<?xml version="1.0" encoding="utf-8"?><rss version="2.0"
	 xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"
	 xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom"
	 xmlns:f="http://typo3.org/ns/TYPO3/CMS/Fluid/ViewHelpers"
	 xmlns:n="http://typo3.org/ns/GeorgRinger/News/ViewHelpers"><channel><title>Pressestelle Bistum Würzburg - Nachrichten</title><link>https://pow.bistum-wuerzburg.de</link><description></description><language>de-DE</language><copyright>Diözese Bistum Würzburg</copyright><pubDate>Sat, 06 Jun 2026 03:17:18 +0200</pubDate><lastBuildDate>Sat, 06 Jun 2026 03:17:18 +0200</lastBuildDate><atom:link href="https://pow.bistum-wuerzburg.de/aktuelle-meldungen/reportagen/feed.rss" rel="self" type="application/rss+xml" /><generator>TYPO3 EXT:news</generator><item><guid isPermaLink="false">news-70819</guid><pubDate>Tue, 24 Feb 2026 15:14:13 +0100</pubDate><title>Warten auf den Neuen</title><link>https://pow.bistum-wuerzburg.de/aktuelle-meldungen/detailansicht/ansicht/warten-auf-den-neuen/</link><description>Beobachtungen aus dem Pressekonferenzraum der Frühjahrsvollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz</description><content:encoded><![CDATA[<p class="western"><span style="line-height:100%"><b>Würzburg</b> (POW) „Der Termin verzögert sich um etwa fünf Minuten“, heißt es um 11.30 Uhr. An diesem Dienstagvormittag, 24. Februar, soll der neue Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) bekanntgegeben werden. Im Würzburger Burkardushaus ist der zweitgrößte Konferenzraum für Pressetermine reserviert. Heute kann er das Medieninteresse kaum noch fassen.</span></p><p class="western"><span style="line-height:100%">Schon eine Stunde vor dem avisierten Termin haben die Kamerateams ihre Geräte auf den Stativen vorne im Raum platziert. Sorgsam werden Kabel quer im Raum verlegt, mit denen die Fernsehteams den Ton vom zentralen Raummischpult abgreifen. Die schreibenden Kolleginnen und Kollegen haben sich die wenigen Stühle gesichert und ihre Laptops auf dem Schoß.</span></p><p class="western"><span style="line-height:100%">„Kannst Du bitte mal ins Mikro sprechen, damit wir merken, ob die Mikrofone schon eingeschaltet sind?“, fragt ein Fernsehmann einen Fotografen der Katholischen Nachrichtenagentur. Mit sichtlicher Freude tritt dieser nach vorne und spricht ein paar Sätze in Richtung der Kollegen.</span></p><p class="western"><span style="line-height:100%">„Diese zwei Kameras hier sind im Livestream der DBK zu sehen. Seht bitte zu, dass Ihr nicht durchs Bild lauft, wenn Ihr die Seite wechselt“, bekommen die Fotografen zugerufen, die vor den Fernsehkameras am Boden sitzen oder kauern. „Was, wir sind nicht durchsichtig?“, entgegnet eine Social-Media-Redakteurin mit gespielter Überraschung.</span></p><p class="western"><span style="line-height:100%">Hinten hat sich zwischenzeitlich Kardinal Reinhard Marx in den Raum geschlichen. Von einem Stuhl aus beobachtet und kommentiert er das Geschehen.</span></p><p class="western"><span style="line-height:100%">„Haste schon gesehen?“ Ein Fotograf zeigt seinem Nebenmann eine Meldung aus dem Internet: „Bischof Bentz aus Paderborn neuer Vorsitzender der DBK“. Nur blöd, dass drüber der Veröffentlichungszeitpunkt zu lesen ist: „Vor 5 Stunden“. Da wäre die Wahl ja noch vor dem morgendlichen Gottesdienst im Neumünster über die Bühne gegangen.</span></p><p class="western"><span style="line-height:100%">Dann öffnet sich die Seitentüre und der scheidende Vorsitzende Bischof Dr. Georg Bätzing, DBK-Generalsekretärin Dr. Beate Gilles, DBK-Pressesprecher Dr. Matthias Kopp und ein weiterer Bischof betreten den Raum. „Wilmer, es ist Wilmer“, erklärt ein mit dem Thema Kirche vertrauter Journalist den Leuten neben sich.</span></p><p class="western"><span style="line-height:100%">Es folgen Statements der Personen auf dem Podium, Fragen an den neuen Vorsitzenden, dann noch ein Foto der Gruppe vor dem Logo der Bischofskonferenz. Schnell schwärmen die Medienleute im Anschluss in die verschiedenen Ecken des Burkardushauses aus. Die Meldungen müssen produziert und unters Volk gebracht werden. „Wilmer. Was will mer mehr“, ruft ein Reporter seinem Kollegen schmunzelnd zu.</span></p><p class="text-right">Markus Hauck (POW)</p><p>(0926/0217; E-Mail voraus)</p><p><em><strong>Hinweis für Redaktionen: </strong>Fotos abrufbar im Internet</em></p>]]></content:encoded><category>Reportagen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-69574</guid><pubDate>Tue, 23 Dec 2025 16:39:43 +0100</pubDate><title>Bei „Stille Nacht“ wird’s emotional</title><link>https://pow.bistum-wuerzburg.de/aktuelle-meldungen/detailansicht/ansicht/bei-stille-nacht-wirds-emotional/</link><description>Bischof Dr. Franz Jung feiert mit Gefangenen und Bediensteten in der Justizvollzugsanstalt Würzburg einen weihnachtlichen Gottesdienst</description><content:encoded><![CDATA[<p class="Dachzeile1"><strong>Würzburg </strong>(POW) Verlegen reibt sich bei den Klängen von „Stille Nacht“ der eine oder die andere übers Gesicht: Insgesamt rund 240 weibliche und männliche Gefangene der Justizvollzugsanstalt (JVA) Würzburg haben sich am Dienstagnachmittag, 23. Dezember, in der Hauskapelle versammelt, um mit Bischof Dr. Franz Jung und Bediensteten und Ehrenamtlichen der JVA einen der zwei ökumenischen weihnachtlichen Gottesdienste zu feiern.</p><p>Es sind vermutlich die belastendsten Tage im Jahr für die aktuell rund 540 Frauen und Männer in der JVA Würzburg: Während andere zuhause bei ihren Familien um den Christbaum versammelt feiern, sitzen sie an Heiligabend und an den Weihnachtsfeiertagen oft einsam hinter verschlossenen Türen in ihren Zellen. Ein kleiner Lichtblick ist die ökumenische Christvesper.</p><p>„Viele Gefangene sind in diesen Tagen besonders bedrückt, vor allem diejenigen, die diese Zeit zum ersten Mal in der JVA erleben“, beschreibt die katholische Gefängnisseelsorgerin Pastoralreferentin Doris Schäfer die Stimmung hinter Gittern an Weihnachten. Familie und Freunde könnten in dieser Zeit nur eingeschränkt zu Besuch zugelassen werden. Weil zudem die JVA-Betriebe wegen der Feiertage geschlossen seien, entstehe viel Leerlauf. „Wir bieten besonders gutes Essen an. Es gibt Wild, Braten und Geflügel“, sagt JVA-Chef Leitender Regierungsdirektor Ullrich Mann.</p><p>Zu Beginn des Weihnachtsgottesdienstes am Tag vor Heiligabend begrüßt Schäfer alle, die zum Gottesdienst in die JVA-Kapelle gekommen sind, besonders Bischof Jung. Zwei Vertreter der Deutschen Pfadfinderschaft Sankt Georg (DPSG) und Pfadfinderinnenschaft Sankt Georg (PSG) aus Würzburg-Lengfeld bringen das Friedenslicht von Betlehem an die Krippe.</p><p>In seiner Predigt nach dem Weihnachtsevangelium spricht Bischof Jung über das „Friedensangebot Gottes an uns Menschen“. Ausgangspunkt seiner Predigt ist das Adventslied „O Heiland, reiß die Himmel auf“. Darin heißt es unter anderem: „Reiß ab vom Himmel Tor und Tür, reiß ab, wo Schloss und Riegel für.“ Der Bischof schlägt einen Bogen zwischen den verschlossenen Gefängnistüren und den inneren Schlössern des Lebens – Schuld, Angst und Verzweiflung. Weihnachten, sagt der Bischof, sei das Zeichen, dass Gott selbst die Himmelstür öffne und Frieden anbiete. Jesus komme besonders zu denen, die sich eingeschlossen fühlen. Mit ihm könne Versöhnung beginnen – mit sich selbst, mit anderen und mit Gott.</p><p>Die Fürbitten bringen zur Sprache, was die Menschen hinter Gittern bewegt: Sie beten unter anderem für Menschen, die von ihrer Familie getrennt sind, die einsam und ausgegrenzt sind, für die Opfer von Krieg und Vertreibung, für die Verantwortlichen in Politik und Gesellschaft.</p><p>Musikalisch engagieren sich zahlreiche Frauen und Männer für den weihnachtlichen Gottesdienst. Zum Beispiel der Frauenchor der JVA unter der Leitung von Julia Apel und der CVJM-Posaunenchor Würzburg unter Leitung von Bernhard Hönig. Zwei weibliche Häftlinge gestalten ein szenisches Spiel, das die Gefühlslage der Gefangenen verdeutlicht. Die evangelische Pfarrerin Astrid Zeilinger und Pastoralreferent Georg Ruhsert tragen das Weihnachtsevangelium vor. Rund 60 Ehrenamtliche, die sich in der Würzburger JVA engagieren, feiern die Vesper mit. Prominente Gäste sind unter anderem die Landtagsabgeordneten Volker Halbleib und Dr.&nbsp;Andrea Behr.</p><p>JVA-Chef Mann wünscht den Gefangenen am Ende des Gottesdienstes ein frohes Weihnachtsfest. „Es ist nicht einfach, Weihnachten ohne Freunde und Familie verbringen zu müssen. Kümmern Sie sich bitte umeinander, wenn Sie merken, jemand braucht Trost. Und denken Sie bitte auch daran, dass auch meine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter lieber an Weihnachten bei ihren Familien wären, aber ihren Dienst tun. Lassen Sie uns gemeinsam ein friedvolles Fest feiern.“</p><p>Bevor nach dem Segen „Stille Nacht“ erklingt, dankt Gefängisseelsorgerin Schäfer dem Bischof, der die ermutigende Botschaft der Weihnacht zum Abschluss des Heiligen Jahres den Gefangenen nahegebracht habe. Als Ausdruck des Danks überreicht sie ihm ein Buch mit Gedanken, Gebeten und Liedern von Gefangenen aus ganz Deutschland. Es ist zum „Jahr der Hoffnung“ als Gemeinschaftsprojekt der deutschen Gefängnisseelsorge enstanden. Das Original hat sie vor wenigen Tagen bei einer Generalaudienz in Rom gemeinsam mit Weihbischof em. Ulrich Boom dem Papst überreicht.</p><p>Danach warten wieder die Zellen auf die Gefangenen. Bischof Jung verabschiedet sie am Ausgang der Kapelle. „Frohe Weihnachten!“, wünscht der Bischof jedem Häftling und überreicht jeweils eine Weihnachtskarte.</p><p><span style="font-size:10pt"><span style="font-family:Arial,sans-serif"><i>Markus Hauck (POW)</i></span></span></p><p><span style="font-size:10pt"><span style="font-family:Arial,sans-serif">(0126/0022; E-Mail voraus)</span></span></p><p><span style="font-size:10pt"><span style="font-family:Arial,sans-serif"><b><i><u>Hinweis für Redaktionen:</u></i></b><i> Fotos abrufbar im Internet </i></span></span></p>]]></content:encoded><category>Reportagen</category><category>Bischof Franz Jung</category><category>Würzburg</category><category>Advent und Weihnachten</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-69558</guid><pubDate>Tue, 23 Dec 2025 10:56:43 +0100</pubDate><title>„Alle Kerzen brennen am Ende für den lieben Gott“</title><link>https://pow.bistum-wuerzburg.de/aktuelle-meldungen/detailansicht/ansicht/alle-kerzen-brennen-am-ende-fuer-den-lieben-gott/</link><description>In der Wachswarenfabrik Theodor Schenk werden seit 275 Jahren Kerzen für Kirchen und Christbäume hergestellt</description><content:encoded><![CDATA[<p><strong>Würzburg </strong>(POW) Durch eine große, schwere Holztür in der Rosengasse 14 in Würzburg geht es über einen kleinen Hof in die Wachswarenfabrik Theodor Schenk. Beim Betreten steigt der Duft von Kerzenwachs in die Nase, und die Kälte weicht einer wohligen Wärme. Dort, wo keine großen Maschinen oder Wachsfässer stehen, sind auf dem dunklen Steinboden kleine Macken und knopfgroße Wachsflecken sichtbar. Aus Nebenräumen sind Maschinengeräusche zu hören. In der Mitte der Fabrikhalle fallen goldfarbene Kerzen auf, die wie Kronleuchter an vielen kleinen Haken von der Decke hängen. Sie haben eine glänzende, glatte Oberfläche, mit getrockneten Tröpfchen am Ende der Kerze. Daneben hängen weitere Kerzen mit rauer, matter Oberfläche. Sie wirken wie eine unfertige Kopie der goldglänzenden Exemplare.</p><p>„Die werden nachher noch eingetaucht“, sagt Martin Schenk und öffnet ein Fass mit flüssigem Wachs. Er ist Wachsziehermeister und einer der Eigentümer des Fachbetriebs, der in der neunten Generation geführt wird. Sein Blick fällt in die Ecke des Raumes, wo eine kleine Sammlung verschiedener Kerzen steht, die bereits halb abgebrannt sind. „Hier testen wir die Brenndauer der Kerzen“, sagt Schenk und pustet eine Kerze aus.</p><p>Er guckt auf die Uhr und geht weiter durch die Fabrikhalle. Vorbei an Beschäftigten, die Kerzen schneiden oder einpacken, geht er in einen großen Glaskasten in der Mitte der Halle hinein. Als die Tür zufällt, wird es plötzlich ruhig. Die Maschinen sind nur noch leise Hintergrundgeräusche. An diesem Ruheort der Wachswarenfabrik arbeiten Schenks Mutter, Theresia Schenk, und seine Schwester, Michaela Kraft. Beide sind Wachsbildnerinnen und Miteigentümerinnen des Fachbetriebs. Sie verzieren hier täglich verschiedene Kerzen. Osterkerzen, Weihnachtskerzen oder Jubiläumskerzen brauchen eine ruhige Hand und viel Geduld. Mit ihrem Werkzeug hantieren sie wie bei einer Operation, um die Kerzen zu verzieren.</p><p>Zurück in der Fabrikhalle geht Schenk zu einer länglichen, breiten Maschine und schaltet sie ein. Es handelt sich um eine Wachszugmaschine von 1949, das Herzstück der Fabrik. Sie wird vor allem für die Herstellung von Christbaumkerzen eingesetzt. Auf zwei großen, sich drehenden Walzen, den Zugtrommeln, sind 386 Meter Kerzendocht aufgespannt. Die Enden des Dochts sind miteinander verbunden. So entsteht ein Kreislauf, in dem der Docht konstant durch ein Becken mit flüssigem, dampfendem Wachs gezogen wird. Nach dem Wachsbecken wird der Docht glattgestrichen und begradigt, damit keine Wachsrückstände zurückbleiben. Auf dem langen Weg über die Zugtrommeln kühlt das Wachs ab. Im Wachsbecken wird dann eine weitere Schicht Wachs auf den Docht aufgetragen. Schenk begutachtet den Prozess genau. Immer wieder streicht er leicht über die Fäden, die noch so dünn aussehen, als ob sie schon bei der kleinsten Berührung reißen könnten.</p><p>„Das Ziehen, wie wir es hier machen, ist ein altes Handwerk. Das macht heute fast keiner mehr“, sagt Schenk. Größere Betriebe, welche die Kerzenherstellung voll automatisiert haben, können Kerzen schneller und billiger produzieren. Auch die Berufsbezeichnung Kerzenzieher gebe es nach einer EU-Verordnung streng genommen nicht mehr. Martin Schenk hält dennoch an dem traditionellen Verfahren fest: „Die Qualität der gezogenen Kerze aus Bienenwachs ist immer noch unübertroffen.“ Gerade in der Kirche müssten die Kerzen bestimmte Anforderungen erfüllen. „In einer Kirche ist es normalerweise recht kühl, aber durch die vielen Leute wird es auch mal wärmer und dann geht auch mal ein Luftzug durch die Kirche“, sagt Schenk.</p><p>In diesem Jahr feiert die Wachswarenfabrik Theodor Schenk ihr 275-jähriges Bestehen. Martin Schenk sagt, dass jede Generation mit den Herausforderungen der Zeit umgehen musste: Erster Weltkrieg, Zweiter Weltkrieg oder Währungsreform. In der heutigen Zeit seien vor allem der fehlende Priester- und Ordensnachwuchs und die Kirchenaustritte ein Problem. „Wenn kein Gottesdienst mehr gefeiert wird, braucht es auch keine Kerzen mehr“, sagt Schenk. Was die Christbaumkerzen angeht, bemerke er in den vergangenen Jahren eine steigende Nachfrage: „Die Menschen erinnern sich daran, wie schön es ist, echte Kerzen am Christbaum zu haben.“</p><p>Immer wieder ertönt ein Rattern, wenn er durch kleine Handgriffe Änderungen an der Maschine vornimmt. Nach ungefähr einer Stunde sind aus den dünnen Dochtfäden weiße, stiftdicke Wachsstränge geworden. Sie gleichen jetzt mehr einer Vielzahl an dicken Nudeln. Dennoch ist es noch ein weiter Weg bis zur fertigen Christbaumkerze. Zuvor müssen erst einzelne Kerzenstücke geschnitten werden, welche noch gefräst und händisch einzeln gesäubert werden müssen. Aus der 386 Meter langen Dochtschnur werden am Ende knapp 3000 Christbaumkerzen, was ungefähr 175 Päckchen ergibt. Kurze Zeit später ist die richtige Dicke der Kerzen erreicht. Schenk verlangsamt die Walzen der Maschine. Die Kerzen müssten erst abkühlen, bevor es weitergeht. Erfolgt das Abkühlen zu schnell, könnten die Kerzen brechen.</p><p>Nach etwa zehn Minuten trennt Schenk mit einem Messer den Kreislauf des mit Wachs überzogenen Kerzendochts. Die beiden Enden werden dann durch zwei kleine Ringe in die Schienen einer Schneidemaschine geleitet. Nach einem Knopfdruck ertönt ein lautes Zischen und Klacken. Die längliche Maschine schneidet rhythmisch im Takt den eingeführten Kerzenstrang. Im nächsten Schritt werden die geschnittenen Kerzenstücke von der Maschine gefräst. Damit erhalten sie den typischen konisch zulaufenden Kerzenkopf. Danach werden die Kerzen automatisch in ein Auffangbecken geleitet und von Mitarbeiterinnen in eine Holzkiste gelegt.</p><p>Nach einem kurzen und skeptischen Blick auf die fertigen Stücke nimmt Schenk eine abgeschnittene Kerze in die Hand und legt einen Zollstock an. Die Maschine hat die Stücke minimal zu groß geschnitten. Schenk hat das mit bloßem Auge sofort erkannt. Nach kurzem Anpassen des Maschinenarms geht es weiter. Nach und nach füllt sich die Holzkiste mit Kerzen. Nachdem die letzte Kerze geschnitten und gefräst ist, schaltet Schenk die Maschine aus. Die Holzkiste tragen er und eine Mitarbeiterin unter großer Anstrengung in das Lager, wo schon etliche mit Kerzen gefüllte Kisten stehen.</p><p>Für Martin Schenk, ein gläubiger Christ, ist das Herstellen von Kerzen für Kirchen oder Christbäume etwas Besonderes. Seine Arbeit sei für ihn und sein Team eng mit dem Glauben verbunden: „Wenn ich Opferkerzen herstelle und dann die fertigen Kerzen abends angucke, denke ich: Jede Kerze steht für eine Bitte, einen Dank oder ein Gebet.“ Während das Dampfen und Klacken der Maschinen im Hintergrund ertönt, sagt er: „Alle Kerzen brennen am Ende für den lieben Gott.“</p><p class="text-right">pdf(POW)</p><p>(0126/0020; E-Mail voraus)</p><p><em><strong>Hinweis für Redaktionen: </strong>Fotos abrufbar im Internet</em></p>]]></content:encoded><category>Reportagen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-68062</guid><pubDate>Tue, 14 Oct 2025 14:56:55 +0200</pubDate><title>Rettung mit besonderen Ausblicken</title><link>https://pow.bistum-wuerzburg.de/aktuelle-meldungen/detailansicht/ansicht/rettung-mit-besonderen-ausblicken/</link><description>Höhenrettung in Würzburger Neumünster und Marienkapelle – Berufsfeuerwehr übt für den Ernstfall – Teamfähigkeit und körperliche Fitness gefragt</description><content:encoded><![CDATA[<p><strong>Würzburg</strong> (POW) Dumpf hallen Gesprächsfetzen durch den Kirchenraum des Würzburger Neumünsters. Sie kommen von der Kuppel, 40 Meter über den Bänken. „Dann steige ich noch ein bisschen rauf“, „Kann ich hoch?“, sind einzelne Sätze der Feuerwehrleute zu verstehen, die hier in schwindelerregender Höhe an der Arbeit sind. Sie üben für den Ernstfall. Sollte auf dem Kirchendach oder im Gebälk ein Unfall passieren, gibt es keinen anderen Rettungsweg als über die Kuppel.</p><p>###GALERIE###</p><p>Durch eine kleine Luke, die ins Gebälk des Neumünsters führt, fällt ein einzelner Karabiner und baumelt hoch oben in der Luft. Ein Seil folgt und dann die Beine knallroter Feuerwehruniformen. Ganz langsam erscheinen zwei Körper, die am Seil herabgelassen werden – Meter für Meter. Bei den beiden Männern handelt es sich um Berufsfeuerwehrmann Tobias Klopf und einen Kollegen, der heute die verunfallte Person spielt.</p><p>„Heute war das Szenario angenommen, dass ein Mitarbeiter der Dachdeckerfirma Reparaturarbeiten am Dach der Kirche gemacht hat“, erklärt Klopf. Dabei hat er sich verletzt, er kann noch sitzen und muss am Seil gerettet werden. Das bedeutet für die Feuerwehrleute der Höhenrettung: Im engen Raum im Dachstuhl Sicherungen festmachen, in 40 bis 50 Metern Höhe jeden Karabiner genau prüfen und den Patienten sicher zum Boden bringen. Das ist geschafft. Klopf ist zufrieden: „Die Rettung hat soweit gut geklappt“, sagt er.</p><p>Wenige Stunden später knien Klopf und seine Kollegen erneut in einem engen Gebälk. Im Glockenturm der Marienkapelle liegt eine Person auf einer mannsgroßen Plastiktrage. Über ihr hängt eine der Glocken. Bei der Person soll es sich diesmal um eine Glockenmonteurin handeln. Die Höhenretter nehmen an, dass ihre Patientin stärker verletzt ist. Sie muss im Liegen gerettet werden. Die Rettung soll über die Fassade erfolgen. Denn die Marienkapelle bietet auf dem Dach mit ihren Steingeländern mehr Sicherungspunkte für Seile und Karabiner als das Neumünster. Vorher müssen die Feuerwehrleute aber noch an einem Vordach vorbei. Die „Retter“ bauen eine Art Seilbahn direkt zum Unteren Markt. 200&nbsp;Kilogramm hängen an dem Seil, das nach unten gelassen wird. Der „Retter“ klettert über die Brüstung – mit dem Ausblick über Würzburg. Im Hintergrund liegen die Festung und Weinberge. Die roten Dächer der Häuser am Unteren Markt wirken klein wie Spielzeughäuser.</p><p><iframe src="https://bistumwuerzburg.podigee.io/230-hohenrettungsubung/embed?context=external" style="border: 0" border="0" height="380" width="100%"></iframe></p><p>Hier oben müssen die Feuerwehrleute schwindelfrei und körperlich fit sein. Jeder Schritt muss gut überlegt werden. Die Aufstiege sind anstrengend. Die Wege auf das Dach sind manchmal schwer zugänglich. Es geht über schmale Treppen und einzelne Feuerwehrstiegen. Zusätzlich muss die Ausrüstung bis nach oben transportiert werden. „Jetzt waren wir hier in der Marienkapelle gut zweieinhalb Stunden damit beschäftigt, die Person aus dem Glockenturm zu holen“, sagt Andreas Baumann, Leiter der Höhenrettung Würzburg. Die Höhenretter sind die Einzigen im Umkreis, die in dieser Lage helfen können. Bei Kirchen müssen die Retter auch immer wieder besondere Dachformen oder Türme beachten. „Die gibt es bei anderen Gebäuden eher selten“, sagt Klopf. Aber: „Je öfter man es übt, in der Höhe zu arbeiten, umso sicherer kann man sich dort bewegen.“ Besonders Spaß macht Klopf die Teamarbeit hier oben – und das Arbeiten in der Höhe im Allgemeinen. „Man gewinnt einmalige Ausblicke, die man sonst niemals sehen würde.“</p><p>Heute ist es gleich zweimal der Überblick über die gesamte Würzburger Innenstadt, während die Plastiktrage mit seiner Kollegin sicher am Seil hinunter auf den Marktplatz gleitet. Die Kirchenhöhenrettung ist geschafft.</p><p class="text-right"><em>Christina Denk (Internetredaktion)</em></p><p>(4225/1057; E-Mail voraus)</p><p><strong><em>Hinweis für Redaktionen:</em></strong><em> Fotos abrufbar im Internet</em></p>]]></content:encoded><category>Dom und Neumünster</category><category>Reportagen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-65584</guid><pubDate>Mon, 19 May 2025 17:09:43 +0200</pubDate><title>„Umwege führen zum Segen Gottes“</title><link>https://pow.bistum-wuerzburg.de/aktuelle-meldungen/detailansicht/ansicht/umwege-fuehren-zum-segen-gottes-1/</link><description>Siebte Ökumenische Kreuzbergwallfahrt mit fast 400 Gläubigen – „Das war ein ganz besonderer Moment“
</description><content:encoded><![CDATA[<p><strong>Kloster Kreuzberg </strong>(POW) Ausgestattet mit Wanderschuhen, Rucksäcken und Spazierstöcken sind am Samstag, 17. Mai, zirka 400 Pilgerinnen und Pilger zur ökumenischen Kreuzbergwallfahrt aufgebrochen. Vom Wanderparkplatz in Sandberg ging es hinauf zur Klosterkirche auf dem Kreuzberg, dem heiligen Berg der Franken. Gemeinsam mit Bischof Dr. Franz Jung und Regionalbischöfin Gisela Bornowski begann die Gruppe den gemeinsamen Tag mit dem Lied „Morgenstern leuchtet“. Bischof Jung und Regionalbischöfin Bornowski eröffneten die Wallfahrt, die unter dem Motto „Gemeinsam unterwegs als Pilger der Hoffnung“ stand. „Hoffnung ist nicht nur eine Haltung, sondern ein Weg, den man geht“, sagte Bischof Jung. Es gehe bei der Wallfahrt darum, „immer nach vorne zu schauen und zu wissen, dass Gott mit uns geht durch die Höhen und Tiefen“. Auch Regionalbischöfin Bornowski begrüßte die Gruppe: „Man sagt: Wenn man auf den Berg steigt, kommt man anders runter als man hochgestiegen ist.“ Die Wallfahrt könne die Gläubigen in ihrer Hoffnung stärken.</p><p>Zum siebten Mal sind Jung und Alt zur ökumenischen Kreuzbergwallfahrt aufgebrochen. Der thematische Stationenweg griff die Geschichte Jakobs aus dem Alten Testament auf. Die einzelnen Stationen beschäftigten sich mit den Wegen und Umwegen des Lebens sowie Orten der Glaubensbegegnung. Die Firmlinge aus Langenleiten gestalteten gemeinsam mit Pastoralreferent Johannes Krebs den ersten Halt. Sie stellten ein großes, buntes Holzkreuz auf, auf dem sie Symbole anbrachten: eine Welle als Zeichen der Höhen und Tiefen, die Menschen aushalten müssen. Einen Anker, der symbolisch für das steht, was Halt im Leben gibt: Familie, Freunde und der Glaube. Sowie das Symbol einer Gruppe, die für die Gemeinschaft steht. Das Kreuz repräsentierte die Himmelsleiter, die in der Erzählung im Alten Testament Jakob erschien. Zum Abschluss der Station verteilten die Firmlinge „Pilger der Hoffnung“-Sticker an die Wallfahrerinnen und Wallfahrer.</p><p>Nach einem weiteren, etwas steileren Abschnitt erreichte die Gruppe eine Lichtung, auf der sich erstmals der Blick über die Rhön eröffnete. Der evangelische Pfarrer und stellvertretende Dekan im Dekanatsbezirk Bad Neustadt an der Saale, Andreas Werner, leitete die nächste Station ein. Unter einer Abdeckung verbarg sich ein Schild, das von Diakonin und Dekanatsjugendreferentin Christina Studtrucker aufgedeckt wurde. Darauf stand: „Umleitung“. „Manchmal führen uns Umwege an Orte, die wir sonst nie entdeckt hätten im Leben“, sagte Werner. „Wohin führt unsere Umleitung? Vielleicht wartet dort eine Überraschung auf uns. Wir kehren um, wir gehen zurück, denn Umwege bleiben uns nicht erspart. Aber sie führen dahin, wo wir noch nicht waren. Lasst uns gehen!“</p><p>Der sogenannte „Umweg“ führte die Gruppe über eine Wiese an eine kleine Quelle, an der Bischof Jung und Regionalbischöfin Bornowski den Einzelsegen spendeten. Die Wallfahrer waren eingeladen, sich ein Kreuzzeichen auf die Hand oder Stirn geben zu lassen. Das Angebot wurde begeistert angenommen. Für viele war es ein emotionaler Moment. Joachim Markert aus dem Dekanatsbüro in Grabfeld, der die Kreuzbergwallfahrt mitorganisiert hat, beschrieb es so: „Der Umweg führt zum Segen Gottes. Das ist oftmals auch so, wenn man auf seinen eigenen Lebensweg zurückblickt, dass man gerade in Schwierigkeiten und auf Umwegen den Segen Gottes am meisten spürt.“</p><p>In Stille ging es hinauf zu einer weiteren Station, an der ein Psalm gebetet wurde. Die Station erinnerte die Wallfahrerinnen und Wallfahrer daran, wie wichtig es ist, im Frieden miteinander zu leben. Gott habe Jakobs Gebet erhört und ihm in vielen Situationen seines Lebens geholfen. Auch die Gläubigen könnten auf den Zuspruch Gottes vertrauen.