust für Christen ein sündhaftes Verhalten darstelle, weil es wahrheitswidrig sei und dazu beitrage, das unsägliche Leid der Opfer zu verdrängen.</p><p>Die Marienkapelle – sie war für den geerdeten Marienverehrer spirituelle Heimat. Als Rektor der Bürgerkirche am Markt seit 1996 feierte er dort nahezu täglich in der Frühe die Heilige Messe – auch noch am letzten Tag seines irdischen Lebens. Hillenbrand ist es zu verdanken, dass die Marienkapelle fast 70 Jahre nach der Zerstörung im Zweiten Weltkrieg sechs neue Glocken erhielt. 2013 weihte er selbst bei einem Fernsehgottesdienst das Geläut, das mittlerweile täglich das fränkische Marienlied „O himmlische Frau Königin“ vom Turm schlägt. Jetzt mag es damit auch an den verstorbenen Rektor erinnern. Und auch die Krippe in der Kirche am Markt wurde auf Hillenbrands Initiative vor wenigen Jahren aufgestellt.</p><p>Zeit nahm er sich trotz einer Fülle von Aufgaben im Bistum und in Deutschland auch für die Weltkirche. Bei den beiden Bischofssynoden zur Priesterausbildung im Jahr 1990 und zu Europa im Jahr 1999 in Rom engagierte er sich als berufener Experte. Hillenbrand sah diesen zusätzlichen Einsatz bei den Synoden als „Arbeit für die Kirche unter anderen Verhältnissen“. Schmunzelnd erzählte er 1999 über seine zweite Berufung zu einer Synode: „Wenn man schon einmal jemand beim Arbeiten erwischt hat, dann bekommt dieser noch etwas dazu.“ Humor hatte er, einen feinen Humor, der in solchen Aussagen immer wieder durchschien.</p><p>Wenig Bedeutung maß er Jubiläumsfeiern bei – und auch kirchlichen Ehrentiteln. Als Prälat, zu dem ihn Papst Johannes Paul II. im Jahr 2000 ernannte, wollte er nie angesprochen werden, „höchstens mit dem Doktortitel, denn den habe ich mir mühevoll erarbeitet“. Wenn ein Jubiläum anstand, wollte er dieses ohne Aufsehen feiern und „eher zur persönlichen Gewissenserforschung nutzen“. Die Begegnung, die gegenseitige Bestärkung und Ermutigung der Menschen, die seinen Weg begleiteten, ließ er aber als Argument für eine Feier dann doch gelten. „Ich bin im Feiern kein Weltmeister. Aber ich pflege Freundschaften.“ Wollte jemand ihn beschenken, so wies er auf die Stiftung „Miteinander für das Leben“ hin, die werdenden Müttern in Not hilft. Seit Gründung der Stiftung im Jahr 1999 setzte er sich dafür bis zuletzt mit Herzblut ein.</p><p>Eine schwere Bürde war für Hillenbrand die Aufarbeitung der Missbrauchsfälle im Bistum Würzburg im Jahr 2010. Man sah es ihm an, wie ihm jeder neu aufkommende Vorwurf zusetzte. Doch für Hillenbrand gab es nie einen Zweifel daran: Die Kirche muss sich ihren dunklen Seiten stellen und diese aufarbeiten, schonungslos aufklären. Maßgeblich brachte er seine Erfahrungen bei der Entwicklung neuer Leitlinien der Deutschen Bischofskonferenz zum Umgang mit Missbrauch ein. Doch es wäre nicht Karl Hillenbrand gewesen, hätte er die Fragen von Missbrauch und Gewalt durch Kirchenvertreter nicht ins Gebet genommen. Einen „Kreuzweg der Hoffnung unter der Last von Missbrauch und Gewalt“ schrieb er und gestand: „Selten ist mir die Formulierung von Texten so schwer gefallen, weil es einem angesichts des Leids der Betroffenen die Worte verschlägt.“</p><p>Im Jahr 2001 starb ganz plötzlich Hillenbrands enger priesterlicher Freund Erzbischof Dr. Hans Schwemmer. Beim Requiem in der Oberpfalz predigte Generalvikar Hillenbrand: „Wir können dieses plötzliche Sterben kaum fassen. Zugleich aber ist mir aufgefallen: Viele Menschen erzählen aus ihrer Trauer heraus ganz spontan Erlebnisse von Begegnungen mit Hans. Oft waren es kleine, ja alltägliche Begebenheiten, die aber durch seinen Tod einen neuen Stellenwert bekommen haben, weil sie zu bleibenden Erinnerungen werden.“ Angesichts des eigenen, plötzlichen Tods könnten die Worte der damaligen Predigt auch den Trauernden im Bistum Würzburg heute helfen: dass die Begegnungen mit Karl Hillenbrand zu vielen bleibenden Erinnerungen bei den Menschen werden. Denn der Generalvikar war fest davon überzeugt: Mit dem Tod ist nicht das letzte Wort gesprochen, die Lebenden und die Verstorbenen bilden weiter eine Gemeinschaft. Diese frohe Botschaft des Glaubens hatte er erst beim jüngsten Allerseelengottesdienst Anfang November 2014 in der Sepultur des Kiliansdoms seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im Bischöflichen Ordinariat ans Herz gelegt.</p><p><em>bs (POW)</em></p><p>(4814/1160; E-Mail voraus)</p><p><strong><em>Hinweis für Redaktionen:</em></strong><em> Fotos abrufbar im Internet</em></p>]]></content:encoded><category>Aschaffenburg</category><category>Kitzingen</category><category>Rhön-Grabfeld</category><category>Schweinfurt</category><category>Main-Spessart</category><category>Generalvikar Hillenbrand</category><category>Haßberge</category><category>Würzburg</category><category>Bad Kissingen</category><category>Miltenberg</category><category>Personalmeldungen</category><category>Im Porträt</category><category>Berichte</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-17862</guid><pubDate>Thu, 25 Apr 2013 10:02:50 +0200</pubDate><title>Helfer in schwierigen Lebenslagen</title><link>https://pow.bistum-wuerzburg.de/aktuelle-meldungen/detailansicht/ansicht/helfer-in-schwierigen-lebenslagen/</link><description>Erhard Scholl geht nach mehr als 32 Jahren als Leiter der Ehe-, Familien- und Lebensberatungsstelle in Schweinfurt in den Ruhestand – Verabschiedung am 29. April </description><content:encoded><![CDATA[<p><strong>Schweinfurt</strong> (POW) Menschen in schwierigen Situationen zu begleiten und ihnen zu helfen: Für Erhard Scholl (65) war das mehr als 32 Jahre das tägliche Geschäft – und zugleich Berufung. Der langjährige Leiter der Ehe-, Familien- und Lebensberatungsstelle (EFL) der Diözese Würzburg in Schweinfurt wird am Montag, 29. April, um 14 Uhr im Kolping-Bildungszentrum Schweinfurt in den Ruhestand verabschiedet. „Die Aufgabe ist mir ans Herz gewachsen“, sagt Scholl.</p><p>Vieles hat sich verändert, seit der Diplom-Theologe und -psychologe nach Stationen als Erziehungsberater in Deggendorf und in der psychosomatischen Klinik Bad Neustadt im September 1980 seine Stelle in Schweinfurt antrat. „Damals hatten wir von der EFL eine defensive Position. Es schwebte die Frage im Raum, ob wir als kirchliche Einrichtung überhaupt Ehepaare begleiten dürfen, die sich trennen. Wir haben es einfach getan.“</p><p>Scholl betont, dass er sich aus dem Geist des Zweiten Vatikanischen Konzils heraus schon damals verpflichtet sah, den „Eigenstand der irdischen Wirklichkeiten“ anzuerkennen und so als „Kirche in der Welt von heute“ zu wirken. „Niemand trennt sich leichtfertig. Oft steckt eine lange und schwere Leidensgeschichte dahinter.“ Mit Genugtuung haben Scholl und Kollegen es zur Kenntnis genommen, dass 2008 der damalige Familienbischof Georg Kardinal Sterzinsky die Begleitung von Menschen in Trennung zu einem wichtigen kirchlichen Auftrag erklärt hat. „Es ist die große Herausforderung, Menschen zu unterstützen, dass ihr Leben und ihre Beziehungen intensiver und befriedigender werden.“ Überhaupt engagiere sich das Bistum Würzburg in vorbildlicher Weise, betont Scholl. Jährlich rund 1,8 Millionen Euro investiert die katholische Kirche in Unterfranken in die Beratung. „Wir bieten Menschen bei Bedarf auch längerfristig Hilfe an, wo andere Stellen das nicht tun können.“</p><p>Auch fachlich haben sich über die Jahrzehnte die Schwerpunkte verlagert: Heute stehen die Wechselwirkungen und Verflechtungen der Beteiligten im Mittelpunkt. Früher lag der Schwerpunkt der Beratung bei einem tiefenpsychologischen Ansatz, der die aktuelle Situation aus der jeweiligen persönlichen Geschichte zu erklären suchte. „Und noch etwas hat sich spürbar geändert: Der Druck durch die Arbeitswelt hat zugenommen, die Großfamilie, die den Einzelnen auch entlastet hat, bietet zunehmend weniger Unterstützung an – weil die Eltern selbst im Arbeitsprozess stehen oder die Entfernungen zu den Kindern zu weit sind.