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Den Anderen mit den Augen von heute sehen

Weihbischof Reder feiert im Kiliansdom Pontifikalmesse mit Ehejubilaren die 50, 60 oder mehr Jahre verheiratet sind – Paare erneuern ihr Eheversprechen und erhalten einen Segen

Würzburg (POW) Am Freitagmorgen, 3. Juli, hat Weihbischof Paul Reder mit rund 1000 Menschen im Würzburger Kiliansdom einen Pontifikalgottesdienst für Ehejubilare gefeiert. Ehepaare, die seit 50, 60 oder mehr Jahren verheiratet sind, konnten im Gottesdienst ihr Eheversprechen erneuern. Am Eingang wurden geschnitzte Herzen aus Olivenholz verteilt, welche zahlreiche Paare im Moment der Erneuerung des Eheversprechens zusammen in der Hand hielten. Nach dem Gottesdienst hatten die Ehejubilare die Möglichkeit, durch Weihbischof Reder und weitere Seelsorgerinnen und Seelsorger einen Segen für ihre Ehe zu empfangen. Im Anschluss an den Gottesdienst kamen die Ehejubilare vor dem Würzburger Burkardushaus zur Begegnung zusammen.

In der Predigt, welche an die Lesung aus dem Hohelied der Liebe und das Markusevangelium über den blinden Bettler Bartimäus angelehnt war, sprach der Weihbischof über die Bedeutung von Begegnungen und die Geheimnisse der Liebe. Der gemeinsame Weg habe mit einer Begegnung begonnen. Ein erster Blickwechsel, das erste Gespräch oder das Kennenlernen der Eltern: „Immer stehen Begegnungen am Anfang“, sagte Weihbischof Reder. Dies sei auch Teil des ersten Geheimnisses der Liebe: einander in den Blick zu nehmen und sich Gehör zu schenken. Das zweite Geheimnis der Liebe sei in den unterschiedlichen Phasen der Ehe verwurzelt. Nicht nur die Frühlingsphase einer Ehe sei der Ausdruck echter Liebe, sondern vor allem die alte Liebe. „Diese Liebe kann echt und innig sein, gerade weil sie sich gewandelt hat“, betonte der Weihbischof.

Das Hohelied aus dem Alten Testament sei eine kunstvoll zusammengestellte Sammlung von Liebesliedern. Es sei aber kein Text über die Perfektion der Liebe, sondern über die erfahrbare Schönheit, Begegnung und Sehnsucht. Daher stamme auch das dritte Geheimnis der Liebe: einander wieder ins Leben zu rufen – durch ein Lächeln am Morgen, eine Umarmung oder das Halten und Gehaltenwerden. An dieser Stelle sprach Weihbischof Reder auch vom blinden Bettler Bartimäus, der am Straßenrand sitzend erst Jesus rufen musste, bevor er gehört wurde. In einer Beziehung könne es auch Phasen geben, in denen sich Partner nicht gesehen und an den Rand gedrängt fühlten. Doch genau wie in der Erzählung von Bartimäus brauche es in einer Ehe den Mut, sich selbst einem anderen mitzuteilen.

So wie das Rufen sei auch das Stehenbleiben ein Geheimnis der Liebe, das vierte. Innezuhalten und nicht aneinander vorbeizugehen, statt vor Herausforderungen zu flüchten, sei auch in einer Ehe wichtig. Letztlich sei die Frage „Was willst du, dass ich dir tue?“, welche Jesus Bartimäus stellt, das fünfte Geheimnis der Liebe: der anderen Person Raum zu geben und es möglich zu machen, sich mitzuteilen und einander neu zu sehen. „Nicht nur mit den Augen von früher, mit den Augen der Frühlingsliebe, sondern mit den Augen von heute.“

pdf (POW)

(2826/0662; E-Mail voraus)

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