</p><p>Nach zirka zwei Stunden erreichte die Gruppe das Gipfelkreuz. Dort bot sich eine tolle Kulisse: Es wartete eine gedeckte Tafel mit Körben voller Brot und Weintrauben. Die Gläubigen nahmen auf Bänken und im Gras unter den Bäumen um die Tafel herum Platz. Bischof Jung und Regionalbischöfin Bornowski luden zum Agapemahl ein. Musikalische Unterstützung erhielten sie dabei durch eine Blasmusikgruppe um Erika Euring aus Bastheim, die speziell für die Wallfahrt zusammengestellt wurde. „Seid fröhlich als Menschen der Hoffnung. Bleibt standhaft in aller Bedrängnis und lasst nicht nach im Gebet“, sagte Bischof Jung. „Lasst uns nun miteinander essen und trinken. Wir tun dies verbunden im Frieden Gottes untereinander“, sagte Regionalbischöfin Bornowski und lud die Pilgerinnen und Pilger ein, sich gegenseitig den Frieden zu wünschen.</p><p>Nach dem Teilen von Brot und Weintrauben und dem gemeinsamen Essen sang die Gruppe den Kanon „Danket dem Herrn, denn er ist freundlich“. Die Bischöfin und der Bischof spendeten den Wallfahrern gemeinsam den Segen. Vor dem Aufbruch zur letzten Station spielte die Musikgruppe das Frankenlied, das nach Bischof Jung „auf dem Berg der Franken nicht fehlen“ dürfe.</p><p><iframe width="560" height="315" src="https://www.youtube.com/embed/lRGPOGFWOOk?si=-8Ry_6BeY3h94YXZ" title="YouTube video player" frameborder="0" allow="accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share" referrerpolicy="strict-origin-when-cross-origin" allowfullscreen=""></iframe></p><p>Abschließend ging es vorbei an der Kreuzigungsgruppe und ein Stück hinab zum Kloster Kreuzberg. In einer Prozession mit musikalischer Begleitung liefen die Pilger zum Freialtar der Klosterkirche. Dabei sangen sie „Großer Gott wir loben dich“. Am Freialtar empfing Guardian Pater Korbinian Klinger die Gruppe mit dem Abschlusssegen. Die Stimmung der Teilnehmerinnen und Teilnehmer nach der Wallfahrt war ausgelassen. Maria Korbmann aus Eichelsee bei Ochsenfurt war zum ersten Mal bei einer Wallfahrt dabei: „Ich bin heute mit einer gewissen Traurigkeit hergekommen, weil eine gute Freundin diese Woche gestorben ist. Es hilft mir, jetzt einfach in der Natur zu laufen, mit Leuten zu reden. Das ist für mich das Richtige.“ Religionspädagogin Carina Sehmisch aus Bad Neustadt war mit ihrer Konfirmandengruppe bei der Wallfahrt und beschrieb ihre Eindrücke so: „Ich fand die ökumenische Gemeinschaft total schön. Dass Evangelisch und Katholisch in geschwisterlicher Gemeinsamkeit miteinander unterwegs waren. Und dass das bei den Stationen immer wieder erlebbar wurde und mit Überraschungen verbunden war.“</p><p>Auch das Resümee von Regionalbischöfin und Bischof fiel sehr positiv aus. Bischof Jung zeigte sich sehr zufrieden: „Ich freue mich, dass so viele unserem Aufruf gefolgt sind. Dass wir uns als Pilgerinnen und Pilger der Hoffnung in diesem Heiligen Jahr gemeinsam auf den Weg machen konnten zum heiligen Berg der Franken, das ist etwas ganz Wunderbares.“ Für ihn gab es zwei Highlights an diesem Tag: „Die Betrachtung der Himmelsleiter als Kreuz war eine sehr schöne Deutung, die die Firmlinge vorbereitet haben. Das Zweite war ein sehr inniger Moment, als wir an der Quelle Halt gemacht haben, um den Einzelsegen zu empfangen. Ich habe gemerkt, wie viel es den Menschen bedeutet, diesen Segen auf dem Weg zugesprochen zu bekommen und den nächsten Wegabschnitt gesegnet zu gehen.“</p><p>Auch Regionalbischöfin Bornowski zog eine positive Bilanz: „Es war ein besonderer Tag, weil wir uns gemeinsam als unterschiedliche Konfessionen auf den Weg gemacht haben, Anteil an unserem gemeinsamen Weg hatten und auch einen schwierigen Weg miteinander bewältigt haben. Es ist etwas Besonderes, weil Wallfahrt in der katholischen Kirche sehr verbreitet ist. Bei uns ist es das Pilgern. Dass sich so viele Menschen zusammengefunden haben, um das gemeinsam zu machen, finde ich bemerkenswert.“ Auch für Bornowski war die Station mit der Segnung ein Höhepunkt der Wallfahrt: „Ich fand die Segensstelle an dem Brunnen sehr berührend. Da habe ich ganz innige Verbindungen gespürt. Von Du zu Du. Egal ob evangelisch oder katholisch. Das war ein ganz besonderer Moment.“</p><p class="text-right">jr (POW)</p><p>(2125/0519; E-Mail voraus)</p><p><em><strong>Hinweis für Redaktionen: </strong>Fotos abrufbar im Internet</em></p>]]></content:encoded><category>Reportagen</category><category>Rhön-Grabfeld</category><category>Bad Kissingen</category><category>Bischof Franz Jung</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-65354</guid><pubDate>Fri, 09 May 2025 10:24:35 +0200</pubDate><title>Pünktlich zum weißen Rauch auf dem Petersplatz</title><link>https://pow.bistum-wuerzburg.de/aktuelle-meldungen/detailansicht/ansicht/puenktlich-zum-weissen-rauch-auf-dem-petersplatz/</link><description>Pilger aus Würzburg beim ersten Auftritt von Papst Leo dabei – Ein Erlebnis und ein Medienspektakel</description><content:encoded><![CDATA[<p><strong>Rom/Würzburg</strong> (POW) Ein Raunen geht durch die Menge. Dann blicken alle auf dem Petersplatz in Richtung des Schornsteins an der Sixtinischen Kapelle. Es ist kurz nach 18 Uhr am Donnerstag, 8. Mai. Weißer Rauch quillt empor. Die Glocken des Petersdoms beginnen zu läuten. „Hab‘ ich nicht gesagt, wir kommen pünktlich dazu?“, ruft Generalvikar Dr. Jürgen Vorndran der kleinen Gruppe von Frauen und Männern aus dem Bistum Würzburg zu.</p><p>Nach einer ausführlichen Tour durch das touristische Rom am ersten Tag der Wallfahrt zum Heiligen Jahr für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Bistums haben an diesem Abend nicht mehr alle die Energie, sich durch die Menschenmenge in der&nbsp;Via della Conciliazione, der Straße, die von der Engelsburg direkt zum Vatikan führt, zu schlängeln. Es geht vorbei an geschätzt 100 Fernsehkameras, die ebenerdig in einem abgesperrten Bereich der Straße stehen. Ebenso viele haben auf zwei erhöhten Gerüsten an der Engelsburg und gegenüber des Petersplatzes Aufstellung bezogen.</p><p>###GALERIE###</p><p>An den Sicherheitsschleusen in den Kolonnaden stauen sich die Massen, die auf den Petersplatz drängen. Zwei italienische Polizisten in Overalls weisen die Deutschen in Richtung einer gerade geöffneten Gasse mit Röntgengerät. Kaum haben Vorndran und seine Begleiter den Platz betreten und sich mittig vor der Loggia des Petersdoms platziert, bricht der Jubel los.&nbsp; „Es ist eine unfassbare Stimmung. Die Leute sind völlig aus dem Häuschen“, sagt der Würzburger Generalvikar. Heute bei einem solchen Weltereignis dabei zu sein, „einfach weil wir als Pilger der Hoffnung im Heiligen Jahr hierhergekommen sind – das ist schon ein großes Glücksgefühl“.</p><p>Dommesner Thomas Schumann ist in der ehemaligen DDR aufgewachsen. Er bringt es auf die kurze Formel: „Einmalig, ein Gefühl wie damals bei der Wende.“&nbsp; Alexandra Eck, zuständig für die Besucherpastoral am Würzburger Kiliansdom, schaut gebannt in Richtung des Balkons. „Jetzt wird es spannend.“ Wer der neue Papst ist, weiß auf dem gesamten Platz noch keiner.</p><p>Mit dröhnenden Trommelschlägen marschieren uniformierte Blaskapellen von Militär und Polizei zusammen mit der Schweizer Garde, gekleidet in ihre bunten Festtagsuniformen und mit rotem Federschmuck an ihren Helmen, über den Platz und die Treppen hinauf zum erhöhten Vorplatz an der Fassade des Petersdoms.</p><p>Fast eine Stunde ist seit den verheißungsvollen Rauchzeichen vergangen. Die Menschen auf dem Platz haben sich die Zeit mit dem Drehen von Videos und dem Winken in Richtung der Fernsehkameras vertrieben. Da öffnen sich die Türen der Mittelloggia und Kardinal Dominique Mamberti, der dienstälteste Kardinaldiakon unter 80 Jahren, tritt heraus. „Annuntio vobis gaudium magnum: Habemus Papam!“</p><p><iframe src="https://bistumwuerzburg.podigee.io/168-eindrucke-von-der-papstwahl/embed?context=external&amp;theme=default" style="border: 0" frameborder="0" height="100" width="100%"></iframe></p><p>Robert Francis Prevost laute sein weltlicher Name, als Papst werde er sich Leo XIV. nennen, verkündet Mamberti. „Das ist ein sehr guter, ernstzunehmender Mann. Ein absoluter Überraschungskandidat“, kommentiert das der Generalvikar.</p><p>An den Fenstern links und rechts vom zentralen Balkon sind schon die Kardinäle zu sehen. Dort, wo gleich der neue Papst erwartet wird, drapieren eilig Vatikanbedienstete eine große Fahne mit dem Wappen des Vatikans über dem Geländer. „Papa Leone“ klingen derweil schon die Sprechchöre über den Platz. Nach Minuten des Wartens ist es dann endlich so weit: Papst Leo betritt unter tosendem Beifall die Bildfläche. Freude und Rührung sind ihm gleichermaßen anzusehen. Für die Menschen auf dem Platz bieten zahlreiche Videoleinwände besten Blick. Eine Drohne kreist über der Menge und bietet immer wieder spektakuläre Bilder aus der Vogelperspektive.</p><p>In geschmeidigem Italienisch spricht Papst Leo zu den Menschen: „Friede sei mit Euch allen.“ An seinen Vorgänger Franziskus anknüpfend, sagt er, dass Gott alle Menschen ohne Bedingungen liebe. Er grüßt besonders die Menschen in Peru, ruft die Kirche dazu auf, eine synodale Kirche zu sein, die sich auf dem Weg befindet, immer den Frieden und die Nächstenliebe sucht und besonders denjenigen nahe ist, die leiden. Zum Schluss erteilt er den Gläubigen den Segen. „Viva il Papa“ – „Es lebe der Papst“ hallt es wie zum Dank vielfach laut über den Platz.</p><p>Mit einer Mischung aus Erstaunen und Begeisterung stehen die Würzburger da und schauen sich an. „Sehr sympathisch.“ „Ein faszinierender Mann.“ „Dass wir ein solches Ereignis miterleben, hätten wir uns nicht träumen lassen, als wir heute Morgen um 3 Uhr an der Residenz in den Bus in Richtung Flughafen gestiegen sind.“</p><p>Fotos oder Videos an die Menschen daheim schicken, um von dem außergewöhnlichen Ereignis zu berichten und eine erste Einschätzung des Neuen zu geben? Das funktioniert erst so richtig, als sich gegen 20&nbsp;Uhr der Petersplatz leert. Ein solches Weltereignis bringt offensichtlich auch die moderne Technik an ihre Grenzen.</p><p class="text-right"><em>Aus Rom berichtet Markus Hauck (POW)</em></p><p>(2025/0479; E-Mail voraus)</p><p><em><strong>Hinweis für Redaktionen:</strong> Fotos abrufbar im Internet</em></p>]]></content:encoded><category>Reportagen</category><category>Pilger der Hoffnung</category><category>Würzburg</category><category>Papst Leo XIV</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-63170</guid><pubDate>Thu, 16 Jan 2025 09:40:20 +0100</pubDate><title>„Das ist immer der Zwiespalt“</title><link>https://pow.bistum-wuerzburg.de/aktuelle-meldungen/detailansicht/ansicht/das-ist-immer-der-zwiespalt/</link><description>Arbeitsalltag zwischen Personalmangel, Empathie und Bürokratie – Ein Besuch in der Wohngruppe „Eva Huth“ in der Behinderteneinrichtung Sankt-Josefs-Stift in Eisingen</description><content:encoded><![CDATA[<p class="Unterzeile1"><strong>Eisingen </strong>(POW) Sein aufmerksamer Blick wandert immer wieder durch den Raum. Er bleibt an dem Mann hängen, der mit einer „Auto-Motor-Sport“-Zeitschrift in der Hand durch den Wohnbereich schlurft. Er wandert weiter zu dem Weißhaarigen, der einen Stuhl nach dem anderen auf den Tisch räumt. Es ist ein ruhiger Dienstagvormittag. Seit sieben Jahren sind dieser Wohnraum und seine Bewohner Georgi Hauschilds (28) berufliche Heimat – und sein Herzensprojekt: die Senioren-Wohngruppe „Eva Huth“ in der Behinderteneinrichtung Sankt-Josefs-Stift in Eisingen (Landkreis Würzburg).</p><p>Hier versorgt der Heilerziehungspfleger mit seinem Team täglich die neun Bewohner im Alter von 30 bis 79 Jahren. Er wäscht sie, macht ihnen Essen und hört sich ihre kleinen Wünsche an. Doch in letzter Zeit muss der Gruppenleiter sich sogar bei der Bitte um einen Ausflug zum Supermarkt immer wieder fragen, ob die Zeit reicht. Ob sein Team das leisten kann. Ein Besuch bei einem, der vor den Fragen steht: Braucht es mehr Personal oder weniger Bürokratie in der Behindertenpflege? Wie viel Plausibilität steckt in den Dokumentationspflichten des Bundes? Und wie lange hält ein Einzelner an Idealen fest?</p><p><strong><em>„Da müssen wir eigentlich alle Augen und Ohren überall haben“</em></strong></p><p>Ein Schreien aus dem Treppenhaus lässt Hauschild aufhorchen. Der Heilerziehungspfleger, der im Wohnraum gerade noch auf die Wochenübersicht geschaut hat, rennt los. Einer der Bewohner braucht Hilfe an der Treppe. Sie wird renoviert, und so kann der Bewohner seinen üblichen Weg nicht hinaufgehen. Hauschild fährt zu ihm nach unten, beruhigt ihn, erklärt, dass er heute den Aufzug nehmen muss. Das sei Teil des Jobs, sagt er: „Da müssen wir eigentlich alle Augen und Ohren überall haben.“ Auch oder gerade dann, wenn eine Person alleine die Männer betreut.</p><p>###GALERIE###</p><p>Das ist morgens oft der Fall. Erst etwas später kommt die zweite Schicht dazu, hilft beim Mittagessen und den anfallenden Aufgaben. Insgesamt wechselt sich Hauschild in der Gruppe gerade mit einem weiteren Heilerziehungspfleger ab. Zudem helfen Auszubildende und vier Hilfskräfte, meist Quereinsteiger in Teilzeit, um die Bewohner tagtäglich zu betreuen. Da trifft es die Gruppe „Eva Huth“ noch verhältnismäßig gut. An den Fachkräftemangel haben sich in der Behinderteneinrichtung Sankt-Josefs-Stift viele Gruppen gewöhnen müssen. Hauschild sagt, er sei froh, ein Team zu haben, das zusammenhält. Froh, „noch einen Bereich zu haben, den man gut entwickeln und formen kann“. Und froh, wenig Krankheitsfälle zu haben. So schaffen sie es, „irgendwie den Dienst aufrecht zu erhalten“.</p><p>Willi S., ein 60 Jahre alter Bewohner in der Gruppe „Eva Huth“, setzt sich zu Hauschild an den Tisch. „Erdnüsse will ich noch kaufen“, verkündet er. Der Pfleger schaut von seinem Laptop auf. „Beim Rewe?“, fragt Hauschild nach und: „Hast du keine mehr?“ Willi klingt ein wenig niedergeschlagen, als er mit Nein antwortet. Der Pfleger atmet gespielt erschrocken auf. Das müssten sie dringend ändern, verspricht er. Gleichzeitig weiß er: Ob er es diese Woche noch schafft, ist ungewiss. Auf ihn warten Büroarbeiten und das tägliche Programm. Für kleine Ausflüge zum Rewe, um für Willi S. Erdnüsse und eine Milch zu kaufen, bleibt da selten Zeit. Auch wenn der Bewohner von diesen Ausflügen mit einem ähnlich breiten Lächeln zurückkommt, mit dem er nun noch einmal erzählt: „Das ist so schön, ich liebe Erdnüsse.“ Hauschild lächelt, doch er seufzt: „Ja, wir müssen welche kaufen.“</p><p>Auch den Ausflug ins Schwimmbad, den sich Thorsten S. seit zwei Jahren wünscht, musste Hauschild heute Morgen wieder absagen. Als Rettungsschwimmer würde er es sich sogar zutrauen, mit bis zu drei Bewohnern ins Schwimmbad zu gehen. Doch wer passt in der Zwischenzeit auf die anderen auf? Sind die Bewohner fit genug? Und hat Hauschild nach neun Tagen im Dienst noch die Lust und Kraft, den Ausflug zu planen? Die Wünsche der Bewohner seien klein. Dennoch kann Hauschild nicht direkt zusagen. Er muss sie vertrösten. „Das ist immer der Zwiespalt“, sagt er.</p><p><strong><em>Arbeitsalltag in der Behindertenpflege zwischen Empathie und Bürokratie</em></strong></p><p>Als Leitung trifft Hauschild der Zwiespalt doppelt. Er muss den Dienstplan erstellen, Medikamentenlisten pflegen, Telefonate führen, Azubis einlernen. Und seit einiger Zeit verschwindet er noch häufiger in seiner kleinen Büroecke neben dem Wohnraum. Nicht nur er, auch sein Team. Der Grund: die Dokumentation. Statt nur bei besonderen Vorkommnissen müssen die Betreuerinnen und Betreuer mittlerweile morgens und abends aufschreiben, wie es den einzelnen Bewohnern geht. Sie halten fest, wie sie die Bewohner betreuen. 20 bis 30 Minuten braucht das etwa jedes Mal – je nachdem, wie viel sie schreiben, erzählen Hauschild und sein Team. Die Zeit für die Bewohner konkurriert mit der Zeit für die Bürokratie. Doch Hauschild macht klar: Wenn ein Bewohner Hilfe benötigt, verlässt er umgehend das Büro und seine Aufgaben am Laptop.</p><p>Manchmal siegt auch der Idealismus. „Wenn ich Zeit habe, schreibe ich manche Dokus mit den Männern zusammen“, erzählt Hauschild. Er wünscht sich, dass die Männer wissen, dass er über sie schreibt. Und es sei schöner zu lesen, „wenn der Willi selber sagt, ihm geht es gut“. Schließlich war das auch die Motivation, aus der Hauschild die Ausbildung zum Heilerziehungspfleger vor etwa sieben Jahren begonnen hat: „Mit den Menschen hier zu arbeiten“, sagt er.</p><p>Natürlich sei es auch anstrengend, wenn täglich neue Herausforderungen warten – zum Beispiel, weil die neugestrichene Treppe einem Bewohner zum Hindernis wird. Gleichzeitig schätzt der Leiter diese Abwechslung. Er hat das Gefühl, sich dadurch selbst immer weiter zu entwickeln. „Wir arbeiten mit Menschen, die ihre Emotionen haben, ihre Gefühle haben, wie wir auch“, erzählt Hauschild. Und die Bewohner zeigen ihre Gefühle direkt. „Das sind unsere Barometer, ob es hier läuft oder nicht.“ So bekommen die Betreuer quasi den Spiegel vorgezeigt: Wie die Stimmung im Team ist und wie sie mit den Bewohnern umgehen, wenn Stress und unerwartete Ereignisse die Arbeit dominieren. Und die gibt es in einer Wohngruppe wie der „Eva Huth“ gar nicht so selten.</p><p>Das Telefon klingelt. Hauschild sitzt noch vor den beiden Bildschirmen, er reicht den Hörer an seine Kollegin Corinna Fella weiter. Sie ist Hilfskraft und heute bis zum Nachmittag eingeteilt. „Dann besprechen wir das gleich“, sagt sie, bevor sie auflegt. Eine andere Wohngruppe hat sich gemeldet. Sie brauchen Unterstützung bei der Essensausgabe am Abend. Dass Hauschild und sein Team spontan zum Aushelfen beordert werden, kommt immer wieder vor, wenn Mitarbeitende krank sind. Auch in der eigenen Gruppe gibt es diese Planänderungen. So wie vor ein paar Monaten, als die Betreuer wegen eines mittlerweile ehemaligen Bewohners einige Zeit in Doppelbesetzung arbeiten mussten. Das hat zusätzliche Überstunden produziert.</p><p><em><strong>Wie kann die Zukunft in der Behindertenpflege aussehen?</strong></em></p><p>Was also braucht es, um die Arbeit in der Behinderteneinrichtung weiterhin zu ermöglichen? „Personal sowieso“, sagt Hauschild. Gleichzeitig sieht der Pfleger die Bürokratie zweischneidig. „In manchen Sachen ist es überstrukturiert und in anderen Sachen fehlt die Richtung.“ Denn eine grundlegende Bürokratie brauche es, um die Arbeit zu strukturieren. Inge Schönmann, Referentin für Kommunikation im Sankt-Josefs-Stift, teilt mit, dass die Dokumentation im Stift wichtig sei, um die Menschen zu betreuen. Sie mache Handlungen nachvollziehbar und transparent. Gleichzeitig zeigten sich die Bedürfnisse der Bewohner, auch ob sich daran etwas ändert und wo Abläufe verbessert werden könnten.</p><p>Aber warum muss morgens und abends dokumentiert werden? Manchmal scheitert es wohl auch an der Nachvollziehbarkeit. Gelegentlich, wenn Hauschild seinen Teammitgliedern wieder eine neue Regelung erklären soll, die er selbst nicht versteht, fragt er sich: „Warum tue ich‘s?“ Die politischen Entscheidungen, die die Einrichtung ausführen muss, seien für die Pfleger in den Gruppen oftmals nicht nachvollziehbar, sagt Hauschild. Bei jeder Veränderung treffen zwei Extreme aufeinander. Auf der einen Seite braucht es Neuerungen, um mit der Zeit zu gehen. Teils kommen viele Änderungen auf einmal, die mit der Zeit die Effektivität steigern sollen. Auf der anderen Seite liegt der Gedanke nahe, der auch bei Hauschild immer wieder auftaucht: „Wenn es einfach funktioniert, ist es in den aktuellen Zeiten schon mal gut.“</p><p>Veränderung, die braucht es wohl auch in der Personalgewinnung. Daher engagiert sich das Sankt-Josefs-Stift mit der Tatenwerk-Schwestereinrichtung, der Robert-Kümmert-Akademie, für die Gewinnung neuer Auszubildender in der Heilerziehungspflege. Unter anderem mit Bildungsgutscheinen und internationalem Recruiting sollen Quereinsteiger und Neulinge zu Fachkräften ausgebildet werden. Auch die bayerischen Zugangsvoraussetzungen für die Ausbildung wurden kürzlich leicht gesenkt. Das teilt Schönmann mit. Meist fehlten vor allem die Fachkräfte. Aber das Thema Personal ist komplex. Da spielt auch die Finanzierung mit rein. Schließlich könne die Einrichtung keine neuen Kräfte einstellen, die nicht refinanziert werden, sagt Schönmann. Denn der vom Bezirk Unterfranken vorgegebene Personalschlüssel ist erfüllt. Hierfür ist genug Personal vorhanden. Im aktuellen Schlüssel seien die Krankheitsquote in der Branche und weitere Faktoren aber zu gering berücksichtigt, schreibt Schönmann. Die Einrichtung verhandele über einen realitätsgetreuen Personalschlüssel.</p><p>Hauschilds Einschätzung für seine eigene Gruppe lautet: Wenn sie weiterhin gut zusammenarbeiten und den Fokus behalten, „des Bewohners im Mittelpunkt als auch des Teams im Mittelpunkt, schaffen wir das noch relativ lang“. Der Beruf selber sei super. Wenn er mal überlegt habe zu wechseln, dann nie den Beruf selbst. Aber vielleicht in ein anderes Land, mit weniger Vorgaben.</p><p>Aktuell denkt Hauschild nicht darüber nach zu wechseln. Er will bleiben – für sein Team und seine Bewohner, die die Wohngruppe teils seit über 50 Jahren ihr Zuhause nennen. Noch investiert er die Überstunden gerne. Kann spontan wegfahren, um den Kopf freizubekommen. Noch hat er keine Kinder, keine Partnerschaft. So macht er Überstunden, um tagsüber mehr Zeit mit den Bewohnern zu verbringen oder Willi S. doch noch die Erdnüsse vorbeizubringen.</p><p><em><strong>Stichwort: Rechtliche Regelungen zur Dokumentation</strong></em></p><p>Die Dokumentation in Behinderteneinrichtungen dient der Qualitätssicherung. Sie wurde 2016 deutschlandweit durch das Bundesteilhabegesetz geregelt. Dieses wurde laut Bundesministerium für Arbeit und Soziales in vier Reformstufen bis 2023 umgesetzt. Unter anderem ist dort festgehalten, dass Leistungserbringer „vergleichende Qualitätsanalysen“ durchführen sollen. Diese sollen mit „zielgerichteten und systematischen Verfahren“ die „Qualität der Versorgung gewährleisten und verbessern“. Daraus müssen die Einrichtungen konkrete Anweisungen für ihre Mitarbeitenden entwickeln. Die Regelungen sind beim Bundesministerium für Arbeit und Soziales unter bmas.de und im Sozialgesetzbuch im neunten Buch nachzulesen – unter Paragraph 37 (Qualitätssicherung, Zertifizierung) und im Internet unter <a href="http://www.sozialgesetzbuch-sgb.de" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">www.sozialgesetzbuch-sgb.de</a>.</p><p class="text-right">chd (POW)</p><p>(0425/0068; E-Mail voraus)</p><p><em><strong>Hinweis für Redaktionen:</strong> Fotos abrufbar im Internet</em></p>]]></content:encoded><category>Reportagen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-62559</guid><pubDate>Fri, 06 Dec 2024 10:25:28 +0100</pubDate><title>„Figuren, die einem täglich begegnen“</title><link>https://pow.bistum-wuerzburg.de/aktuelle-meldungen/detailansicht/ansicht/figuren-die-einem-taeglich-begegnen/</link><description>Bildhauer Günter Metz schnitzt Krippenfiguren nach dem Vorbild Rhöner Persönlichkeiten</description><content:encoded><![CDATA[<p><strong>Langenleiten</strong> (POW) Der Geruch von Holz und Farbe steigt einem sofort in die Nase, wenn man die Werkstatt von Günter Metz in Langenleiten (Landkreis Rhön-Grabfeld) betritt. Der 82-Jährige betreibt seit über 60 Jahren Handarbeit mit Tradition: die Krippenbaukunst. Er schnitzt Weihnachtskrippen und Heiligenfiguren aus Lindenholz, Kiefer oder Eiche. „Bosnische Linde eignet sich am besten“, sagt er und nimmt einen Schäfer, an dem gerade arbeitet, zur Hand. Er zeigt auf die Unterseite der Holzfigur und erklärt, wie man das Alter des Baumes anhand der Jahresringe ablesen kann. „Die dunklen Ringe stehen für den Winter, die hellen für den Sommer. Zählt man die dunklen Ringe, erhält man das Alter des Baumes.“</p><p>In seinem Beruf gibt es keine Hochsaison. Obwohl Krippen bekanntlich zu Weihnachten aufgebaut werden, hat Metz das ganze Jahr über Aufträge. Dadurch, dass alle Figuren handgefertigt sind, kann es bis zu einem Jahr Lieferzeit kommen. „Für eine Krippenfigur mit 23 Zentimetern brauche ich je nach Tagesform zirka zwei bis drei Tage. Das ist allein für das Holz.“ Danach bemalt seine Frau Anni die Figuren. „Meine Frau ist meisterhaft darin. Es gibt keinen, der es so gut kann wie sie. Wir sind ein gutes Team geworden über die Jahre.“ Seine Frau arbeitete als Bankkauffrau, bevor sie in den 1990er Jahren anfing, die Figuren zu bemalen, zu lasieren und zu vergolden.</p><p>###GALERIE###</p><p>Das Können von Metz hat sich über die Jahre herumgesprochen. „Ich habe noch keinen Cent für Werbung ausgegeben“, erzählt er. Es seien einfach immer Aufträge reingekommen. „Die Leute kommen aus allen Himmelsrichtungen.“ Seine Figuren stünden überall in Deutschland, zum Beispiel in Fulda, Mainz oder Osnabrück. Aber er habe auch schon Figuren nach Schweden geschickt und einen heiligen Urban in die USA verschifft.</p><p>Die Holzschnitzerei sei sein Traumberuf. Sein Großvater betrieb eine Schreinerei, und schon in seiner Kindheit habe er den Geruch von frisch bearbeitetem Holz geliebt. Mit der Schule sei er dann zum ersten Mal in der Holzschnitzschule in Bischofsheim gewesen. „Mein Lehrer hatte ein gutes Gespür für die Talente seiner Schüler. Er sagte: ,Das wäre doch was für dich, Günter‘ – und mein Interesse war geweckt.“ Ab dem 1. Dezember 1956 radelte Metz täglich 15 Kilometer nach Bischofsheim. „Ohne Gangschaltung“, wie er betont.</p><p>Jetzt sitzt Metz an seiner Werkbank und schnitzt am Ohr des Schäfers. „Wer keine Ohren und keine Hände schnitzen kann, der taugt nichts“, sagt er und lacht. Diesen Spruch habe der Leiter einer großen Bildhauerei in München immer gesagt, bei der er nach seinem Abschluss arbeitete. Er bekam das Angebot, bei der Wiederherstellung der zerstörten Münchener Residenz mitzuwirken und dort längerfristig zu bleiben. Er entschied sich jedoch für das freie, kreative Arbeiten und eröffnete in Langenleiten seine eigene Bildhauerwerkstatt. „Ich war der jüngste Meister Bayerns“, erzählt er voll Stolz. „Seine Meisterprüfung konnte man damals erst mit 24 Jahren machen. Für die Eröffnung der Werkstätte bekam ich eine Ausnahmegenehmigung. Ich war erst 21.“ Was ein guter Bildhauer brauche, seien genaue Beobachtung, Zeichnungen und eine gute Umsetzung. „Man braucht acht bis zehn Jahre, bis man gut ist. Ein Großteil ist Fleiß, nur Talent reicht nicht aus. Man muss auch mit sich selbst zufrieden sein. Ich war nie ganz zufrieden.“</p><p>Die sorgfältig aufgereihten Schnitzmesser in verschiedenen Größen und Formen auf seiner Werkbank zeugen von der präzisen Arbeit, die das Handwerk erfordert. Ob er sich schon einmal geschnitten hat? Metz zieht wortlos die Schublade unter der Werkbank heraus. Darin befinden sich Pflaster. Dann zeigt er seine rechte Hand, an deren Zeigefinger eine Fingerkuppe fehlt. „Da habe ich nicht gut aufgepasst. Mein Sohn war vier Jahre alt und wollte, dass ich ihm ein Schwert schnitze. Dabei ist ein Stück von meinem Finger in der Hobelmaschine steckengeblieben.