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„Beheimatet in der Tradition und offen für die Fragen der Zeit“

Bischof Dr. Franz Jung feiert Pontifikalgottesdienst zum 50. Todestag von Julius Kardinal Döpfner im Kiliansdom – Gedenkgottesdienst in Döpfners Heimatort Hausen

Würzburg/Hausen (POW) Mit einem Gedenkgottesdienst hat das Bistum Würzburg an den 50. Todestag von Julius Kardinal Döpfner erinnert. „Julius Kardinal Döpfner hat in schwieriger Zeit dieses Bistum geleitet, den Wiederaufbau begleitet und sich zu einer wichtigen Figur der katholischen Kirche in Deutschland und weltweit entwickelt. Dankbar gedenken wir seines Wirkens“, begrüßte Bischof Dr. Franz Jung die Gläubigen am Freitagabend, 24. Juli, im Würzburger Kiliansdom. Döpfner war von 1948 bis 1957 Bischof von Würzburg, anschließend Bischof von Berlin und ab 1961 bis zu seinem Tod von München und Freising. Am 24. Juli 1976 starb er in München überraschend an einem Herzinfarkt.

Bischof Jung charakterisierte Döpfner als zupackend und energisch, lernbereit und beratungsfähig. „Energisch und mit nachhaltigem Erfolg nahm er sich der Herausforderungen in seinen drei Diözesen Würzburg, Berlin und München an. Ebenso energisch kümmerte er sich aber auch als einer der vier Moderatoren um einen guten Verlauf des Zweiten Vatikanischen Konzils wie auch später um eine gute Durchführung der Würzburger Synode“, sagte der Bischof in seiner Predigt. Döpfners „kometenhafter Aufstieg“ zeige, wie sehr man in Rom seine direkte Herangehensweise an Probleme und seine Durchsetzungskraft geschätzt habe. Seine strukturierte Persönlichkeit, sein Organisationstalent und sein geschärfter Blick für Verfahren und Regelwerke seien „eine durchaus seltene Begabung, die gerade jetzt bei der Stärkung der Synodalität der Kirche wieder dringend benötigt wird und die wir beim Synodalen Weg so manches Mal schmerzlich vermisst haben“, attestierte Bischof Jung.

Döpfner sei lebenslang bereit gewesen, dazuzulernen. Er sei „beratungswillig, ja beratungshungrig“ gewesen. Immer wieder habe er Fachleute um ihren Rat gefragt, um sich ein eigenes Urteil bilden zu können, und habe sich bemüht, den aktuellen Herausforderungen Rechnung zu tragen. Die Formulierung „in dieser Stunde der Kirche“ sei sein Markenzeichen gewesen. Vieles sei bis heute aktuell. Bischof Jung nannte etwa seinen Ausspruch „Wohnungsbau ist heute in Wahrheit Dombau, Wohnungssorge ist Seelsorge“ angesichts des am 16. März 1945 zerstörten Würzburgs. In seiner Berliner Zeit habe er sich unter anderem für die Versöhnung zwischen Polen und Deutschland eingesetzt. Sein Wort „Antisemitismus ist dem Christen vom Wesen her fremd“ sei heute wieder „von erschreckender Aktualität“, sagte Bischof Jung auch mit Blick auf den Angriff auf ein Mitglied der Deutsch-Israelischen Gesellschaft in Höchberg vergangenen Sonntag. In München habe sich Döpfner bemüht, die Reformen des Zweiten Vatikanums besonders in Fragen der Liturgie und der Einbindung der Laien umzusetzen. Um die Auseinandersetzung mit neuen Zeitströmungen zu fördern, habe er in Würzburg die Katholische Akademie Domschule und später in München die Katholische Akademie in Bayern gegründet.