“</p><p>Um den veränderten Rahmenbedingungen gerecht zu werden, gibt es seit 2002 die bundesweite Onlineberatung. Auch hier engagiert sich Scholl, damit alle Anfragen innerhalb einer Frist von 48 Stunden beantwortet werden. „Online braucht kein Termin vereinbart zu werden, man bleibt, wenn man möchte, anonym“, beschreibt er die Vorteile dieses Angebots. Die Anfragen seien dennoch immer seriös. „Nur einmal habe ich auf die kurze Mail eines Mannes mit dem Text ‚Suche eine Frau‘ ebenso kurz zurückgeschrieben: ‚Weitersuchen!‘“, erzählt Scholl schmunzelnd.</p><p>Nicht immer geht es bei der Beratung mit solcher Leichtigkeit zu. „Was mir selbst nahegeht, sind Fälle, wenn Eltern trauern, die ein Kind verloren haben.“ Begleiten, dabei sein, der Trauer Zeit und Raum geben, beschreibt Scholl seine Aufgabe, wenn trauernde Eltern seine Unterstützung suchen. Oft versuche das Umfeld, die Betroffenen mit Floskeln wie „Das Leben geht weiter“ und Ermahnungen wie „Es ist doch schon sechs Wochen her“ vom Trauern abzuhalten.</p><p>Zu den positiven Erinnerungen, die er in den vergangenen drei Jahrzehnten erlebt hat, zählen für den angehenden Ruheständler die Momente, in denen das Eis geschmolzen ist. „Es berührt mich jedes Mal, wenn ein Paar plötzlich über zentrale Themen seiner Partnerschaft ins Gespräch kommt.“ Oft geht es um Wünsche, Sehnsüchte, die viele nicht auszusprechen wagen, aber auch um Verletzungen, die lange nachwirken, und die gerade deshalb bisher nicht ausgesprochen werden konnten. „Nähe entsteht, weil keine Vorwürfe gemacht werden, es gelingt, einander zuzuhören und die Sicht des anderen anzunehmen, ohne sich verteidigen zu müssen.“ Eine solche tiefere Ebene des Verständnisses helfe auch dann, wenn eine Trennung nicht mehr zu vermeiden scheint. „Wichtig ist, nicht noch zusätzliches Leid bei den Beteiligten entstehen zu lassen und Hilfe zu bieten, dass nicht noch mehr Porzellan zerschlagen wird.“</p><p>Wie seine Kolleginnen und Kollegen versteht Scholl sich als Begleiter, als Unterstützer bei existentiellen Problemen der Klienten. „Was der Einzelne aus dem Hilfsangebot macht, liegt letztlich nicht in meiner Macht.“ Neben der fachlichen Qualifikation und der permanenten Fortbildung ist dieser Grundsatz in der Ehe-, Familien- und Lebensberatung Teil des professionellen Selbstverständnisses. Dass er seine Klienten im Gebet auch Gott anvertraut, ist für ihn dazu kein Widerspruch.</p><p>Mit dem Ruhestand kappt Scholl keineswegs alle Verbindungen zu seiner bisherigen Tätigkeit: Er bleibt bis 2015 Geschäftsführer und Vorsitzender des rund 700 Mitglieder starken Bundesverbands der Katholischen Ehe-, Familien- und Lebensberater, engagiert sich auch weiterhin im Diözesanfamilienrat und Diözesanrat. Auch als Supervisor werde er weiter aktiv bleiben, kündigt er an. „Ich freue mich aber, dass ich ein wenig mehr Freiraum für das Private habe.“ Dazu zählen neben der Gartenarbeit und dem Radfahren die Arbeit als freier Mitarbeiter der örtlichen Zeitung und nicht zuletzt die Familie. Zusammen mit seiner Frau will Scholl den erwachsenen Kindern in Berlin, Bonn und Fulda künftig öfters mal einen Besuch abstatten. „Es ist schön zu sehen, wie sich in meinem bisherigen Büro das Postfach meines Nachfolgers füllt, meines immer weniger bestückt wird, und die Arbeit der Beratungsstelle gut weitergeht. So langsam merke ich, wie die Last der Verantwortung von meinen Schultern abfällt.“</p><p><strong>Zur Person:</strong></p><p>Erhard Scholl wurde 1948 in Aschaffenburg geboren und wuchs in Laufach auf. Nach dem Abitur in Miltenberg leistete er von 1967 bis 1969 seinen Grundwehrdienst in Mellrichstadt und Wildflecken. Von 1969 bis 1974 studierte er in Würzburg Theologie, von 1970 bis 1977 auch Psychologie. Beide Fächer schloss er mit dem Diplom ab. Von 1977 bis April 1978 arbeitete er in der Erziehungsberatung in Deggendorf, von Mai 1978 bis Juni 1980 in der Psychosomatischen Klinik Bad Neustadt. Seit September 1980 ist er Leiter der EFL im Schweinfurter Bischof-Stangl-Haus. Scholl ist Supervisor (BDP, BAG), Psychologischer Psychotherapeut und EFL-Berater und lebt in Gernach (Landkreis Schweinfurt).</p><p><em>Markus Hauck (POW)</em></p><p>(1713/0426; E-Mail voraus)<strong><em></em></strong></p><p><strong><em>Hinweis für Redaktionen:</em></strong><em> Fotos abrufbar im Internet </em></p>]]></content:encoded><category>Schweinfurt</category><category>Im Porträt</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-19334</guid><pubDate>Tue, 21 Feb 2012 17:46:41 +0100</pubDate><title>Mitten im Leben</title><link>https://pow.bistum-wuerzburg.de/aktuelle-meldungen/detailansicht/ansicht/mitten-im-leben/</link><description>Günter Fries lebt seit 44 Jahren mit der Glasknochenkrankheit – Sein Kopf ist das größte Kapital</description><content:encoded><![CDATA[<p><strong>Aschaffenburg</strong> (POW) Sein kleiner Körper verschwindet fast in dem großen Elektrorollstuhl. Günter Fries misst nur 110 Zentimeter, und obwohl er 44 Jahre alt ist, wiegt er mit 20 Kilo so viel wie ein Kleinkind. Der energiegeladene Mann ist schwerstbehindert. Von seinem Vater, der selbst nicht so stark betroffen war, erbte er Osteogenesis imperfecta, die Glasknochenkrankheit. Wie bei einigen tausend Menschen, die in Deutschland mit dieser Krankheit leben, produziert sein Körper kein knochenerhärtendes Kollagen. Seine Knochen sind weich und können jederzeit brechen, der kleine Mann braucht ständig Hilfe. Als Kind bekam er alle drei bis vier Jahre Stabilisierungsstifte in die Oberschenkel eingesetzt, der Operationstisch wurde ihm ein vertrautes Möbelstück. </p><p>Im Gegensatz zu seinem Körper, mit dem er nicht viel machen kann – selbst alleine essen, trinken oder Zähne putzen ist kaum möglich – verfügt er über einen klaren Kopf und scharfen Verstand. Eine höhere Schulbildung blieb ihm dennoch verwehrt. Die Zeit war damals noch nicht reif für solche Menschen wie ihn, sagt er selbst. Der Kindergarten hatte ihm und seinem jüngeren Bruder, bei dem die Krankheit nur ganz leicht ausgeprägt ist, die Aufnahme verweigert. Zu groß war die Unsicherheit bei den Verantwortlichen. Als er in die Schule kommen sollte, stand das Körperbehindertenzentrum in Würzburg zur Diskussion. Dort seien damals Kinder mit unterschiedlichen Formen der Behinderung aufgenommen worden. „Da ich keine geistige Behinderung habe, wollten mich meine Eltern nicht in diesen ‚Gemischtwarenladen‘ stecken“, sagt Fries.</p><p>Folglich besuchte er die normale Grundschule in Schweinheim. Sechs Jahre blieb er dort, immer wieder unterbrochen durch Knochenbrüche und Operationen. Seine Mutter war jeden Tag in der Schule dabei – Schulbegleiter kannte man noch nicht. Ein Wechsel auf die Hauptschule war nicht möglich, da die Fachräume nicht barrierefrei waren und die Schulleitung nicht wusste, wie sie mit ihm verfahren sollte. Fries bekam daher zu Hause Einzelunterricht. „Für meine Eltern hat das einen Riesenkampf gegen die Schulbehörde bedeutet.“ Obwohl er alles konnte und vergleichende Tests bestanden hatte, verweigerte ihm die Hauptschule einen ordentlichen Abschluss. Er bekam nur ein Abschlusszeugnis, was ihm den Übergang in den Beruf nicht gerade erleichterte. Doch Fries, der bei einem Besuch im Rehazentrum Köln ein Magnettippfeld kennen gelernt hatte, mit dessen Hilfe er elektrische Schreibmaschinen bedienen konnte, wusste inzwischen, was er wollte. Über das Sozialamt und das Arbeitsamt bekam er die nötige Ausstattung, später bei der Stadt Aschaffenburg eine Halbtagsstelle in der Verwaltung der Volkshochschule. Seinen Job übt er als Telearbeit von zu Hause aus, einmal in der Woche kommt er ins Büro. Inzwischen kann er auf 25 Dienstjahre blicken.