“</p><p>Seinen Sohn Klaus, der mittlerweile 56 Jahre alt ist, beschreibt Metz als „großes Talent“. Er ging von 1984 bis 1987 bei ihm in die Lehre und wurde später Bundessieger im Holzbildhauerhandwerk. Er studierte an der Kunstakademie in Nürnberg und arbeitet heute unter einem Dach mit seinem Vater. Metz schätzt den Austausch mit seinem Sohn. Sie würden sich gegenseitig zu Rate ziehen und gäben sich sowohl Lob als auch Kritik. Sein Sohn ist der einzige, den Metz in all den Jahren ausgebildet hat: „Es gibt kaum mehr Menschen, die sich für den Beruf interessieren.“</p><p>Neben der Werkbank und den Figuren steht auch eine andere Leidenschaft von Metz in der Werkstatt: sein Akkordeon. Das Knopfakkordeon spiele er jeden Tag, weil die Musik ihm Freude bringe.</p><p>Was Metz in seiner Werkstatt produziert, wird in einer Ausstellung im vorderen Teil des Hauses präsentiert. Dort finden sich wahre Schätze aus seiner Arbeit der vergangenen 67 Jahre. Auch seine allererste Krippe, die er mit 15 Jahren gemacht hat. „Sie ist unverkäuflich“, sagt er, während er zwischen den kleineren und großen Krippen, Marienfiguren, Engeln und Tieren steht, die er alle in der Vergangenheit geschnitzt hat. In den einzelnen Figuren können Personen aus dem echten Leben erkannt werden. „Das macht meine Figuren aus, dass sie einem jeden Tag auf der Straße begegnen können.“ Da ist zum Beispiel die Figur des Rhönschäfers, der früher die Schafe im Ort gehütet hat. „Er hat sie morgens abgeholt und abends wieder zurückgebracht. Er war ein Original. Wie er nach seinem Hund rief und wie er leicht gebückt umherlief. Das ist mir in Erinnerung geblieben.“ Auch andere Bilder aus seiner Kindheit und Jugend sind im Holz verewigt. Zwischen den Figuren befindet sich auch ein Junge mit einem Kalb. „Die Buben mussten damals die Kälber auf die Waage bringen, bevor sie verkauft wurden“; erinnert er sich, während er die Figur in seinen Händen hält.</p><p>Neben den Figuren der Rhöner Leute sind auch die Gesichtszüge seiner eigenen Familienmitglieder in den Krippenfiguren zu erkennen. Sein Enkel Kilian stand beispielsweise als Baby Modell für eine Figur des Jesuskinds. Auch seine Lieblingsfigur stammt aus dem eigenen Familienkreis. Es ist die Oma seiner Frau, deren Enkel sich hinter ihr versteckt. Von seinen Kunden nimmt Metz ebenfalls Porträtaufträge an. Wenn er gute Fotos bekommt, reproduziert er daraus ihre Gesichter. „Ein guter Holzschnitzer kann nach Fotos arbeiten“, sagt er.</p><p><iframe src="https://bistumwuerzburg.podigee.io/102-rhoner-krippenkunst/embed?context=external&amp;theme=default" style="border: 0" frameborder="0" height="100" width="100%"></iframe></p><p>Die beliebtesten Figuren sind nach wie vor die Heilige Familie. Maria wird bei ihm immer als junges Mädchen dargestellt, Josef als junger Mann. Die Figuren variieren in ihrer Größe. Seine größten Holzfiguren waren eine 2,40 Meter große Madonna für eine Pfarrei in der Schweiz und ein 2,60 Meter großer heiliger Andreas für die Diözese Mainz. Viele seiner Krippen finden sich auch in der Region wieder. Auf dem Kreuzberg baut er jedes Jahr selbst die Krippe in der Klosterkirche auf, gemeinsam mit seiner Familie. „Solange es noch geht, mache ich das. So gefällt es mir am besten“, sagt Metz. Die Krippe bleibt in der Weihnachtszeit in Bewegung. Die schwangere Maria wird vor Heiligabend ausgetauscht, der Wirt aus der Herbergsszene wird weggenommen und die Heiligen Drei Könige kommen später hinzu. Auch die Kirche in Langenleiten trägt seine Handschrift. Der Kreuzweg, der Altar und der Ambo sind in seiner Werkstatt entstanden.</p><p>Einen persönlichen Bezug zum Glauben hat Metz durch seine katholische Erziehung. Er hat sich sein Leben lang ehrenamtlich engagiert. Nicht nur als Feuerwehrkommandant, sondern auch als Mitglied der Kirchenverwaltung und des Pfarrgemeinderats. Seine Tochter Petra arbeitet als Gemeindereferentin in der Diözese.</p><p>An Ruhestand denkt Metz noch lange nicht. Dafür habe er zu viele Ideen, die er noch umsetzen wolle. Er spricht von einem „inneren Antrieb“, wenn er künstlerisch gestalten kann. „Ich höre erst auf, wenn es nicht mehr geht.“</p><p class="text-right">Judith Reinders (POW)</p><p>(5024/1287; E-Mail voraus)</p><p><em><strong>Hinweis für Redaktionen: </strong>Fotos abrufbar im Internet</em></p><p><iframe width="560" height="315" src="https://www.youtube.com/embed/ZU578krpKv4?si=cWdAuB0tWR7k_axZ" title="YouTube video player" frameborder="0" allow="accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share" referrerpolicy="strict-origin-when-cross-origin" allowfullscreen=""></iframe></p>]]></content:encoded><category>Reportagen</category><category>Advent und Weihnachten</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-60743</guid><pubDate>Wed, 31 Jul 2024 18:47:55 +0200</pubDate><title>„Etwas, das in Erinnerung bleibt“</title><link>https://pow.bistum-wuerzburg.de/aktuelle-meldungen/detailansicht/ansicht/etwas-das-in-erinnerung-bleibt/</link><description>Etwa 50.000 Ministrantinnen und Ministranten treffen Papst Franziskus bei Audienz in Rom – Gruppe aus Burkardroth und Bad Bocklet nur ein paar Meter vom Papst entfernt – „Ein cooles Erlebnis“</description><content:encoded><![CDATA[<p><strong>Würzburg/Bad Bocklet/Burkardroth/Rom</strong> (POW) Etwa 40 Jugendliche, viele davon in dunkelroten T-Shirts mit der Aufschrift „Romwallfahrt 2024 – Pastoraler Raum Burkardroth Bad Bocklet“, drängen sich auf dem Petersplatz in Rom vor einer Barrikade. Um sie herum, in abgegrenzten Bereichen, stehen tausende weitere Jugendliche. Da ruft ein Junge, der auf einen der Plastikstühle gestiegen ist: „Er ist da drüben!“ Wenige Minuten später kommt der Moment, auf den die Ministrantengruppe aus Burkardroth und Bad Bocklet seit über zwei Stunden in der prallen Sonne wartet: Das weiße Papamobil mit Papst Franziskus biegt in den Durchgang hinter der Absperrung. Die Jugendlichen klatschen, winken und zücken ihre Handys. Ein paar Jungen und Mädchen wedeln ihre Pilgertücher wild durch die Luft.</p><p>Es ist Dienstagnachmittag, 30. Juli, und die Jugendlichen, die sich hier auf dem Petersplatz versammelt haben, sind Teil der 13. internationalen Ministrantenwallfahrt nach Rom. Etwa 50.000 Ministrierende und ihre Begleitpersonen aus rund 20 Ländern sind es laut Informationen der Deutschen Bischofskonferenz, rund 1600 davon aus dem Bistum Würzburg. Sie verbindet ein Ziel: Sie wollen den Papst von Nahem sehen. „Es wäre schon cool, den auch so zu treffen, nicht nur auf Bildern“, sagt Ministrant Valentin Fehr (13) aus der Gruppe aus Burkardroth vor der Audienz. Sein Freund Philipp Schmitt (13) ergänzt, er wolle zuhause erzählen, er habe den Papst aus zwei bis drei Metern Entfernung gesehen. Deshalb war ihre Gruppe auch schon früh auf dem Platz. Ausgestattet mit Isolierdecken aus dem Erste-Hilfe-Kasten und ausreichend Wasser, haben sie in der römischen Hitze ausgeharrt. Zwischendurch kam auch die Abkühlung durch die Feuerwehr gelegen. Diese „hat uns nass gemacht, das war schön kühl“, sagt Fehr, der sich mit Schmitt direkt unter den Wasserstrahl gestellt hat.</p><p>###GALERIE###</p><p>Nun ist es also so weit: Der Papst fährt in Runden durch die tausenden von Minis auf dem Platz und winkt auch den Mädchen und Jungen aus Burkardroth und Bad Bocklet zu, die direkt hinter der Absperrung stehen. „Er hat uns gesegnet, er hat mir direkt in die Augen geschaut“, fasst Fehr die Begegnung später zusammen. Während ein paar der Jugendlichen überlegen, wo sie noch einen zweiten Blick auf Papst Franziskus erhaschen können, verkriechen sich andere wieder unter die Decken. 36 Grad und pralle Sonne können anstrengend sein.</p><p>Spätestens als Papst Franziskus die Messe beginnt und der Chor die ersten Lieder singt, kommt die Menge wieder in Bewegung. Es wird geklatscht, mitgewunken, und vor allem den Wallfahrtssong „With you, mit dir, contigo“ können manche bereits mitsingen. Es folgen Ansprachen und Fürbitten von Ministrierenden aus unterschiedlichen Ländern – unter anderem auf Deutsch, Italienisch, Französisch.</p><p>Laut wird die Menge, die etwa zu zwei Dritteln aus deutschen Teilnehmenden besteht, als Papst Franziskus seine Predigt mit „Buona sera, guten Abend“ beginnt. Auch die Gruppe aus Burkardroth und Bad Bocklet klatscht. Nur wenige Minuten zuvor hatten sie sich noch gefragt, ob der Papst eigentlich Deutsch spricht. „Der Petersplatz ist immer schön, aber mit Euch ist er noch viel schöner“, ruft Papst Franziskus nun der Menge auf Italienisch zu. Eine Übersetzerin wiederholt die Sätze auf Deutsch. Franziskus sei beeindruckt vom Thema der Wallfahrt, sagt er. „Was für ein großes Geheimnis steckt in diesen zwei kleinen Worten: Mit dir!“ Mütter sagen „Ich bin mit dir“ zu ihren Kindern, Jesus sagt es zu den Gläubigen. Dies spürten auch die Ministrierenden, wenn sie am Altar dienen. Papst Franziskus ermutigt die jungen Menschen, dieses Gefühl weiterzutragen, und wünscht ihnen einen „guten Weg zusammen mit Jesus“.</p><p>Romy Leiber (13) sagt, sie glaube, dass die Audienz ihren Glauben zumindest ein bisschen bereichert hat. „So etwas erlebt man ja nicht alle Tage.“ Für Fehr hat sich die Romfahrt auf jeden Fall gelohnt. „Der Papst ist direkt vor unserer Nase vorbeigefahren. Also es war ein cooles Erlebnis.“ Schmitt wusste schon im Vorhinein ein bisschen, was ihn erwartet. Vor einigen Jahren hat sein Onkel an einer Papstaudienz teilgenommen und dem Papst die Hand geschüttelt. „Davon gibt es sogar ein Bild“, erzählt der 13-Jährige. Die Hand des Papstes hat er selbst zwar nicht gehalten, trotzdem lautet sein Fazit: „Die Stimmung war sehr gut. Hat sehr, sehr Spaß gemacht.“ Mina Sell (15) freut sich außerdem, dass mit der Zeit der Schatten über den Platz gezogen ist.</p><p><iframe width="100%" height="166" scrolling="no" frameborder="no" allow="autoplay" src="https://w.soundcloud.com/player/?url=https%3A//api.soundcloud.com/tracks/1885419075&amp;color=%23f9b000&amp;auto_play=false&amp;hide_related=false&amp;show_comments=true&amp;show_user=true&amp;show_reposts=false&amp;show_teaser=true"></iframe></p><div style="font-size: 10px; color: #cccccc;line-break: anywhere;word-break: normal;overflow: hidden;white-space: nowrap;text-overflow: ellipsis; font-family: Interstate,Lucida Grande,Lucida Sans Unicode,Lucida Sans,Garuda,Verdana,Tahoma,sans-serif;font-weight: 100;"><p><a href="https://soundcloud.com/bistumwuerzburg" title="Bistum Würzburg" target="_blank" style="color: #cccccc; text-decoration: none;" rel="noreferrer">Bistum Würzburg</a> · <a href="https://soundcloud.com/bistumwuerzburg/when-in-rome-generalaudienz-mit-papst-franziskus" title="When in Rome - Generalaudienz mit Papst Franziskus" target="_blank" style="color: #cccccc; text-decoration: none;" rel="noreferrer">When in Rome - Generalaudienz mit Papst Franziskus</a></p></div><p>In Erinnerung wird die Audienz sicherlich auch denjenigen bleiben, die noch ein bisschen näher ran durften. Insgesamt 43 Jugendliche aus dem Bistum Würzburg sitzen auf der Tribüne direkt beim Papst. 19 Jungen und Mädchen <a href="https://pow.bistum-wuerzburg.de/aktuelle-meldungen/detailansicht/ansicht/etwa-15-meter-vom-papst-entfernt/" target="_top" class="external-link">singen im „Chor der Nationen“ mit</a>. Der Chor begleitet den gesamten Gottesdienst und besteht aus Ministrantinnen und Ministranten aus allen anwesenden Nationen. Zum Abschluss der Audienz schütteln außerdem Bischof Dr. Franz Jung und Generalvikar Dr. Jürgen Vorndran dem Papst die Hand – laut bejubelt von den eigenen Ministranten. Später verrät Bischof Jung, dass er den Papst um den Segen für das Bistum Würzburg gebeten habe.</p><p>Die ausgelassene Audienzstimmung ebbt nicht ab, als Papst Franziskus kurz vor 19 Uhr den Petersplatz verlässt. Es werden Gruppenbilder gemacht. Ein Ministrant aus Lengfeld mit oranger Wallfahrtskappe hat sein Blasinstrument ausgepackt und spielt zu der Melodie von „With you, mit dir, contigo“. Einige Menschen stimmen in den Refrain mit ein. Eine Gruppe Mädchen steht auf den Stühlen, tanzt und klatscht im Takt, während etwas weiter eine österreichische Teilnehmerin die vorbeikommenden Minis abklatscht. Auch durch die Pilgertücher kommen die Teilnehmenden der verschiedenen Nationen in Kontakt. Rot-weiße werden gegen schwarz-rot-gelbe getauscht. Ein deutscher Teilnehmer verkündet beim Verlassen des Petersplatzes, er müsse zu den Schweizer Pilgerinnen und Pilgern – das Tuch wolle er noch haben. Besonders begehrt sind natürlich auch die weiß-gelben Vatikan-Tücher, die einige der Helfenden an den Wasserstationen geschenkt bekommen, erzählt Annika Herzog von der Wallfahrtsleitung des Bistums Würzburg nach der Audienz. Und so verlässt eine bunte Menschentraube im Abendlicht den Petersplatz. Die Papstaudienz sei „etwas, das in Erinnerung bleibt“, sagt Ministrantin Romy Leiber.</p><p>Weitere Informationen zur Ministrantenwallfahrt im Internet unter <a href="http://www.ministranten.bistum-wuerzburg.de" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">www.ministranten.bistum-wuerzburg.de</a>.</p><p class="text-right"><em>Aus Rom berichtet Christina Denk (POW)</em></p><p>(3224/0821; E-Mail voraus)</p><p><em><strong>Hinweis für Redaktionen:</strong> Fotos abrufbar im Internet</em></p>]]></content:encoded><category>Fachstelle Ministrantinnenarbeit</category><category>Romwallfahrt der Ministranten 2024</category><category>Rom-Wallfahrt der Minis</category><category>Reportagen</category><category>Würzburg</category><category>Bad Kissingen</category><category>Bischof Franz Jung</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-51101</guid><pubDate>Wed, 20 Apr 2022 09:46:10 +0200</pubDate><title>Von Mehl und Wasser zum Leib Christi</title><link>https://pow.bistum-wuerzburg.de/aktuelle-meldungen/detailansicht/ansicht/von-mehl-und-wasser-zum-leib-christi-1/</link><description>Karmelitinnen in Rödelmaier betreiben eine eigene Hostienbäckerei – Großes Sortiment mit verschiedenen Größen und Mustern</description><content:encoded><![CDATA[<p><strong>Rödelmaier </strong>(POW) Der Geruch nach frischer Backware verrät: Es ist Backtag im Karmelitinnenkloster Regina Pacis in Rödelmaier. Dienstagvormittag 9 Uhr – die Backmaschine läuft bereits auf Hochtouren. Schwester Ancilla Bulowski betritt den Anbau des Klosters, den Ort der Hostienbäckerei. Ihre Mitschwester Teresa Benedicta Neubauer sitzt vor der lärmenden Maschine. Diese gleicht einem überdimensionierten Waffeleisen. Zwölf rechteckige Eisen laufen durch den Backautomat. Oben fließt der Teig hinein. Anschließend laufen sie einmal im Kreis, bevor sie vorne bei Neubauer wieder herauskommen.</p><p>Das Eisen öffnet sich. Neubauer wartet noch einen Augenblick, dann nimmt sie die Teigplatte von dem Eisen ab, streift die überschüssige Teigmasse von den Rändern der Platte und legt sie zu den anderen auf den Stapel auf dem Tisch neben sich. Den Teig hat Bulowski bereits in aller Früh um 5 Uhr gemischt. 16 Liter Wasser und 14 Liter Weizenmehl – mehr braucht es nicht. Gebacken wird von 8 bis 15 Uhr, im Schnitt etwa drei Dienstage im Monat. Am Ende des Jahres kommen die Schwestern auf rund 30 bis 35 Backtage. Pro Backtag wird Teig für circa 45.000 kleine Hostien und 1500 Priesterhostien gebacken.</p><p>Die Kirchenkrise bekommen die Schwestern zu spüren. Weniger Menschen in den Gottesdiensten bedeuten weniger Hostien. Der Bedarf sinkt. Doch noch hält sich die Hostienbäckerei gut. „Der Bedarf sinkt zwar, aber die Kundenzahlen steigen“, erklärt Bulowski. Die Hostienbäckerei hat immer wieder Neukunden von anderen Bäckereien, die schließen mussten. Auch die Coronapandemie setzt ihnen zu. Zwar bleibe die Anzahl der Priesterhostien in etwa gleich, berichtet sie. Aber die kleinen Hostien für die Gemeinden würden weniger nachgefragt. Entsprechend nutzen die Schwestern derzeit nur jedes zweite Eisen der großen Backmaschine. Auf manchen Eisen sind zwei verschiedene Muster eingraviert. Es sind die beiden Christusmonogramme Chi-Rho (die griechischen Buchstaben X und P) und IHS. Das Monogramm IHS ist für die Priesterhostien. Die Chi-Rho-Monogramme sind für die kleinen Hostien.</p><p>Aus dem Backraum führt ein schmaler Flur in den hinteren Teil des Anbaus. Am Ende des Flures führt eine Tür in den Feuchtraum. Das Atmen fällt schwer. Die Luftfeuchtigkeit ist hoch. Die Wände sind zum Schutz gefliest. Rechts und links sind Regale an den Wänden angebracht. Hier kommen die gebackenen Hostienplatten für zwei Tage hinein. Zuerst die eine Hälfte und nach zwei Tagen die andere Hälfte. Die Feuchtigkeit sorgt dafür, dass die Hostien weniger knusprig werden. Dadurch brechen sie beim Ausstanzen später nicht so schnell.</p><p><iframe width="100%" height="166" scrolling="no" frameborder="no" allow="autoplay" src="https://w.soundcloud.com/player/?url=https%3A//api.soundcloud.com/tracks/1252980241&amp;color=%23f9b000&amp;auto_play=false&amp;hide_related=false&amp;show_comments=true&amp;show_user=true&amp;show_reposts=false&amp;show_teaser=true"></iframe></p><div style="font-size: 10px; color: #cccccc;line-break: anywhere;word-break: normal;overflow: hidden;white-space: nowrap;text-overflow: ellipsis; font-family: Interstate,Lucida Grande,Lucida Sans Unicode,Lucida Sans,Garuda,Verdana,Tahoma,sans-serif;font-weight: 100;"><p><a href="https://soundcloud.com/bistumwuerzburg" title="Bistum Würzburg" target="_blank" style="color: #cccccc; text-decoration: none;" rel="noreferrer">Bistum Würzburg</a> · <a href="https://soundcloud.com/bistumwuerzburg/wo-kommen-die-hostien-eigentlich-her" title="Wo kommen die Hostien eigentlich her?" target="_blank" style="color: #cccccc; text-decoration: none;" rel="noreferrer">Wo kommen die Hostien eigentlich her?</a></p></div><p>Der Hostienbohrer steht in einem kleinen Raum direkt nebenan. Mehr als der Tisch und ein Regal passen nicht hinein. Über einem Loch im Tisch ist die Maschine angebracht. Sie sticht von oben durch die Teigplatten in das Loch. An der Vorderseite des Bohrers kleben Heiligenbildchen. Eines ist eine Abbildung der Ikone Heilige Gottesmutter Maria vom Berg Karmel. Beten und arbeiten ist für die Karmelitinnen eng miteinander verbunden. „Ich mag die Arbeit am Bohrer. Wenn alles funktioniert, ist es eine ruhige Arbeit. Da komm ich gut ins Gebet“, schwärmt Bulowski von ihrer Aufgabe. Angetrieben wird die Maschine mit einem Fußpedal unter dem Tisch. Bulowski nimmt 50 Teigplatten. Die ersten Hostien stanzt sie in den Ecken der Platten aus. In die entstandenen Löcher kommen Holzpflöcke. Sie halten den Stapel zusammen und verhindern ein Verrutschen. Klackernd fallen die ausgestochenen Hostien durch das Loch und rutschen eine Metallschiene herunter. Unten fallen sie in eine Kiste. Nach zehn Stichen kippt sie die Hostien in ein kleines Körbchen – 500 Stück pro Korb. Insgesamt stanzt sie 50 Mal in eine Platte. Aus einem Stapel werden somit 2500 ausgestochene Hostien. Für die unterschiedlichen Größen hat sie verschiedene Bohrer. Da die Hostienplatten nach dem Backen zunächst für zwei Tage in den Feuchtraum müssen, werden die Hostien donnerstags und samstags oder montags nach dem Backen ausgestanzt.</p><p>Als letztes werden die ausgestochenen Hostien aussortiert und verpackt. Schwester Katharina Blatt sitzt in einem Raum neben dem Eingang des Klosters. Er ist nicht direkt in der Bäckerei. Vor ihr stehen drei unterschiedliche Kisten auf einem Tisch, neben ihr in einem Regal die Körbe mit je 500 Hostien. Sie nimmt einen der Körbe, kippt den Inhalt in die mittlere Kiste und stellt sich den entleerten Korb auf den Schoß. Nun sortiert sie die zerbrochenen Hostien aus. Die unbeschädigten kommen in den Korb auf den Schoß, die kaputten in die linke Kiste, und aus der rechten Kiste werden die kaputten Hostien gleich ersetzt. So bleiben immer 500 Stück in einem Korb. Die kleinen Hostien werden anschließend noch in einem Sieb geschüttelt. So zerbrechen Hostien mit feinen Rissen. Zuletzt werden die Hostien verpackt. 500 oder 1000 in eine Brottüte, 16 beziehungsweise acht Tüten, also 8000 Hostien, in eine Kiste.</p><p>Das Sortiment der Hostienbäckerei ist vielfältiger&nbsp;als man zunächst vermuten würde. Neben den typischen kleinen Hostien für die Gemeinde gibt es eine etwas größere Priesterhostie und zwei unterschiedlich große Konzelebrationshostien, die sich in mehrere Stücke brechen lassen. Außerdem gibt es die kleinen und die Priesterhostien als Brothostie oder als weiße Hostie. Die Brothostien sind heißer gebacken als die weißen Hostien und entsprechend etwas dunkler. Die weißen Hostien würden häufig genutzt als Erinnerung an das Manna in der Wüste, sagt Blatt. Die Brothostien hingegen würden eher an das Mahl und das Teilen des Brotes erinnern. „Ein wunderschönes Motiv“, schwärmt sie.</p><p>Die zerbrochenen Hostien und die beim Ausstanzen übriggebliebenen Ränder der Hostienplatten werden in großen Plastiktüten gesammelt. Sie werden von interessierten Menschen direkt im Kloster abgeholt. Kommunionkinder, die sich in Rödelmaier einen Film zum Hostienbacken anschauen, naschen ebenfalls davon. „In der Mikrowelle warm machen und Zimt und Zucker drauf, das schmeckt besonders gut“, rät Blatt.</p><p>Die verpackten Hostien werden auf Bestellung an verschiedene Kirchengemeinden verkauft. Während der Wandlung in der Heiligen Messe werden die Hostien dann zum Leib Christi und an die Gläubigen verteilt. So ist aus Mehl und Wasser der Leib Christi geworden, den in diesen Tagen viele Kinder bei der Kommunion zum ersten Mal in ihren Händen halten werden.</p><p class="text-right"><em>Alexandra Thätner (Würzburger katholisches Sonntagsblatt)</em></p><p>(1622/0444; E-Mail voraus)</p><p><em><strong>Hinweis für Redaktionen:</strong> Fotos abrufbar im Internet</em></p>]]></content:encoded><category>Reportagen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-51022</guid><pubDate>Tue, 12 Apr 2022 09:01:44 +0200</pubDate><title>Eine Stunde Handarbeit pro Kerze</title><link>https://pow.bistum-wuerzburg.de/aktuelle-meldungen/detailansicht/ansicht/eine-stunde-handarbeit-pro-kerze/</link><description>Brüder Baz führen in dritter Generation Kerzen-Fachhandel – Schwerpunkt liegt auf selbst verzierten Kerzen – „Inspiration gibt es überall“</description><content:encoded><![CDATA[<p><strong>Würzburg </strong>(POW) „Kerzen &amp; Ambiente“ steht auf dem gelben Eckhaus im Würzburger Frauenland. Vor der Tür stehen Körbe mit dem Schild „Hasenalarm“. Rosa Porzellanhasen sind ausgestellt. Tritt man in das Geschäft von Kerzen-Baz ein, ist eine weitaus größere Auswahl an Osterdeko und vor allem Kerzen in verschiedenen Farben und Formen zu sehen. Eierförmige Kerzen in frühlingshaften Farben wie Pink, Gelb, Orange und Grün füllen die Regale. Küken, Hasen, aber auch Blumen verzieren die Kerzen. Im vorderen Teil des Geschäfts sind größtenteils Dekorationskerzen für den alltäglichen Gebrauch erhältlich. Geht man weiter in das Geschäft hinein, erblickt man die selbst verzierten Kerzen für besondere Anlässe. Geburtstags-, Kommunions- und vor allem Osterkerzen sind ausgestellt. Dafür entwickelt der Kerzenfachhandel eigene Motive. Das Familienunternehmen wird von den Brüdern Andreas und Oliver Baz geführt. Sie und ihr Team setzen jedoch auch gerne Kundenwünsche um. Flammen, Wolken, Herzen, Maisblüten und viele weitere Symbole schmücken die Kerzen.</p><p>###GALERIE###</p><p>Eine Seitentür führt in die eigentliche Werkstatt des Familienbetriebs. Irmtraud Mark steht leicht gebückt am Tisch und gibt Acrylfarbe auf eine Mischpalette. Sie verziert seit elf Jahren Kerzen für die Brüder Baz. Auf dem Tisch stehen einige Materialien wie Acrylfarben, Skalpell, Schere und Kleber. Mark tupft zuerst mit einem Schwamm einen gelben ovalen Kreis auf die Kerze. Es folgen eine rote und orangene Umrandung. Oben wird auch noch etwas Blau auf das Rot getupft, wodurch ein lila Schimmer entsteht. Mit Hilfe einer Schablone tupft sie orangene Wellen auf die gelbe Fläche. So entstehen Wolken auf der Kerze. Die ausgewählten Farben haben eine Bedeutung. „Man denkt sich immer was dabei“, erklärt Mark. Lila etwa sei die Farbe des Leids und der Passion. Blau, die des Nachthimmels, symbolisiere Tod. Auf der Kerze werden der Tod und die Nacht jedoch von der Ostersonne überstrahlt. So brennt der Tod mit der Kerze ab und die Sonne bleibt.</p><p>Die Kerze ist fertig bemalt und Mark schneidet routiniert mit einem Skalpell einen Balken von zehn und einen von circa 20 Zentimeter Länge aus den Wachsplatten. Den längeren Balken klebt sie senkrecht und den kürzeren Balken waagerecht auf die Osterkerze. So entsteht ein Kreuz auf der Kerze. Die Wachsplatten werden von einer Firma bezogen. Die Kerzen sollen jedoch einzigartig sein, erzählt Andreas Baz. Deswegen werden die Wachsplatten, die ein wenig aussehen wie Pappbögen, vorbemalt. Mit Schattierungen und verschiedenen Farben sieht die Wachsplatte nun beispielsweise aus wie ein Stück Holz. So entsteht eine Holz- oder Flammenoptik, wo vorher nur eine braune Fläche zu sehen war. Auch die Beschriftung für die Kerze wird aus einer vorbemalten Folie mit einer Graviernadel geschnitten. Dadurch schmiegen sich das Omega und Alpha der Osterkerze an das Kreuz an. Die Jahreszahl am unteren Ende der Kerze passt sich ebenfalls dem einheitlichen Design der Kerze an. Es werden keine vorgefertigten Schriften verwendet, „damit es auch zu der Kerze passt“. Das Kreuz erhält mittig noch einen dünnen goldenen Wachsstreifen. Dann wird eine Kordel umgebunden. Die Kerze ist fertig. Wenn alles vorbereitet ist und mehrere Kerzen mit dem gleichen Motiv auf einmal gemacht werden, dauere die Verzierung einer Kerze ungefähr eine Stunde. „Bei der Kreation eines neuen Motivs dauert es länger“, sagt Andreas Baz.</p><p>Seit einigen Jahren ziehen die Brüder die Kerzen nicht mehr selbst. „Es war ein schwerer Schritt“, sagt Oliver Baz. Man verliere an Unabhängigkeit. Sie erhalten nun fertige Kerzenrohlinge von Fachfirmen aus der Umgebung. „Bis jetzt hat es ganz gut geklappt. Auch von der Qualität merkt man kaum einen Unterschied.“ Die Brüder nehmen jedoch weiterhin Einfluss auf die Produktion. „Ich lasse einen bestimmten Docht einziehen“, erklärt Oliver Baz. Er werde auf eine bestimmte Art geflochten, damit der Docht beim Abbrennen seine Krümmung behält. So erreiche die Flamme einen optimalen Hitzegrad. Außerdem führe ein gutes Verhältnis zwischen der Größe der Kerze und der Dicke des Dochts zu gleichmäßigem Abbrennen und geringem Rußverhalten. Nicht nur die Herstellung und Verzierung der Kerze nimmt Zeit in Anspruch, sondern auch der Verkauf. „Man muss am Kunden sein.“ Der Kunde verlange mehr Beratung, weil er Informationen zu Schädlichkeit, Qualität und Materialien erhalten möchte. Dafür gehe er in ein Fachgeschäft.