Würzburg (POW) Knallrote Luftballons formen vor dem Altar das Wort „Danke“, ein buntes Steuerrad lehnt am Ambo, und in einem herzerwärmenden Video wünschen alle Schülerinnen „Freude, Gesundheit und viele schöne Momente“: Schwester Katharina Merz, Oberin des Ursulinenklosters Würzburg, hat das Schulschiff Sankt-Ursula-Schule nach insgesamt 31 Jahren als Schulleiterin verlassen. Von 1995 bis 2024 leitete sie die Realschule, seit 2009 auch das Gymnasium. Beim Gottesdienst zum Schuljahrsende im Würzburger Kiliansdom und einer Feier in der Sankt-Ursula-Schule wurde sie am Mittwoch, 29. Juli, als Leiterin des Gymnasiums verabschiedet. Merz habe „unendlich viel Energie, Zeit und Liebe in die Schulleitung und in ihre Schulen investiert“, sagte Bischof Dr. Franz Jung: „Für Ihr überzeugendes Engagement über mehr als 30 Jahre danke ich Ihnen von Herzen. Bleiben Sie behütet und gesund!“
Der Gottesdienst stand unter dem Motto „Alles hat seine Zeit – dankbar loslassen – mutig weitergehen“. Diese Feier sei ein besonderer Moment des Übergangs, sagte Domvikar Dr. Matthias Leineweber, Priester in der Schulpastoral an der Sankt-Ursula-Schule Würzburg. Merz habe die Schule über viele Jahre hinweg geprägt, getragen und gestaltet. Zugleich gehe die Leitung der Schule nun in weltliche Hände über. „Wir danken für das Gewachsene und vertrauen darauf, dass Gott auch den neuen Weg begleitet.“
Schülerinnen brachten rote Luftballons in den Altarraum, die dort das Wort „Danke“ formten. Jeder Buchstabe hatte zudem eine eigene Bedeutung. Das „D“ stehe für Dank – für Begleitung, Freundschaften, und besonders Merz für ihre Zeit, Geduld und Sorge um die Schule: „Sie haben uns gezeigt, dass Schule mehr ist als Lernen und Leistung.“ „A“ wie Anerkennung sprachen die Schülerinnen Merz für ihre Bereitschaft aus, Verantwortung zu tragen und Entscheidungen zu treffen. „N“ wie Nächstenliebe habe Merz vorgelebt: „Viele von uns haben gespürt, dass Sie nicht nur auf Regeln und Leistungen geschaut haben, sondern auf den Menschen dahinter.“ „K“ wie Kollegialität stehe für Gemeinschaft, Zusammenarbeit und Miteinander. „E“ wie Empfindsamkeit „verbinden wir besonders mit Ihnen. Sie hatten ein offenes Ohr für die Anliegen anderer. Wir wünschen Ihnen für Ihren neuen Weg Gottes Segen, Menschen, die Sie begleiten, und viele Momente, in denen Sie spüren: Ihr Wirken an unserer Schule bleibt in Dankbarkeit lebendig.“
Als Symbol für das Licht, das immer weitergetragen wird, wurde am Altar eine Kerze entzündet. Eine Ordensschwester und eine Schülerin hielten das Licht, damit Merz daran eine zweite Kerze entzünden konnte, die sie wiederum an ihren Nachfolger Studiendirektor im Kirchendienst Norbert Siemer übergab, bislang stellvertretender Leiter des Gymnasiums. „Licht ist nicht dazu da, bewahrt zu werden, indem man es festhält. Licht ist dafür da, weitergegeben zu werden. Es lebt davon, dass wir es weitertragen, in unserem Handeln, in unserem Miteinander, in dem, was wir aus dieser Schule machen“, hieß es.