</p><p>Ob er sich behindert fühlt? „Natürlich habe ich eine schwere Behinderung, doch oft wird man auch von der Umgebung zu einem Behinderten gemacht, zum Beispiel durch Hindernisse wie Stufen und Treppen und bauliche Unzulänglichkeiten, die eigentlich nicht mehr nötig sind. Wenn ich den Glauben – sowohl den festen Glauben an Gott als auch den Glauben an mich selbst – und die wunderbare Fürsorge durch meine Mutter, eine examinierte Krankenschwester, nicht gehabt hätte, hätte ich es nicht geschafft.“ </p><p>Bis vor vier Jahren lebte Fries alleine in seinem Elternhaus, die Eltern sind Ende der 90er Jahre gestorben. Im Jahr 2008 bezog er eine barrierefreie kommunale Wohnung, doch ohne ständige Hilfe kann er seinen Alltag nicht bewältigen. Morgens kommt die Sozialstation für die Körperpflege, während des Tages helfen ihm Arbeits-, Wohn- und Freizeitassistenten. Bis zu zehn Stunden am Tag kann er sie beanspruchen. Sie halten ihm die Wohnung sauber, kochen und kaufen mit ihm ein oder begleiten ihn auf seine Arbeit, in die Stadt oder zu abendlichen Veranstaltungen. Die Gefahr, dass die Krankheit weiter voranschreitet, ist allgegenwärtig. Fries hat inzwischen Probleme mit dem Herzen, auch Knochenbrüche können immer wieder auftreten. „Doch man soll sich von seiner Behinderung nicht beherrschen lassen“, sagt er. Daher geht der Peter-Maffay-Fan auch gerne in Konzerte. Oder zu einem Kochkurs in die barrierefreie Volkshochschule. Er kann zwar nicht selber kochen, doch dabei zu sein, zuzusehen und alles riechen zu können macht ihm großen Spaß. </p><p>Eingeschränkt fühlt sich Fries im Alltag nicht. „Ich bin mit dieser Krankheit aufgewachsen, und habe das Leben daher nie anders kennen gelernt. Es hat alles seinen Sinn im Leben. Jeder von uns hat seine Aufgabe und seine Prüfung zu bewältigen.“ Und er ist sich sicher, gegenüber nichtbehinderten Menschen etwas voraus zu haben. „Mit einer Behinderung wie der meinen lernt man sehr vorausschauend zu denken. Mein Kopf und meine Lebensphilosophie sind mein größtes Kapital.“ </p><p>Der Kampf mit seiner Umgebung um Anerkennung seiner Fähigkeiten hat ihn viel Kraft gekostet und ungeduldig werden lassen. Die Gesellschaft sei immer noch nicht ganz auf solche Menschen wie ihn eingestellt, ist er sich sicher. Noch immer gebe es viele Probleme, vor allem in der Architektur. Doch Fries, eine Kämpfernatur, hat hier schon viel erreicht. Wie sein Vater engagierte er sich in der Behindertenarbeit der Stadt, zuletzt als Vereinsvorsitzender. Sichtbarer Erfolg dieser Arbeit war ein Aufzug, den die Stadtverwaltung in den großen Sitzungssaal des Aschaffenburger Rathauses einbaute. </p><p>Die Mitarbeit in der Behindertenarbeit war Fries nicht genug. In Schweinheim baute er einen integrativen Jugendtreff auf, denn Jugendarbeit, so seine Beobachtung, werde auf vielen Ebenen vernachlässigt. Zweieinhalb Jahre saß Fries im Pfarrgemeinderat, im Vorstand der Aschaffenburger Lebenshilfe ist er auch. Seit 1996 ist er aktives SPD-Mitglied, bei der letzten Kommunalwahl kandidierte er als erster Rollstuhlfahrer um ein Stadtratsmandat. Er hat es verfehlt, konnte sich jedoch – darauf ist er stolz – mit über viertausend Stimmen von Platz 32 auf Platz 28 der Liste vorkämpfen. Die politische Arbeit begleitet er weiterhin im Vorstand des Stadtverbandes und im Unterbezirksvorstand. </p><p>Fries fordert andere Menschen mit Behinderung auf, sich im öffentlichen Leben mehr einzumischen. Das fange schon in der Schule an. „Wir brauchen keine speziellen Sonder- oder Förderschulen, sondern integrative Schulen. Wir sollten es sogar erreichen, dass Klassen von ‚normalen‘ Schülern in eine Förderschule integriert werden. Damit die Kinder zumindest in den Pausen Kontakt miteinander haben.“ Durch diese Trennung in der Gesellschaft fehlten vielen Menschen Berührungspunkte mit Menschen mit Behinderung. Viele hätten Hemmschwellen, auf Menschen wie ihn zuzugehen. Daher sei es umso wichtiger, dass Menschen mit Behinderung selbst aktiv auf andere zugehen, ihre Rechte gegenüber nichtbehinderten Menschen vertreten, in die Politik oder in Vereine gehen. „Sie müssen es aber auch wollen und sich nicht in ihre Behinderung zurückziehen“, mahnt Fries. </p><p>(1711/0473; E-Mail voraus)</p><p>Hinweis für Redaktionen: Fotos abrufbar im Internet</p>]]></content:encoded><category>Im Porträt</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-15233</guid><pubDate>Tue, 21 Feb 2012 16:33:44 +0100</pubDate><title>„Ich habe die Menschen gerne“</title><link>https://pow.bistum-wuerzburg.de/aktuelle-meldungen/detailansicht/ansicht/ich-habe-die-menschen-gerne/</link><description>Pfarrer Gottfried Amendt war über 20 Jahre Seelsorger an den Würzburger Universitätskliniken – „Keine Patentrezepte, aber viel Zeit zum Zuhören“ – Ab September in Missionsärztlicher Klinik aktiv</description><content:encoded><![CDATA[
<p><strong>Würzburg/Ebersbach</strong> (POW) Das Büro von Pfarrer Gottfried Amendt in der Würzburger Uniklinik zeigt, dass sein Leben derzeit im Umbruch ist: Nach mehr als 20 Jahren als katholischer Klinikseelsorger scheidet der 65-Jährige altersbedingt zum 31. Januar aus den Diensten der Universitätsklinik. Schränke und Regale sind schon abgebaut, Bücher stehen in Kisten verpackt im Flur und warten darauf, abgeholt zu werden. Ein Rosenstrauß und eine brennende Kerze machen den verbliebenen kleinen Schreibtisch gemütlich. Weil für Priester die Arbeitszeit regulär mit Vollendung des 70. Lebensjahres zu Ende geht, wird Amendt nach einer Sabbatzeit im September als Klinikseelsorger in der Missionsärztlichen Klinik einsteigen. Zuvor wird er einige Monate mit Exerzitien, Pilgern und Klosterleben auf Zeit verbringen – und sicher mehr als einmal Rückschau halten.</p><p>Viel Veränderung hat er in den mehr als zwei Jahrzehnten in den Universitätskliniken im Würzburger Stadtteil Grombühl seit Dienstbeginn im September 1990 erlebt: Neue Klinikgebäude wurden errichtet. Und die durchschnittliche Verweildauer der Patienten hat sich deutlich verringert. Gleich geblieben ist seine Motivation, die nicht immer leichte Begleitung Kranker und Sterbender sowie deren Angehöriger zu übernehmen: „Ich habe die Menschen gerne“, sagt er mit sonorer Baritonstimme. Das heißt auf seinen Arbeitsalltag übersetzt: Dasein, zuhören, reden, schauen, was möglich ist. Weil er gerne nahe an den Menschen ist, hat Amendt sich bewusst gegen die mit mehr Verwaltungsaufgaben verbundene Leitung einer Pfarrei entschieden, als er nach Kaplansstationen in Bad Neustadt, Kirchlauter und Gerolzhofen sowie 13 Jahren als Rektor des Würzburger Matthias-Ehrenfried-Hauses und Jugendseelsorger des Stadtdekanats Würzburg eine neue Herausforderung suchte. </p><p>Mit einem Todesfall hat der Klinikpfarrer durchschnittlich pro Tag zu tun. Insgesamt rund 1500 Patienten betreut das Team aus katholischen und evangelischen Seelsorgerinnen und Seelsorgern auf den 86 Stationen der Würzburger Universitätskliniken, darunter acht Intensivstationen. „Wenn es ans Eingemachte geht, wird der Glaube für fast alle ein Thema“, weiß Amendt aus Erfahrung. Mal wünschen die Patienten selbst geistlichen Beistand, mal melden sich die Angehörigen, mitunter ist es das Pflegepersonal, das auf das Angebot der Seelsorge hinweist. Manchmal wurde Amendt mitten in der Nacht angefordert, weil jemand im Sterben lag. „Ich finde es wichtig, dass wir als Kirche auf die Menschen zugehen.“ </p><p>Der Alltag in der Klinikseelsorge besteht aus vielen Gesprächen, in denen Menschen Amendt ihre ganze Lebensgeschichte anvertrauen. „Oft ist das unsere erste Begegnung. Umso erstaunlicher finde ich das Vertrauen, das mir entgegengebracht wird.