</p><p>„Aus dem köstlichen Wachs der Bienen bereitet, wird sie Dir dargebracht von Deiner heiligen Kirche“, erklingt es im Osterlob Exsultet. Früher musste daher die Osterkerze zu einem bestimmten Anteil aus Bienenwachs bestehen. Das sei heute anders. Es bestehe keine Pflicht, aber sie haben sich auf einen zehnprozentigen Anteil von Bienenwachs geeinigt, erklärt Oliver Baz. Kerzen aus Bienenwachs röchen nach Honig. Kerzen aus Paraffin sollten im Idealfall neutral riechen. Wenn die Kerze zudem trocken sei, handle es sich um gute Qualität. „Trocken“ heißt, dass die Kerze nicht schmiert, wenn man mit den Fingern über sie zieht. Paraffin ist ein Abfallprodukt aus der Ölindustrie und „wird mittlerweile gehandelt wie an der Börse – es gibt Tagespreise“. Viele Werkstätten hätten weniger Paraffin produziert als zuvor, da wegen der Coronapandemie weniger Mitarbeiter gearbeitet haben. Die Preise stiegen und es käme zu Lieferengpässen. Kerzenrohlinge, die bereits im August bestellt wurden, seien im Januar noch nicht da gewesen, erzählt Andreas Baz als Beispiel.</p><p>Familie Baz sammelt seit drei Generationen Erfahrungen mit Kerzen und entwickelt das Angebot stetig weiter. „Inspiration gibt es überall.“ Einmal habe der Pfarrer in der Osternacht über die Auferstehung „so genial“ gepredigt, „da hat sich direkt ein Bild in mir aufgebaut“, erzählt Andreas Baz. „Das muss auf die Kerze!“ Auf dieser sieht man einen Weg, der zu einer Höhle führt. Der Stein, der die Höhle versperrte, wurde zur Seite geschoben, und so strahlt die Sonne aus und hinter der Höhle hervor.</p><p><strong>Firmenchronik</strong></p><p>Mit der Mitgift seiner Frau Margarete baute Theodor Baz 1934 das Wohn- und Geschäftshaus in der Zeppelinstraße 58. Baz war gelernter Kaufmann, sammelte jedoch in Trier und Osterburken Erfahrungen in der Kerzenherstellung und fand Freude daran. Auf Wunsch des Schwiegervaters begann Baz, trotz hoher Konkurrenz von zwei ansässigen Kerzenziehern, in Würzburg Altarkerzen herzustellen. Viele Kirchen wechselten aus Tradition den Kerzenzieher nicht. Deswegen warb die Firma Baz in anderen Städten mit Postkarten und verschickte die bestellten Produkte mit der Bahn. Auch heute versendet die Familie Kerzen deutschlandweit und sogar nach Österreich, in die Schweiz, nach England und in die Pfarrei Maria Anima in Rom. Während des Zweiten Weltkriegs führten Rohstoffknappheit sowie das eingeschränkte Wirken der Kirchen mit weniger Messen zu schwierigen Zeiten bei den Kerzenziehern. Die Familie stellte auf die Herstellung von festem und flüssigem Bohnerwachs um und sicherte das Geschäft. Theodor Baz starb kurz vor Kriegsende und Margarete Baz übernahm das Geschäft. Sohn Wolfgang leitete den Familienbetrieb ab 1959 und eröffnete im Erdgeschoss ein kleines Ladengeschäft für Privatkunden. Dessen Söhne Oliver und Andreas Baz führen das Geschäft heute weiter. (Quelle: Baz Kerzen)</p><p class="text-right">Katrin Henn (POW)</p><p>(1522/0433; E-Mail voraus)</p><p><em><strong>Hinweis für Redaktionen:</strong> Fotos abrufbar im Internet</em></p>]]></content:encoded><category>Reportagen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-50314</guid><pubDate>Tue, 15 Feb 2022 08:20:13 +0100</pubDate><title>Wo der Tiefflieger brummt </title><link>https://pow.bistum-wuerzburg.de/aktuelle-meldungen/detailansicht/ansicht/wo-der-tiefflieger-brummt/</link><description>Aufzeichnung der Wort-Gottes-Feier für Satellitenkanal „FrankenPLUS“ in der Hammelburger Pfarrkirche </description><content:encoded><![CDATA[<p><strong>Hammelburg</strong> (POW) „Ich spiele jetzt die Kamera. Zwischen meinen Augen ist die Linse“, ruft Aufnahmeleiter Michael Pfeifer Diakon Manfred Müller zu. Seit mehr als zwei Stunden wird in der Hammelburger Stadtpfarrkirche schon die Technik aufgebaut. Das Bistum Würzburg zeichnet an diesem Tag die Wort-Gottes-Feier auf, die am Sonntag, 20. Februar, um 10 Uhr auf dem Satellitenkanal „FrankenPlus“ ausgestrahlt wird. Bis die Kameras erstmals laufen, wird die Zeit für Proben genutzt.</p><p>###GALERIE###</p><p>Müller steht auf den Stufen des Altarraums und geht mit Pfeifer das Tagesgebet durch. Wie lang welcher Part dauern darf, wer wo und wann spricht, ist in einem detaillierten Ablaufplan festgelegt. Pfeifer schaut konzentriert zu, während Müller das Tagesgebet spricht. „Kannst Du bitte mit den Händen eine Geste der Einladung zum Beten machen?“ Müller streckt die Unterarme in einer weiten Bewegung nach außen. „Zu viel. Es reicht, wenn Du kurz die Handflächen öffnest“, kommentiert Pfeifer.</p><p>Heiko Säle von der Fernsehredaktion des Bistums Würzburg hat mit seinem Kollegen Frank Schipper das Tonmischpult, insgesamt acht Mikrofone und fast ebenso viele Scheinwerfer in die Kirche getragen. Zwei Mikrofone stehen bereits auf halber Höhe im Mittelgang der Kirche und sind weit über Kopfhöhe in Richtung Orgelempore ausgerichtet. Dorthin trägt Schipper zunächst zwei Scheinwerfer, dann die zwei kleinen Kameras samt Stativen. Die Wendeltreppe hinauf zur Orgel ist eng und auch der Platz rund um den Spieltisch knapp bemessen. Die klobigen Standardkameras würden den Raum noch zusätzlich beengen.</p><p>Von oben lässt sich das Geschehen am Altar beobachten. „Mach bitte eine kurze Pause und schau in die Kamera, bevor Du anfängst. Damit signalisierst Du: Ich habe Euch etwas Wichtiges zu sagen“, erklärt Pfeifer Diakon Müller vor einem neuen Durchlauf des Tagesgebets. Müller hält kurz inne und spricht den Gebetstext. „Das war schön, nur hast Du die einleitende Handbewegung vergessen“, lautet die Rückmeldung.</p><p>Auf der Empore reibt sich derweil Kantor Dieter Blum die Hände, damit die Finger zum Spielen warm und geschmeidig bleiben. Kameramann Schipper korrigiert die Position der Kamera, die die Klaviatur und Blums Hände in Nahaufnahme zeigt. Mit Pfeifer hat er für das Präludium zwei Versionen abgesprochen: eine etwas kürzere, eine etwas längere, damit im finalen Schnitt die passende für alle Fälle vorhanden ist. „Ruhe bitte!“, spricht Pfeifer unten im Kirchenschiff in das Mikrofon seines Funkheadsets. Darüber ist er mit Säle am Mischpult und Kameramann Schipper verbunden. Der gibt Blum einen Fingerzeig, und die Orgel ertönt mit Macht. Zwei Vorspiele sind im Nu aufgezeichnet.</p><p>So geräuschlos wie möglich hat derweil durch die Sakristeitür Sophia Hose den Altarraum betreten. Die 17-jährige Schülerin leitet die Wort-Gottes-Feier gemeinsam mit Diakon Müller. Gerade ist die Schule zu Ende. Jetzt probt sie unter Pfeifers Aufsicht die Prozession mit dem Evangeliar. Umdrehen, langsam zum Altar gehen, Verneigung, Buch aufnehmen. „Kurze Drehung, also bitte rechtsherum, damit Du gleich den Ambo im Blick hast. Buch ablegen. Kurze Pause. Und dann bitte lesen.“ Danach nehmen Müller und Hose auf den Altarstufen die Positionen ein, von denen aus sie beim Gottesdienst im Dialog Gedanken zum Thema Barmherzigkeit austauschen werden.</p><p>Im rechten Seitenschiff haben Malte Schilling mit seinem Cajon und Roland Lutz mit seiner Gitarre ihre Plätze eingenommen. Säle baut zwei Richtmikrofone auf, die Musik und Gesang aufnehmen. „Das Kyrie bitte in einem Alla-breve-Tempo“, lautet der Regiewunsch Pfeifers. Ein kurzer Probelauf. Gerade als die Aufzeichnung starten soll, erfüllt ein Brummen den Raum. Ein Flugzeug dreht offensichtlich in geringer Höhe seine Runde über der Stadt. „Scheint ein ausgiebiger Rundflug zu sein“, feixt Schilling. Eine gefühlte Ewigkeit später ist die Lärmquelle schließlich verstummt. Das Kyrie wird aufgezeichnet. Auch das Lied „Keinen Tag soll es geben“ spielen die beiden ohne Probleme ein, mehrstimmiger Gesang inklusive.</p><p>Warmgesungen haben sie sich zuvor bei den Aufnahmen für den Gemeindegesang. Eine reale Gemeinde gibt es in der für die Aufnahmen geschlossenen Stadtpfarrkirche an diesem Tag nicht. Deswegen bittet Pfeifer neben Müller und Hose auch den Reporter um gesangliche Unterstützung. Säle lauscht am Mischpult konzentriert, während die Runde das erste Lied unter Orgelbegleitung anstimmt. Dann nimmt er den Kopfhörer ab und bittet alle Beteiligten, ein Stück näher an die beiden Mikrofone heranzutreten. „Sonst hört man nur Orgel“, erklärt er. Pfeifer bittet den Organisten um ein kurzes Vorspiel für das Halleluja. Dann singt der Spontanchor dreistimmig die Textzeile. „Das war schön, aber ich bräuchte das Vorspiel etwas kürzer!“ Organist Blum improvisiert ein neues Vorspiel. Als der Gesang verklungen ist, dankt er den Sängern und der Sängerin und ruft in Richtung Orgelempore: „Es macht Spaß, mit Profis zu arbeiten.“</p><p>Zu einem knapp 30-minütigen Fernsehgottesdienst werden die Aufnahmen dann im Lauf der Woche in Würzburg zusammengeschnitten. „Bis zur Ausstrahlung haben wir dafür noch komfortabel viel Zeit“, sagt Pfeifer.</p><p><span style="font-size:11pt"><span style="line-height:normal"><span style="text-autospace:none"><span style="font-family:Calibri,sans-serif"><b><i><span style="font-size:10.0pt"><span style="font-family:&quot;Arial&quot;,sans-serif"><span style="color:black">Stichwort: Gottesdienste auf FrankenPLUS</span></span></span></i></b></span></span></span></span></p><p><span style="font-size:11pt"><span style="line-height:normal"><span style="text-autospace:none"><span style="font-family:Calibri,sans-serif"><span style="font-size:10.0pt"><span style="font-family:&quot;Arial&quot;,sans-serif"><span style="color:black">Seit Juli 2021 ist der Satellitenkanal von TV Mainfranken eingestellt. Die Lokalsender TV Mainfranken, Franken Fernsehen und tvo Oberfranken arbeiten seither mit einem gemeinsamen Programm auf dem neuen Satellitenkanal FrankenPLUS noch enger zusammen. Auf FrankenPLUS ist per Satellit jeden dritten Sonntag um 10 Uhr eine Wort-Gottes-Feier aus dem Bistum Würzburg zu sehen. Aufgezeichnet wird der Gottesdienst vor der Ausstrahlung in verschiedenen Gotteshäusern Unterfrankens. Termine der nächsten Gottesdienst-Ausstrahlungen sind an folgenden Sonntagen jeweils von 10 bis 10.30 Uhr: 13. März aus Haßfurt, 3. April, 24. April, 15. Mai, 5. Juni, 26. Juni, 17. Juli, 7. August, 28. August und 18. September. Weitere Informationen unter </span></span></span><span style="font-size:10.0pt"><span style="font-family:&quot;Arial&quot;,sans-serif"><a href="https://www.bistum-wuerzburg.de/service/coronavirus/uebertragungen/" target="_blank" class="external-link">https://www.bistum-wuerzburg.de/service/coronavirus/uebertragungen/</a></span></span></span></span></span></span></p><p class="text-right">Markus Hauck (POW)</p><p>(0722/0197; E-Mail voraus)</p><p><em><strong>Hinweis&nbsp; für Redaktionen: </strong>Fotos abrufbar im Internet</em></p>]]></content:encoded><category>Reportagen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-49677</guid><pubDate>Fri, 17 Dec 2021 12:44:28 +0100</pubDate><title>Handarbeit mit Tradition</title><link>https://pow.bistum-wuerzburg.de/aktuelle-meldungen/detailansicht/ansicht/handarbeit-mit-tradition/</link><description>Zu Besuch in der Klosterbäckerei der Abtei Münsterschwarzach – Team von Bäckermeister Leo Stöckinger produziert pro Saison rund 1000 Christstollen – Sortiment umfasst vier verschiedene Stollen</description><content:encoded><![CDATA[<p><strong>Münsterschwarzach</strong> (POW) Mit beiden Händen greift Sabrina Büchs in den Teigkneter und hebt einen großen Batzen schweren, glänzenden Stollenteig heraus. Routiniert unterteilt sie ihn in gleich große Stücke – jedes rund 530 Gramm schwer. Der goldgelbe Teig ist gespickt mit Rosinen und Nüssen, Zitronat und Orangeat. Der feine Duft dringt auch durch die Schutzmasken, die in der kleinen Backstube Pflicht sind. „Seid Ihr Naschkatzen?“, fragt Bäckermeister Leo Stöckinger. Mit einem Küchenspatel trennt er drei Versucherle ab – zwei für die Gäste, eines für ihn selbst. Weicher Teig, Früchte, Nüsse und ein Hauch von Rum. Rund 70 Kloster-Christstollen werden an diesem Morgen nach traditionellem Rezept in der Klosterbäckerei der Abtei Münsterschwarzach gebacken.</p><p>###GALERIE###</p><p>Als wir gefühlt im Morgengrauen in der Backstube ankommen, ist schon längst alles vorbereitet. Für das Backstubenteam hat der Arbeitstag bereits um 3.30 Uhr begonnen. Im Teigkneter wächst eine Mischung aus Mehl, Milch, Wasser und Hefe stetig vor sich hin. Ebenfalls fertig vorbereitet ist die Fettmischung aus Butter, Zucker, Salz und Gewürzen. In zwei großen Behältern warten Rosinen, Orangeat und Zitronat sowie Haselnüsse und Mandeln auf ihren Einsatz. Die Früchte sind in Wasser und Rum eingeweicht, die Nüsse in Milch. „Damit die Nüsse beim Backen keine Feuchtigkeit aus dem Teig ziehen“, erklärt Stöckinger. Beim Lagern der Stollen geben die Zutaten die Flüssigkeit dann wieder an den Teig ab. „Deshalb ist frischer Christstollen meist trockener, als wenn er abgelagert ist.“</p><p>Der Teig ist mittlerweile deutlich gewachsen, muss aber noch eine Weile ruhen. Deshalb gibt es erst einmal einen Kaffee und Stollen. Stöckinger bringt einen Kloster-Christstollen und einen Christstollen mit Rotwein und schneidet von beiden großzügige Scheiben ab. Beide sind lecker. Entgegen unserer Vermutung schmeckt man den Rotwein nicht heraus, aber er gibt dem Stollen eine leicht herbe Note. Aus einem Nachschlag wird leider nichts, denn Sabrina Büchs ruft aus der Backstube: „Wir wären dann mal soweit!“ Der Teig hat sein Volumen vervierfacht, zumindest optisch. „Wir kneten den jetzt komplett fertig“, erklärt Büchs und gibt zunächst die Fettmischung und dann Mehl dazu. Der große Knethaken vermengt alles zu einer kompakten Masse. Früchte und Nüsse werden erst kurz vor Schluss, nach einer weiteren Ruhezeit, hinzugefügt: „Sonst sind sie Matsch.“ Die Idee, ein Rezept abzuluchsen, hat sich angesichts der Mengen, die hier verarbeitet werden, verflüchtigt. Denn das würde wohl so lauten: „Man nehme zehn Kilogramm Vorteig, achteinhalb Kilogramm Mehl, sechs bis sieben Kilogramm Fett…“</p><p>Pro Saison werden insgesamt rund 1000 Stollen in unterschiedlichen Größen gebacken. Neben Kloster-Christstollen und Christstollen mit Rotwein umfasst das Sortiment auch Dinkel-Cranberry-Christstollen und – für alle, die keine Rosinen mögen – Schoko-Stollen. Gebacken wird für den Bäckereiladen auf dem Gelände der Abtei, aber auch für das Egbert-Gymnasium, die Klosterküche und das Gästehaus. Dabei müssen sich die Mitarbeiter auf unterschiedliche Geschmäcker einstellen. „Die Schüler haben andere Ansprüche als die Mönche“, nennt Stöckinger als Beispiel. Etwa 20 bis 30 Prozent der Stollen werden über den Vier-Türme-Onlineshop verkauft, schätzt er. Die Produktion orientiere sich auch an den christlichen Festen. So gibt es in der Weihnachtszeit Stollen und Plätzchen, an Ostern Osterbrot. „Wir halten solche Traditionen aufrecht“, sagt der Bäckermeister, der seit 35 Jahren in der Klosterbäckerei arbeitet. Insgesamt zählt das Team neun Personen: vier in der Produktion, vier im Verkauf und eine Putzkraft.</p><p>Die Zutaten werden, soweit es möglich ist, von regionalen Anbietern bezogen. Darüber hinaus ist die Klosterbäckerei Mitglied der <a href="http://www.wasserschutzbrot.de" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">„Initiative Wasserschutzbrot“</a>. Der sogenannte Wasserschutz-Weizen werde statt dreimal nur zweimal gedüngt, erklärt Stöckinger. Das schont das Grundwasser, doch zugleich enthält der Weizen weniger Klebereiweiß. Bei der Verarbeitung sei der Bäcker mehr gefordert. Die handwerklichen Bäckereien hätten hier einen Vorteil gegenüber den industriellen Betrieben, ist Stöckinger überzeugt. „Weil wir mehr mit Handarbeit erledigen, können wir individueller reagieren. Zum Beispiel, wenn das Mehl mal nicht so viel Wasser aufnimmt.“</p><p>Inzwischen ist der Teig fertig geknetet. Nun ist Teamarbeit gefragt. Sabrina Büchs hebt große Teigstücke heraus, portioniert sie und reicht jeweils zwei Stücke an Andreas Krumm. Der dreht sie sekundenschnell – mit beiden Händen gleichzeitig – zu glatten Kugeln. Lena Lutz formt daraus längliche Laibe, legt sie einzeln in die Vertiefungen einer gefetteten metallenen Stollenform und drückt sie leicht an. Dann kommen sie noch einmal für eine Stunde in einen temperierten Garraum. „Die Stehzeit ist ganz wichtig“, sagt Stöckinger. Während im Teigkneter schon die Zutaten für den nächsten Teig gemischt werden, diesmal für Brötchen, demonstriert Andreas Krumm, wie ein Stollen klassisch mit der Hand geformt wird. Mit den Händen formt er einen kleinen Laib. Dann nimmt er einen Holzstab, walzt damit den Teig in der Mitte aus, drückt eine große und eine kleine Kuhle hinein und schlägt die Seiten übereinander. Das Ganze dauert keine 30 Sekunden. „Die Form entstand in Anlehnung an das Jesuskind, das in eine Windel gewickelt in der Krippe liegt“, erklärt Stöckinger.</p><p>Nach dem Backen werden die noch warmen Stollen mit heißem Butterfett bestrichen und gezuckert. „Butter versiegelt die Oberfläche und verhindert, dass der Stollen austrocknet.“ Erst kurz vor dem Verpacken kommt der Puderzucker auf die Stollen. Mindestens 14 Tage sollte ein fertiger Stollen ruhen, empfiehlt der Bäckermeister. Dann ist er bereit für die adventliche Kaffeetafel. Aber nicht nur für diese. Es sei wichtig, den Geschmack von Lebensmitteln wieder zu entdecken, erklärt Stöckinger und rät: „Man sollte einfach mal experimentieren, zum Beispiel Christstollen mit Rotwein kombinieren.“</p><p class="text-right">Kerstin Schmeiser-Weiß (POW)</p><p>(/5121/1236; E-Mail voraus)</p><p><em><strong>Hinweis für Redaktionen:</strong> Fotos abrufbar im Internet</em></p>]]></content:encoded><category>Reportagen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-48529</guid><pubDate>Thu, 19 Aug 2021 15:35:02 +0200</pubDate><title>„Wie Lagerfeuer früh um drei“</title><link>https://pow.bistum-wuerzburg.de/aktuelle-meldungen/detailansicht/ansicht/wie-lagerfeuer-frueh-um-drei/</link><description>Band „Sternallee“ bringt Ende 2021 ihre fünfte CD „wie du bist“ mit 13 Liedern heraus – Musiker gewähren einen Nachmittag lang Einblick in die Aufnahmen – „Wichtig, dass jeder Song seine eigene Atmosphäre hat“</description><content:encoded><![CDATA[<p><strong>Münsterschwarzach/Würzburg</strong> (POW) „A-Dur – E-Dur – H-Moll – D-Dur“. Seit Minuten spielt Rolf Wenner nur diese vier Akkorde auf der Gitarre. Sein Blick schweift vom Notenständer nach rechts zu Gerhard Barth am Mischpult, aus den bodentiefen Fenstern hinaus in die Ferne und wieder zurück auf den Notenständer. Außer der Gitarre ist kein Laut zu hören. Die übrigen Mitglieder der Band „Sternallee“ – Susanne Scherer (Gesang), Matthias Gahr (Texter, Komponist, Keyboards, Gesang) und Sebastian Volk (Drums, Percussion) – hören über Kopfhörer mit. Michael Aust (Bass, Technik, Gesang) kommt heute etwas später. Nach dem letzten Ton ist für einen Moment Stille. „Das hast Du sehr sauber durchgespielt, ich hätte schon längst die Flinte ins Korn geworfen“, sagt Matthias Gahr beeindruckt. „Das ist wie Lagerfeuer früh um drei“, kommt es von Sebastian Volk, der tiefenentspannt auf einem Drehstuhl sitzt. Die Gitarrenspur für den Song „Sommerleicht“ ist fertig. Ende 2021 wird die neue CD von „Sternallee“ mit dem Titel „wie du bist“ mit insgesamt 13 neuen Liedern erscheinen.</p><p>Genau acht Tage hat die Band Zeit, um alle Lieder einzuspielen. Das Egbert-Gymnasium in Münsterschwarzach hat dafür den Kunstraum zur Verfügung gestellt. In der Mitte des Raums sitzt Gerhard Barth am Mischpult. Der Toningenieur aus Wetzlar begleitet die Band seit ihrer ersten CD „größer“ aus dem Jahr 2009. Rechts steht ein Schlagzeug, links hängen an einer großen grünen Tafel die Einsatzpläne für die Aufnahmen – einmal aufgeschlüsselt nach Liedern und einmal für jedes Bandmitglied. Sebastian Volk streicht bei „Sommerleicht“ schwungvoll die Zeile „Akustik-Gitarre“ aus.</p><p>Für einen Laien ist es zunächst eine Überraschung, dass jedes Instrument und jede Stimme auf einer eigenen Spur aufgenommen werden. „Eine Band kann zusammen alles gleichzeitig einspielen“, erklärt Matthias Gahr. Aber da die Mitglieder von „Sternallee“ über das ganze Bistum verstreut leben und arbeiten, habe man wenig Möglichkeiten für gemeinsame Proben. Susanne Scherer ist für die Aufnahmen mit Mann und Kindern aus Goldbach angefahren, Rolf Wenner aus Gochsheim und Sebastian Volk aus Würzburg. Um dennoch gut vorbereitet in die Aufnahmen starten zu können, hat Matthias Gahr mit Rolf Wenner und Sebastian Volk die Vorproduktion übernommen. Dabei wurden beispielsweise die Tonarten und Tempi sowie die benötigten Instrumente festgelegt. „Mir ist es wichtig, dass jeder Song seine eigene Atmosphäre hat“, sagt Matthias Gahr. Die meisten Lieder habe er in den vergangenen drei, vier Jahren eigens für diese CD geschrieben. Der Song „Warum weinst Du?“ aber sei bereits 23 Jahre alt. „Wir haben es neu entdeckt und von der Atmosphäre ziemlich umgekrempelt. So bekommt ein altes Lied doch noch mal ein neues Gewand.“</p><p>Die Aufnahmen folgen keinem strikten Plan. „Das, worauf man gerade am meisten Lust hat, fällt am leichtesten“, sagt Matthias Gahr. Für „Sommerleicht“ etwa will Susanne Scherer noch eine zweite Stimme für den Refrain einsingen. Sie setzt ihre Kopfhörer auf und stellt sich ganz nahe an das Mikrofon. Konzentriert lauscht sie auf die bislang aufgenommenen Tonspuren, darunter auch ihre eigene Stimme. Ihr ganzer Körper wippt im Takt. Dann setzt sie mit leicht jazziger Stimme beim Refrain ein: „Und ich fühl mich sommerleicht – alles Schwere in mir weicht – nur blau, soweit der Himmel reicht – wolkenlos und sommerleicht.“ Zweimal hintereinander. Sie nimmt die Kopfhörer ab und sieht ihre Bandkollegen mit einem fragenden Lächeln an. Die sind begeistert – alles perfekt.</p><p>Oder doch nicht? Beim gemeinsamen Anhören stellt Sebastian Volk mehr zu sich selbst fest: „Da fehlt irgendwie noch was.“ Wer die Ukulele dann ins Spiel bringt, ist im Nachhinein nicht mehr festzustellen. Rolf Wenner ist es nicht: „Ich kann keine Ukulele.“ „Die Ukulele würde gut passen, das unterstreicht die Atmosphäre nochmal“, ist Sebastian Volk überzeugt. Schließlich schnappt sich Gerhard Barth das Instrument und spielt konzentriert die gleichen vier Akkorde wie zuvor Wenner. „Selbst wenn man eine Vorstellung von einem Lied hat, kann es noch am Ende völlig anders klingen“, findet Matthias Gahr. Die Ukulele habe er nicht auf dem Plan gehabt. „Aber wenn Ideen kommen, werden sie gleich aufgenommen. Ich bin echt dankbar, dass ich so kreative Musiker habe.“</p><p>Susanne Scherer ist das jüngste Mitglied der Band. Es ist ihre zweite CD mit „Sternallee“. Die ersten drei wurden noch mit Christina Siebert, Sängerin und Gründungsmitglied, aufgenommen. „Die Kunst der Sängerin ist es, meine Vorstellungen umzusetzen“, sagt Matthias Gahr: „Susanne hat es noch viel besser umgesetzt, als ich mir das vorgestellt habe.“ Beim Katholikentag in Münster 2018 habe sie das Publikum auf dem Platz des Westfälischen Friedens dazu gebracht, mit ihr zusammen dreistimmig zu singen, erzählt er. „Da bekommst du auch als Musiker schon mal eine Gänsehaut“, ergänzt Rolf Wenner. Vor Corona habe die Band zwischen sechs und neun Auftritten im Jahr im ganzen Bistum und darüber hinaus absolviert. „Mit Corona haben wir keine Chance, aufzutreten“, sagt Matthias Gahr. Das hatte auch die Finanzierung des neuen Albums gefährdet. Doch mittels einer Crowdfunding-Aktion ist es gelungen, die nötigen Mittel zusammenzubekommen. „Das Funding-Ziel haben wir erreicht. Und es haben sogar Leute angeboten, den Betrag aufzustocken, falls am Schluss noch etwas fehlen sollte. Das war besonders schön.“</p><p>Vielleicht kann die neue CD die Fans für die lange Pause entschädigen. Susanne Scherer mag darauf vor allem die Gute-Laune-Lieder wie „Und ich flieg‘“ oder „Danke Himmelblau“, verrät sie. „Sie liegen mir vom Singen und sind leicht, fluffig, positiv. Jeder kann sich etwas aus ihnen ziehen.“ Die Musik von „Sternallee“ wolle die Menschen dort abholen, wo sie stehen, erklärt Matthias Gahr. Auf der Homepage der Band heißt es zur neuen CD: „Die Songs, die man gerne in die Seele lässt, sind vielleicht etwas entspannter und intimer als bisher – auf der Suche nach unseren Bildern und Worten für Gott.“ Auf der CD werden 13 Eigenkompositionen, allesamt in deutscher Sprache, zu hören sein. Erscheinungsdatum ist, wie auch für das dazugehörige Songbook, im November/Dezember 2021. Und dann freut sich die Band schon darauf, die Lieder wieder live zu ihrem Publikum zu bringen – die ersten Konzerte sind dafür schon geplant.</p><p>Weitere Informationen über die Band, ihre Auftritte und die Möglichkeit zur Vorbestellung gibt es auf der Homepage von <a href="http://www.sternallee.de" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">„Sternallee“</a>. Die CD kostet 15 Euro (Bestellnummer 91-369), das Songbook mit rund 32 Seiten 9,95 Euro (Bestellnummer 71-369).</p><p class="text-right"><em>sti (POW)</em></p><p>(3421/0815; E-Mail voraus)</p><p><em><strong>Hinweis für Redaktionen:</strong> Fotos abrufbar im Internet</em></p>]]></content:encoded><category>Kitzingen</category><category>Würzburg</category><category>Reportagen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-48501</guid><pubDate>Sun, 15 Aug 2021 15:41:00 +0200</pubDate><title>Kerzen leuchten für die Gottesmutter</title><link>https://pow.bistum-wuerzburg.de/aktuelle-meldungen/detailansicht/ansicht/kerzen-leuchten-fuer-die-gottesmutter/</link><description>Weihbischof Ulrich Boom feiert am Maria Ehrenberg einen Pontifikalgottesdienst am Vorabend des Hochfestes Mariä Himmelfahrt – „Ein Ort, an dem Menschen Hoffnung und Zuversicht schöpfen“ – Feierlichkeiten zum Jubiläum „500 Jahre Wallfahrt“ coronabedingt auf 2022 verschoben</description><content:encoded><![CDATA[<p><strong>Maria Ehrenberg</strong> (POW) „Jede Wallfahrt und jeder Pilgerweg ist ein Bild für unser Leben.“ Das hat Weihbischof Ulrich Boom beim Pontifikalgottesdienst am Samstagabend, 14. August, dem Vorabend des Hochfestes Mariä Himmelfahrt, am Maria Ehrenberg erklärt. Der Weihbischof betete mit den Gläubigen am Freialtar an der Wallfahrtskirche den Rosenkranz und zelebrierte eine Vigilfeier. Die Wallfahrt zum Maria Ehrenberg blickt in diesem Jahr auf ihr 500-jähriges Bestehen. Aufgrund der Coronapandemie wurden die Jubiläumsfeierlichkeiten jedoch auf das Jahr 2022 verlegt. Auch an diesem Abend mussten die Wallfahrer auf manche Tradition verzichten, etwa die Lichterprozession um die Wallfahrtskirche oder die Übernachtung auf dem Maria Ehrenberg.