Bischof Jung: „Danke für Ihr mutiges, bärenstarkes Vorbild“
Gleich vier Heilige zog Bischof Jung in seiner Predigt heran, um Merz zu charakterisieren. Kunstlehrerin Anne-Rose Volk hatte dazu eigens vier Porträts angefertigt, die im Altarraum aufgestellt waren. So bedeute der Name der heiligen Ursula, nach der die Schule benannt ist, „kleine Bärin“. Wie eine Bärin habe auch Merz „mit großer Entschiedenheit“ für ihre Schülerinnen und die Schule gekämpft. Der Bischof erinnerte an die Großkundgebung „Fünf vor zwölf“ gegen die finanzielle Benachteiligung von Privatschulen durch den Freistaat im Jahr 2022 in München. Diese habe zu einer Verbesserung der Refinanzierung der Privatschule geführt. „Danke für dieses mutige, bärenstarke Vorbild, das auch die künftige Schulleitung wie die Freisinger Bischofskonferenz in Zukunft brauchen werden angesichts klammer Kassen.“
Die heilige Angela, die Gründerin der Ursulinen, heiße übersetzt die „Engelgleiche“, fuhr der Bischof fort. Wie jeder Engel habe auch Merz eine „glasklare Vision“ gehabt: „Sie lautet, jede einzelne Schülerin wertzuschätzen, jede einzelne wahrzunehmen mit ihren Begabungen und Talenten. Und jeder die Förderung angedeihen zu lassen, die sie für ihre weitere Entwicklung braucht.“ Merz sei es gelungen, dieses Feuer für ihre Mission auch in anderen zu entzünden, die in der Schule ihren Dienst tun. „Dieses Feuer zu hüten, wird die Aufgabe der künftigen Schulleitung sein.“
Die heilige Katharina, eine hochgebildete, selbstbewusste Frau, gelte unter anderem als Patronin des katholischen Bildungswesens. Auch Merz habe junge Frauen dazu ermutigen wollen, selbstbewusst in die Zukunft zu gehen und auch Führungsrollen zu übernehmen. In einem Lobgedicht auf die heilige Katharina heiße es, sie habe sich um Verheißungen gekümmert, nicht um irdische Widrigkeiten. Das passe zu Merz‘ Engagement als Leiterin der Realschule (ab 1995) und des Gymnasiums (ab 2009) sowie bei der Renovierung der Schule über sieben Jahre bei laufendem Betrieb, erklärte der Bischof.
Merz sei nicht nur Schulleiterin, sondern leite auch den Konvent der Ursulinen. Der heilige Antonius sei bis heute an der Außenwand der Antoniterkirche zu sehen. 1725 hätten die Ursulinen das leerstehende Antoniterkloster gekauft, um dort ihren Konvent und ihre Schule einzurichten. Antonius habe die Mönche gelehrt, an einem Ort zu bleiben, ohne vor sich oder vor den Herausforderungen des Lebens wegzulaufen, und er habe sie die Kunst des Zusammenlebens gelehrt. Auch Merz habe diesen Ort als ihre geistliche Heimat angenommen und gestaltet. Sie habe ihr Leitungsamt „mit großer Hingabe, Sorgfalt und Liebe zu ihren Schwestern ausgeübt“, betonte Bischof Jung. Er wünschte Merz die innere Freiheit, loslassen zu können. Das bedeute, dankbar auf das Erreichte zu schauen, aber auch der nachfolgenden Schulleitung die Freiheit einzuräumen, die Dinge so zu gestalten, wie sie es für richtig erachte.
Symbolische „Steuerübergabe“ an die künftigen Schulleiter Siemer und Retsch
Zum Abschluss des Gottesdienstes übergab Merz ein symbolisches Steuerrad an ihren Nachfolger Norbert Siemer und dessen künftigen Stellvertreter Studiendirektor im Kirchendienst Harald Retsch, derzeit Mitglied der Schulleitung. Seit 1712 hätten sich die Ursulinen „mutig auf den Weg gemacht, eine Schule aufzubauen“. Ihre Vision gelte es weiterzutragen und das Sankt-Ursula-Schiff weiter in die Zukunft zu steuern. „Wir alle helfen zusammen im Bewusstsein, dass es letztlich nur den einen großen Steuermann gibt. Fahrt in Gottes Namen!“ Siemer zitierte einen Seemannsspruch aus seiner norddeutschen Heimat: „Gott ist mein Lotse, Gott ist mein Steuermann.“ Mit Gottes Segen werde der Weg der Schule als Gemeinschaft weitergehen und die Fahrt gelingen. „Fahren wir hinaus und freuen wir uns auf das, was kommt, dankbar verbunden mit dem, was uns an Mut und Zuversicht durch Schwester Katharina und die Schwestern des Konvents mit auf den Weg gegeben wurde.“
Die Schülersprecherinnen begrüßten Siemer in der neuen Rolle als „Steuermann“ und wünschten ihm für die neue Aufgabe viel Erfolg. Ihr Dank galt Merz für ihre Geduld, ihre Entscheidungen zum Wohl der Schule, ihr Zuhören und ihre Ermutigung. „Sie haben Spuren hinterlassen in unserer Schule, in unseren Herzen, in unseren Erinnerungen.“
Die „Domband“ mit Schülerinnen und Lehrern der Sankt-Ursula-Schule unter der Leitung von Lucia Herr sowie ein Projektchor unter der Leitung von Claudia Breitfeld gestalteten die Feier musikalisch.