“ Vielleicht liegt es auch an Amendts ruhiger und zugleich aufmerksamer Ausstrahlung. „Mein Vater fiel auf den Tag acht Monate vor meiner Geburt kurz vor Kriegsende in Eberswalde.“ Leid, so konstatiert Amendt, ist ihm also schon vom Mutterleib an vertraut. Für den Halbwaisen war der Großvater eine wichtige Bezugsperson: „Er war eher still, hat mir aber immer das Gefühl vermittelt, dass ich ihm wichtig bin und er mir seine Aufmerksamkeit schenkt.“ Dieses Vorbild und die Tatsache, dass der Tod des Großvaters mitten im Kreis der ganzen Familie in Ebersbach im Spessart ein friedvolles Erlebnis war, habe ihn geprägt, sagt Amendt zurückblickend. „Mein ganzes Leben bezeichne ich als eine großartige Fügung Gottes.“ </p><p>Bei aller Glaubensstärke gibt es sie trotzdem auch in seinem Leben – Fälle, für die es keine Antworten und noch weniger Konzepte gibt: Wenn zum Beispiel die Angehörigen eines 50-Jährigen Familienvaters nach dessen plötzlichen Herzinfarkttod wütend sind vor Trauer; die Mutter, der er auch als erfahrener Priester keine Antwort geben kann, warum ausgerechnet ihre Tochter in jungen Jahren an Krebs sterben musste. „Dann kann ich nur da sein und versuchen, die Menschen anzunehmen und sie zu begleiten.“ Zeit zu haben, ist daher für Amendt oberste Priorität in der Klinikseelsorge. „Wichtig ist außerdem, barmherzig zu sein. Mir steht es weder zu, zu urteilen, noch zu verurteilen.“ </p><p>Ein einfaches Rezept hat der Geistliche aber doch, zumindest was ihn selbst betrifft: „Wichtig ist, abgeben zu können.“ Um bei dem vielen Leid, das ihm täglich begegnet, nicht die Kräfte zu verlieren, setzt Amendt konsequent auf vier Säulen: Gebet und Kontemplation, also Zeit der stillen Meditation, haben einen festen Platz im Tagesablauf. Außerdem wandert Amendt, so oft es ihm möglich ist, in freier Natur, um den Kopf wieder frei zu bekommen. „Früher habe ich auch noch Fußball in meinem Heimatverein gespielt“, sagt der Fan des 1. FC Kaiserslautern. Außerdem besucht er regelmäßig die Supervision und lässt sich von einem Gestalttherapeuten helfen, die eigene Lebensgeschichte aufzuarbeiten. </p><p>Ein Thema ist in den vergangen Jahren, nicht zuletzt des medizinischen Fortschritts wegen, öfters aufgetaucht: Angehörige wollen einen Rat, wenn es darum geht, den mutmaßlichen Willen eines todkranken Familienmitglieds zu lebensverlängernden Maßnahmen zu ergründen. „Hier versuche ich, durch gezielte Fragen zum Leben des Betreffenden eine Hilfestellung zu geben.“ Stapel von Weihnachtskarten, die Amendt zugegangen sind, lassen erahnen, wie vielen Menschen sein Dienst wichtig geworden ist. „Die Anerkennung und Dankbarkeit, die ich erfahre, ist viel mehr als das, was ich den Menschen geben kann“, sagt Amendt in dem für ihn typischen leisen Tonfall. Äußerlichkeiten wie der Ehrentitel „Monsignore“, den er seit 2006 führen darf und lapidar als „Alterserscheinung“ abtut, sind für ihn nebensächlich. Das Element des leidenschaftlichen Pilgers, der insgesamt schon vier Mal zu Fuß nach Santiago de Compostela gelaufen ist, ist die Seelsorge. „Was mir von den 20 Jahren nachdrücklich in Erinnerung geblieben ist, sind die letzten Worte einer Frau, die ich begleiten durfte: ‚Wenn ich heute sterbe und meine Mutter treffe, werde ich ihr gleich sagen, dass ich nach langer Zeit wieder einen Menschen getroffen habe, der mir zugehört hat.‘“</p><p>(0411/0102; E-Mail voraus)</p><p>Hinweis für Redaktionen: Fotos abrufbar im Internet</p>]]></content:encoded><category>Im Porträt</category><category>Berichte</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-8978</guid><pubDate>Tue, 21 Feb 2012 08:36:13 +0100</pubDate><title>Eine rekordverdächtige Amtszeit</title><link>https://pow.bistum-wuerzburg.de/aktuelle-meldungen/detailansicht/ansicht/eine-rekordverdaechtige-amtszeit/</link><description>Dr. Adolf Bauer seit 30 Jahren im Amt des Bischöflichen Finanzdirektors</description><content:encoded><![CDATA[<p><strong>Würzburg</strong> (POW) Er ist der dienstälteste Bischöfliche Finanzdirektor in Deutschland – und wohl weit darüber hinaus. Die Reihe der Finanzchefs der deutschen Diözesen in den vergangenen drei Jahrzehnten kann er aus dem Stehgreif aufzählen, gewürzt mit manch heiterer Anekdote. Im Allgemeinen Geistlichen Rat der Diözese Würzburg, dem engsten Beratergremium des Bischofs, hat er als Chef der Bischöflichen Finanzkammer am längsten Sitz und Stimme. 30 Jahre steht der 64-jährige Dr. Adolf Bauer Anfang Juli 2009 im Amt des Bischöflichen Finanzdirektors. Voller Dankbarkeit, aber auch mit Stolz auf das Erreichte blickt der Finanzchef des Bistums Würzburg auf eine rekordverdächtige Amtszeit zurück.</p><p>Kurz vor der Resignation im Januar 1979 ernennt Bischof Dr. Josef Stangl Adolf Bauer zum 1. Juli 1979 zum Bischöflichen Finanzdirektor. Der aus Thüngersheim stammende 34-jährige Diplom-Volkswirt und Doktor der Sozial- und Wirtschaftswissenschaften wird jüngster Finanzchef einer deutschen Diözese. Seit 1973 ist Bauer bereits im Bischöflichen Ordinariat Würzburg für Sonderaufgaben wie den Aufbau der EDV oder die Planung des Haushalts verantwortlich. Durch sein Elternhaus im Winzerort Thüngersheim ist der junge Finanzchef durch und durch katholisch geprägt. Das Vertrauen des Bischofs und der Diözesanleitung erarbeitet er sich in kurzer Zeit. Für Bauer bedeutet der Dienst in der Kirche eine große Erfüllung, die ihn zeit seines beruflichen Wirkens Angebote von weltlichen Firmen und Einrichtungen ablehnen lässt. Über dreieinhalb Jahrzehnte hält er der Kirche von Würzburg die Treue: „Meine Aufgabe als Bischöflicher Finanzdirektor ist mehr als ein Job. Ich kann für eine gute Sache vieles mitgestalten und verantworten – und vor Arbeit und Verantwortung habe ich mich noch nie gescheut.“</p><p>Bauer startet als Finanzchef mit einem Haushaltsvolumen von rund 52 Millionen Euro, 30 Jahre später umfasst der Haushalt des Bistums 152 Millionen Euro. Die Persönlichkeiten an der Spitze der Diözese wechseln, der Haushalt verdreifacht sich, doch die Probleme bleiben gleich: „Das Geld hat nie ausgereicht, um alle Wünsche und Anregungen zu erfüllen“, sagt Bauer. Prioritätensetzung und eine genaue Festlegung der Reihenfolge der angestrebten Ziele seien deshalb stets nötig, um die Anliegen der Diözese Würzburg und ihrer vielen Kirchenstiftungen umsetzen und finanzieren zu können. In einer ländlich geprägten Diözese wie Würzburg habe er immer auch die kleinste Kirchenstiftung im Blick und versuche, den ortskirchlichen Anliegen nachzukommen. Familien ergänzende Einrichtungen genießen bei Bauers Finanzierungsplänen besondere Beachtung: Kindertageseinrichtungen, Schulen, Studentenheime, Seniorenzentren.</p><p>Bauers Augen leuchten, wenn er an umgesetzte Ideen denkt, die ihm in den 30 Jahren besonders am Herzen lagen: zum Beispiel die Gewinnung und der Ausbau des Guts Heuchelhof und des Markushofs in Gadheim. Sehr zufrieden blickt er auch auf die große Zahl von katholischen Stiftungen, die unter seiner Aufsicht stehen oder durch seine Mithilfe entstanden: 1809 originäre katholische Kirchen- und Pfründestiftungen gibt es in den Pfarreien der Diözese Würzburg, weitere 30 kirchliche Stiftungen mit besonderem Stiftungszweck. Unter Bauers Mitwirkung werden elf dieser Stiftungen gegründet. Der Finanzchef nennt sie, ohne lange nachdenken zu müssen: Caritas-Stiftung Würzburg, Stiftung Kunstsammlung, Franz-Oberthür-Schulstiftung, Abbé-Vogler-Musikstiftung, Maria-Ward-Stiftung und viele mehr. Mit Fleiß und Kompetenz, aber auch mit Teamarbeit in der Finanzkammer und enger Zusammenarbeit im Bischöflichen Ordinariat konnte nach den Worten des Finanzdirektors vieles erreicht werden.