</p><p>Ein Meer von farbigen Lichtern flackert auf dem Platz vor dem Freialtar an der Wallfahrtskirche Maria Ehrenberg. „Hilf, Maria, es ist Zeit, hilf, Mutter der Barmherzigkeit. Du bist mächtig, um uns aus Nöten und Gefahren zu erretten“, beten die Menschen gemeinsam mit Weihbischof Boom. Rechts vom Freialtar versinkt die Sonne orangerot hinter den Bäumen, links steht schon die silbrige Mondsichel am Himmel. „Ich bin froh und glücklich, dass wir wenigstens die heilige Messe hier feiern können“, begrüßt der Weihbischof die Wallfahrer. Aufgrund der Coronavorschriften sitzen auf manchen der aufgestellten Bänke nur ein oder zwei Menschen. Maximal 400 Personen seien derzeit auf dem Gelände zulässig, erklärt das Organisationsteam. „Denken wir uns auf all die leeren Plätze die Menschen, die in unseren Herzen sind, aber nicht da sein können. Spüren wir, wie voll der Platz wird. Und denken wir uns noch die Menschen dazu, mit denen wir uns schwertun. Mit allen sind wir aufgehoben bei der Muttergottes“, fordert Weihbischof Boom die Gläubigen auf.</p><p>Die heilige Messe am Vorabend von Mariä Himmelfahrt sei ein Abend, „an dem in allen Turbulenzen unseres Lebens das Vertrauen in Gott, den Nächsten und uns selbst neu startet“, sagt Weibischof Boom in seiner Predigt. „Selig sind die, die das Wort Gottes hören und es befolgen.“ Dieses Wort sei treffend für diesen Abend und für diesen „herausragenden Wallfahrtsort“. Wie bei Maria, solle das Wort Gottes „in uns und durch uns Hand und Fuß bekommen, damit die Welt erkennt, zu welcher Hoffnung und Zuversicht wir berufen sind und was uns geschenkt wurde in Jesus Christus“.</p><p>Die Zeit der katholischen Reform und der Reformation Ende des 15. und im 16. Jahrhundert sei eine turbulente Zeit gewesen, geprägt von Auseinandersetzungen und Kriegen. „Man kann annehmen, dass das heute so verehrte Bild der Gottesmutter mit dem Christuskind auf dem Schoß aus dem 14. Jahrhundert in der Suche nach Erneuerung des Glaubens beseitigt wurde“, schlägt der Weihbischof den Bogen zum Ursprung der Wallfahrt. Doch ein achtsamer Mensch habe das Bild vielleicht in den Wald gebracht, damit es nicht zerstört werde, sondern den Weg alles Irdischen gehe. „Ein Schäfer findet dieses Bild und bringt es in die Kirche nach Kothen, aber es kehrt auf wundersame Weise immer wieder an den Fundort zurück.“ So errichteten die Einwohner im Jahr 1521 einen Bildstock für die gefundene Holzfigur und 1522 eine kleine Holzkapelle. „Der Anfang der Wallfahrt erinnert uns daran, dass Gott immer wieder neue Orte des Glaubens aufsucht.“</p><p>Viele Menschen kämen auf den Ehrenberg und an andere Wallfahrtsorte, weil sie in ihrer Ortskirche keine Heimat fänden, fährt der Weihbischof fort. „Das macht nachdenklich und ist tröstlich zugleich.“ Wer am Fuß der 254 Stufen der „Himmelsleiter“ stehe, die zur Wallfahrtskirche führen, ahne nicht, was ihn erwarte – ein weiter Platz und der schützende Raum einer Kirche. „Jede Wallfahrt und jeder Pilgerweg ist ein Bild für unser Leben“, erklärt Weihbischof Boom. Der Lebensweg sei oft nicht gradlinig und wohlgeordnet. „Zum steilen Anstieg kommen im wahren Leben oft noch steinige und unebene Stücke hinzu.“ Wer die „Himmelsleiter“ emporsteige, treffe immer wieder auf das Bild Mariens. „Sie möchte uns an die Hand nehmen, damit wir im Vertrauen auf Gott unseren Lebensweg gehen.“</p><p>Viele unterschiedliche Wege führten zum Gnadenbild. „Beeindruckend ist für mich der Weg, der durch das Truppenübungsplatzgelände führt“, sagt Weihbischof Boom. Auf diesem Gelände habe die Wehrmacht für den Zweiten Weltkrieg geübt, die US-Streitkräfte für den Vietnamkrieg. „Heute übt hier die Bundeswehr für ihre Einsätze zum Erhalt von Demokratie und Freiheit in der Welt.“ Wer durch dieses Gelände gehe, werde an die weltweiten Konflikte wie auch an die „Kriegsschauplätze“ im eigenen Leben erinnert. Das schlichte, kleine, tröstliche Bild der Gottesmutter passe in diese Welt und in diese Zeit, sagt der Weihbischof. „Wir fragen uns oft: Wie kommt Frieden und Zufriedenheit in unsere Welt und in unser Leben? Das Gnadenbild von Maria Ehrenberg sagt es uns: Auf Christus zeigen und ihm ähnlich werden, mehr braucht es nicht. Bitten wir um die Fürsprache unserer Lieben Frau vom Ehrenberg, dass hier an diesem Ort die Menschen Hoffnung und Zuversicht schöpfen und in das Leben hineintragen.“</p><p>Zum Abschluss der Vigilfeier segnet Weihbischof Boom die Kräuter: „Ich wünsche mir, dass wir wie Maria heilsam durch die Welt gehen.“ Der Weihbischof dankt allen, die an den Vorbereitungen für diesen Abend beteiligt waren sowie den Rhönmusikanten Waldberg unter der Leitung von Markus Arnold für die musikalische Begleitung. Er bittet die Gläubigen, auch jene in das Gebet mit aufzunehmen, die auf dem Truppenübungsgelände üben, um den Frieden in der Welt zu verteidigen.</p><p>Vor dem Gottesdienst hatte sich Weihbischof Boom die Zeit genommen, um das letzte Stück des Wallfahrtsweges zu Fuß hinaufzugehen. Mit ihm erklommen Silvia Jung, ihr Sohn Philipp, ihr Schwager Rudolf Klug und eine Freundin der Familie die 254 Stufen. Die Gruppe war zu Fuß aus Speicherz zum Maria Ehrenberg gelaufen. Sie feiere jedes Jahr am Vorabend von Mariä Himmelfahrt die Messe auf Maria Ehrenberg mit, sagt Jung. Die Stimmung auf Maria Ehrenberg sei besonders, ergänzt ihr Sohn Philipp und betont: „Es gehört einfach dazu, die Treppen hochzugehen.“ Andere traditionelle Bestandteile der Wallfahrt, wie die Lichterprozession um die Kirche oder das Übernachten auf dem Ehrenberg, sind in diesem Jahr aufgrund von Corona nicht gestattet. Jeder habe schon einmal gebetet und das Gebet sei erhört worden, sagt Rudolf Klug: Auf dem Ehrenberg bete man zur Gottesmutter für das, „was im Leben noch kommen kann“.</p><p class="text-right"><em>sti (POW)</em></p><p>(3321/0802; E-Mail voraus)</p><p><em><strong>Hinweis für Redaktionen:</strong> Fotos abrufbar im Internet</em></p>]]></content:encoded><category>Bad Kissingen</category><category>Weihbischof Ulrich Boom</category><category>Reportagen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-47616</guid><pubDate>Thu, 20 May 2021 15:57:26 +0200</pubDate><title>Hilde Helmwige und das Weltklima</title><link>https://pow.bistum-wuerzburg.de/aktuelle-meldungen/detailansicht/ansicht/hilde-helmwige-und-das-weltklima/</link><description>Neues Angebot der Jugend-Umweltstation KjG-Haus Schonungen – Im Escape-Room gemeinsam Rätsel lösen und etwas über klimafreundliches Verhalten lernen – Termine für Gruppen in den Pfingstferien</description><content:encoded><![CDATA[<p><strong>Würzburg </strong>(POW) „Hilde Helmwige, die vier Geschwister hat, macht ihren Wocheneinkauf immer im Unverpacktladen, um möglichst viel Plastik einzusparen.“ Ratlos starre ich auf den Papierstreifen in meiner Hand. Wer bitte ist Hilde Helmwige? Und warum ist es wichtig, dass sie zum Einkauf ihre eigenen Dosen mitnimmt? „Alles hat etwas zu bedeuten“, sagt meine Kollegin Rebecca Hornung, Redakteurin in der Internetredaktion des Bistums. Gemeinsam probieren wir den neuen Escape-Room der Jugend-Umweltstation KjG-Haus Schonungen aus. Die Aufgabe lautet: „Hilfeschrei aus der Zukunft! Rettet das Orchester – Rettet das Klima!“ Das Projektteam hat dafür einen Raum im Kilianeum-Haus der Jugend in Würzburg zu einem „Orchesterprobenraum“ umgebaut. Überall sind Puzzleteile verstreut. Außerdem verschiedene Kästen und Körbe, ein Geigenkasten, alle mit kleinen Vorhängeschlössern gesichert. Kein Schlüssel weit und breit. Na super.</p><p>Gemeinsam Rätsel lösen und dabei spielerisch etwas über klimafreundliches Verhalten erfahren, das ist das Ziel des Escape-Rooms. Das Projektteam hat sich dazu eine Rahmenhandlung ausgedacht: Eine radikale Klimaaktivistin aus der Zukunft hat die 120 Mitglieder des Orchesters der Bayreuther Wagner-Festspiele entführt. Nun sind sie in einem Paralleluniversum gefangen. Die Aktivistin hat ihre Forderungen in Form von Rätseln versteckt. Werden die Forderungen nicht rechtzeitig gefunden, ist das Orchester für immer verloren. Rebecca und ich gehen im „Proberaum des Orchesters“ auf die Suche, die Medienhaus-Volontärinnen Anna-Lena Ils und Magdalena Rössert im „Büro der Festspielleitung“. Außer mir waren alle schon einmal in einem Escape-Room. „Ich gebe Euch eine Stunde 15 Minuten“, sagt Vera Bellenhaus, Leiterin der Jugend-Umweltstation, und schließt die Tür.</p><p>Das erste, was uns auffällt, sind quadratische Kärtchen, die über alle Tische verteilt sind. Auf der Vorderseite sind Ausschnitte aus einem Straßenplan aufgedruckt, auf der Rückseite stehen unter anderem Personenzahlen, Grammangaben und verschiedene Verkehrsmittel. Mit ein bisschen Tüfteln entsteht daraus ein großer Plan, der aussieht wie ein Verkehrs-Spielteppich. Und mit den Angaben auf der Rückseite können wir einen Lückentext ausfüllen, der uns verrät, welche Verkehrsmittel den geringsten CO2-Ausstoß haben. Aber nach der Hälfte der Zeit haben wir immer noch nicht herausgefunden, was es mit der Waage und den kleinen Beuteln auf sich hat, auf denen ein Rind, ein Ei und Brötchen aufgemalt sind. Und kein einziges Schloss geknackt. Dafür haben wir insgesamt sieben Papierstreifen mit Angaben zu Orchestermitgliedern gefunden. Nicht nur Hilde Helmwige ist sehr umweltbewusst. Der Klarinettist Albrecht Titurel etwa lebt vegan, um CO2-Emissionen einzusparen. Nach minutenlangem Studium des Orchesterplans, der an der Wand hängt, hat Rebecca im wahrsten Sinne des Wortes einen Lichtblick (der hier nicht verraten werden darf) und findet die zweite Forderung.</p><p>Seit Juni 2020 hat ein sechsköpfiges Team am Escape-Room getüftelt, erzählt Bellenhaus. Es ist eine Auftragsarbeit. Das Landratsamt Bayreuth habe für ein FöRLa-Projekt (Förderrichtlinie Landesentwicklung) jemand gesucht, der einen mobilen Escape-Room zum Thema Klimawandel erstellt. Bei diesem Programm sollen unter anderem nachhaltige, von den regionalen Partnern mitgetragene Projekte etabliert werden. „Wir haben uns beworben und den Zuschlag bekommen.“ Gefordert waren unterschiedliche Schwierigkeitsstufen, beginnend ab der fünften Klasse. Der Auftraggeber sei letztlich auch die Inspiration für die Hintergrundgeschichte mit dem Bayreuther Orchester gewesen. Als Kooperationspartner konnte das Team den Lehrstuhl für Didaktik der Naturwissenschaften an der Universität Bamberg gewinnen. „Als es um die praktische Anwendung ging, sind wir mit dem Klimobil nach Bamberg gefahren“, erzählt Bellenhaus. Dr. Yelva Larsen und ihre Studenten hätten auch zwei der Rätsel entworfen. „Es ist ein spannendes Projekt und eine große Herausforderung“, sagt Bellenhaus. Der Escape-Room soll künftig auch in der Bildungsarbeit der Jugend-Umweltstation eingesetzt werden.</p><p>Ich wüsste gerne, wer die Rätsel ausgetüftelt hat, in denen die Zahlenkombinationen für die Schlösser versteckt sind. Seit Minuten tigern wir kreuz und quer und ohne Erleuchtung durch den Raum. In einer Ecke sitzt Kilian Fladung, der bei der Katholischen jungen Gemeinde (KjG) ein Freiwilliges Ökologisches Jahr (FÖJ) absolviert. Wenn wir gar nicht mehr weiterkommen, kann er uns Tipps geben. „Gehört die Box auch dazu?“, fragt Rebecca und zeigt auf einen weißen Kasten mit roter Frontseite auf dem Fensterbrett. „Und das?“ In einer Ecke steht eine Palme, in der anderen liegt ein Haufen Müll. Mit Hilfe einer Plastikflasche und einigen anderen zusammengesammelten Dingen knacken wir endlich das Schloss am Geigenkasten. Für den letzten Lückentext müssen wir erst einmal einzelne Papierstreifen in der richtigen Reihenfolge aufkleben. Das Ergebnis sieht ziemlich unordentlich aus – Hauptsache fertig, denke ich. Rebecca entziffert derweil ein abstraktes Muster aus schwarzen und weißen Kästchen, das eine Schrift sein soll. Ein Kryptexx, wie ich später lerne. Alles in allem brauchen wir gut zehn Minuten länger als vorgesehen, haben aber tatsächlich alle Forderungen gefunden – und zwar an beiden Spielorten. Ein paar neue Dinge zum Klimaschutz habe ich dabei auch erfahren. Der erste Escape-Room bleibt bestimmt nicht der letzte.</p><p><strong><em>Escape-Room „Hilfeschrei aus der Zukunft“ in den Pfingstferien</em></strong></p><p>Wer Lust hat, den Escape-Room selbst auszuprobieren, kann das in den Pfingstferien tun. Die Jugend-Umweltstation KjG-Haus Schonungen bietet folgende Termine an: am Dienstag und Mittwoch, 25. und 26. Mai, im Jugendtreff Kom,ma in Schweinfurt sowie von Montag bis Donnerstag, 31. Mai bis 3. Juni, im Kilianeum-Haus der Jugend in Würzburg. Für Gruppen aus dem Landkreis Schweinfurt kann nach Absprache die Jugend-Umweltstation in Schonungen genutzt werden. Der Start ist jeweils um 9.30, 12 oder 15.30 Uhr möglich, die Dauer beträgt rund eineinhalb Stunden. Voraussetzung für das Angebot ist eine Sieben-Tages-Inzidenz vor Ort von unter 100. Das Mindestalter ist zwölf Jahre. Die Gruppengröße kann fünf bis maximal 14 Personen betragen. Die Teilnahme kostet pro Gruppe 20 Euro. Anmeldung mit Angabe von Kontaktdaten, Terminwunsch und Uhrzeit, Gruppengröße und Alterszusammenstellung bei der KjG, Telefon 0931/38663161, E-Mail info@kjg-haus.de.</p><p class="text-right"><em>Kerstin Schmeiser-Weiß (POW)</em></p><p>(2121/0494; E-Mail voraus)</p><p><em><strong>Hinweis für Redaktionen: </strong>Fotos abrufbar im Internet</em></p>]]></content:encoded><category>Reportagen</category><category>Umwelt</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-45969</guid><pubDate>Thu, 17 Dec 2020 10:12:59 +0100</pubDate><title>Himmlisch lecker</title><link>https://pow.bistum-wuerzburg.de/aktuelle-meldungen/detailansicht/ansicht/himmlisch-lecker/</link><description>Kinderleichtes Kochen: Verbraucherservice Bayern empfiehlt Apfeltiramisu als weihnachtlichen Nachtisch</description><content:encoded><![CDATA[<p><strong>Würzburg</strong> (POW) Es riecht weihnachtlich in der Schulküche des Verbraucherservice Bayern (VSB). Die Zutaten für das Apfeltiramisu stehen schon bereit: Äpfel und Apfelsaft, Zimt, Zucker und Lebkuchengewürz, Spekulatius, Zitronen, Mandelblättchen, Rosinen, Mascarpone und Quark. Das Rezept ist von Iris Graus, Meisterin der Hauswirtschaft beim VSB im Katholischen Deutschen Frauenbund (KDFB). Sie hat es inspiriert von verschiedenen Rezepten zusammengestellt. Neben saisonalen und regionalen Produkten sei ihr besonders wichtig, dass alle Zutaten vor Ort verfügbar sind und keine weiten Strecken zurückgelegt werden müssen. Außerdem seien ihr viele Originalrezepte zu fett, besonders für Kinder. Deshalb mischt sie die Mascarpone mit Magerquark und reduziert Zucker. Nichtsdestotrotz sei das Wichtigste, dass es schmeckt. „Lieber eine kleine und leckere Portion als eine große, die nicht schmeckt“, erläutert Graus.</p><p>###GALERIE###</p><p>Zunächst bereitet Graus alles für das Apfelkompott vor: Blitzschnell schält, entkernt und schneidet sie drei saftige Äpfel. „Die einfache und schnelle Zubereitung von dem Apfeltiramisu bietet sich zum Ausprobieren mit Kindern an“, erzählt Graus. Mit zirka 30 Minuten Vorbereitungszeit rechnet sie. Wobei sie empfiehlt, sich beim Kochen mit Kindern Zeit zu nehmen und lieber einen Puffer einzuplanen. Graus hat Erfahrung: Sie unterrichtet im Rahmen ihrer Tätigkeit Schulklassen in Hauswirtschaft und bietet Kindergeburtstage an. „Egal ob Kinder oder Erwachsene, wenn man gemeinsam mit jemand Ungeübtem kocht, braucht man Geduld“, sagt Graus. Gleichzeitig solle man nicht unterschätzen, was Kinder schon können. „Mitmachen statt zuschauen“ ist ihre Devise, sonst langweilen sich die kleinen Helfer schnell.</p><p>Während die Äpfel zusammen mit dem Apfelsaft und den Rosinen in einem Topf bei mittlerer Hitze zu einer goldenen Masse werden, mengt Graus Quark, Mascarpone, Zimt und Zucker kraftvoll in einer Rührschüssel zusammen. Dafür benutzt sie einen Schneebesen. Damit könne weniger passieren als mit einem Handrührgerät, was besonders bei kleinen Kindern wichtig sei. Zwischendrin wird immer wieder abgeschmeckt. „Das macht Spaß und garantiert ein leckeres Ergebnis“, sagt Graus.</p><p>Das fertige, dampfende Kompott wird in einer Schüssel mit den Mandelblättchen vermengt. Schon beim Zuschauen läuft einem das Wasser im Mund zusammen. Sobald die Creme aus Quark und Mascarpone glatt gerührt ist, geht es ans Schichten: Kompott, Creme und Spekulatiuskekse werden abwechselnd in ein Dessertglas gegeben. „Die Kombination aus warmem Kompott und kalter Creme macht den Wow-Effekt aus“, erklärt Graus. Wer Lust hat, kann das fertige Tiramisu mit Goldpulver und Schokotannenbäumen verzieren. Aber auch ohne ist das Ergebnis schon schön anzusehen und vor allem himmlisch lecker.</p><p class="text-right">Magdalena Rössert (POW)</p><p>(0121/0003; E-Mail voraus)</p><p><em><strong>Hinweis für Redaktionen:</strong> Fotos abrufbar im Internet</em></p>


]]></content:encoded><category>Reportagen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-45809</guid><pubDate>Mon, 07 Dec 2020 14:11:24 +0100</pubDate><title>Ein Lichtlein brennt</title><link>https://pow.bistum-wuerzburg.de/aktuelle-meldungen/detailansicht/ansicht/ein-lichtlein-brennt/</link><description>Familienbetrieb Schenk nutzt zur Kerzenherstellung altbewährte Technik</description><content:encoded><![CDATA[<p><strong>Würzburg </strong>(POW) Das Ziehen an dem Glockenstab, außen an der hölzernen Flügeltür, lässt eine tiefe Glocke ertönen. Die schnörkelige Schrift auf dem Schild direkt daneben verrät, wo man ist: „Schenk – Wachswaren Fabrik – Rosengasse 14“. Martin Schenk hat die Fabrik 2013 gemeinsam mit seiner Schwester von seinem Vater übernommen. Seit insgesamt 35 Jahren ist er dort tätig. „Früher wollte ich wie jeder kleine Junge Lokführer werden, doch es war schnell klar, dass ich mit ins Geschäft gehe“, erzählt Schenk. Bereits seit 1750 gibt es den Familienbetrieb.</p><p>Hinter der Flügeltür geht es in einen als Warenlager genutzten Hinterhof. Auf der rechten Seite findet sich ein kleiner, weihnachtlich geschmückter Laden. Kerzen in allen Größen und Farben sind hier zu finden. Vor allem Weihnachtskerzen sind aufgereiht. Sie sind mit goldenen Engeln, roten Weihnachtsmännern, grünen Zweigen und Glitzer verziert. Es gibt auch Adventskalenderkerzen, die mit Zahlen von 1 bis 24&nbsp;versehen sind und jeden Tag im Advent ein Stück herunterbrennen sollen. „Eine Spezialität von uns sind die Krippenstumpen“, erklärt Schenk. Das sind kleine, faustdicke Kerzen, in deren Aushöhlung die Krippenfiguren aus Wachs gebildet sind. Die zentimetergroßen Figuren sind fein und detailreich gestaltet und die Herstellung ist mit großem Aufwand verbunden. All diese Kerzen stellt die Familie Schenk selbst in ihrer Fabrik her.</p><p>###GALERIE###</p><p>Diese ist auf der linken Seite des Innenhofs zu finden. In den Hallen riecht es nach Wachs. Auf einer Maschine mit je zwei sich langsam drehenden, zirka 2,50 Meter großen Walzen ist der 89 Meter lange, gelbe Kerzenstrang aufgewickelt. „Das ist der Vorgang des Wachsziehens“, erklärt Schenk. Er selbst sei gelernter Wachsziehmeister. Mittlerweile gäbe es diesen Beruf nicht mehr. Heute heißt es Kerzenhersteller. Das liegt daran, dass sich die Produktion verändert hat: „Das Wachsziehen ist ein altes, langwieriges Verfahren, das kaum noch genutzt wird. Wir verwenden es, weil die Qualität viel besser ist“, erläutert Schenk. Vier Stunden lang ist die Maschine schon am Laufen und eine weitere Stunde dauert es noch, bis der Kerzenstrang in die verschiedenen Größen geschnitten werden kann.</p><p>Bei dem Verfahren wird zunächst der 89 Meter lange Docht um die zwei Walzen gewickelt und zusammengeknotet. Den Knoten und den Docht darum herum markiert Schenk großzügig mit blauer Farbe. Die Kerze mit dem blauen Docht wird am Ende aussortiert, denn der darin versteckte Knoten aus Docht könnte durch die Materialdichte zu einer Stichflamme führen. „Ich könnte keine Nacht ruhig schlafen, wenn wegen mir ein Hausbrand ausgelöst wird“, betont er. Zwischen den Walzen steht eine Wanne mit warmem, flüssigem Wachs auf dem Boden. „Unsere Kerzen werden durchgefärbt und haben alle einen Bienenwachsanteil, das ist eine Besonderheit“, erläutert Schenk. Die Walzen ziehen den Docht immer wieder durch das Wachs, sodass der Kerzenstrang entsteht. Hat der die gewünschte Dicke, wird er in einzelne Kerzen geschnitten. Dafür wird er mit einem Förderband unter eine Schneidemaschine transportiert. „Die Maschinen werden nur für die Standardaufträge verwendet“, sagt Schenk. Kerzen mit einem größeren Durchmesser als 80 Millimeter werden per Hand gezogen, und Kerzen, die größer als 80&nbsp;Zentimeter sind, werden per Hand geschnitten. „Die größten Kerzen, die wir angefertigt haben, waren für die Wallfahrtskirche ‚Zu Unserer Lieben Frau vom Kreuzberg‘ in Schwandorf. Die waren zweieinhalb Meter hoch und hatten einen Durchmesser von 16 Zentimeter“, erzählt Schenk. Nach dem Schneiden werden die geschnittenen Kerzen zum Auskühlen auf Marmorplatten gelegt. Sind die Kerzen ausgekühlt, wird der kegelförmige Kopf gefräst, die Kerze gefärbt und verziert. „Eine Altarkerze wird beispielsweise elfmal in die Hand genommen“, erklärt Schenk. Ein wichtiger Teil der Produktion ist das Probebrennen. „Die Kerzen sollen gleichmäßig abbrennen, damit eine schöne Brennschale entsteht. So muss nicht die Hälfte weggeschnitten werden und die Kerzen halten länger“, erläutert er.</p><p>Schenk macht das alles nicht alleine. Insgesamt helfen sieben Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei der Kerzenherstellung mit, darunter eine Tante und eine Cousine. Die Verzierung der Kerzen übernehmen Schenks Mutter Theresia Schenk und Schwester Michaela Kraft. Beide sind ausgebildete Wachsbildnerinnen. Zurzeit arbeiten sie mit großer Konzentration an Osterkerzen. „Weihnachtsstimmung kommt während der Arbeit nicht auf, denn die Weihnachtskerzen werden schon im September angefertigt“, erzählt Michaela Kraft. Generell sei Schenk die familiäre Atmosphäre in der Firma eine Herzensangelegenheit. „Wir sind auch Ausbildungsbetrieb, aber wir brauchen jemanden, der zu uns passt“, ergänzt er.</p><p>70 Prozent des Umsatzes macht Schenk mit Kirchenkunden. „Durch den Priestermangel und den fehlenden Ordensnachwuchs ist unser Umsatz gesunken“, berichtet Schenk. Auch merke er, unter anderem weil immer mehr Pfarreiengemeinschaften gebildet werden, dass immer weniger Gottesdienste stattfänden. Der Markt habe sich generell stark gewandelt. „Die Kerze freut sich immer noch an großer Beliebtheit, aber die Nachfrage an günstigen Produkten ist gestiegen. Qualität spielt eine geringere Rolle als früher“, erklärt er. Nichtsdestotrotz steigt an Weihnachten die Nachfrage an. „Ist doch logisch, in der kalten Jahreszeit stellt sich jeder gerne Kerzen auf“, meint Schenk. Er selbst habe auch am Christbaum echte Kerzen, nicht nur Lichterketten. Der Trick dabei sei, einen frischen Baum zu kaufen, denn der nadele weniger und die Gefahr von einem Brand sinke. Normalerweise hat auch das Ostergeschäft einen großen Anteil am jährlichen Umsatz. Wegen Corona war das in diesem Jahr schlecht. „Die Gottesdienste haben alle ohne Gläubige stattgefunden, deshalb wurden weniger Kerzen gebraucht und auch die Altarkerzen brannten meist kürzer“, erklärt Schenk. Auch habe er einige Gastronomiekunden, die zu dieser Zeit keine Kerzen benötigten. Seitdem befindet sich die Homepage der Kerzenmanufaktur Schenk im Aufbau: „Während des Lockdowns im Frühjahr merkten wir, dass wir einen echten Nachteil haben, da wir keine Website haben. Der Aufbau der Website ist zwar sehr aufwendig, aber die Resonanz ist jetzt schon da“, berichtet Schenk.</p><p>Generell sei er froh, junge Mitarbeiterinnen im Team zu haben, die ihn auf die aktuellen Trends hinweisen. Seit vergangenem Advent ziehe er deswegen auch graue Kerzen. Diese würden am dritthäufigsten gekauft.</p><p class="text-right"><em>Magdalena Rössert (POW)</em></p><p>(5020/1273; E-Mail voraus)</p><p><em><strong>Hinweis für Redaktionen</strong>: Fotos abrufbar im Internet</em></p>]]></content:encoded><category>Würzburg</category><category>Reportagen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-45758</guid><pubDate>Fri, 04 Dec 2020 08:45:36 +0100</pubDate><title>„Das gehört einfach zu Weihnachten“</title><link>https://pow.bistum-wuerzburg.de/aktuelle-meldungen/detailansicht/ansicht/das-gehoert-einfach-zu-weihnachten/</link><description>Weihnachtsbäckerei im Konvent Magdala im Kloster Oberzell – „Weihnachten ist nicht nur am 25. Dezember“</description><content:encoded><![CDATA[<p><strong>Oberzell </strong>(POW) Ein goldgelber Stern, darauf ein zart gebräuntes Häufchen aus Mandelblättchen und Baiser. Eine Kombination aus feinem Nussgeschmack, einem Hauch von Süße und einem erstaunlich rustikalen Mürbteig. „Die Mandelplätzchen liebe ich. Das ist ein Rezept meiner Oma. Im Teig ist fast kein Zucker“, erzählt Schwester Juliana Seelmann und rollt schwungvoll die nächste Teigportion zu einer glatten Fläche aus. Ihr gegenüber sitzt Schwester Gerwigis Brosig, mit 85 Jahren die älteste in der Runde. Sorgsam sticht sie eine Runde geflügelter Engel aus und hebt sie auf das Backblech. Schwester Beate Krug und Sophie Schimmerohn stehen an der Küchenzeile und heben mit kleinen Löffeln duftenden Lebkuchenteig auf Oblaten. Es ist Backtag im Konvent Magdala im Kloster Oberzell. Heute stehen Mandelplätzchen und Lebkuchen auf dem Programm. „Die gehören zu Weihnachten einfach dazu“, erklärt Schwester Juliana.</p><p>###GALERIE###</p><p>Es sei Tradition, dass vor dem Nikolaustag gebacken werde, sagt Schwester Juliana. Am Nikolaustag gebe es dann Lebkuchen und Glühwein. „Aber in der Adventszeit gibt es hier keine Plätzchen.“ „Außer heimlich“, unterbricht Schwester Gerwigis, zupft mit den Fingerspitzen ein Stückchen überstehenden Teig ab und schiebt es in den Mund. „Vor Weihnachten schmecken sie am besten“, erklärt sie und bringt damit alle zum Lachen. „Das ist der Reiz des Verbotenen!“, ruft Sophie und mustert ihre Lebkuchen. „Momentan sehen die ja noch nicht so aus. Aber es kommt ja auf die inneren Werte an“, beschließt sie und löst damit den nächsten Lacher aus.</p><p>Der Konvent Magdala ist der Noviziatskonvent, erklärt Schwester Juliana. Sie ist Formationsleiterin und begleitet zusammen mit den beiden Professschwestern die Novizinnen, die in die Gemeinschaft eingetreten sind. Derzeit lebt hier noch Sophie. Die 31-Jährige absolviert seit April ein freiwilliges Ordensjahr. Eine weitere Schwester aus einer anderen Gemeinschaft kann heute nicht dabei sein. Dadurch, dass immer wieder neue Frauen kommen, hat sich ein ansehnlicher Stapel an Rezepten angesammelt. „Jede, die einzieht, bringt Rezepte mit“, sagt Schwester Juliana. Und dann gibt es noch einen kleinen Schatz – ein mit der Hand geschriebenes, blaues Heft, zusammengestellt von einer 90-jährigen Schwester, die von Beruf Köchin war. „Alles zur größeren Ehre Gottes“, steht auf der ersten Seite. Darunter beginnen die Rezepte mit den Zutaten und der Zubereitung von Butterplätzchen, Biskuit und Leberklößchen.</p><p>„Wer darf als erstes an den Ofen?