Assisi/Würzburg (POW) Nach sieben Tagen ist die Pilgergruppe aus Assisi nach Unterfranken zurückgekehrt. An ihrem letzten Tag in der Stadt des heiligen Franziskus blieb Zeit für Reflexion und Ausblicke. Die Gruppe feierte am Sonntag, 20. September, die heilige Messe im ältesten Teil der Basilika San Francesco in Assisi. Sie kam im Kellergewölbe in einem original erhaltenen Raum zusammen, in dem Brüder gelebt haben sollen, die Franziskus noch zu Lebzeiten gekannt hätten.
Bischof Dr. Franz Jung gab in seiner Predigt die Beschreibung des Biographen Thomas von Celano wider, der aufgeschrieben habe, wie Franziskus den vollkommenen Bruder beschrieb: „Wer ist der vollkommene Bruder oder die vollkommene Schwester des heiligen Franziskus?“ Dabei seien bestimmte Eigenschaften wichtig gewesen: „Der Glaube, die Einfalt und Reinheit, die Höflichkeit, die schöne und fromme Redeweise, die Gabe der Beschauung, das tugendhafte, immerwährende Gebet, die Geduld, die körperliche und geistliche Kraft, die Liebe und die Unruhe.“ Wenn Franziskus an diese Eigenschaften des vollkommenen Bruders gedacht habe, seien ihm ganz bestimmte Brüder eingefallen. Er habe zu jeder Eigenschaft einen Namen und eine Person vor Augen gehabt, zum Beispiel den Glauben des Bruders Bernhard oder die Einfalt und Reinheit des Bruders Leo. „Denn: Den vollkommenen Bruder gibt es nicht. Den vollkommenen Bruder bildet die Gemeinschaft miteinander.“ Niemand habe alles. „Nur zusammen, jeder mit seiner besonderen Gabe, bilden sie den vollkommenen Bruder in der Gemeinschaft der Kirche und in der Gemeinschaft des Ordens.“
Der heilige Franziskus, der sich durch jeden seiner Brüder beschenkt gewusst habe, sei zugleich dankbar und demütig gewesen. Oft würden wir im Alltag erst an die Macken der anderen denken. Deshalb sei es eine gute geistliche Übung, „von jedem an das Beste zu denken, was er hat“. Es sei wichtig, sich in Bezug auf die Mitmenschen zu fragen: „Warum ist der eine oder die andere wichtig für unsere Gemeinschaft?“
„Ich habe nicht alles, ich kann nicht alles, aber ich muss auch nicht alles wissen. Auch als Bischof nicht“, sagte Bischof Jung. Er vertraue auf die Gemeinschaft der Kirche und darauf, dass sich jeder zu seiner Zeit einbringen würde. „Es geht darum, neidlos und demütig zu fragen: Was bringen wir gemeinsam zustande? Wir sind alle miteinander der ideale Bruder.“ Die Vollkommenheit bestehe darin, miteinander die Charismen, die Gaben des Heiligen Geistes, so zusammenzubringen, dass etwas Gutes entstehe. „Wir gemeinsam als Pilgerinnen und Pilger Gottes müssen raus aus der Reserve. Hier bin ich und jetzt trage ich meinen Teil bei, den ich beitragen kann, damit es gut wird. Nur miteinander und nicht gegeneinander. In Demut ohne Neid, in Dankbarkeit für die Fülle der Gaben und das Lob des Herrn. Dafür, dass er uns so viele Brüder und Schwestern geschenkt hat.“ Der heilige Franziskus habe vor seinem Tod in der Portiunkula nochmal auf Assisi geschaut und die Stadt gesegnet.
Im Anschluss an die Messe konnten die Pilgerinnen und Pilger ihre Andenken von Bischof Jung segnen lassen. Johannes und Cornelia Weismantel, Reiseleiter von spiritel Reisen, gaben den Teilnehmenden gesegnete Schlüsselanhänger mit Engeln mit auf den Weg. Johannes Weismantel richtete seine Dankesworte an die geistlichen Begleiter der Fahrt, die Franziskaner-Minoriten Bruder Josef Fischer, Bruder Markus Scholz und Pater Ivan Penava, sowie Bischof Jung. Ein besonderer Dank ging an Bruder Thomas Freidel, der als Assisi-Pilgerseelsorger die Organisation der Gottesdienste und Führung vor Ort übernahm.
Am Nachmittag hatten die Pilgerinnen und Pilger Zeit zur freien Verfügung. Einige wanderten hinauf zur Burg Rocca Maggiore, die oberhalb des historischen Stadtzentrums liegt. Ein Teil der Gruppe machte sich auf den Weg zur Einsiedelei Eremo della Caceri, einem kleinen Klosterbau an einer steilen Waldschlucht, an den sich der heilige Franziskus zum Gebet zurückgezogen haben soll.