</p><p>Geht die Kirche anders mit Geld um als die Welt? Bauer, der stets mit beiden Beinen in der Welt steht und „draußen“ auch zahlreiche Ehrenämter wie das des Bürgermeisters in Würzburg wahrnimmt, sieht zunächst keinen großen Unterschied. Auch die Kirche sei Teil der Volkswirtschaft und von Inflation und Arbeitslosigkeit ebenso abhängig wie säkulare Einrichtungen. Doch – etwas anders gehe sie schon mit Geld um: Die Kirche arbeite finanziell auf lange Sicht. Schnelle und übermäßige Renditen mit hohem Risiko seien nicht Sache der Kirche, die von der finanziellen Hauptquelle, der Kirchensteuer, abhängig ist. „Spenden bewirken viel. Aber die Kirche in Deutschland mit ihren vielfältigen Einrichtungen und öffentlichen Aufgaben bedarf langfristig kalkulierbarer Einnahmen“, sagt Bauer, der über viele Jahre auch Ämter im Verband der Diözesen Deutschlands wahrnimmt.</p><p>Die kommenden Monate dürften für den Finanzdirektor die finanziell schwierigste Zeit werden. Schon manche Klippen hat er mit dem Finanzschiff der Kirche bei Steuerreformen umschifft. Doch eine Zeit wie die aktuelle Wirtschafts- und Finanzkrise habe es in seiner Amtszeit noch nicht gegeben. „Wir rechnen mit einem Rückgang der Einnahmen um rund zehn Prozent. Der wirtschaftliche Tiefpunkt müsste jetzt zwar erreicht sein, doch wirkt sich die Krise zeitlich verzögert auf die Situation der Beschäftigten und damit auch auf die Kirchensteuer aus. 2010 wird finanziell ein sehr schwieriges Jahr“ – und für den Finanzdirektor eine sehr große Herausforderung. Für Bauer wird auch in dieser Zeit die Devise gelten, mit der er 30 Jahre lang für eine solide Finanzplanung der Diözese Würzburg gesorgt hat: Nicht mehr ausgeben, als man einnimmt; bestehende Arbeitsplätze sichern; begonnene Maßnahmen beenden, bevor neue Projekte angegangen werden; mit langem Atem gesteckte Ziele verfolgen, die als richtig erkannt wurden. Beharrlichkeit, Zielstrebigkeit und Ausdauer werden Bauer auch diese Etappe seiner rekordverdächtigen Amtszeit meistern lassen. </p><p><em>bs (POW)</em></p><p>(2709/0769; E-Mail voraus)</p><p>Hinweis für Redaktionen: Fotos abrufbar im Internet</p>]]></content:encoded><category>Im Porträt</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-17716</guid><pubDate>Tue, 21 Feb 2012 06:22:46 +0100</pubDate><title>Ein erfahrener Seelsorger</title><link>https://pow.bistum-wuerzburg.de/aktuelle-meldungen/detailansicht/ansicht/ein-erfahrener-seelsorger/</link><description>Der Miltenberger Pfarrer Ulrich Boom ist neuer Weihbischof in Würzburg und Titularbischof von Sulletto</description><content:encoded><![CDATA[
<p><strong>Würzburg/Miltenberg</strong> (POW) Als er im Juli 2006 die Glocken der Miltenberger Stadtpfarrkirche Sankt Jakobus 20 Minuten lang läuten ließ und so die Kundgebung einer NPD-Jugendorganisation verhinderte, geriet er nicht nur ins Visier der Justiz, sondern auch in die bundesweiten Schlagzeilen. „Camillo von Miltenberg“ titelte die Süddeutsche Zeitung. Der Berliner Tagesspiegel nannte ihn den „Glöckner vom Untermain“. Und vom „Himmlischen Lärm“ sprach das Magazin Spiegel. Manche Charakterisierung hörte er nicht so gern, anderes nahm er mit Humor, viele Reaktionen berührten ihn sehr. Das von der NPD angezettelte Verfahren gegen den „Glöckner“ wurde schließlich auf Veranlassung der Bayerischen Justizministerin eingestellt, der couragierte Pfarrer Ulrich Boom Ende November 2006 mit dem Aschaffenburger Mutig-Preis geehrt. Zwei Jahre später wird dem 61-jährigen Seelsorger aus der Kreisstadt am Untermain eine ganz andere Ehre zuteil: Am Tag des heiligen Bischofs Nikolaus 2008 hat Papst Benedikt XVI. Ulrich Boom zum Weihbischof in Würzburg und Titularbischof von Sulletto ernannt.</p><p>Eigentlich hatte der gebürtige Münsterländer in jungen Jahren völlig andere Pläne. Boom will Ingenieur werden, nachdem er die Ausbildung zum Bauzeichner abgeschlossen und in Münster das Abitur über den zweiten Bildungsweg nachgeholt hat. Über die kirchliche Jugendarbeit findet der 1947 in Alstätte geborene Schneidersohn zum Theologiestudium. Der Grundstein hierfür mag schon im Elternhaus gelegt worden sein. Als Ältester von drei Geschwistern wächst Boom in einer Großfamilie auf, in der vor allem die Großeltern den christlichen Glauben vermitteln. Im Leben des jungen Manns erhält das religiöse Tun im Alltag einen festen Platz, eine Praxis, die er in der heutigen Gesellschaft weitgehend vermisst. Boom studiert Theologie: zunächst in Münster, dann in München und Würzburg. Die Kunstgeschichte lockt ihn auch an die andere Fakultät. Seine theologische Abschlussarbeit verbindet beide Wissenschaften: Boom schreibt über „Das Kreuz in der Kunst der Gegenwart“. Am 25. Februar 1984 erreicht der mittlerweile 36-Jährige nach Schule, Ausbildung, Beruf und Studium sein großes Ziel: Bischof Dr. Paul-Werner Scheele weiht ihn im Würzburger Kiliansdom zum Priester.</p><p>Wie Boom kurz vor der Weihe schreibt, sei ihm auf dem Weg zum Priestertum ein Wort von Frère Roger aus Taizé wichtig geworden: „Lebe das, was du vom Evangelium begriffen hast, und sei es noch so wenig.“ Dies tagtäglich von jedem Einzelnen als Alltagsarbeit angegangen, lasse die Gemeinden zu Orten des gelebten Evangeliums werden, sagt er damals. Für seinen Dienst als Priester in den Gemeinden wünscht er sich, das mitzutragen und mitzuleben. Spirituellen Rückhalt findet er in der Gemeinschaft von Taizé und der Priestergemeinschaft Jesus Caritas, die nach dem Vorbild des seligen Charles de Foucauld Gott mitten in der Welt entdecken und brüderliche Nähe mit den Menschen teilen will. Wichtig ist Boom stets die Gewissheit, dass Gott den Menschen auf den Ab- und Umwegen des Lebens nicht aus den Augen verliert: „Gott geht auch da mit!“ Der Alltag ist für Boom das Entscheidende, der Glaube ein Geschenk. </p><p>Der Neupriester Boom kommt zunächst in die Schweinfurter Pfarrei Sankt Peter und Paul, dann im Mai 1984 als Kaplan nach Baunach. Zwei Jahre später beruft ihn Bischof Scheele bereits auf die erste Pfarrstelle: Boom wird 1987 Pfarrer in Frammersbach, tief im Spessart. Später kommen noch die Nachbargemeinden Habichsthal und Partenstein hinzu, und auch das Amt des Dekans des Dekanats Lohr am Main darf Boom ab 1990 zehn Jahre lang ausüben. Die wachsende Zusammenarbeit mehrerer Pfarreien erlebt er in diesen Jahren hautnah mit und gestaltet die neuen Wege in der Seelsorge. 2000 wechselt er ins Maintal nach Miltenberg, wird Pfarrer der Kreisstadt am Untermain. Zusätzlich engagiert er sich von 1992 bis 2000 als Mitglied im Diözesanpastoralrat, von 1991 bis 2005 als Vorsitzender des Würzburger Diözesanverbands des Deutschen Katecheten-Vereins (DKV) und seit 2003 als stellvertretender Bundesvorsitzender des DKV.</p><p>Boom ist ganz und gar Seelsorger. Stets hat er die Realitäten des Lebens im Blick. Er ist sich bewusst, dass es „um Gott herum heute still geworden ist“. Trotz rückgehender Kirchlichkeit bei vielen Zeitgenossen ist er aber fest davon überzeugt, dass der Mensch religiös und im letzten auch gläubig ist. Die Weckung und die Weitergabe des Glaubens haben für ihn sowohl als Seelsorger im Spessart als auch in Miltenberg oberste Priorität. Die Gemeindekatechese, die Vorbereitung auf die Sakramente, soll die Kirche vor Ort verlebendigen. Was das Zweite Vatikanische Konzil und die Würzburger Synode vorgeben, will er vor Ort umsetzen und sich für eine dialogfähige Kirche einsetzen. Wichtig ist ihm außerdem eine bessere Verbindung von Gemeinde und Schule. Seine Liebe zur Kunst und Kunstgeschichte lässt ihn darüber hinaus geschickt als Bauherrn agieren, wenn es um die Kirchenrenovierungen in Frammersbach und Habichsthal oder die Umgestaltung der Miltenberger Jakobuskirche geht. Bürgermeister Adolf Rüth kann bei der Verabschiedung Booms aus der Spessartgemeinde Frammersbach augenzwinkernd sagen: „Vom Durchsetzungsvermögen des westfälischen Dickschädels habe ich noch etwas lernen können.