Grußworte: Dankbarkeit und ein Apfelbäumchen mit guten Wünschen
Lang war die Liste der Grußredner, die bei der anschließenden Feier in der Sankt-Ursula-Schule ihre Dankbarkeit und guten Wünsche vorbrachten. Die Verabschiedung von Merz sei zugleich der Abschied von einer „jahrhundertealten Tradition“, sagte Missionsbenediktinerin Schwester Dr. Hanna Sattler, stellvertretende Direktorin des Katholischen Schulwerks in Bayern. Nun gebe es in ganz Bayern keine allgemeinbildende Schule mehr mit einer Ordensfrau oder einem Ordensmann an der Spitze. Doch Sattler nannte die Entscheidung „zukunftsorientiert und realistisch“: „Ihnen geht es darum, dass es mit der Schule und der Gemeinschaft gut weitergeht.“ Sie übergab Merz die „Ehrenauszeichnung für Sachverstand und Hingabe“.
Merz strahle „Ruhe, Beharrlichkeit und ein tiefes Gottvertrauen“ aus, sagte Dr. Christoph Robert, Ministerialbeauftragter für die Gymnasien in Unterfranken. Er attestierte ihr eine „unglaubliche Freiheit des Geistes“. Er schätze ihr Lächeln, ihr Wissen und ihre Menschlichkeit. Schulen in kirchlicher Trägerschaft seien eine große Bereicherung für das Bildungssystem, fuhr Robert fort. Die Schülerinnen ermunterte er, ihre Talente zu nutzen und Verantwortung zu übernehmen: „Lasst Euch nie sagen, dass Ihr etwas nicht könnt.“ Joachim Spatz, dritter Bürgermeister der Stadt Würzburg, dankte im Namen der Stadtgesellschaft für Merz‘ Engagement „in der Mitte und im Herzen der Stadt“. Die Ursulinen hätten Mädchenbildung in einer Zeit ermöglicht, in der dies gesellschaftlich noch nicht selbstverständlich gewesen sei. Doch zum Wissen brauche es auch einen Kompass. „Wissen ohne Herz birgt Gefahren. Ich habe Sie als Menschen kennengelernt, der das Herz sprechen lässt. Wir brauchen Menschen wie sie.“
Schwester Johanna Ankenbauer und Schwester Rut Baumann überreichten Merz ein Apfelbäumchen mit „Äpfeln“, auf die jede Schwester ein persönliches Wort geschrieben hat. „Dieser Tag ist eine historische Zäsur für die Schwestern, die Schule und den Orden. Wir wissen, wie schwer dieser Schritt für Dich ist.“ Doch die Schule gehe in gute Hände über. „Gott bleibt an dieser Schule und trägt unser Werk in die Zukunft.“ Für den Elternbeirat dankte Vanessa Jansen. Die Schule habe Generationen von Schülerinnen auf ihrem Weg begleitet. „Immer stand der Mensch im Mittelpunkt. Sie waren in allen Stürmen der Anker. Danke für ihren Einsatz, Ihre Herzlichkeit und Menschlichkeit.“ Sie hatte als Abschiedsgeschenk farbenfrohe Papierblumen mitgebracht. Mit „einem lachenden und einem weinenden Auge“ sagten die Schülersprecherinnen Danke. Sie führten einen raffiniert geschnittenen Film vor, in dem alle Klassen gemeinsam der scheidenden Schulleiterin Freude, Gesundheit und viele schöne Momente wünschen – wobei jede Klasse nur ein bis zwei Worte sagt. „Mit einem großen Lächeln sagen wir Danke und auf Wiedersehen!“
Mit Merz bringe sie vor allem das Wort „Vertrauen“ in Verbindung, sagte Eva Rudolph, Vorsitzende der Mitarbeitervertretung. „Du vertraust auf Gott, das zeigen Deine Arbeit und Dein Leben.“ Mit einem Rosenbogen – vorerst nur als großes Bild – dankten Elisabeth Höfling und Mechtild Hentzschel vom Freundeskreis der Schule. Merz sei es zu verdanken, dass die Schule, die Schülerinnen und das Kollegium „so blühen, wie sie es jetzt tun“. Die Rosen stünden für die vielen Menschen, die Merz geprägt habe, der Rosenbogen solle das Tor zu „neuen, freudigen Aufgaben“ sein und für die „tiefen Wurzeln“, die Merz hinterlasse.