Zu Beginn der Würzburger Synode habe Döpfner die rechte Einstellung zur Kirche so beschrieben: „Die Liebe zur Kirche braucht und darf keine blinde Liebe sein. Sie muss gerade auf einer Synode die Fehler, die Schwächen, die Unzulänglichkeiten sehen und aus der Gemeinschaft der Kirche, so wie sie ist, die verwandelnde, erneuernde Kraft finden.“ Für Bischof Jung „ein wegweisendes Wort, gerade auch im Blick auf unsere Diskussionen beim Synodalen Weg über die Reform der Kirche nach dem Missbrauchsskandal“. Döpfner habe während der Synode sehr unter den Spannungen zwischen „Erneuerern“ und „Bewahrern“ gelitten. Doch in seiner Schlussansprache sagte er: „Wir wurden zu einem Prozess gezwungen, dem wir einen neuen Stil des Miteinanders und Miteinanderumgehens zwischen Bischöfen, Priestern und Laien verdanken. Den möchten wir nicht mehr missen.“ Die Kirche sah er nicht „auf der Sandbank der Zerstörung, sondern auf der Werft der Erneuerung“. Für ihn sei Reform „ein Wesenselement der Kirche“ gewesen. Das Ziel müsse immer die konkrete Kirche sein, „die hier und jetzt zum Zeugnis für Gottes erlösendes Wirken gerufen ist“.

Ihn berühre die tiefe Verbundenheit Döpfners mit seiner fränkischen Heimat, fuhr Bischof Jung fort. Unterfranken war für ihn „Kiliansland“, Frankenland „Marienland“. In seine Zeit fielen die Rückführung der Reliquien der Frankenapostel Kilian, Kolonat und Totnan aus Gerolzhofen nach Würzburg im Jahr 1949 sowie die 1200-Jahr-Feier der Erhebung der Gebeine der Frankenapostel im Jahr 1952. Seine Eltern wie auch alle „schlichten und einfachen Christen“ seien ihm ein Vorbild im Glauben gewesen. „Man kann eine neue Heimat finden, wenn man den liebenden Blick, den einem die eigene Heimat schärfte, nun auch anderen Menschen und ihren Lebensräumen schenkt“, zitierte Bischof Jung und betonte, das gelte nicht nur für die Heimatliebe, sondern auch für die Beheimatung in der theologischen Tradition: „Beides, Beheimatung in der Tradition und Offenheit für die Fragen der Zeit, hat Döpfner in seiner Person zu vereinen gewusst. Das macht ihn zu einem vorbildlichen Hirten bis heute. Der Herr vergelte ihm, was er Gutes für unser Bistum Würzburg und die Kirche in Deutschland wie die Weltkirche getan hat.“

Gedenkgottesdienst in Hausen und persönliche Erinnerungen

In Döpfners Heimatgemeinde Hausen feierte Bischof Jung am Sonntag, 26. Juli, in der Pfarrkirche Heiligkreuz eine Pontifikalmesse. „Schön, dass Ihr das Gedächtnis an diesen großen Seelsorger und Bischof wachhaltet“, sagte der Bischof. Döpfner habe seine Kraft den Menschen geschenkt. Diakon Christoph Glaser erinnerte daran, dass Döpfner seine Ehrentitel nicht wichtig gewesen seien. So soll er bei einem Besuch dem Bürgermeister von Hausen, der ihn zuvor mit „Eure Eminenz“ begrüßt hatte, gesagt haben: „Jetzt hör‘ schon auf. Ich bin und bleibe euer Julius.“ Hausen sei für den Kardinal ein „Rückzugsort“ gewesen, sagte Andreas Wehner von der Kirchenverwaltung. Roswitha Vorbeck (73) erinnerte sich daran, wie sie als Kinder bei einem Empfang im Hausen ein Gedicht aufsagen mussten. Ein Junge habe zu Döpfner gesagt: „So ein Kradinal wie Du möchte ich auch mal werden.“

Nach dem Gottesdienst besuchte der Bischof das Julius-Kardinal-Döpfner-Museum im ehemaligen Prämonstratenserkloster. In der ehemaligen Hausmeisterwohnung sind viele Erinnerungen an den Ehrenbürger Hausens zu sehen, von persönlichen Kleidungsstücken bis zur Doktorurkunde.

sti/raru (POW/Würzburger katholisches Sonntagsblatt)

(3126/0744; E-Mail voraus)

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