“ Bischof Hofmann beruft den erfahrenen Kunstexperten vom Untermain 2006 als Vertreter der Seelsorge in die Kunstkommission der Diözese Würzburg.</p><p>Zu den Lieblingsbeschäftigungen des künftigen Würzburger Weihbischofs zählt der Sport. Boom wandert und klettert gerne in den Bergen. Und er hält sich fit auf dem Fahrrad. Seine Touren führen dabei nicht nur durchs Maintal, sondern weit über die Grenzen Frankens hinaus: Per Rad pilgert er nach Santiago de Compostela, besucht Länder Osteuropas und schafft gar den Weg ins Heilige Land. Die Gedanken und Bilder seiner Reise ans Grab des heiligen Jakobus‘ hält er in dem Büchlein „Unterwegs zum Ende der Welt“ fest. Dass der leidenschaftliche Pilger Mitglied der Fränkischen und der Deutschen Sankt Jakobusgesellschaft ist, mag nahezu selbstverständlich sein. Entspannung sucht Boom bei Kunst und klassischer Musik. Da überrascht es dann schon, wenn er gesteht, dass er auch mal die „Toten Hosen“ oder „Pur“ höre. </p><p>Als für Boom der Wechsel von Frammersbach nach Miltenberg anstand, stieg er nicht ins Auto und fuhr zu seiner neuen Pfarrgemeinde. Boom schnürte die Wanderschuhe, nahm den Pilgerstab und machte sich auf den Weg vom Spessart an den Rand des Odenwalds. Übergang und Aufbruch wollte er damit symbolisieren und sich geistig und körperlich dem Neuen und Unbekannten stellen. Wenn er nach Weihnachten Miltenberg hinter sich lassen wird und zu seiner neuen, größeren Aufgabe nach Würzburg aufbricht, darf mit Spannung erwartet werden, ob Boom auch hier zum Pilgerstab greift, ehe ihm Bischof Hofmann dann am 25. Januar 2009 in Würzburg den Bischofsstab überreichen wird. Mit seiner großen Gelassenheit, natürlichen Fröhlichkeit und tiefen Frömmigkeit mag Boom auch dieses große Neuland betreten: „Ich gehe sehr positiv an die Welt heran. Das macht‘s mir vielleicht auch leicht.“</p><p>(5007/1507; E-Mail voraus)</p><p>Hinweis für Redaktionen: Fotos abrufbar im Internet</p>]]></content:encoded><category>Im Porträt</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-8893</guid><pubDate>Tue, 21 Feb 2012 03:03:34 +0100</pubDate><title>2338 Einladungen an Fahranfänger</title><link>https://pow.bistum-wuerzburg.de/aktuelle-meldungen/detailansicht/ansicht/2338-einladungen-an-fahranfaenger/</link><description>Regionalstelle für kirchliche Jugendarbeit wirbt mit Briefaktion für Segensfeier im Landkreis Rhön-Grabfeld</description><content:encoded><![CDATA[
<p><strong>Bad Neustadt</strong> (POW) Die Regionalstelle für kirchliche Jugendarbeit in Bad Neustadt lädt am Freitag, 7. März, um 19.30 Uhr junge Fahranfänger aus dem Landkreis Rhön-Grabfeld zu einer Segensfeier mit Diözesanjugendpfarrer Thomas Eschenbacher in die Kuratiekirche Mariä Geburt im Bad Neustädter Stadtteil Lebenhan ein. Welchen Aufwand die Verantwortlichen im Vorfeld betrieben haben und warum sie sich ausgerechnet an Fahranfänger wenden, erläutert Andreas Hoffelner, Jugendreferent in der Regionalstelle Bad Neustadt, im folgenden Interview.</p><p><em>POW: Herr Hoffelner, wie sind Sie auf die Idee zu einer speziellen Segensfeier für Fahranfänger gekommen?</em></p><p>Andreas Hoffelner: Im Team der Regionalstelle für kirchliche Jugendarbeit in Bad Neustadt haben wir – Dekanatsjugendseelsorger Christian Klug, Regionaljugendseelsorger Günter Kirchner und ich –festgestellt, dass Jugendliche an den für sie wichtigen Punkten im Leben normal nicht unbedingt mit der Kirche in Kontakt kommen. Deswegen haben wir eine Veranstaltung gesucht, um eben diesem Manko entgegenzutreten. Gemeinsam haben wir uns Gedanken darüber gemacht, welche Punkte für Jugendliche besonders bedeutend sind: der 18. Geburtstag und der Erwerb des Führerscheines. Beide Ereignisse fallen in der Regel zusammen. Nachdem im letzten Jahr der Vatikan einen christlichen Verhaltenskodex für den Straßenverkehr veröffentlicht hat und der bayerische Innenminister jüngst neue Maßnahmen gefordert hat, um die Zahl der Verkehrstoten zu senken, glauben wir, mit der Veranstaltung voll im Trend zu sein.</p><p><em>POW: Wie wollen Sie die Zielgruppe konkret ansprechen?</em></p><p>Hoffelner: Dieses Jahr haben wir zum ersten Mal alle Jugendlichen im Landkreis Rhön-Grabfeld, die 2008 volljährig werden oder 2007 volljährig wurden, persönlich angeschrieben. Insgesamt waren es 2338 Briefe. Möglich wurde diese Aktion durch eine Spende von Landrat Thomas Habermann. Eine solche Werbeaktion ist nach meinem Wissen bisher einmalig in der Diözese Würzburg. Zum Glück haben uns und unsere Verwaltungskräfte dabei fünf Ehrenamtliche kräftig unterstützt. Sonst hätte der Versand statt einen ganzen Tag sicher eine Woche gedauert. </p><p><em>POW: Was erwartet die Teilnehmer bei der Segensfeier?</em></p><p>Hoffelner: Die Veranstaltung umfasst einen Teil, der der Einstimmung auf das Thema dient und in einer Bildershow die Thematik Spaß und Verantwortung im Straßenverkehr beleuchtet. Als zweites folgt eine offene Phase mit verschiedenen Stationen, die von den Teilnehmern besucht werden können. Als drittes folgt die Einzelsegnung durch den Diözesanjugendpfarrer Thomas Eschenbacher. Danach gibt es noch einen Film auf Großleinwand und alkoholfreie Cocktails im Pfarrzentrum.</p><p>(0908/0269; E-Mail voraus)</p><p><em><strong>Hinweis für Redaktionen:</strong> Fotos abrufbar im Internet </em></p>]]></content:encoded><category>Im Porträt</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-4004</guid><pubDate>Tue, 21 Feb 2012 01:56:03 +0100</pubDate><title>Liturgie-Experte im Harry Potter-Fieber</title><link>https://pow.bistum-wuerzburg.de/aktuelle-meldungen/detailansicht/ansicht/liturgie-experte-im-harry-potter-fieber/</link><description>Professor Dr. Martin Stuflesser ist neuer Lehrstuhlinhaber für Liturgiewissenschaft an der Universität Würzburg – Schon als Kind hat ihn die Liturgie begeistert und geprägt</description><content:encoded><![CDATA[<p><strong>Würzburg</strong> (POW) Katholische Liturgie bedeutet für ihn weit mehr als der sonntägliche Gottesdienst. Er hat sie sich zum Beruf gemacht. Und die Idee entstand nicht aus einem nüchternen Plan, sondern aus einer emotionalen Verbundenheit heraus. „Schon als Kind war ich von der katholischen Liturgie begeistert, denn sie hat einfach so viel zu bieten“, erzählt Professor Dr. Martin Stuflesser. Zum Wintersemester 2007/2008 ist er neuer Inhaber des Lehrstuhls für Liturgiewissenschaft an der Universität Würzburg und direkt mit großer Motivation in die Arbeit gestartet.</p><p>Geboren wurde der 37-Jährige in Neustadt an der Weinstraße. Viele große Feste erlebte er in Mainz, denn dort kommt seine Mutter her. „Da war immer richtig was los im Mainzer Dom. Als Kind wurde ich da in eine gewachsene Tradition hineingenommen – ein wirklich tolles Gefühl.“ Bei einem Gefühl sollte es nicht bleiben. Stuflesser wurde als Jugendlicher und junger Erwachsener selbst aktiv in der Liturgie: Als Ministrant und vor allem als Musiker, denn er war Kantor, Organist und Chorleiter. Doch die reine Praxis reichte ihm nicht. Nach dem Abitur begann er in Mainz Theologie zu studieren. Dann zogen ihn einige bedeutsame Namen nach Münster – einer davon: der Liturgiewissenschaftler Professor Dr. Klemens Richter, der bis zur Emeritierung im Juli 2005 in Münster lehrte. </p><p>Bei Richter promovierte Stuflesser in den 1990er Jahren, ab 2000 war er sechs Jahre lang sein wissenschaftlicher Mitarbeiter und wurde schließlich Professor. „Klemens Richter besitzt so viel Leidenschaft für sein Fach“, erzählt er. „Und was mich besonders fasziniert hat: Er schafft es auf so schöne Weise, die historische, praktische und systematische Ausrichtung der Liturgiewissenschaft miteinander zu verbinden.