Pilgerinnen und Pilger blicken auf die Woche in Assisi zurück
Es blieb Zeit, um die Woche im Zeichen des heiligen Franziskus Revue passieren zu lassen. Die Pilgerinnen und Pilger haben die Woche ganz unterschiedlich erlebt. Beispielsweise Dietmar Hildenbrand aus Freudenberg. Er war schon einmal vor 20 Jahren mit seiner Frau in Assisi: „Wir haben damals gesagt: Wir müssen unbedingt wieder nach Assisi. Meine Frau ist leider vor acht Jahren verstorben. Wir haben es nicht mehr geschafft, zusammen hierherzukommen. Und an ihrem Sterbetag habe ich wieder mal an Assisi gedacht und dachte mir: Wieso soll ich dann nicht einfach alleine kommen, wenn sie nicht mehr dabei sein kann? Und irgendwie hatte ich das Gefühl, dass sie die ganze Zeit dabei war.“ Ein Moment auf der Reise hat ihn besonders berührt: „Ein Augenblick, an dem ich ganz stark gespürt habe, dass meine Frau da ist, war, als ein Regenbogen direkt auf mein Zimmer gezeigt hat. Und mir war klar: Sie ist jetzt da, denn der Regenbogen hat uns immer viel bedeutet.“
Eine Auszeit wollte sich das Ehepaar Jeschke aus Würzburg mit der Pilgerfahrt nach Assisi gönnen. Georg Jeschke sagt: „Wir haben eine große Familie mit sieben Kindern und hatten schon immer den Wunsch, mal ohne Kinder zu verreisen. Deshalb haben wir entschieden: Wir gönnen uns das jetzt mal zu zweit.“ Beeindruckt habe ihn die Stadt Assisi. „Was hier entstanden ist in den letzten 800 Jahren und wie gut es erhalten ist. Es kommt viel rüber von dieser langen Geschichte. Das kann man in den Bauwerken, an den Kirchen und den heiligen Stätten sehr gut nachvollziehen.“
Auch seine Frau Julie Jeschke fährt mit einem erfüllten Gefühl zurück nach Würzburg. „Als ich erfahren habe, dass dieses Jahr die 800-Jahr-Feier des Franziskus ist, habe ich mir gedacht, das ist eine Gelegenheit, diesen Ort und den heiligen Franziskus ein bisschen besser kennenzulernen. Ich nehme viele innige Momente mit nach Hause. Jede Station und jeder Ort hatte seinen eigenen Schwerpunkt. Von den Führungen bis dahin, ein bisschen in das Leben des Franziskus einzutauchen, was er erlebt hat, was ihn bewegt hat und wie er und seine Mitbrüder miteinander umgegangen sind.“
Einige bleiben auch skeptisch zurück. Zum Beispiel Hans-Georg Bauer aus Lohr-Wombach. Für ihn hatte die Fahrt viele Höhen und Tiefen. „Eigentlich wollte meine Frau die Fahrt gerne machen und ich habe das aus Liebe zu ihr gemacht. Aber der erste Eindruck der Stadt hat mich überwältigt. Trotzdem kam mir alles sehr kommerziell vor.“ Er habe auch nach einer Woche noch Zweifel: „Ob ich das nochmal machen würde? Ich weiß es nicht. Da muss ich noch drüber nachdenken.“ Es blieben trotzdem auch positive Erinnerungen. „Es war sehr interessant, vor allem die anderen Menschen. Faszinierend fand ich, dass eine Person so etwas Großes bewegen kann. Ich fasse es in zwei Worten zusammen: Brich auf. Das ist vielleicht gerade das Richtige für mich.“
Bischof Jung zeigte sich sehr zufrieden mit der Fahrt. „Die Tage sind wie im Flug vergangen. Ich habe mich sehr, sehr gefreut, dass diese Fahrt zustandegekommen ist. Ich wollte unbedingt zu meinem Namenspatron nach Assisi, anlässlich des 800. Todestages, des Transitus, des Übergangs vom Tod ins ewige Leben.“ Ihm sei wichtig gewesen, den Pilgerinnen und Pilgern den heiligen Franziskus näherzubringen: „Und zwar aus den Quellenschriften ein Gefühl zu vermitteln, wer dieser Mensch überhaupt war. Ich glaube, das ist an den Orten, wo wir waren, aufgegangen.“ Besonders sei für ihn gewesen, dass er die gesamte Fahrt geistlich konzipiert habe. „Das hat mir viel Spaß gemacht, diese geistliche Woche mit Franziskus zu gestalten. Die Liebe zu Assisi ist wieder neu erwacht.“
Neben einer Führung und heiligen Messe in der Basilika San Francesco sowie einer Stadtführung durch Assisi am Mittwoch war die Gruppe am Donnerstag zum Kloster La Verna gefahren, um den Gedenktag der Stigmatisierung des heiligen Franziskus mitzuerleben. Am Freitag waren die Pilgerinnen und Pilger auf den Spuren der heiligen Klara in Assisi unterwegs, besuchten Santa Chaiara und das Kloster San Damiano. Am Samstag fuhr die Gruppe nach Greccio, um den Ort der ersten Weihnachtskrippe zu besuchen sowie am Nachmittag die Basilika Santa Maria degli Angeli mit der Portiunkula.
Im Morgenrot machten sich die Reisebusse am Montag, 21. September, um 7 Uhr auf den Weg zurück nach Unterfranken. Gegen 22.30 Uhr erreichten sie ihren ersten Halt Dettelbach. Danach fuhren sie über Würzburg nach Veitshöchheim und Schweinfurt.
Aus Assisi berichtet Judith Reinders (POW)
(3926/0894; E-Mail voraus)
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