Siemer: Den Schatz der Schule weitertragen
Norbert Siemer hatte eine kleine Figur mitgebracht, die er von Merz bekommen habe. Sie hält ein Gefäß in den Händen und erinnere ihn an ein Wort von Paulus aus dem zweiten Korintherbrief: „Diesen Schatz tragen wir in zerbrechlichen Gefäßen.“ Die Schwestern hätten immer wieder die Erfahrung gemacht, dass das, was sie aufgebaut hatten, von anderen zerstört wurde, etwa in der Zeit des Nationalsozialismus, als der Glaube aus den Schulen verschwinden sollte. „Die Schwestern haben den kostbaren Schatz weitergetragen bis heute. Wir werden den Weg weitergehen, das Gute bewahren und dort, wo es notwendig wird, Neues beginnen.“ Für ihn liege der Schatz der Schule unter anderem in der Kirche auf dem Schulgelände, in den Klassengottesdiensten, in der Hilfe der Schwestern für die Bedürftigen, in den Gesprächen mit den Schülerinnen im Unterricht, fuhr Siemer fort. „Jeder junge Mensch ist dankbar, wenn er spürt, dass es Menschen gibt, die ihm helfen wollen. Darin liegt der Schatz unserer Schule verborgen, den wir weitertragen möchten.“ Merz wünschte er den Mut, die kommende Zeit „als etwas ganz Kostbares anzunehmen. Vielen Dank für alles und Gottes Segen.“
Sichtlich bewegt dankte Merz in einem kurzen Schlusswort für alle guten Wünsche. Sie zitierte einen Satz, den sie vor 31 Jahren bei der Verabschiedung von Schwester Lioba Mehler, ihrer Vorgängerin in der Leitung der Realschule, gesagt hatte: „Wie Gott dich nie aus seiner Liebe entlässt, wartest du vergeblich auf deine Pensionierung.“ Nun schließe sich der Kreis: „Egal wie alt man ist, wenn man Gott zum Chef hat, gibt es immer etwas zu tun.“ Sie werde nicht ganz aus der Welt sein, unter anderem als Vertretung des Schulträgers. Merz dankte allen, die ihr Seite gestanden waren, vor allem ihren Mitschwestern. „Ich freue mich, dass ich nun mehr Zeit für Euch habe.“ Ihrem Nachfolger Siemer wünschte sie alles Gute für die Zukunft. „Du bist im Kollegium anerkannt und geschätzt, wir erleben Dich als Menschen, der aus dem Glauben lebt. Unsere Schule soll ein Ort bleiben, an dem junge Menschen ermutigt werden, wo sie aus dem Glauben Zuversicht gewinnen und die Zukunft gestalten.“
Das Bläserensemble der Schule gestaltete den Festakt unter anderem mit einer „Greatest Showman Selection“.
sti (POW)
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Bilder vom Gottesdienst finden Sie hier:https://bistum-wuerzburg.px.media/share/1785405286zzXS5bUERInlEg
Bilder vom Festakt finden Sie hier:https://bistum-wuerzburg.px.media/share/1785405460NKp8lNE0gKZoer