“ Richter habe ihn sehr geprägt. „Doch das heißt nicht, dass wir immer einer Meinung waren“, sagt Stuflesser und lacht. „Wir haben so manche theologische Schlacht geschlagen, das war richtig gut.“</p><p>Doch nicht wegen des Fachs allein ist er Liturgiewissenschaftler geworden: „Ich unterrichte einfach wahnsinnig gern.“ In seinem ersten Semester in Würzburg hält er Seminare über die Firmung und über die Sakramente. „Es ist spannend, mit welch unterschiedlichen Erwartungen und Voraussetzungen die Studenten zu den Vorlesungen kommen.“ Im Vergleich zu früher würden die angehenden Theologen heute immer mehr Wert auf die Vernetzung des Studiums mit dem persönlichen Leben legen. „Viele erwarten zum Beispiel, dass im Rahmen von Lehrveranstaltungen auch mal Gottesdienste gefeiert werden – das kenne ich von früher nicht so.“</p><p>Entwicklung und Wandel – bei diesen Stichworten blüht Stuflesser richtig auf. Ganz besonders reizt ihn die Frage, wie sich die Liturgie nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil weiter entwickelt hat und in Zukunft noch verändert. Dass sie sich überhaupt weiter entwickelt – da besteht für ihn kein Zweifel, denn auch in der Kunst oder Musik gebe es schließlich keinen Stillstand. „Wir befinden uns im Moment in einer Phase, wo die Umbrüche der Sechziger noch einmal kritisch reflektiert werden“, erklärt er. In der Diskussion um den alten Messritus, die Tridentinische Messe, rät Stuflesser zur Gelassenheit: „Vielleicht können wir die Wiederzulassung des Tridentinischen Ritus durch Papst Benedikt XVI. einfach auch als Chance begreifen, dass sich verschiedene liturgische Formen und Traditionen gegenseitig bereichern.“ Die Liturgie hat für ihn auch eine missionarische Dimension. „Viele Menschen finden über die Liturgie zum Glauben“; sagt Stuflesser. „Doch dafür muss sie auch etwas bieten.“ Liturgie ließe sich als Dialog begreifen – zwischen den Menschen und Gott. Und deswegen sollte zum Beispiel eine Messe für die Besucher viele Möglichkeiten eröffnen, Gott zu antworten. „Ich wundere mich oft, wie lieblos Liturgie gefeiert wird und woran in Gottesdiensten gespart wird, zum Beispiel an der zweiten Lesung. Dabei ist die eigentlich selbstverständlich vorgesehen.“</p><p>Aber umso vielfältiger eine Liturgie wird, desto mehr Wissen ist nötig, um sie zu verstehen und an ihr teilnehmen zu können. Genau das sei ein großes Problem dieser Zeit, findet der Professor: „Es gibt große Hemmschwellen für Menschen, einen Gottesdienst zu besuchen, wenn ihnen die Liturgie fremd ist und ihnen grundlegendes Wissen fehlt.“ Doch das hieße nicht automatisch, dass die Kirche sie nicht erreichen könne. Die Weihnachtsfeiern für Konfessionslose in Erfurt seien ein gutes Beispiel für solche niederschwelligen Angebote. „Es gibt doch so viele Möglichkeiten, Menschen mit Hilfe der Liturgie anzusprechen und zu begleiten, auch wenn sie der Kirche fern stehen“, findet Stuflesser. „Und wenn es nur einmal im Jahr an Weihnachten ist, bei der kirchlichen Trauung oder bei einer Beerdigung.“ In der Begleitung der Menschen bei wichtigen Ereignissen im Leben habe die Kirche eine große Kompetenz, die sie nutzen sollte.</p><p>Wo die einen Probleme sehen, erkennt der neue Liturgiewissenschaftler der Universität Würzburg Chancen und Möglichkeiten. Selbst die von manchen Theologen so scharf kritisierten „Harry Potter“-Bücher über den Zauberschüler wecken in ihm weder Abneigung noch Zorn, sondern Begeisterung. „Ich bin bekennender ‚Harry Potter’-Fan“, gibt er zu und grinst. Dass alle Bände bei ihm im Büro im Regal stehen, hat auch einen Grund, denn zu der Buchreihe hat er gleich einen Lektürekurs angeboten „In den Büchern steckt unheimlich viel Theologie drin“, sagt Stuflesser. So trage die Hauptfigur Harry Potter doch sehr stark messianische Züge. Und dass in dem Internat für Hexen und Zauberer Weihnachten gefeiert wird, wundert ihn überhaupt nicht. „Jedes Mal passiert in den Büchern an Weihnachten etwas Besonderes“, meint er. Und für welchen Theologen sollte dies nicht ein Grund zur Freude sein.</p><p>(4607/1553; E-Mail voraus)</p><p>Hinweis für Redaktionen: Foto abrufbar im Internet</p>]]></content:encoded><category>Im Porträt</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-4543</guid><pubDate>Mon, 20 Feb 2012 23:58:53 +0100</pubDate><title>Der spirituelle Clubberer</title><link>https://pow.bistum-wuerzburg.de/aktuelle-meldungen/detailansicht/ansicht/der-spirituelle-clubberer/</link><description>Pfarrer Thomas Eschenbacher ab 1. Mai Diözesanjugendseelsorger – Den Weltjugendtag 2008 in Sydney fest im Blick</description><content:encoded><![CDATA[<p><strong>Würzburg</strong> (POW) Derzeit richtet er noch seine Wohnung in Domnähe ein. „Ich freue mich auf die neue Herausforderung als Diözesanjugendseelsorger“, sagt Pfarrer Thomas Eschenbacher, der am 1. Mai seinen Dienst antritt. Seine Leitlinie für das neue Amt: Sehen, welche Bedürfnisse die Jugendlichen haben, und auch die Anliegen der Seelsorger im Blick haben. </p><p>So hat es der 41-Jährige bereits gehalten, als er in den vergangenen acht Jahren zusätzlich zum Pfarrer von Rechtenbach auch Dekanatsjugendseelsorger für das Dekanat Lohr war. „Es ist wichtig, den Jugendlichen vor Ort die Mittel, Schulungen und Unterstützung zukommen zu lassen, die sie für ihr Engagement brauchen.“ Diese Hilfe zur Selbsthilfe darf durchaus spirituell sein. Eschenbacher trägt seine Überzeugung deutlich sichtbar nach außen: Sein blaues Polohemd hat das Signet des Weltjugendtags 2008 in Sydney auf der Brusttasche. „Es gibt ein Bedürfnis der jungen Leute nach geistlichem Input. Spiritualität heißt für mich, dem Glauben insgesamt eine Tiefe zu geben.“ Diese Motivation habe ihn bereits als Jugendlicher in der Schönstatt-Mannesjugend gepackt und ihn für den Priesterberuf begeistert.</p><p>Er müsse nicht 21 sein, um für junge Menschen Begleiter im Glauben zu sein und nahe genug an ihrer Lebenswelt dran zu sein. „Ich will kein Jugendlicher sein, aber für die Jugend da sein. Und das heißt eben nicht, alles zu adaptieren, was die Jugendlichen machen.“ Genug Interessen, die er mit anderen teilen kann, hat er in jedem Falle: den 1. FC Nürnberg, das Musizieren im Chor und mit der Gitarre, Radfahren und Fotografie, um nur ein paar zu nennen.</p><p>In die konkreten Aufgaben seines neuen Amts will Eschenbacher, der in Wipfeld aufgewachsen ist, sich nach und nach einarbeiten. Dazu gehört die Personalführung des Stabs von hauptamtlichen Jugendarbeitern. „Mein Ziel ist es, den Hauptamtlichen zu helfen, ihre Arbeit vor Ort zu tun.“ Das bedeute, die vielfältigen Angebote bekannt zu machen, aber auch sicherzustellen, dass die benötigten Mittel vom Bistum bereitgestellt werden. „Beim Erneuern und Sparen ist es wichtig zu fragen, ob an der richtigen Stelle gespart wird.“</p><p>Die kirchlichen Jugendverbände sieht Eschenbacher als wichtigen Teil der Jugendarbeit an. „Es ist wichtig aber auch im Blick zu haben, dass sie nicht das ganze Spektrum der Jugendlichen abbilden und erreichen.“ Deswegen plant der Diözesanjugendpfarrer, das Angebot des Powerlobpreises, das in Hammelburg, Aschaffenburg und Mellrichstadt existiert, besser zu koordinieren und diesen Aufbruch zu unterstützen. </p><p>Die Kirche spreche heute die Jugend nicht mehr in der Breite an, wie das vor Jahrzehnten noch der Fall war. „Da gibt es etwas aufzuholen. Stichwort: Jugendkirche. Warum soll es nicht ein paar Gotteshäuser im Bistum geben, in denen Innenausstattung, Musik und Liturgie sich etwas moderner präsentieren?