“, ruft Schwester Beate und hebt ein Blech voller Lebkuchen. „Wer schneller fertig ist“, antwortet Schwester Juliana und kratzt die Reste der Mandel-Baiser-Mischung aus der Rührschüssel. Wenig später bräunen Lebkuchen und Mandelplätzchen gemeinsam im Backofen. Als die Backbleche ausgehen, saust Sophie los und sammelt im ganzen Haus Bleche in allen Größen zusammen. Auf dem Herd schmelzen in einem Wasserbad Schokoladenkügelchen für die Lebkuchenglasur. Schwester Beate blättert in den Rezepten. Dann holt sie eine große Küchenreibe und eine Tafel Schokolade heraus. Die anderen sehen sie erstaunt an. „Wir haben noch Zeit“, erklärt sie. Geduldig reibt sie die Schokolade zu feinem Pulver. Bald sind Hände und Arbeitsplatte von feinem Schokoladenstaub bedeckt.</p><p>Auch Sophies Finger zieren immer mehr Schokoladenspritzer, während sie die noch warmen Lebkuchen mit Schokolade bepinselt. „Ich bin an sich nicht so der Plätzchenfan, aber ich ess‘ schon mal welche – wenn es keine Schokolade gibt“, erklärt sie. Schwester Gerwigis betrachtet die Ausstecher und wählt einen Mond aus. „Ich bin kein Kostverächter, mir schmecken alle“, sagt sie. „Als ich klein war, war Krieg. Die Mutter hat damals nicht viel backen können.“ Aber an „Schneeplätzchen“ könne sie sich erinnern. „Früher gab es keine Kühlschränke, und die Plätzchen wurden in speziellen Förmchen in den Schnee gestellt.“ Was in den Schokoplätzchen genau drin war, weiß sie nicht mehr. Wie so viele Familienrezepte, wurde auch dieses nie aufgeschrieben.</p><p>Während die nächsten Plätzchen im Ofen bräunen, erzählt Schwester Juliana von den Weihnachtsbräuchen im Kloster Oberzell. „Weihnachten ist nicht nur am 25. Dezember. Wir stellen an jedem 25. des Monats eine Krippe auf.“ Im ganzen Konvent gibt es Krippen – im Gebetsraum, aber auch im Treppenhaus. Für die Oberzeller Franziskanerinnen habe die Geburt Jesu eine besondere Bedeutung, die das ganze Jahr über spürbar sei. Für sie ist die Verehrung der Menschwerdung, der Glaube, dass Gott in Jesus Mensch geworden ist, das zentrale Element, aus dem heraus sie das Ordensleben gestalten. „Jesus wird Mensch und dadurch verwundbar. Er kommt uns dadurch ganz nahe. Jede Novizin erhält ein eigenes kleines Jesuskind“, erzählt Schwester Juliana. Der Heiligabend im Kloster sei ein stiller Tag, der für den Rückzug und das Gebet reserviert sei. Erst am Abend kämen die Schwestern zusammen, um gemeinsam zu beten, zu essen und Gottesdienst zu feiern. Ganz früher, so werde es im Kloster erzählt, hätten sich die Novizinnen in der Weihnachtszeit als Engel verkleidet und die anderen Schwestern zur Mitternachtsmesse abgeholt, erzählt Schwester Juliana. Mit eigenen Augen gesehen hat das allerdings niemand, auch nicht Schwester Gerwigis.</p><p>Draußen wird es langsam dunkel. Schwester Juliana schaufelt die erkalteten Mandelplätzchen in eine große Blechdose und reicht dann Quittenbrot herum. „Das gehört auch einfach zu Weihnachten.“ Schwester Beate guckt auf ihre Schüssel, in der sich der Teig nach dem Rühren in einem schrägen Berg nach oben zwirbelt, und dann auf Schwester Juliana. „Expertin, soll das so aussehen?“, ruft sie. „Auf alle Fälle sieht es schokoladig aus“, findet Schwester Juliana. „Du musst halt Bällchen formen können.“ Die Mandel-Schoko-Plätzchen sind kleine Kugeln, die beim Backen ein wenig aufgehen und noch warm in einer Mischung aus Kakao, Vanillezucker und Zimt gewälzt werden. „Wenn wir auswärts waren, haben wir das Backen gar nicht mitbekommen. Man kam zurück, und es duftete“, erinnert sich Schwester Gerwigis. Sie selbst habe als Krankenschwester gearbeitet. Aber gemeinsam zu backen ist schöner und lustiger, sind sich alle einig. Nach rund zwei Stunden ist es auch schon geschafft. Drei Sorten Plätzchen, randvolle Blechdosen, die Backbleche sind auch schon sauber geschrubbt – und für jeden, der mag, gibt es ein Versucherle.</p><p class="text-right"><em>sti (POW)</em></p><p>(5020/1263; E-Mail voraus)</p><p><em><strong>Hinweis für Redaktionen:</strong> Fotos abrufbar im Internet</em></p>]]></content:encoded><category>Reportagen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-45712</guid><pubDate>Mon, 30 Nov 2020 14:18:45 +0100</pubDate><title>Ein Christkind, das oft Hände wäscht</title><link>https://pow.bistum-wuerzburg.de/aktuelle-meldungen/detailansicht/ansicht/ein-christkind-das-oft-haende-waescht/</link><description>Weihnachtspostfiliale in Himmelstadt stellt sich Corona-Herausforderungen</description><content:encoded><![CDATA[<p><strong>Himmelstadt</strong> (POW) „Liebes Christkind, ich hoffe, dass du kein Corona bekommst, damit du mir Geschenke bringen kannst“, liest Rosemarie Schotte (80), Leiterin des Weihnachtspostamts in Himmelstadt, aus den diesjährigen Briefen vor. Aus 128 verschiedenen Ländern schicken Menschen an das Weihnachtspostamt im Rathaus jährlich ihre Wunschzettel. Das ändert sich auch dieses Jahr trotz Corona nicht. Bereits Anfang November sind zirka 2000 Briefe bei Schotte eingegangen. Sie ist seit 1993 Helferin im Weihnachtspostamt und seit 1994 die Leiterin. Trotz ihrer langjährigen Erfahrung ist die Organisation in diesem Jahr eine Herausforderung.</p><p>„Ich wünsche mir, dass Corona weggeht und ich endlich wieder mit meinen Freunden spielen kann“, so oder ähnlich lauten in diesem Jahr häufig die Weihnachtswünsche. Deshalb sei sie im diesjährigen Antwortbrief auch kurz auf die Pandemie eingegangen – Corona wegzaubern könne sie aber leider nicht. Der Antwortbrief wird jedes Jahr neu gestaltet. Dabei hilft Schottes Familie zusammen: Ehemann, Tochter und Enkeltochter haben bereits den Brief illustriert. Was genau darin steht, ist ein Geheimnis – man muss das Christkind schon selber einen Brief schreiben lassen. Das Dekorieren des Postamts gehört auch zu den Aufgaben von Schotte. Doch die normal aufwendige Dekoration mit Christbaum, Schlitten, Rentieren und Co. muss dieses Jahr ausfallen, denn auch in der „Himmlischen Schreibstube“ muss auf Abstand und Hygiene geachtet werden. Das von Schotte ausgearbeitete Hygienekonzept lässt beides nicht zu. Statt Tannenzweigen gibt es dieses Jahr also Plexiglasscheiben, statt Kunstschnee aus Watte Mund-Nasen-Masken, und statt Plätzchen naschen heißt es Hände waschen. Schotte freut sich jedes Jahr auf das Dekorieren, weshalb sie den Weihnachtsflair nicht ganz aufgeben will. Zumindest die Fenster sollen geschmückt werden.</p><p>„Nach Weihnachten ist für mich vor Weihnachten“, erzählt Schotte von ihrer ehrenamtlichen Arbeit im Weihnachtspostamt. „Briefe werden das ganze Jahr geschickt und wir wollen ja alle beantworten.“ Mit ihr helfen jährlich 35 bis 40 Ehrenamtliche, die rund 80.000 Briefe zu sortieren, zu beantworten und zu verschicken. Das funktioniere nur, wenn die Briefe einen vollständigen Absender enthalten. Schließlich kommen sie aus aller Welt, erzählt Schotte. In diesem Jahr ist Taiwan neu dazugekommen und besonders viele Briefe kommen aus Belarus. Für diese Fälle gibt es Helfer und Helferinnen, die auf Englisch, Französisch oder Griechisch antworten können. „Manchmal kommen auch ausländische Briefe auf Deutsch, wenn die Kinder die Sprache beispielsweise in der Schule lernen“, erklärt Schotte. „Kinder schreiben ans Christkind“, war das ursprüngliche Konzept des Weihnachtspostamts. Mittlerweile kämen aber Briefe von Menschen jeden Alters. Der jüngste Absender war ein ungeborenes Baby, für das die Mutter einen ersten Brief vom Christkind wünschte. Auch ältere Leute aus Seniorenheimen schrieben häufig ans Christkind. „Die Altersspanne geht von null bis 99“, ergänzt Schotte.</p><p>„Ich lebe für das Weihnachtspostamt! Ein Jahr ohne kann ich mir gar nicht vorstellen“, erklärt Schotte. Es würde ihr schwerfallen, das Amt abzugeben. Doch langsam merkt sie, dass es ihr zum Beispiel nicht mehr so leicht fällt wie früher, einen Antwortbrief zu verfassen. Schotte war schon in ihrer Kindheit ein Weihnachtsmensch und spielte Christkind für ihre Familie, indem sie Geschenke für alle besorgte. Am Schönsten an ihrer Arbeit fände sie, mitzubekommen, wie Weihnachten heutzutage in den Familien gefeiert wird. Dass mittlerweile mehr Wünsche auf den Briefen aufgelistet sind, stört sie nicht. „Die meisten Kinder schreiben ja sogar dazu, dass es schön wäre, wenn das Christkind ein oder zwei Wünsche erfüllen könnte“, erinnert sich Schotte.</p><p>Für Besucher bleibt das Weihnachtspostamt in diesem Jahr geschlossen. Wer aber eine Himmelstädter Weihnachtskarte erwerben oder seinen Brief persönlich abgeben möchte, kann das im Dezember durch das Fenster am Rathaus machen. Eine kleine Überraschung erwartet diejenigen, die persönlich vorbeischauen. Das Weihnachtspostamt ist also auch heuer einen Besuch wert.</p><p class="text-right"><em>Magdalena Rössert (POW)</em></p><p>(4920/1257; E-Mail voraus)</p><p><em><strong>Hinweis für Redaktionen:</strong> Fotos abrufbar im Internet</em></p>]]></content:encoded><category>Main-Spessart</category><category>Reportagen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-45673</guid><pubDate>Fri, 27 Nov 2020 13:32:25 +0100</pubDate><title>Duftende Krippe aus Zimtrinde</title><link>https://pow.bistum-wuerzburg.de/aktuelle-meldungen/detailansicht/ansicht/duftende-krippe-aus-zimtrinde/</link><description>Alternativer Weihnachtsmarkt im Weltladen Würzburg verbreitet Feststimmung</description><content:encoded><![CDATA[<p><strong>Würzburg</strong> (POW) Mit wohliger Wärme empfängt der Weihnachtsmarkt im Weltladen Würzburg seine Besucher – ungewohnt für einen Weihnachtsmarkt. Ungewohnt ist auch der Anblick der Schokonikolaus-Armee, die am Eingang parat steht. Dabei handelt es sich nicht um Weihnachtsmänner, sondern um echte Nikoläuse mit Mitra und Bischofsstab. Links im Laden zeigen funkelnde Lichterketten den Weg hinauf zur Galerie, in der das Weihnachtsparadies aufgebaut ist. „Frohe Weihnachten“ zeigt der Schriftzug einer Girlande am Treppenaufgang. Seit rund 23 Jahren findet hier ab dem Spätherbst der Weihnachtsmarkt statt.</p><p>Zu finden ist alles, was das Herz begehrt: Kerzen, Engel, Christbaumkugeln und Weihnachtskrippen in den verschiedensten Farben und Formen. Für Feinschmecker gibt es außergewöhnliche Schokoladensorten wie weiße Schokolade mit Krokant oder Blauer Krachmohn zu probieren. Die Artikel sind aus aller Welt, überwiegend hergestellt in Entwicklungsländern wie Indien, Peru und Nepal. Die meisten sind aus verschiedenen natürlichen oder recycelten Materialien wie Wollfilz, Speckstein oder Kalebasse gemacht. Die einzige Gemeinsamkeit aller Produkte ist, dass sie das Siegel von Fairtrade tragen. „Fairtrade, das bedeutet, dass die Produktion unter menschenwürdigen Arbeitsbedingungen stattfindet und gerechte Preise bezahlt werden“, erklärt Maria Sauter, die seit elf Jahren für den Weihnachtsmarkt zuständig ist.</p><p>###GALERIE###</p><p>Neben Klassikern wie Girlanden mit Sternen aus Palmblättern, die in Bangladesch hergestellt wurden, oder Krippen in Streichholzschachteln gebe es jedes Jahr Neuheiten zu entdecken, erzählt Sauter. Das sind in diesem Jahr zum Beispiel Papiersterne aus Vietnam, die aus recyceltem Material hergestellt wurden. Passend dazu gibt es eine Krippe. Unter den Krippen ist auch eine aus Palästina besonders, denn sie spielt „Stille Nacht“. „Am besten gefällt mir in diesem Jahr diese Krippe aus Vietnam. Sie ist aus Zimtrinde und Zeitungspapier und riecht deshalb so lecker!“, sagt Sauter, während sie sich vorbeugt und an der Krippe schnuppert.</p><p>Wer auf der Suche nach Weihnachtsgeschenken ist, wird sicher auch fündig. Fingerpuppen aus Peru, weiche Socken und ausgefallene Tassen stehen unter anderem zur Auswahl. Geschichten wie „Die Weihnachtskatze“&nbsp;und Lieder von der „Latin Christmas“-CD verschönern die Adventszeit. Dafür gibt es im Weltladen aber auch einen Schokoladen-Adventskalender, Weihnachtsschokoladen und sogar einen veganen Elisenlebkuchen. Wer mag, dem stellen die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen des Weltladens ein individuelles Geschenkset zusammen.</p><p>„Die Corona-Pandemie merken auch wir. Aus Angst vor neuen Ausgangsbeschränkungen haben wir bereits am 23. Oktober mit dem Weihnachtsmarkt begonnen“, berichtet Sauter. „Wegen den sehr strengen Ausgangsbeschränkungen, zum Beispiel in Nepal, gibt es in diesem Jahr viel weniger Ware aus Filz als sonst“, erklärt sie. Außerdem seien die Transportkosten angestiegen, da viel weniger Schiffe und Flugzeuge unterwegs sind. Deshalb wurden auch die Preise einiger Artikel im Weltladen angepasst.</p><p>Passend zu der aktuellen Situation wurden in Guatemala sogenannte Sorgenengel hergestellt. Die kleinen Engel tragen einen bunten Rock, eine passende Mütze und haben glitzernde Flügel. Nach der Sage der Maya verschwinden alle Sorgen, wenn die Engel über Nacht unters Kopfkissen gelegt werden.</p><p>Der Weihnachtsmarkt im Weltladen hat bis zum 24. Dezember geöffnet: montags bis freitags und an den Adventssamstagen von 10 bis 18 Uhr.</p><p class="text-right">Magdalena Rössert (POW)</p><p>&nbsp;(4920/1243; E-Mail voraus)</p><p><em><strong>Hinweis für Redaktionen:</strong> Fotos abrufbar im Internet</em></p>]]></content:encoded><category>Reportagen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-45646</guid><pubDate>Thu, 26 Nov 2020 15:15:08 +0100</pubDate><title>„Es gibt Dinge, die brauchen ihre Zeit“</title><link>https://pow.bistum-wuerzburg.de/aktuelle-meldungen/detailansicht/ansicht/es-gibt-dinge-die-brauchen-ihre-zeit/</link><description>Ganzheitlich einstimmen auf den Advent: Ein Vormittag in der Klosterbrauerei Schönau
</description><content:encoded><![CDATA[<p><strong>Kloster Schönau</strong> (POW) Der erdig-würzige Duft des im warmen Brauwasser ziehenden Malzes liegt in der Luft, dazu das summende Geräusch eines Gasbrenners und das leise Motorbrummen des Rührwerks, das dafür sorgt, dass nichts anbrennt. Es ist Brautag im Kloster Schönau (Landkreis Main-Spessart). Seit dem Ende der Morgenmesse ist Franziskaner-Minorit Bruder Tobias Matheis (53), Braumeister in der „kleinsten Klosterbrauerei Deutschlands“, wie es ein Schild am Eingang zur Brauerei ausweist, am Werk. Bis Weihnachten soll das Bier, das gerade entsteht, ausgereift und damit zum Trinken fertig sein.</p><p>###GALERIE###</p><p>Seit 2007 braut der gelernte Krankenpfleger für den Eigenbedarf seiner Gemeinschaft. Den Kurs, bei dem er die Grundlagen lernte, bekam er seinerzeit vom Team der Würzburger Bahnhofsmission geschenkt. Auch die heutige Ausstattung seiner Brauerei setzt sich zu weiten Teilen aus Spenden oder anderswo ausgemusterten Teilen zusammen. „Die Kühlzelle zum Beispiel, die ich für das untergärige Brauen brauche, wurde beim Umbau des Würzburger Klosters nicht mehr benötigt. Die Spüle war früher in der Küche der Erlöserschwestern in Betrieb“, erzählt er.</p><p>Bereits am Vorabend hat Matheis die rund zehn Kilogramm verschiedener Malzsorten im Dachgeschoss über der Braustube abgewogen, die früher zum Keltern von Obst genutzt wurde. In luftdichten Gefäßen lagern dort unter anderem Pilsner, Wiener, Münchener und Caramalz. Wie die übrigen Brauzutaten auch, bezieht er diese über seinen Freund Frank Engelhardt, Besitzer der „Seinsheimer Kellerbräu“. Wie viel von welcher Sorte in sein Bier kommt, verrät er nicht. „Klostergeheimnis.“ Dort, wo früher die Backstube war, steht die elektrische Malzmühle. Innerhalb weniger Minuten wird aus den Malzkörnern so das Schrot für das Brauen. Der Ordensmann ist ganz in die Arbeit vertieft. Es wirkt, als wenn die Arbeit für ihn auch Gebet ist. Wie zum Beweis nimmt er ein noch unvermahlenes Malzkorn in die Hand und sagt: „Selbst dieses Korn ist noch nicht vollständig erforscht.“</p><p>Wenig verwunderlich, dass Matheis, der erst seit 2020 im Kloster Schönau lebt, Kurse zum Thema „Bier und Spiritualität“ anbietet. Im Kloster Schwarzenberg, wo der gebürtige Pfälzer zuvor beheimatet war, veranstaltete er beispielsweise Wochenenden zum Thema „Bibel, Bier und Begegnung“. „So etwas in der Art kann ich mir auch gut für hier vorstellen“, sagt er. Wenn man ein Bier im Glas vor sich habe, müsse man nur hindurchschauen, um zu verstehen: Da steckt mehr dahinter.</p><p>In diesem Augenblick tritt Guardian Steffen Behr durch die Tür des Nebengebäudes ein. Der 43-Jährige ist der jüngste der insgesamt fünf Minoriten im Kloster. Er berichtet, dass die Ordensbrüder ihr Kloster stärker zu einem spirituellen Ort mit franziskanischem Akzent im Pastoralen Raum Gemünden ausbauen möchten. Für Jugendliche solle es dort franziskanische Angebote geben, geplant seien auch Bibelkurse. Zudem solle der historische Nonnenpfad von Rieneck nach Schönau reaktiviert werden. „Im Advent gibt es an den Freitagen, 4., 11.&nbsp;und 18. Dezember, jeweils um 18 Uhr Adventsandachten mit adventlichen Texten und besinnlicher Musik.“ Dabei würden Spenden für die Innenrenovierung der Klosterkirche gesammelt , die im kommenden Jahr beginnen soll, erzählt der Guardian.</p><p>Der Piepton des Digitalthermometers unterbricht das Gespräch. Die Maische, also das erwärmte Gemisch aus Wasser und geschrotetem Malz, hat die Temperatur für die Verzuckerungsrast erreicht. „Für die verschiedenen Enzyme im Malz gibt es jeweils optimale Wirkungstemperaturen. Eine sorgt dafür, dass das Eiweiß gespalten wird, eine für vergärbaren Zucker, und diese jetzt dafür, dass das Bier einen malzigen Geschmack bekommt“, erklärt Matheis.</p><p>In einem Einkocher hat er zwei große Einmachgläser sterilisiert. In diesen wird später ein Teil der so genannten Würze, der aus dem Malz gewonnenen Zuckerlösung, aufbewahrt. Als „Speise“ wird diese dem Jungbier nach der Hauptgärung zugesetzt und sorgt dann bei der Nachgärung in der Flasche dafür, dass das Bier die für die Spritzigkeit notwendige Kohlensäure bekommt.</p><p>Mehr als eine halbe Stunde ist seit dem Piepen des Thermometers vergangen. Matheis entnimmt einen Esslöffel aus dem Topf und mischt die Flüssigkeit mit einem Tropfen aus einem braunen Fläschchen. „Die Jodprobe zeigt: Die gesamte Stärke ist in Zucker umgewandelt. Jetzt wird abgeläutert“, sagt der Braumeister. Aus dem großen Kugelhahn lässt er die heiße Maische in einen Edelstahleimer laufen und kippt diesen in den Läuterbottich. Mit einer großen Kelle schöpft er zum Schluss das verbliebene Malz-Wasser-Gemisch in den Behälter mit einem feinen Spaltboden um. Gut eine halbe Stunde lang darf sich alles setzen, dann kurbelt Matheis das Gefäß in der fahrbaren Konstruktion nach oben, öffnet den Hahn an der Unterseite des Läuterbottichs und lässt die Würze in den zuvor gereinigten Maischetopf zurücklaufen. Gemütlich plätschert es vor sich hin.</p><p>In der Zwischenzeit wiegt Matheis mit einer Digitalwaage den Hopfen ab. Pellets aus den Anbaugebieten Tettnang und Spalt wird er, sobald die Würze kocht, zu verschiedenen Zeitpunkten hinzufügen. Ziemlich zu Beginn für die Bitterung, zu späteren Zeitpunkten für das Aroma. Nachdem die Flamme ausgeschaltet ist, versetzt er die Würze mit dem Braupaddel in Rotation. „Alle Trübstoffe setzen sich mit der Zeit am Boden des Topfs in Form eines Kegels ab. Dann kann ich die Würze in das Gärfass umfüllen.“</p><p>Bevor dort die Hefe dazukommt, muss die heiße Würze aber auf Anstelltemperatur heruntergekühlt werden. Der Braumeister hat dafür eine Kühlspirale, durch die kaltes Wasser fließt. Der Reporter muss weiterziehen, bevor mit dem so genannten Anstellen der Hefe der Brautag abgeschlossen ist. Zum Abschied bekommt er vom brauenden Franziskanerbruder noch einen Rat, der auch auf den Advent passt, mit auf den Weg. „Ein Ding, das das Brauen lehrt, ist: Es gibt Dinge, die brauchen einfach ihre Zeit.“</p><p class="text-right"><em>Markus Hauck (POW)</em></p><p>(4920/1234; E-Mail voraus)</p><p><em><strong>Hinweis für Redaktionen:</strong> Fotos abrufbar im Internet</em></p>]]></content:encoded><category>Main-Spessart</category><category>Reportagen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-45566</guid><pubDate>Fri, 20 Nov 2020 11:48:40 +0100</pubDate><title>Von Beruf Priester</title><link>https://pow.bistum-wuerzburg.de/aktuelle-meldungen/detailansicht/ansicht/von-beruf-priester/</link><description>Pfarrer Thomas Menzel gibt Einblick in seinen Berufsalltag</description><content:encoded><![CDATA[<p><strong>Mellrichstadt/Fladungen/Bastheim</strong> (POW) Für viele ist der Sonntag der Tag zum Abschalten, Ausruhen und schöne Ausflüge machen. Für Pfarrer Thomas Menzel von den Pfarreiengemeinschaften „Franziska Streitel, Mellrichstadt“, „Fladungen – Nordheim“ und „Besengau, Bastheim“ ist es mitunter der arbeitsreichste Tag der Woche. Wobei Menzel die Feier der Messen nicht als Arbeit im eigentlichen Sinne betrachtet: „Die Arbeit muss vor dem Gottesdienst gemacht werden.“</p><p>Um 8.30 Uhr steht für ihn der erste Gottesdienst auf dem Plan. Diesmal in der Pfarrkirche „Heiliger Kilian“ in Mellrichstadt.&nbsp;Das Gotteshaus wirkt beeindruckend durch die Raumhöhe und die verschiedenen roten Sandsteinbögen, die die Säulen verbinden. Die Kirche ist so weit gefüllt, wie es die Coronavorschriften zulassen. Die Gottesdienstbesucher sind etwas älter, auch wenn einige Familien zu finden sind. Menzel steht im Altarraum und predigt. Er berichtet von Kilian, Kolonat und Totnan, den drei Bistumsheiligen. Die Predigt ist ansprechend und das Thema Gemeinschaft gut verständlich. „Jesus hat seine Jünger auch immer zu zweit ausgesandt; weil er ganz genau wusste, dass Glaubensweitergabe nur in Gemeinschaft geschehen kann.“ In seiner Predigt erklärt er weiter, welchen Wert die Gemeinschaft hat: „Zu zweit kann man einander unterstützen, kann miteinander Lasten tragen, Strapazen aushalten, Krisen meistern, Ängste teilen und Gefahren bestehen. Gemeinsamkeit verleiht Stärke und Kraft.“</p><p>Nach dem Ende des Gottesdienstes in Mellrichstadt gegen 9.20 Uhr geht der Pfarrer in die Sakristei, zieht sich um, packt seinen Rucksack und nimmt die Albe, sein Gewand, mit. Menzel ist sehr groß und erklärt: „Ich kann nicht erwarten, dass jede Pfarrei extra für mich ein Gewand anschafft.“ Außerdem muss er heute für den zweiten Gottesdienst noch an die Geschenke für die Kommunionkinder denken. Ein Kreuz für jedes Kind. Dann eilt er zu seinem Auto. Der Gottesdienst in der Kirche „Sankt Alban“ in Hendungen soll um 10 Uhr beginnen. Die beiden Orte liegen sechs Kilometer entfernt voneinander. Im Auto berichtet Menzel: „Dieses Jahr haben wir in der Pfarreiengemeinschaft ,Franziska Streitel´ aufgrund von Corona wieder mehr Kommunionen in den einzelnen Gemeinden, anstelle eine oder zwei großen.“</p><p>Um 9.39 Uhr vor Ort angekommen, geht es direkt in die nächste Sakristei, wo Küster, Ministranten und Gemeindeassistent schon warten. Menzel begrüßt alle und trifft letzte Absprachen, bevor er sich sammelt, um einen ganz anderen Gottesdienst als den zuvor zu zelebrieren. Die Kirche ist schön hergerichtet für den Tag, an den Bänken stehen die Vornamen der Kinder. Immer mit Abstand, so weiß jede Familie, wo sie später sitzen wird. Die Schilder sind jeweils mit einem Buchskranz geschmückt.</p><p>Als die Kinder mit ihren Familien durch die Eingangstür einziehen, beginnt der Gottesdienst. Bei den Liedern kommen sowohl Gitarre als auch Orgel zum Einsatz. Menzel geht bei der Gestaltung des Gottesdienstes ganz auf die Kinder ein und singt zum Abschluss mit ihnen das Lied. „Immer und überall“ mit begleitenden Bewegungen. Dort heißt es im Text: „Vom Anfang bis zum Ende, hält Gott seine Hände über mir und über dir. Ja, er hat es versprochen, hat nie sein Wort gebrochen: ,Glaube mir, ich bin bei dir!‘“ Auch hier gibt Menzel seine Freude am Glauben weiter.</p><p>Nach der Erstkommunion und kurzen Gesprächen mit den Eltern sowie Fotos mit den Kommunionkindern fährt Menzel zurück nach Mellrichstadt. Dort zeigt er sein Büro, ebenfalls ein von ihm stark frequentierter Arbeitsplatz. Er deutet auf den Bildschirm, auf dem der Kalender des achtköpfigen Seelsorgeteams und des Verwaltungsteams zu sehen ist. „Zwar ist der Plan wegen der Corona-Pandemie noch nicht so voll wie vorher. Trotzdem zeigt sich auch jetzt, wie notwendig so ein Team bei der Vielzahl von Terminen ist.“</p><p>Auch am Nachmittag hat Menzel noch einen Termin. Ein Traugespräch. „Das Brautpaar kommt von weiter weg und ist dieses Wochenende sowieso hier, da bin ich flexibel und vereinbare auch einen Termin am Sonntagnachmittag.“ Montags hat Menzel eigentlich seinen freien Tag, doch auch an solchen Tagen kommen häufig Termine dazwischen. An diesem zum Beispiel die Sitzung des Pflegeausschusses der Juliusspitalstiftung, deren zweiter Vorsitzender er als Pfarrer von Mellrichstadt ist.</p><p>Vor allem die Verwaltungsaufgaben, die ein Pfarrer übernimmt, werden häufig unterschätzt. Für die 22&nbsp;Gemeinden in drei Pfarreiengemeinschaften muss es einen gemeinsamen Gottesdienstplan geben. „Für die erste Grundplanung sitze ich mit den Pfarrsekretärinnen der drei Pfarrbüros zusammen, damit nichts vergessen wird. Alles Weitere wird dann in eine gemeinsame Software eingepflegt. Mittlerweile haben sich auch alle Sekretärinnen damit angefreundet, anders würde es heute auch gar nicht mehr gehen.“ Die Sekretärinnen können auch bei der Pflege der Homepage unterstützen, manche Kleinigkeiten macht Menzel selbst, vor allem aber kümmert sich ein Pastoralreferent um diese Aufgabe. „Das wäre fast ein eigener Job.“ Außerdem wirft er ein Auge auf die Erstellung des Pfarrbriefs, der für jede Pfarreiengemeinschaft einen individuellen Teil beinhaltet und mit den für sie wichtigen Informationen gefüllt werden muss.</p><p>Dank eines Pilotprojekts der Diözese hat er zur Unterstützung einen Verwaltungsleiter zur Verfügung gestellt bekommen. Der ist unter anderem Ansprechpartner für die Kirchenpfleger, was sonst auch zum Aufgabenbereich eines Pfarrers gehört. Die Letztverantwortung für die drei Pfarreiengemeinschaften bleibt aber trotzdem beim Pfarrer. Das wurde in diesem Jahr noch einmal durch ein Schreiben des Vatikans bekräftigt.</p><p>Doch für Menzel ist wichtig, dass nicht nur der Priester wahrgenommen wird, sondern vielmehr das gesamte Team. So habe beispielsweise auch bei den zweiwöchentlichen Dienstgesprächen des Seelsorgeteams immer jemand anderes die Moderation inne, nicht immer er als Leiter. Bei der letzten Dienstbesprechung vor den Sommerferien stand die Verabschiedung von Pfarrvikar Paul Reder an, der nach Würzburg gewechselt ist. Keine besonders schöne Situation für das Team, denn Reders Weggang bedeutet auch eine Umstrukturierung. Eine Gemeinde- und eine Pastoralreferentin haben sich deshalb schon einmal Gedanken gemacht, wer welche Aufgaben übernehmen könnte. Dabei ist im Kolpingheim zu spüren, dass alle versuchen, ihr Bestes zu geben. „Nicht immer findet man direkt beim ersten Mal eine Lösung“, erklärt der Pfarrer. „Manchmal dauert es etwas.