“ So könne es gelingen, Jugendliche neu anzusprechen.</p><p>Sehr gute Erfahrung habe er auch mit Offener Jugendarbeit gemacht, berichtet Eschenbacher. Es sei wichtig, dass es Einrichtungen wie das Café Dom@ain im Kilianeum gebe, wo Jugendliche einen Treffpunkt haben. „Dort gibt es Persönlichkeiten, die als kirchliche Ansprechpartner bereit stehen. Es geht nicht darum, jeden zu missionieren, der dorthin kommt; gleichzeitig ist es keinem Gast verboten, sein Interesse an der Kirche zu entdecken.“</p><p>Die persönliche Gottesbeziehung bei den Jugendlichen zu fördern, ist Eschenbacher wichtig. „Sie soll reifen, ohne dass sich jeder seinen Privatgott zimmert. Vielmehr ist mein Ziel, dass jeder es aus dem Glauben heraus schafft, sich auf die Gemeinschaft einzulassen, die ich Kirche nenne.“ Es gehe nicht primär darum, neue Ehrenamtliche für die Jugendarbeit zu rekrutieren. „Wenn die Jugendlichen erkennen, dass Kirche Ihnen etwas Gutes tut, dann ist schon viel gewonnen.“</p><p>Ausbauen möchte der Diözesanjugendpfarrer deswegen auch die Kontakte zu Jugendlichen aus anderen Ländern, wie sie von Verbänden und Pfarreien schon lange gepflegt werden. „Der Glaube der Menschen in Afrika oder Südamerika ist von faszinierender Lebendigkeit und Stärke.“ Deswegen hat Eschenbacher auch ein ehrgeiziges Ziel für den Weltjugendtag 2008 im australischen Sydney: „Mit 200 Jugendlichen aus der Diözese nach Down Under.“ </p><p><em>mh (POW)</em></p><p>(1807/0661; E-Mail voraus)</p><p>Hinweis für Redaktionen: Foto abrufbar im Internet </p>]]></content:encoded><category>Im Porträt</category><category>Berichte</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-3806</guid><pubDate>Mon, 20 Feb 2012 16:20:49 +0100</pubDate><title>Erste Pastoralreferentin i. R.</title><link>https://pow.bistum-wuerzburg.de/aktuelle-meldungen/detailansicht/ansicht/erste-pastoralreferentin-i-r/</link><description>Heide Firnkes tritt als erste Laientheologin in den Ruhestand – Entwicklung des Berufs von den Anfängen bis zur heutigen „Phase des Ordnens“ durchlebt – 
„Ich war stets die erste in einer neuen Aufgabe und konnte Aufbauarbeit leisten“</description><content:encoded><![CDATA[<p><strong>Würzburg/Herbstadt</strong> (POW) Sie studiert als erste Frau im Bistum Würzburg mit den künftigen Priestern in der Zeit des Zweiten Vatikanischen Konzils Theologie. Gemeinsam mit einem Jesuiten bietet sie 1972 Exerzitien an – mit Erlaubnis der Ordensleitung in Rom. Als erste Pastoralreferentin wird sie Mentorin ihrer Berufsgruppe. Später baut sie die Kurseelsorge in der Rhön mit auf, ist am Rhönklinikum in Bad Neustadt als Seelsorgerin tätig, begleitet die Mitarbeiter des Caritasverbands Haßberge und wird 2002 Pfarrbeauftragte im Grabfeld. „Ich war stets die erste in einer neuen Aufgabe und konnte Aufbauarbeit leisten. Das ist wirklich genial.“ Heide Firnkes (63) geht auch in diesen Tagen wieder voran: Als erste Pastoralreferentin der Diözese Würzburg ist sie zum 1. November in den Ruhestand getreten. </p><p>Firnkes hat die Entwicklung des Berufs des Pastoralreferenten von Anfang an persönlich durchlebt: von den ganz großen Aufbrüchen in der Konzilszeit über die Profilierung des Berufs in den 80er Jahren bis hin zur „Zeit des Ordnens“, wie sie die aktuelle Phase dieses jungen Seelsorgeberufs nennt. Dass der Beruf des Pastoralreferenten dem Priesterberuf schaden könne, habe sie in all den Jahren nicht erlebt. „Wir müssen aber klar sehen, dass es diesen Beruf nur im deutschsprachigen Raum gibt.“ Firnkes sieht ihren Beruf eingebunden in die Geschichte – in die Konzilszeit und in die Aufbrüche der Würzburger Synode. </p><p>1962 beginnt die in Oberschlesien geborene Firnkes das Studium der Theologie in Würzburg. „Es gab weder Berufsbilder noch Visionen. An der Bischöflichen Fakultät war ich für den Studiengang Priesteramt eingetragen, was dann aber schnell Volltheologie hieß.“ Die Leidenschaft für Spiritualität und Exegese motivieren sie zu dem Wagnis. Ihre Diplomarbeit schreibt sie bei Professor Dr. Josef Rabas zum Thema „Wort und Antwort. Versuch einer spirituellen Begleitung.“ Im Passauer Priesterseminar absolviert sie auf Wunsch von Generalvikar Justus Wittig den „Bayerischen Pfarrkonkurs“. </p><p>1972 startet sie ihre berufliche Laufbahn in der Diözese Würzburg: Sie leitet Exerzitien und Einkehrtage. Bis heute ist sie neben ihren anderen wechselnden Tätigkeiten der Exerzitienarbeit treu geblieben. Von 1975 bis 1978 ist Firnkes in der Frauenseelsorge, von 1978 bis 1983 in der Krankenhausseelsorge im Luitpoldkrankenhaus in Würzburg tätig. Ab 1978 begleitet sie zusätzlich die künftigen Pastoralassistenten und ist bis 1985 deren Mentorin. Es folgen drei Jahre als Referentin für Spiritualität und Frauenseelsorge, ehe sie in die Rhön wechselt und von 1988 bis 2002 als Kurseelsorgerin in Bad Neustadt und Bad Königshofen die Seelsorge für die Kurgäste aufbaut. Am Rhön-Klinikum wirkt sie zusätzlich von 1988 bis 1993. Letzte Station ihres Berufslebens ist Herbstadt. Sie wird 2002 Pfarrbeauftragte und engagiert sich gleichzeitig als Betriebsseelsorgerin beim Caritasverband für den Landkreis Haßberge – erneut ein Pionierprojekt.</p><p>„Ich habe einen wahnsinnig interessanten Weg mit vielen Themen und Menschen hinter mir, es war aber nie eine Engführung auf das Amt.“ Dem renommierten Würzburger Exegeten Professor Dr. Rudolf Schnackenburg habe sie 1963 geantwortet, sie wolle ihre Charismen in der Kirche leben. Begeisterung für die Kirche ist für Firnkes die Grundvoraussetzung, um als Seelsorgerin zu wirken. Auf den leidenschaftlichen, begeisternden Aufbruchjahren des Konzils voller Visionen baut sie ihre berufliche Zukunft auf. Wichtig ist ihr dabei der Glauben an den eigenen Weg, auch wenn es manchmal dürre Zeiten gebe. Beworben hat sich Firnkes nie um eine Stelle. Sie wird gefragt: Beispielsweise von Generalvikar Wittig, der sie 1978 für den Aufbau der Berufsgruppe der Laientheologen will. Das gegenseitige Vertrauen ist groß: „Ohne Bischof Josef Stangl und Generalvikar Wittig hätte ich den Weg nicht gehen können. Ihr Bild habe ich bis heute über den Schreibtisch hängen.“</p><p>Voll in ihrem Beruf als Pastoralreferentin entfalten kann sie sich in den Jahren unter Bischof Dr. Paul-Werner Scheele. „Er war ein Glücksfall für die Diözese und mich. Ich schätze ihn besonders wegen seiner Theologie, seiner Weltoffenheit und Weite. Bischof Scheele konnte ich stets vertrauen.“ In seiner Amtszeit ist sie beispielsweise als Pfarrbeauftragte in Herbstadt, Breitensee und Ottelmannshausen tätig, eine Zeit, die sie als „genial“ erlebt. Die Seelsorge in diesen ländlichen Gemeinden war „wie eine Blumenwiese, auf der alles geblüht hat. Ich konnte alles miterleben - von der Kinderkatechese bis hin zur Begleitung Sterbender, von Exerzitien im Alltag bis hin zu vielen Gesprächen bei den Hausbesuchen. Es war Leben in Fülle.“ </p><p>Nun steht eine Zäsur an: der Wechsel vom Berufsleben in den Ruhestand. Sehr leise tritt Firnkes in diesen Herbsttagen 2005 in den Ruhestand – „so wie ich begonnen habe“. In der Exerzitienarbeit wird sie weiterhin tätig sein, Einkehrtage geben, neue Ergebnisse der Exegese studieren und die Antonia-Werr-Forschung – ihre „langjährige Liebe“ – weiter verfolgen. „Theologin bleibe ich auch im Ruhestand.“ Persönliches kommt hinzu: das Kinderbuch „Fridolinchen und Augustinchen – zwei Kirchenmäuse“ nur für ihre Familie schreiben, Freundschaften pflegen und Zeit haben für die wesentlichen Dinge des Lebens: „Eine Zeit für Gott, eine Zeit für Menschen, die ich liebe, und eine Zeit in Dankbarkeit für ein erfülltes Leben.“</p><p>bs (POW)</p><p>(4505/1459; E-Mail voraus)</p>]]></content:encoded><category>Im Porträt</category></item></channel></rss>