“ Wenn Menzel mit dem Seelsorgeteam Entscheidungen trifft, muss er sie letztlich auch verantworten und nach außen vertreten können. Auch das gehört zu seinem Beruf.</p><p class="text-right">ils (POW)</p><p>(4820/1199; E-Mail voraus)</p><p><em><strong>Hinweis für Redaktionen: </strong>Foto abrufbar im Internet</em></p>]]></content:encoded><category>Reportagen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-44237</guid><pubDate>Mon, 20 Jul 2020 15:48:00 +0200</pubDate><title>„Handthal ist der grüne Fingerabdruck Gottes“</title><link>https://pow.bistum-wuerzburg.de/aktuelle-meldungen/detailansicht/ansicht/handthal-ist-der-gruene-fingerabdruck-gottes/</link><description>Besinnungsweg zeigt acht Tierlegenden von Franz von Assisi — Eröffnung des Franziskuswegs in Handthal am 24. Juli mit Bischof Dr. Franz Jung</description><content:encoded><![CDATA[<p><strong>Handthal</strong> (POW) Es zirpen die Grillen, die Bienen surren und Schmetterlinge kreisen umeinander auf einem Blumenacker. Der liegt direkt neben dem Steigerwald-Zentrum in Handthal (Landkreis Schweinfurt). Und kurz unterhalb ist einer der beiden Einstiege in den neuen Franziskusweg. Der zweite ist die frisch renovierte Magdalenenkapelle des Dorfes. Bischof Dr. Franz Jung weiht sie am Freitag, 24.&nbsp;Juli, um 18 Uhr mit einer heiligen Messe ein. Anschließend wird er den Franziskusweg segnen. Eine Stele mit dem heiligen Franziskus, der vor einem Vogel niederkniet, bildet den Anfang. Der Initiator des Projekts Pfarrer Stefan Mai erklärt: „An diesem schönen Ort haben wir den Franziskusweg errichtet. Bewusst Franziskus als Patron der Ökologie, als Patron der Tiere, weil er genau in diese Gegend passt, in diese schöne Waldlandschaft. Franz kniet vor der Natur nieder.“</p><p>###GALERIE###</p><p>Die Liebe zu den Tieren sei Franziskus wichtig gewesen. Mai hat acht Tierlegenden aus den franziskanischen Quellen ausgesucht, die nun an den acht Stationen zu sehen sind. Die Tierlegenden sind im Bistum ein Alleinstellungsmerkmal. Auch in der Rhön gibt es einen Franziskusweg, doch dieser beschäftige sich thematisch mit dem Sonnengesang. Mai hat die Texte jedoch nicht eins zu eins übernommen, sondern sie in ein „heutiges Deutsch“ übertragen. Außerdem hat er ihnen Überschriften gegeben, die auch einen Übertrag auf das eigene Leben und die Beziehung zwischen den Menschen sowie zwischen Mensch und Natur ermöglichen. Der Besinnungsweg lädt ein, sich in Ruhe damit zu beschäftigen. Bis auf die Natur ist es auch still — kein Auto- oder Industrielärm stören den Frieden.</p><p>Die Schönheit des kleinen Ortes und seiner Lage sind wirklich nicht zu unterschätzen, der Weg führt an Feldern, an Weinbergen vorbei, durch den Wald und das Dorf und endet an der Magdalenenkapelle. Das erste Stück des Weges ist geteert und verläuft am Steigerwald-Zentrum und der Blumenwiese entlang, bevor er in einen Feldweg übergeht. Ziemlich zu Beginn steht ein rotes Häuschen. Es ist die erste Station. Sie ist den Bienen gewidmet. Und in das Häuschen sollen bald auch einige Völker einziehen. Die Besucher können dann im Inneren die Bienen in ihren Waben beobachten. Die Überschrift der Station lautet: „Seine Freude in der Freude des anderen finden, ist der Schlüssel zum Glück.“ In der Legende bringen Brüder dem kranken Franz einen Topf mit Honig. Der denkt jedoch an die Bienen und fordert seine Mitbrüder auf: „Bring den Bienen den Honig. Sie haben ihn nötiger als ich.“ Damit will er anregen, nicht immer an sich selbst zu denken.</p><p>Mai hatte schon länger die Idee eines Franziskuswegs. Als Bischof Dr. Friedhelm Hofmann im November 2016 bei einem Besuch vor Ort war, schlug der Pfarrer ihm seine Idee vor. Bischof Hofmann gefiel sie und er gab seine Zusage. Das Bistum beteiligt sich mit 13.000 Euro an dem Projekt. Insgesamt wird der Besinnungspfad voraussichtlich rund 60.000 Euro kosten. Die Förderung der Gemeinde Oberschwarzach, zu der Handthal gehört, wird zirka 10.600 Euro betragen. Die Sparkasse Schweinfurt-Haßberge spendete 4000 Euro und die Pfarreiengemeinschaft „Sankt Franziskus am Steigerwald“ 2000&nbsp; Euro. Der restliche Teil kommt durch eine sogenannte LEADER-Förderung. Mit dem LEADER-Programm unterstützt das Staatsministerium die ländlichen Regionen auf ihrem Weg einer selbstbestimmten Entwicklung. Der Bau hat dann Anfang diesen Jahres begonnen, erklärt der Forstliche Leiter des Steigerwald-Zentrums Andreas Leyrer. Das Steigerwald-Zentrum hat sich vor allem um die baulichen Maßnahmen wie das Bienenhaus oder die Aufbereitung der Wege gekümmert. Leyrer freut sich über das Projekt: „Der Weg ist ideal für Familien mit kleinen Kindern und Menschen über 50 Jahren und eine Ergänzung zu unserem sonstigen Angebot.“ Der Weg ist zwei Kilometer lang und dauert mit den verschiedenen Stationen zirka zweieinhalb Stunden.</p><p>Nach der Bienenstation geht es in den Wald hinein. Ein Bussard kreist am Himmel. Direkt am Waldrand, im Schatten der Bäume, wartet die zweite Station. Sie widmet sich dem Hasen und steht unter dem Leitsatz „Mein Auftrag – Deine Freiheit!“. Eine Auslegung für Familien sei laut Mai, dass Eltern nicht ihren Kindern den Weg vorgeben sollten, den sie sich wünschen. Vereinfacht ausgedrückt, sagt Franziskus in der Legende zum Hasen: „Du gehörst doch woanders hin, in die freie Natur.“</p><p>„Handthal ist der grüne Fingerabdruck Gottes. Es ist, als wenn der liebe Gott seinen Daumen in die Landschaft gedrückt hätte“, sagt Mai. Seit 2008 leitet er die Pfarreiengemeinschaft „Sankt Franziskus am Steigerwald“, zu der auch Handthal gehört. „Die Gegend war Franziskus schon immer sehr verbunden“, erklärt Mai. Bis 1805 stand am Berg ein Franziskanerkloster, bevor sich die Ordensleute nach Dettelbach zurückzogen. Aus den Steinen des leerstehenden Klosters bauten die Einwohner von Handthal die Magdalenenkapelle, da das Kloster zuvor auch schon Magdalena gewidmet war. Noch heute sieht man außen den Grundstein „Posteris“ <span style="font-size:10.0pt"><span style="font-family:&quot;Arial&quot;,sans-serif">–</span></span>&nbsp;für die Nachkommen. Und Nachhaltigkeit passt perfekt zum Besinnungsweg.</p><p>Jetzt geht es tiefer in den Wald und der Schotterweg wird zum naturbelassenen Wanderpfad. Die nächste Station lässt einen besonderen Blick auf die Natur zu. Wie ein Fenster öffnet sich der Wald und bietet einen atemberaubenden Ausblick über Wiesen und Felder bis zum Dorf mit den dahinterliegenden Weinbergen am Stollberg. Mai lässt sich auf der Bank nieder und genießt den Moment. Die Station ist der Tierlegende des Falken gewidmet. Sie gibt uns mit auf den Weg: „Manchmal ist richtig, was nicht in den Plan passt.“ So wie der Falke Franziskus nicht geweckt hat, weil er sah, dass Franziskus Schlaf für seine Genesung braucht.</p><p>Entspannen und den Wald genießen kann man auch ein Stück den Weg hinab auf einer Liegebank. Von dort kann man in die Kronen der Bäume sehen und dem Rauschen des Windes lauschen — und nicht zu vergessen die Rufe des Bussards hören. Ein Stück davor ist die Legende des Wolfs dargestellt. Die Überschrift lautet: „Der Mensch ist dem Mensch ein Wolf, oder ein Bruder?“ Mai erklärt, dass er bei Führungen mit Erwachsenen die Frage diskutieren würde. Insgesamt gibt es vier verschiedene Führungen. Die Frage ist Teil des Spaziergangs mit spirituellen Impulsen unter dem Titel „Mit Franz von Assisi und acht Tieren auf zwei Kilometern zwei Stunden unterwegs“. Dabei geht es besonders um die Achtsamkeit gegenüber der Schöpfung. Auch die zweite Führung ist spiritueller Natur. Sie beschäftigt sich damit, „Was Franziskus uns heute zu sagen hätte“. Der Steigerwald biete eine Vielfalt an hochwertigen Lebensräumen. Die Führung klärt die Frage: „Wie kann die Harmonie, die dort zwischen Mensch und Natur erhalten ist, bestehen bleiben?“ Der Bezug der Region zu Franziskus wird auch noch einmal bei der Führung „Auf den Spuren der Geschichte Handthals“ deutlich. Außerdem geht es auch um Walther von der Vogelweide, der in Handthal geboren sein soll. Aber auch Kinder kommen nicht zu kurz. Für Familien gibt es die Führung „Tiere auf dem Franziskusweg“, bei der sich die Kinder auf einer Wanderung mit dem Förster spielerisch mit den Lebensräumen der Waldbewohner auseinandersetzen. Außerdem hat das Steigerwald-Zentrum für Kinder ein Franziskusquiz erstellt, das Familien an der Information des Steigerwald-Zentrums abholen und auf dem Weg lösen können. Das ist ohne Buchung einer Führung möglich.</p><p>Ein Stück des Weges entlang kommt man an einem Bach vorbei, bevor die Station der Lerche auftaucht, die an die Demut erinnert. Während Mai den Weg entlanggeht, sagt er: „Die Bäume sind hier auf dem Weg für mich ein bisschen wie ein gotischer Dom.“ Die Äste verzweigen sich über dem Weg und wirken ein wenig wie ein Schutzdach. Dort hindurch erreicht man die Station der Grille. An der ein Hörrohr angebracht ist, das auf die Wiese zeigt. So verstärkt es die Geräusche der Grillen. In raschen Schritten nähert man sich dann dem Dorf. Der Weinberg am Stollberg ist die nächste Station und zeigt die Tierlegende des Fasanen. „Wir leben von dem, woran sich unser Herz erfreut.“ Weiter durch das Dorf, vorbei an einem Damwildgehege und einem Forellenteich, geht es auf die Abzweigung zum Spielplatz. Dort ist die letzte Tierstation angebracht. Sie erzählt von den Lämmern. Ihr Fazit: „Durch ein Übermaß an Güte verblüffen.“ Von dort aus geht es zur Magdalenenkapelle. Auch von dort aus kann der Franziskusweg gestartet werden.</p><p>Führungen mit bis zu 25 Personen können zum Gruppenpreis von 70 Euro, ab dem 24. Juli, gebucht werden. Buchung und weitere Informationen: Steigerwald-Zentrum, Handthal 56, 97516 Oberschwarzach, Telefon 09382/319980, E-Mail <a href="mailto:info@steigerwald-zentrum.de">info@steigerwald-zentrum.de</a>. Auf der Homepage des Steigerwald-Zentrums, <a href="http://www.steigerwald-zentrum.de" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">www.steigerwald-zentrum.de</a>, wird dann auch der Flyer zum Franziskusweg zu finden sein.</p><p class="text-right">ils (POW)</p><p>(3020/0769; E-Mail voraus)</p><p><em><strong>Hinweis für Redaktionen:</strong> Fotos abrufbar im Internet</em></p>

]]></content:encoded><category>Reportagen</category><category>Bischof Franz Jung</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-38034</guid><pubDate>Wed, 08 Jan 2020 16:02:21 +0100</pubDate><title>Malen wie von Geisterhand</title><link>https://pow.bistum-wuerzburg.de/aktuelle-meldungen/detailansicht/ansicht/malen-wie-von-geisterhand/</link><description>Public Painting: Behinderte Künstler malen donnerstags im Museum am Dom – Vernissage am 30. Januar</description><content:encoded><![CDATA[<p><strong>Würzburg</strong> (POW) Selbstvergessen arbeitet Andreas Schütz an seinem Gemälde. Ein schwarzer Strich, ein blauer Strich, stets mit Bedacht. Immer wieder tritt er einen Schritt zurück und betrachtet sein Kunstwerk, als würde er nachdenken, welchen Pinselstrich er als nächstes setzen muss. Es entsteht ein dunkler Nachthimmel über Strand und Meer. Der Künstler erklärt: „Erst wollte ich einen Sonnenuntergang, und jetzt ist es Nacht. Das entwickelt sich halt mit der Zeit.“ Die Ideen kommen Schütz beim Grundieren der Leinwände, das inspiriert ihn. „Man könnte auch sagen, meine Hand wird von einem Geist geführt.“ So entwickelt sich das Gemälde nach und nach. Schütz beschäftigt sich mit dem Thema „Ohnmacht“, angelehnt an das gleichnamige Werk von Andreas Kuhnlein. Auch die Natur könne Ohnmacht erzeugen. „Man versucht immer, die Natur zu beherrschen, aber das geht halt nicht. Man steht ohnmächtig davor“, beschreibt der Künstler.</p><p>###GALERIE###</p><p>Schütz malt das Bild nicht in einem Atelier, sondern im Museum am Dom. Er macht mit beim Projekt Public Painting. Seit Oktober 2019 interpretieren je zwei behinderte Künstler von den Mainfränkischen Werkstätten und des Eisinger Sankt Josefs-Stifts donnerstags von 10.30 bis 15 Uhr im Museum am Dom dort ausgestellte Kunstwerke. Die Arbeit der Künstler findet in aller Öffentlichkeit statt. Besucher sind eingeladen zuzusehen. Dabei kann jeder kostenfrei zu den Künstlern hinunterkommen und Fragen stellen oder aber von draußen durch das große Fenster am Durchgang zwischen Domstraße und Kiliansplatz zusehen. Wer zu den Künstlern möchte, bekommt zudem die Möglichkeit, das Gesamtkunstwerk aller Besucher „Würzburg malt ein Bild“ mitzugestalten. Hierfür steht eine Leinwand bereit, auf der sie mit Acrylfarben das Gemälde vervollständigen können. Schütz stören die Besucher nicht. „Ich habe es mir stressiger vorgestellt“, berichtet er.</p><p>Es kommt ein neuer Tropfen blaue Farbe auf die Farbpalette. Die Künstler malen mit Acrylfarbe, deshalb riecht es im Museum nicht so stark, wie es bei Ölfarben der Fall wäre. Doch das ist nicht der Grund, warum die Künstler Acrylfarbe verwenden. Sie trocknet vor allem schneller als Ölfarbe. Thomas Pupkulies vom Sankt Josefs-Stift erklärt, dass Ölfarbe fast ein Jahr zum Trocknen braucht. Doch die Kunstwerke müssen bis zum 30. Januar fertig sein, denn dann werden sie ausgestellt und zum Verkauf angeboten. Pupkulies widmet sich dem Thema „Nacht“. Dabei wirken seine Bilder völlig unterschiedlich. Teilweise sind sie klar und ruhig, teilweise verspielt. „Die ersten zwei gehen Richtung Peng“, erklärt er. Pupkulies malt ein Bild nach dem anderen. „Zwei Bilder gleichzeitig mache ich äußerst ungern. Das ist nichts Halbes und nichts Ganzes.“ Für manche seiner Werke brauche er eine halbe Stunde, für manche eine Woche und für manche sogar ein Jahr.</p><p>Anne Bahr hingegen versucht, vier Bilder gleichzeitig in ein Kunstwerk zu integrieren. Sie hat bereits gemeinsam mit ihrem Betreuer eine Skizze vorgezeichnet. Diese klebt an der Wand, und sie kann sich an der Zeichnung orientieren. „Ich versuche, meinen Glauben weiterzugeben“, verrät Bahr über ihre Werke. „Ziel ist es, dass viele wieder zu Jesus finden. Viele Bilder sind trostlos oder leidend, ich möchte mit Jesus wieder Hoffnung geben.“ Auf dem oberen Teil ihres Gemäldes sieht man auch Jesus auf rotem Grund. Behr nimmt zum ersten Mal an einem künstlerischen Projekt teil. Sie ist heute zum ersten Mal beim Public Painting. „Wenn jemand Fragen hat, bin ich da. Jetzt fange ich erst richtig an, aber ich bin sehr gespannt.“ Vorher war sie nur eine „Hobbymalerin mit Buntstiften“, wie sie selbst sagt.</p><p><iframe width="100%" height="166" scrolling="no" frameborder="no" allow="autoplay" src="https://w.soundcloud.com/player/?url=https%3A//api.soundcloud.com/tracks/748703380&amp;color=%23f9b000&amp;auto_play=false&amp;hide_related=true&amp;show_comments=false&amp;show_user=true&amp;show_reposts=false&amp;show_teaser=false"></iframe></p><p>Noch bis zum 23. Januar 2020 besteht die Möglichkeit, den Künstlern bei ihrer Arbeit zuzusehen. Das Public Painting ist Teil eines Projektseminars zum Thema „Museum mitgestalten“. Dabei geht es darum, das Museum inklusiv zu gestalten. Studenten der Universität Würzburg aus den Fächern Museologie, Mensch-Computer-Systeme und Lehramt planen Maßnahmen, wie man das Museum am Dom für behinderte Menschen besser zugänglich machen kann. Die Ergebnisse präsentieren die Studenten und behinderten Künstler bei einer Vernissage am 30. Januar um 18 Uhr. Dann werden die Bilder im Museum am Dom ausgestellt.</p><p class="text-right">Anna-Lena Ils (POW)</p><p>(0320/0046; E-Mail voraus)</p><p>Hinweis für Redaktionen: Fotos abrufbar im Internet</p>]]></content:encoded><category>Reportagen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-37977</guid><pubDate>Mon, 23 Dec 2019 16:27:13 +0100</pubDate><title>Zum Abschluss erklingt „Stille Nacht“</title><link>https://pow.bistum-wuerzburg.de/aktuelle-meldungen/detailansicht/ansicht/zum-abschluss-erklingt-stille-nacht-1/</link><description>Bischof Dr. Franz Jung feiert mit Gefangenen und Bediensteten in der Justizvollzugsanstalt Würzburg einen weihnachtlichen Gottesdienst</description><content:encoded><![CDATA[<p class="Dachzeile1"><span style="font-size:10pt"><span style="font-family:Arial,sans-serif"><b>Würzburg</b> (POW) Verlegen reibt sich bei den Klängen von „Stille Nacht“ der eine oder die andere übers Gesicht. Insgesamt rund 280 weibliche und männliche Gefangene der Justizvollzugsanstalt (JVA) Würzburg haben sich am Montagnachmittag, 23. Dezember, in der Hauskapelle versammelt, um mit Bischof Dr. Franz Jung und Bediensteten und Ehrenamtlichen der JVA einen der zwei ökumenischen weihnachtlichen Gottesdienste zu feiern.</span></span></p><p><span style="font-size:10pt"><span style="font-family:Arial,sans-serif">Es sind vermutlich die belastendsten Tage im Jahr für die rund 500 Frauen und Männer in der Justizvollzugsanstalt (JVA) Würzburg: Während andere zuhause bei ihren Familien um den Christbaum feiern, sitzen sie an Heiligabend und an den Weihnachtsfeiertagen oft einsam hinter verschlossenen Türen in ihren Zellen. Ein kleiner Lichtblick ist die ökumenische Christvesper.</span></span></p><p><span style="font-size:10pt"><span style="font-family:Arial,sans-serif">„Viele Gefangene sind in diesen Tagen besonders bedrückt, vor allem diejenigen, die diese Zeit zum ersten Mal in der JVA erleben“, beschreibt die katholische Gefängnisseelsorgerin Pastoralreferentin Doris Schäfer die Stimmung hinter Gittern an Weihnachten. Familie und Freunde könnten in dieser Zeit nur eingeschränkt zu Besuch zugelassen werden. Weil zudem die JVA-Betriebe wegen der Feiertage geschlossen seien, entstehe viel Leerlauf. „Wir bieten besonders gutes Essen an. Es gibt Wild, Braten und Geflügel“, sagt JVA-Chef Regierungsdirektor Robert Hutter. Bischof Jung hat vor den Gottesdiensten in einigen Zellen und auf der Krankenstation mit Wach- und Pflegepersonal sowie Gefangenen gesprochen.</span></span></p><p><span style="font-size:10pt"><span style="font-family:Arial,sans-serif">Zu Beginn des Weihnachtsgottesdienstes am Tag vor Heiligabend begrüßt Schäfer alle, die zum Gottesdienst in die JVA-Kapelle gekommen sind, besonders Bischof Jung, der zum ersten Mal in der JVA Würzburg zu Besuch ist. Zwei Vertreter der Deutschen Pfadfinderschaft Sankt Georg (DPSG) aus Würzburg-Lengfeld bringen das Friedenslicht von Betlehem und entzünden&nbsp;mit der Flamme aus dem Heiligen Land eine Kerze an der Krippe. </span></span></p><p><span style="font-size:10pt"><span style="font-family:Arial,sans-serif">„Weihnachten ist ein Fest der Hoffnung, dass in der dunkelsten Nacht unseres Lebens ein neuer Lebensabschnitt beginnt“, sagt Bischof Jung in seiner Predigt. Weihnachten zeige, dass Gott mit den Menschen einen Neuanfang feiern wolle, „wenn wir das Alte loslassen können und ihm vertrauen“. Daher sei die „Wartezeit“ im Gefängnis keine verlorene Zeit. Die Gefängniszelle könne vielmehr im übertragenen Sinn als Kreißsaal bezeichnet werden, an dem neues Leben geboren werden wolle. Der Aufenthalt in der JVA markiere eine Grenze und zwinge zum Innehalten. Niemand könne dort mit seinem bisherigen Leben weitermachen. „Es gilt, den Schock des Weggesperrt-Werdens zu verarbeiten und Einsamkeit und schmerzhafte Trennung zu ertragen“, sagt Bischof Jung. Wichtig sei, trotz Schuld, Versagen und Scham die eigene Würde zu behaupten und die Grenzen des eigenen Lebens zu akzeptieren. „Und wäre Christus tausendmal in Bethlehem geboren, doch nicht in dir, du wärest ewiglich verloren“, zitiert Bischof Jung Angelus Silesius.</span></span></p><p><span style="font-size:10pt"><span style="font-family:Arial,sans-serif">Die Fürbitten bringen zur Sprache, was die Menschen hinter Gittern bewegt: Sie beten unter anderem für Menschen, die von ihrer Familie getrennt sind, die einsam und ausgegrenzt sind, für die Opfer von Krieg und Vertreibung, für die Verantwortlichen in Politik und Gesellschaft. Musikalisch engagieren sich zahlreiche Frauen und Männer für den weihnachtlichen Gottesdienst. Zum Beispiel der Frauenchor der JVA unter der Leitung von Stefanie Schwab, der Männerchor der JVA und der CVJM-Posaunenchor Würzburg. Eine Mitarbeiterin des ehrenamtlichen Besuchsdiensts trägt die Lesung aus dem Buch Jesaja vor. Die evangelische Pfarrerin Astrid Zeilinger und Pastoralreferent Georg Ruhsert lesen das Weihnachtsevangelium vor. Viele Ehrenamtliche, die sich in der Würzburger JVA engagieren, feiern die Vesper mit. Prominenter Gast ist neben JVA-Chef Hutter Landtagsabgeordneter Manfred Ländner. Hutter wünscht den Gefangenen am Ende des Gottesdienstes ein frohes Weihnachtsfest. </span></span></p><p><span style="font-size:10pt"><span style="font-family:Arial,sans-serif">Bevor nach dem Segen „Stille Nacht“ erklingt, dankt Gefängisseelsorgerin Schäfer dem Bischof, der die ermutigende Botschaft der Weihnacht den Gefangenen nahegebracht habe. Gemeinsam mit Ruhsert und Zeilinger überreicht sie ihm als Ausdruck des Danks eine Zeichnung der Krippenszene, gefertigt von einem Häfltling, außerdem eine CD mit von deutschen JVA-Chören gesungenen Weihnachtsliedern und das Buch „Gott im Gefängnis“.</span></span></p><p><span style="font-size:10pt"><span style="font-family:Arial,sans-serif">Danach warten wieder die Zellen auf die Gefangenen. Bischof Jung und die übrigen Seelsorger verabschieden sie am Ausgang der Kapelle. „Frohe Weihnachten!“, wünscht der Bischof jedem Häftling und überreicht dabei eine Weihnachtskarte<b>.</b></span></span></p><p><span style="font-size:10pt"><span style="font-family:Arial,sans-serif"><i>Markus Hauck (POW)</i></span></span></p><p><span style="font-size:10pt"><span style="font-family:Arial,sans-serif">(0120/0027; E-Mail voraus)</span></span></p><p><span style="font-size:10pt"><span style="font-family:Arial,sans-serif"><b><i><u>Hinweis für Redaktionen:</u></i></b><i> Fotos abrufbar im Internet </i></span></span></p>]]></content:encoded><category>Reportagen</category><category>Würzburg</category><category>Bischof Franz Jung</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-37813</guid><pubDate>Wed, 11 Dec 2019 08:21:21 +0100</pubDate><title>Lebkuchen, Husarenkrapfen und Terrassen</title><link>https://pow.bistum-wuerzburg.de/aktuelle-meldungen/detailansicht/ansicht/lebkuchen-husarenkrapfen-und-terrassen/</link><description>Ritaschwestern backen jedes Jahr rund 15 Sorten Plätzchen</description><content:encoded><![CDATA[<p><strong>Würzburg</strong> (POW) Es ist neun Uhr morgens und in der Küche wird schon seit halb acht fleißig alles für das Plätzchenbacken vorbereitet. Hauswirtschafterin Monika Kaufmann backt zusammen mit den Schwestern Elisabeth, Edeltraud, Gertrudis und Laurentiana an diesem Vormittag drei Sorten Weihnachtsgebäck: Kartoffellebkuchen, Husarenkrapfen und Terrassen.</p><p>Schwester Laurentiana bestreicht gemeinsam mit Schwester Gertrudis die Terrassen mit selbst gemachter Johannisbeermarmelade. Dabei achtet sie penibel darauf, dass nicht zu viel Marmelade auf den Plätzchen ist, damit nichts an den Seiten herausläuft. Genau das macht ihr am Plätzchenbacken Spaß: „Einfach dieses Feine und natürlich, dass man den anderen Schwestern eine Freude machen kann. Ich war schon immer in der Küche und das Plätzchenbacken mache ich schon immer sehr gerne.“ Schwester Laurentiana ist geschickt im Marmelade verstreichen, doch sie gesteht: „Das braucht schon ein bisschen Übung.“ Schwester Gertrudis fühlt sich beim Plätzchenbacken in ihre Zeit als Kindergärtnerin zurückversetzt, als sie gemeinsam mit den Kindern gebacken hat.</p><p>###GALERIE###</p><p>Haferflocken- und Gabelplätzchen wurden schon in der Woche davor gemacht. An Heiligabend gibt es dann rund 15 verschiedene Sorten Plätzchen und 30 Kilo Christstollen. Dafür wird ab Mitte November bis zur letzten Woche vor Weihnachten gebacken. „Dann ist Schluss“, erklärt Hauswirtschafterin Kaufmann, die die meisten Plätzchen backt. Die Rezepte sind dabei eine bunte Mischung von alten und neuen Rezepten. Ein besonderes Highlight sei immer der Christstollen, erklärt Kaufmann. Den habe bis zu ihrem Tod im vergangenen Jahr immer eine Schwester gebacken. „Der muss dieses Jahr nachgemacht werden.“</p><p>Den Christstollen gibt es für die 52 Schwestern allerdings erst an Heiligabend. Schwester Elisabeth berichtet, dass es auch die aufwendigeren Plätzchen erst an Heiligabend gibt. „Dann werden die Tüten in die Zimmer verteilt.“ Am Nikolaustag gab es dann schon einmal die einfacheren Plätzchen wie Gabel- oder Haferflockenplätzchen. Die mag Schwester Edeltraud sehr gerne: „Die sind einfach, aber gut.“ Sie ist gerade dabei, die Kartoffellebkuchen mit Zartbitterschokolade zu überziehen. „Ich bin normalerweise in der Gemüseküche, aber Backen ist schon was Schönes.“ Jetzt die Plätzchen zu backen und sich dann bis Heiligabend zu gedulden ist für sie keine Herausforderung. „Ich kann warten, mir macht das nichts aus.“</p><p>Schwester Elisabeth füllt die Masse für die Kartoffellebkuchen in die Lebkuchenglocke und drückt sie auf sie Oblaten. Es gibt zwei verschiedene Größen. Auf die großen Bleche passen 50 kleine oder 30 große Lebkuchen. Dabei wird deutlich, welche Menge an Plätzchen die Ritaschwestern backen. Doch sie backen nicht nur für sich selbst. „Wir haben acht oder zehn Tage vor Weihnachten eine Feier für unsere Mitarbeiter“, berichtet Schwester Elisabeth. Dann bekommen auch die Mitarbeiter schon Weihnachtsgebäck. An der Pforte gibt es an den Weihnachtstagen zudem für die Armen eine kleine Tüte.</p><p>Am Heiligabend gibt es dann Plätzchen und Christstollen bei der gemeinsamen Feier. „Es gibt Glühwein und Kaffee“, erzählt Schwester Elisabeth. Früher wären auch immer noch alleinstehende Gäste von außerhalb gekommen, doch in den letzten Jahren hätte keiner mehr teilgenommen. Plätzchenbacken hat bei den Ritaschwestern eine lange Tradition: „Wir backen schon immer Weihnachtsplätzchen, und das ist uns auch einfach wichtig zum Charakter des Festes, dass es da was Schönes gibt. Weihnachten ist ein großes Fest. Wir feiern die Geburt Jesu für uns Menschen, und das muss ich auch ausdrücken“, sagt Schwester Elisabeth.</p><p class="text-right">Anna-Lena Ils (POW)</p><p>(5019/1353; E-Mail voraus)</p><p><em><strong>Hinweis für Redaktionen: </strong>Fotos abrufbar im Internet</em></p>]]></content:encoded><category>Reportagen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-32279</guid><pubDate>Thu, 08 Aug 2019 11:33:16 +0200</pubDate><title>Auf dem Weg zum Ja-Wort</title><link>https://pow.bistum-wuerzburg.de/aktuelle-meldungen/detailansicht/ansicht/auf-dem-weg-zum-ja-wort/</link><description>Ehevorbereitungsseminar für katholisch-evangelische Paare – Teilnehmer räumen mit Vorurteilen auf – Seminarleiter erklären unterschiedliches Eheverständnis</description><content:encoded><![CDATA[<p><strong>Würzburg</strong> (POW) „Jetzt musst du um die linke untere Ecke vom Dreieck noch einen großen Kreis malen“, erklärt Katharina Pfeuffer (26) ihrem Partner Stefan Kafara (31). Rücken an Rücken sitzen sie im Rudolf-Alexander-Schröder-Haus in Würzburg und können nicht sehen, was jeweils der andere in den Händen hält. Katharina hat ein Blatt Papier, auf dem Linien, Kreise und Rechtecke aufgemalt sind. Ihre Aufgabe ist es, Stefan genau zu erklären, was sie sieht. Stefan muss die Formen auf sein weißes Blatt übertragen und darf dabei nicht spicken. „Kommunikation ist das Geheimnis jeder Partnerschaft“, sagt Frank Hofmann-Kasang und bittet die Paare nach dem Spiel wieder zurück in den Stuhlkreis. Er ist Pfarrer der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinden Estenfeld und Kürnach und leitet zusammen mit Melanie Jörg-Kluger, Pastoralreferentin im Würzburger Stadtteil Sanderau und Diözesanrichterin am kirchlichen Gericht der Diözese Würzburg, das Seminar „Zu dir oder zu mir?“. Sechs Paare, von denen jeweils ein Partner katholisch, der andere evangelisch ist, bereiten sich auf ihre konfessionsverbindende Hochzeit vor.</p><p>###GALERIE###</p><p>„Heute haben wir Zeit, auch mal nebenraus zu denken und ins Gespräch zu kommen. Es ist weder beim Heiraten Eile geboten, noch hier in diesem Seminar“, erklärt Hofmann-Kasang den Paaren. Bereits fünf der sechs Paare haben im vergangenen Jahr standesamtlich geheiratet, die kirchliche Trauung steht ihnen allen jedoch noch bevor. „Ihr seid auf dem Weg, zwei Konfessionen zu verbinden. Das ist eine wahre Chance, voneinander zu profitieren“, ergänzt Jörg-Kluger. Dazu müsse man sich aber auch einmal bewusst machen, was für die einzelnen Teilnehmer typisch katholisch und typisch evangelisch ist. Die Paare teilen sich in zwei Gruppen auf – eine evangelische und eine katholische – und sammeln ihre Ideen. „Mir gefallen die Geschichten um die Heiligen herum, wie sie für ihren Glauben eingetreten sind“, sagt Sebastian Barthel (31) und setzt ein rotes Pluszeichen vor den Stichpunkt „Heiligenfiguren“. „Mir ist aufgefallen, dass die evangelische Gemeinde bei uns zuhause immer alle abgedruckten Strophen singt. Wir dagegen singen meist nur die ersten beiden Strophen“, erzählt Sandra Habl (52). Gerne würde auch sie einmal ein paar Strophen mehr singen. Bei beiden Gruppen sammeln sich auf den Plakaten weitere Begriffe wie „Papst“, „lange Predigten“, „Konfirmation“ und „Firmung“, die anschließend diskutiert und bewertet werden.</p><p>Jeder bringe aus seinem Elternhaus und seinem Umfeld verschiedene Erfahrungen im Glauben und Traditionen mit in die Beziehung, stellt Hofmann-Kasang bei jedem Seminar immer wieder aufs Neue fest. „Als Paar müsst ihr euch überlegen, welche konfessionelle Schiene ihr gehen wollt und wie ihr dabei die andere Konfession nicht aus dem Blick verliert.“ Er fordert die Teilnehmer auf, einmal in Ruhe über Traditionen, Gegenstände und Sprüche nachzudenken, die einen in der eigenen Einstellung zu Glaube und Kirche geprägt haben. Es wird still im Raum. Manch einer schaut konzentriert an die Decke und versucht, sich an seine Kindheit zu erinnern. Andere schreiben nach kurzer Überlegung ihre Gedanken auf ein Blatt Papier. Dann dürfen die Paare die Köpfe zusammenstecken und sich darüber austauschen, welche Erinnerungen und Traditionen dem anderen wichtig sind.</p><p>„Als Kind fand ich den Gebetswürfel vor dem Abendessen ziemlich cool“, erzählt Sebastian Löblein (26). Er könne sich vorstellen, diese Form des Tischgebets auch mit seinen Kindern einmal auszuüben. „Bei uns wurden die Patenämter bisher immer unter den Geschwistern vergeben. Vielleicht können wir das ja auch so weiterführen“, sagt Svenja Barthel (30). Nicht nur im Patenamt, sondern auch an den Feiertagen spielt für sie die Familie eine wichtige Rolle. Dass an solchen Tagen alle zusammenkommen, steht für sie außer Frage. Andreas Schertler (32) will keine „starren Auslegungen“ übernehmen. Er brauche die Kirche nicht unbedingt, um Gott nahe zu sein. „Für meine Großeltern war es fast ein Untergang, dass ich damals kein Ministrant werden wollte“, erzählt er. Seine Eltern hätten ihn dagegen nie gezwungen, in die Kirche zu gehen. Das wolle er auch an seine Kinder später einmal weitergeben. Für Stefan Kafara&nbsp; gehörte es im Urlaub immer dazu, auch etwas über die Religion und Kirche in den anderen Ländern zu erfahren. Auch in der Heimat will er die katholische Konfession seiner Partnerin nicht aus dem Blick verlieren. „Ich kann mir gut vorstellen, zukünftig Gottesdienste beider Konfessionen zu besuchen.“</p><p>„Auf evangelischer Seite ist die Ehe ein weltlich Ding“, zitiert Hofmann-Kasang Martin Luthers Worte. „Nach evangelischem Ritus müsstet ihr nach der standesamtlichen Trauung nichts mehr tun.“ Aber der Segen sei ein schönes Zeichen auch nach außen hin. „Indem ihr den Segen Gottes erbittet und euch vor euren Familien und der Gemeinde versprecht, treu zu sein, macht ihr deutlich: Wir gehören zusammen als Gottes gute Ordnung“, erklärt er und legt einen violetten Zettel mit der Aufschrift „Gottes gute Ordnung“ in die Mitte des Stuhlkreises. Mit dem zweiten Zettel „Gabe und Aufgabe“ macht er deutlich, dass die Ehe nicht immer ein Zuckerschlecken sei, sondern beide Partner immer wieder an ihr arbeiten müssen. Auch er denke, dass eine Ehe unauflöslich sein sollte, aber zum Leben gehöre auch das Scheitern dazu. „Unser Eheverständnis geht von Vergebung und Scheitern aus, es ist also möglich, eine Ehe auch wieder aufzulösen.“</p><p>Auf katholischer Seite gebe es doch ein bisschen mehr zu beachten, wirft Jörg-Kluger ein. „Zum Beispiel sieht die katholische Kirche die Ehe als Sakrament, das sich die getauften Ehepartner gegenseitig spenden.“ Sie ergänzt die Punkte, die Hofmann-Kasang bereits in die Mitte gelegt hat, mit grünen Blättern, auf denen Stichpunkte aus dem katholischen Eherecht stehen. So wie Gottes Liebe sollte auch die Ehe „auf Dauer sein“, eine Scheidung sehe die katholische Kirche also nicht vor, erklärt Jörg-Kluger. „Die Ehe ist eine Gemeinschaft des ganzen Lebens. Das betrifft zum Beispiel auch das Finanzielle. Die Ehepartner sollen gemeinschaftlich mit dem Geld umgehen und größere Investitionen miteinander entscheiden.“ Ein häufiger Grund, warum Ehen scheitern, sei, dass man nur an sich selbst denke und den anderen nicht so akzeptiert, wie er ist. „Das katholische Eheverständnis sieht jedoch vor, dass man sich gegenseitig schenkt und annimmt, einander treu ist und eine Gemeinschaft des ganzen Lebens begründet.“ Die Ehe sei sowohl ein Bund als auch ein Vertrag, der mit dem Ja-Wort geschlossen werde. „Und da die Ehe auf Kinder ausgelegt ist, können nach katholischem Verständnis nur Mann und Frau heiraten“, erklärt die Pastoralreferentin.</p><p>Am Ende des Kurzreferats der beiden Seminarleiter zum unterschiedlichen Eheverständnis liegen zahlreiche Stichpunkte auf dem Boden vor den Füßen der Teilnehmer. „Ihr seht, wenn man katholisch heiratet, gibt es einiges mehr zu bedenken“, sagt Jörg-Kluger mit einem Lachen. „Das Wichtigste jedoch sind diese drei verbindenden Punkte, die in beiden Konfessionen von Bedeutung sind“, sagt sie und zieht drei gelbe Blätter hervor. Auf ihnen steht, dass die Ehe ein „Zeichen der Liebe Gottes“, „von Gott gestiftet“ und „auf Dauer angelegt“ sei.</p><p>„Wir heiraten im August und sind schon sehr weit mit den Planungen“, erzählt Susanna Löblein (27). Trotzdem nehme sie aus dem Seminar ein paar Punkte mit, über die sie mit ihrem Partner noch einmal reden wolle. Da Susanna zurzeit ihr Referendariat am Gymnasium unter anderem im Fach katholische Religion absolviert, wird auch katholisch geheiratet. „Das ist völlig okay für mich, denn sie ist auch im Glauben viel tiefer verwurzelt“, sagt ihr Mann Sebastian. Kristi Grund (26) und ihr Partner Andreas Schertler&nbsp;konnten während des Seminars Vorurteile aufräumen und gehen nun bestärkt in die Vorbereitungen ihrer Hochzeit. Bei ihnen wird es auf eine evangelische Trauung hinauslaufen, da Kristi in der evangelischen Kirche in Gemünd bereits getauft und konfirmiert wurde. „Eure Lebensgeschichte ist ein Schatz, den ihr in euch tragt“, erklärt Hofmann-Kasang. Für die Vorbereitung der Hochzeit und für die Traugespräche legt er den Paaren nah, den Geistlichen auch von den gemeinsamen Erlebnissen zu erzählen. „Schreibt eure Lebensgeschichte als Thema über eure Hochzeit und zeigt euren Familien und Freunden, was euch verbindet.“</p><p><strong>Über das Seminar „Zu mir oder zu dir?“</strong></p><p>„Wir haben gemerkt, dass sich die Paare mit unterschiedlichen Konfessionen bewusster mit dem Thema Glauben in der Familie auseinandergesetzt haben“, erzählt Pastoralreferentin Dr. Christine Schrappe, stellvertretende Leiterin der Hauptabteilung Außerschulische Bildung der Diözese Würzburg. Innerhalb der Seminarreihe „Wir trauen uns“ führte sie zusammen mit Pastoralreferent Dr.&nbsp;Armin Bettinger, Studienleiter der Domschule Würzburg, im Jahr 2006 das erste Ehevorbereitungsseminar für konfessionsverbindende Ehepaare ein. Seitdem gibt es jedes Jahr mindestens ein Seminar für katholisch-evangelische Paare, die sich in der Gruppe mit Paaren in gleicher Situation über ihre Konfessionen und Erfahrungen austauschen können. Termine und weitere Informationen gibt es im Internet unter <a href="http://www.domschule-wuerzburg.de" target="www.domschule-wuerzburg.de" rel="noreferrer">www.domschule-wuerzburg.de</a>.</p><p class="text-right">Rebecca Hornung (POW)</p><p>(3319/0874; E-Mail voraus)</p><p><em><strong>Hinweis für Redaktionen:</strong> Fotos abrufbar im Internet</em></p>]]></content:encoded><category>Reportagen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-27998</guid><pubDate>Tue, 19 Mar 2019 10:13:27 +0100</pubDate><title>Ein ganzer Ort im Passionsspiel-Fieber</title><link>https://pow.bistum-wuerzburg.de/aktuelle-meldungen/detailansicht/ansicht/ein-ganzer-ort-im-passionsspiel-fieber/</link><description>Noch sechs Wochen bis zur Premiere der Dammbacher Passionsspiele 2019 – Mehr als 200 Mitwirkende auf und hinter der Bühne – Zwei neue Jesus-Darsteller: „Rolle ist eine große Verantwortung, aber auch eine große Ehre“</description><content:encoded><![CDATA[<p><strong>Dammbach</strong> (POW) Jesus liegt mit verbundenen Augen und gefesselten Händen auf dem Boden. Um ihn herum stehen vier feixende Soldaten in knielangen roten Hosen und braunen Wamsen. Ein Soldat beginnt mit übertrieben ehrfürchtiger Stimme zu sprechen: „Unser König ist…“ Da unterbricht ihn Regisseur Paul Kroth. „Lauter bitte, und langsam“, ruft er quer durch die Sporthalle der Grundschule in Dammbach. Der Soldat nickt, holt Luft und beginnt von vorne. „Unser König ist vom Thron gestürzt!“, hallt es klar und deutlich über die Bühne. Kroth nickt zufrieden und beobachtet aufmerksam den weiteren Verlauf der Szene. In ihren aufwendigen Kostümen wirken die Darsteller ein wenig fremd zwischen Sprossenwänden und blauen Turnmatten. Noch rund sechs Wochen dauert es bis zur Premiere der Passionsspiele 2019 in der Spessartgemeinde Dammbach. Insgesamt zwölf Mal wird das Ensemble vom 4. Mai bis 2. Juni das Leiden und Sterben Jesu auf die Bühne bringen.</p><p>###GALERIE###</p><p>Für die Szene vor dem Hohen Rat haben sich an diesem Abend 20 Darsteller versammelt. Insgesamt wirken rund 115 Personen bei den Passionsspielen auf der Bühne mit. Dazu kommen weitere 100 Helfer, die sich um Kostüme und Maske, Technik, Bühnenaufbau oder Verpflegung kümmern. Die jüngste Darstellerin ist gerade mal zwei Jahre alt, der älteste zählt 80 Jahre und ist „ein überzeugter Passionsspieler“, erzählt Martin Anderl vom Passionsspielausschuss. „Er ist von Anfang an mit dabei. Bei den ersten Passionsspielen war er Petrus, jetzt spielt er bei der Tempelaustreibung den Blinden.“ Oft sind ganze Familien gemeinsam auf der Bühne und hinter den Kulissen im Einsatz. So auch die Familie der zweijährigen Tabea. „Die Mutter spielt Maria Magdalena, der Vater ein Mitglied des Hohen Rats, ein Opa ist Hauptmann, der andere der Chef der Technik, die Oma ist seit Beginn im Passionsspielausschuss tätig, die andere Oma verpflegt die Spieler…“</p><p>Bereits im September 2018 begannen die Proben unter der Regie von Paul Kroth und Waltraud Amrhein. Mittlerweile sitzt der Text schon recht gut und die Darsteller tragen ihre Kostüme. Jedes Kostüm wurde von Adolf Englert, einst selbst im Bekleidungsgewerbe tätig, und seiner Ehefrau Friederike entworfen und von Hand genäht, erzählt Anderl. „Viele stammen noch aus der Zeit der allerersten Passionsspiele im Jahr 2001. Es sind hochwertige Unikate. Das Kostüm von Pilatus ist ein Meisterwerk.“ Würdevoll sehen auch die Mitglieder des Hohen Rats aus in ihren knielangen weißen Gewändern und mit Brokat verzierten Überwürfen. Auf den Köpfen tragen sie hohe weiße Hauben, aus denen lange schwarze Schleier über den Rücken fallen. Als Jesus alias Jannis Wirth von den Tempelwachen vor den Hohen Rat geführt wird, wirkt er in seinem schlichten weißen Gewand sehr jung und schmal.</p><p>„Im Kostüm zu proben macht ganz viel aus“, sagt der 24-Jährige. Wirth spielt in dieser Saison erstmals den Jesus, ebenso wie sein Kollege Sebastian Reinl. Für Reinl ist es eine doppelte Premiere, denn es ist zudem sein erster Auftritt bei den Passionsspielen. Seine Schwiegereltern, die ebenfalls mitspielen, haben ihn mit dem Passionsspiel-Virus infiziert. Wirth dagegen stand bereits 2004 als Kind auf der Bühne. „Dann war ich Diener, Apostel, und jetzt Jesus.“ In der Pause schlägt er sein Skript auf. Im ersten Teil des Stücks ist weit über die Hälfte der Textzeilen farbig markiert. „Man muss Respekt vor der Rolle haben. Es ist eine große Verantwortung, aber auch eine große Ehre.“</p><p>In der Szene vor dem Hohen Rat hat er ausnahmsweise wenig Text. Stumm blickt er Kaiphas nach, der im Weggehen verkündet: „Noch heute Morgen muss der Hohe Rat ihn verhören und ein Urteil sprechen. Der Nazarener soll noch vor dem Fest sterben.“ Im Hintergrund läuft Judas unruhig zwischen Turnmatten und Fußballtor hin und her und lauscht. „Sterben? Sterben?!“, ruft er und stürmt auf die Bühne. Dann bricht ein Gefühlssturm los. „Durch meine Schuld bist du nun im Kerker gefangen!“ Erzürnt wirft er den Mitgliedern des Hohen Rats einen Stoffbeutel mit Wucht vor die Füße. „Ihr habt mich zum Verräter gemacht!“ Münzen fallen heraus und rollen in alle Richtungen. Von Verzweiflung und Selbsthass gebeutelt, sinkt er auf die Knie, verdammt seine eigene Habgier und seinen Ehrgeiz. Als er schließlich verstummt, applaudieren die anderen Darsteller spontan.</p><p>„Judas ist eigentlich ein Guter. Ich denke, er und Jesus waren sehr gute Freunde. Aber er hat gemerkt, dass Jesus einen anderen Weg einschlägt. Ich glaube, dass Judas mit seinem Verrat etwas anderes bezwecken wollte. Er wollte, dass Jesus seine Stärke zeigt“, sagt Thomas Fries über seine Rolle. Auf seiner Stirn stehen kleine Schweißperlen – die Szene ist kurz, aber fordernd. Der 47-Jährige spielt zum zweiten Mal den Judas. Gerade das Zwiegespaltene seiner Rolle sei faszinierend, aber auch schwierig, erklärt er. „Es ist schon ein Problem, wenn man eine Stunde lang das Böse mimen muss. Man muss sich vorher negativ einstellen, sonst geht es nicht.“ Regisseur Kroth ist zufrieden mit der Probe. „Der Ablauf war gut. Es sind noch ein paar Kleinigkeiten zu verbessern. Aber das gibt sich, wenn erst einmal die Bühne steht und die Darsteller wissen, wie sie laufen müssen.“</p><p>Auf einer Bank sitzt Alfred Krott und beobachtet aufmerksam die gesamte Probe. Er hat 1990 das Textbuch für die Passionsspiele geschrieben und dem damaligen Ortspfarrer Anton Heußlein und dem Pfarrgemeinderat seinen Wunsch vorgetragen, in Dammbach Passionsspiele aufzuführen. Bei den ersten Aufführungen in den Jahren 2001 und 2004 spielte er selbst den Jesus. Dieses Mal ist er der Apostel Bartholomäus. „Wenn wir zusammen beim Abendmahl sitzen, das ist eine wunderbare Szene“, erzählt er. Nie hätte er gedacht, dass die Passionsspiele ein solcher Erfolg werden. Seit 2004 gibt es alle fünf Jahre eine neue Auflage der Passionsspiele, und jedes Mal gibt es auch eine Neuerung, sei es im Textbuch, auf der Bühne oder in der Inszenierung. „Neu ist diesmal die Tempelaustreibung mit den Händlern“, verrät Anderl. Auch sei Maria Magdalena präsenter als in den vorherigen Inszenierungen. Die Rolle ist doppelt besetzt. Verena Hauger wird selbst ein Lied aus dem Musical „Jesus Christ Superstar“ singen, während Annika Schäfer von einem „Gesangsdouble“ unterstützt wird – hinter den Kulissen wird Astrid Weis, ehemals Mitglied im Aschaffenburger Kammerchor Ars Antiqua, den Gesangspart übernehmen. „Wir haben so viele Ressourcen. Wir müssen sie nur finden und für die Passionsspiele begeistern.“</p><p>Auch überregional haben sich die Passionsspiele einen Namen gemacht. Mittlerweile kämen die Zuschauer bis aus dem Frankfurter und Würzburger Raum. Für ihren Beitrag zur Brauchtumspflege erhielten die Passionsspiele im Jahr 2017 den Heimatpreis des Bayerischen Staatsministeriums der Finanzen und für Heimat. Damit werden Menschen ausgezeichnet, die Weltoffenheit, Fortschritt und Tradition miteinander verbinden, heißt es auf der Homepage der Passionsspiele.</p><p>Alle Mitwirkenden leben in Dammbach oder stammen von dort. Die Gemeinde gibt es erst seit einer Gebietsreform im Jahr 1976. Damals wurden die selbstständigen Orte Wintersbach und Krausenbach zur Gemeinde Dammbach „zwangsverheiratet“. „Aber erst durch die Passionsspiele sind sie wirklich zusammengewachsen. Es sind Kontakte und Freundschaften entstanden“, erklärt Anderl. Und für Jesus-Darsteller Wirth steht fest: „Es gibt kein Wintersbach und kein Krausenbach. Es gibt die Passionsspiele, die Passionsspiele und die Passionsspiele.“</p><p><em><strong>Passionsspiele 2019 in Dammbach</strong></em></p><p>Die Premiere der Passionsspiele ist am Samstag, 4. Mai, um 18 Uhr in der Dammbachtalhalle, der Turnhalle der Grundschule Dammbach. Weitere Aufführungen sind am Sonntag, 5., Freitag, 10., Samstag, 11., Sonntag, 12., Samstag, 18., Sonntag, 19., Samstag, 25., Sonntag, 26. und Freitag, 31.&nbsp;Mai, sowie am Samstag, 1., und Sonntag, 2. Juni. Einen Kartenvorverkauf und weitere Informationen gibt es im Internet unter <a href="http://www.passionsspiele-dammbach.de" target="www.passionsspiele-dammbach.de" rel="noreferrer">www.passionsspiele-dammbach.de</a>.</p><p class="align-right">sti (POW)</p><p>(1219/0323; E-Mail voraus)</p><p><em><strong>Hinweis für Redaktionen:</strong> Fotos abrufbar im Internet</em></p>]]></content:encoded><category>Reportagen</category><category>Aschaffenburg</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-27976</guid><pubDate>Thu, 14 Mar 2019 10:59:00 +0100</pubDate><title>Zeitreise zu Jesus und seinen Freunden</title><link>https://pow.bistum-wuerzburg.de/aktuelle-meldungen/detailansicht/ansicht/zeitreise-zu-jesus-und-seinen-freunden/</link><description>Ostergarten im Bibelturm in Haßfurt macht Passionsgeschichte Jesu erfahrbar – Führungen während der Fastenzeit für Jung und Alt – Führende erzählen von Glaubenserfahrung und geben frohe Botschaft weiter</description><content:encoded><![CDATA[<p><strong>Haßfurt</strong> (POW) „Wir würden in der ersten Reihe stehen, weil wir wissen wollen, wie Jesus aussieht“, sagen die Kommunionkinder Fabian und Julien. Im obersten Raum des Bibelturms in Haßfurt stehen sie neben einem großen Stoffesel, der an den Einzug Jesu in Jerusalem erinnern soll, und erklären, warum sie sehen wollen würden, wie Jesus nach Jerusalem kam. Wie damals die Menschen vor Jerusalem machen auch sie den Weg für Jesus mit bunten Tüchern schön. „Jesus kam nach Jerusalem, weil er mit seinen Freunden ein Fest feiern wollte“, erklärt Angelika Reinhart. Sie ist eine der zehn Haupt- und Ehrenamtlichen, die die Gruppen durch den Ostergarten im Bibelturm führen. Zusammen mit der Kommuniongruppe aus Gerolzhofen will sie das Passahfest, zu dem Jesus nach Jerusalem gekommen war, nachfeiern. „Bei dem Fest erinnern sich die Freunde daran, wie Gott die Israeliten aus der Knechtschaft der Ägypter gerettet hat“, fährt Reinhart fort. „Ah, das haben wir gerade auch im Religionsunterricht“, wirft Fabian ein und berichtet alles, was er über Moses und die Israeliten weiß.</p><p>###GALERIE###</p><p>Seit 2007 bietet der Verein Bibelwelten während der Fastenzeit Führungen durch den Ostergarten im Bibelturm an. In unterschiedlich gestalteten Räumen können die Besucher die Passion Christi nacherleben und Jesus vom Einzug in Jerusalem über die Kreuzigung bis zur Auferstehung auf Schritt und Tritt begleiten. Im vergangenen Jahr kamen rund 2500 Personen vom Vorschul- bis ins Erwachsenenalter in den Ostergarten. Beim Einzug in Jerusalem, im ersten Raum, werden die Besucher gleich mit ins Geschehen genommen. „Wir haben die Zeit dafür, dass jeder ein Tuch legen darf. Damit sind alle von Anfang an bei der Sache“, sagt Reinhart.</p><p>Im zweiten Raum stellt Reinhart mit den Kommunionkindern das Passahfest nach, das Jesus mit seinen Freunden gefeiert hat. „Aber irgendwie merkten die Freunde, dass dieses Mal irgendetwas anders war“, erklärt Reinhart den Kindern. Sie erzählt, wie Jesus seine Freunde aufforderte, das Brot miteinander zu teilen, und ihnen sagte, dass er immer da sei, wenn sie miteinander teilen und gut zueinander sind. Um das einmal nachzuspielen, greift Reinhart zu einem Fladenbrot und bittet die Kinder, es Jesus und seinen Freunden gleichzutun. Die Kinder reißen sich ein Stück vom Brot ab und geben es an den Nachbarn weiter. Dabei sagen sie sich gegenseitig: „Ich teil das Brot mit dir, weil ich es schön finde, dass du heute da bist.“ In absoluter Stille isst jeder sein Stück Brot. Danach reichen sich die Kinder gegenseitig einen Becher mit Traubensaft, denn „Jesus teilte auch seinen Wein mit den Freunden“, sagt Reinhart. „Tut dies zu meinem Gedächtnis, heißt es in der Kirche. Genau das können wir jetzt auch tun: miteinander teilen, zusammen feiern und dabei an Jesus denken.“</p><p>Annerose Simon begleitet Reinhart während der Führung, um sich noch ein paar letzte Tipps und Anregungen für ihre eigene Führung zu holen. „Schön ist, dass wir als Führende sehr unterschiedlich sind und jeder auf seine Weise die Gruppen durch den Turm führt“, erklärt Simon. Manche würden sich sogar ein Gewand wie aus der Zeit von Jesus anziehen und in eine andere Rolle schlüpfen, um zu zeigen, wie die Menschen damals gelebt haben. „Jeder kann seine eigene Persönlichkeit und seine eigene Glaubenserfahrung einbringen und diese an die Gruppen weitergeben.“</p><p>Nachdem die Kommunionkinder erfahren haben, wie Jesus zum Tode verurteilt und von seinem besten Freund verraten worden ist, betreten sie einen schwach beleuchteten Raum. Aus einem CD-Player ertönt leise melancholische Musik. Vor ihnen stehen drei große Kreuze aus Holz. „Auf dem Weg zum Kreuz wird Jesus von den anderen Menschen verspottet und sie setzen ihm eine Krone mit Dornen auf“, erklärt Reinhart. Vorsichtig dürfen die Kinder die Dornen einer selbstgebastelten Krone anfassen. „Die sind so spitz wie eine Nadel“, stellt Julien fest. Reinhart erklärt in einem ruhigen und leisen Ton, dass es für die Freunde von Jesus sehr schwer gewesen sein muss, als er am Kreuz gestorben ist. „Aber Jesus stirbt am Kreuz für alles Schwere in der Welt und für alles Schwere in deinem Leben“, sagt sie zu den Kindern. Sie ermutigt die Kinder, einen Stein aus dem bereitstehenden Korb zu nehmen und im Stillen Jesus zu sagen, was für sie schwer ist. Ihren jeweiligen Gedanken dürfen sie mitsamt dem Stein vor dem Kreuz ablegen.</p><p>Manchmal spielten sich vor dem Kreuz Szenen mit den Kindern und Eltern ab, die selbst den Führenden unter die Haut gehen, sagt Simon. Wenn zum Beispiel die Oma gestorben ist, dann fühlt man sich vor den Kreuzen wieder in diese Trauerphase zurückversetzt. „Aber das ist gut so, denn hier im Ostergarten kann man Gefühle hochkommen lassen und sie vor dem Kreuz ablegen. Das ist die Botschaft, die ich dann immer gerne in den Raum gebe.“ Auch für sich selbst erleben Simon und Reinhart den Ostergarten als eine Bereicherung. Seit es den Ostergarten gibt, feiern sie das Osterfest viel bewusster. „Im Ostergarten erleben wir alle Facetten: Wir feiern zusammen, wir trauern, aber wir freuen uns auch, dass Jesus wiederauferstanden ist“, erklärt Simon. Es sei einfach cool, das zu erzählen, woran man selbst glaubt, ergänzt Reinhart. „Das ist die frohe Botschaft und es funktioniert. Sie ist etwas, was wir weitersagen können und dürfen.“</p><p>Die frohe Botschaft erleben die Kinder schließlich im letzten Raum, am offenen Grab von Jesus. Als Zeichen der Auferstehung entzündet Reinhart eine Osterkerze. „Bei Gott geht das Leben weiter, da hört es nicht mit dem Tod auf“, sagt sie zu den Kindern. Auf der Kerze ist ein kleiner Spiegel angebracht. „Jesus ist auferstanden und will dein Freund sein“, sagt Reinhart zu jedem einzelnen Kind und hält dabei die Osterkerze vor jedes Kommunionkind, sodass sie sich selbst auf der Kerze sehen. Als kleine Erinnerung an diese frohe Botschaft erhalten die Kinder einen Stempelabdruck auf ihre Hand, auf dem steht: Ich bin bei Euch. „Jesus ist bei dir. Wann immer es dir gut geht, aber auch, wenn es dir mal schlecht geht.“</p><p><em><strong>Führungen durch den Ostergarten</strong></em></p><p>Der Ostergarten ist ein ökumenisches Projekt des Vereins Bibelwelten. Er wird von evangelischen und katholischen Christen aus dem Landkreis Haßberge gestaltet. Zehn Haupt- und Ehrenamtliche beider Konfessionen führen die Gruppen bis Gründonnerstag, 18. April, durch die Räume und machen die Passionsgeschichte Jesu erfahrbar. Rund 100 Treppenstufen werden bei der Führung bestiegen. Schulklassen, Kinder-, Jugend- und Erwachsenengruppen ab zwölf Personen können sich im Internet unter <a href="http://www.bibelwelten.de/startseite/projekte/ostergarten/fuehrungsanfrage/" target="www.bibelwelten.de/startseite/projekte/ostergarten/fuehrungsanfrage/" rel="noreferrer">www.bibelwelten.de/startseite/projekte/ostergarten/fuehrungsanfrage/</a> anmelden. Öffentliche Führungen für Einzelpersonen finden am Sonntag, 24. März, um 15.30 Uhr und am Sonntag, 14. April, um 14 Uhr statt. Eine Anmeldung hierfür ist nicht erforderlich. Der Eintrittspreis beträgt pro Person für Kinder 2,50 Euro und für Erwachsene vier Euro. Weitere Informationen im Internet unter <a href="http://www.bibelwelten.de" target="www.bibelwelten.de" rel="noreferrer">www.bibelwelten.de</a>.</p><p class="align-right">Rebecca Hornung (POW)</p><p>(1219/0309; E-Mail voraus)</p><p><em><strong>Hinweis für Redaktionen:</strong> Fotos abrufbar im Internet</em></p>

]]></content:encoded><category>Reportagen</category><category>Haßberge</category><category>Kar- und Ostertage</category></item></channel></rss>